Reisebericht Südfrankreich IV

Okzitanien Teil 2

Der Reisebericht mit dem Wohnmobil über die südlichen Teile Okzitaniens.
Von Kalkstein Hochebenen und Schluchten. Neuer Reisebericht, neue Gegend….
Auch wenn sich auch die Landschaft nicht viel veränderte, aber die Ortschaften. Die morbide Schönheit der meisten Orte war hier auf einem Schlag verloren. Es sah nur noch heruntergekommen und verfallen aus, als wenn bald alles zusammenfallen würde. Sogar die meisten Menschen sahen einfach nur sch….e aus, ebenso heruntergekommen und verranzt.
Ortschaften wie Bèdarieux hatten wir ganz schnell verlassen.
Nur die herzliche Freundlichkeit, die war immer vorhanden!
Da wir ja in Frankreich mehr oder weniger überwintern wollten, stellte sich auch die Frage: Lohnt sich Südfrankreich im Spätherbst oder frühen Winter? Wir können nur sagen, ja. Die Farben, die Gerüche und vor allem die Ruhe. Keine Touristen mehr und nur wenige, die mit Wohnmobil in dieser Zeit unterwegs sind. Leere Stellplätze und eigentlich kann man fast überall frei stehen.

Der vorherige Reisebericht: Südfrankreich III – Oktizanien I

Weitere Frankreich-Reiseberichte, auch über Okzitanien, findet Ihr unter dem Hashtag Frankreich->

31.10.2019 – Mons/ Gorges d`Hèric – 70 km

Von Couvertoirade führte der Weg über eine Kalkstein-Hochebene hinunter in den Parc Naturel Regional du Haut Languedoc nach Mons um von dort durch den Gorges d`Hèric zu wandern.
Die Zufahrt zum Parkplatz (GoogleMaps) ist teils recht abenteuerlich eng, geht aber, zumindest, wenn einem nichts entgegen kommt. Das Parken kostet für Wohnmobile 6 Euro, aber man darf auch übernachten, sogar eine VE gibt es. Ab 25.9. ist der Platz kostenlos.
Von hier aus führt ein steiler betonierter Weg geschwungen durch die Schlucht nach Heric, einem Örtchen aus fünf Häusern, wo man sich wie im Mittelalter fühlt. Hier befindet sich ein kleines Cafe, das aber auch im September schließt. Der einfach Weg hierhin beträgt 5 km, also 10 km hin und zurück. Hierbei sind ca. 300 Höhenmeter zu überwinden.

01.11.2019 – Le Somail – 51 km

Le Somail ist ein kleiner netter Ort nordwestlich von Narbonne am Canal du Midi. Heute ist ein Feiertag und die Franzosen alle sind unterwegs. Der Ort hat eigentlich nur eine Sehenswürdigkeit, eine uralte kleine Brücke, über die mich natürlich mein Navi geführt hat. Nach anfänglichen Bedenken, wagte ich es, war eng und am Ende musste ich Bimo mit Zentimeterspalt an parkende Autos vorbei manovrieren, aber passte. Schade, dass ich kein Foto schießen konnte, ich war ja alleine. Bimo auf der kleinen Brücke hätte bestimmt toll ausgesehen.
Der Stellplatz hier ist eigentlich nur ein gemischter Parkplatz, aber nett am Canal du Midi gelegen (GoogleMaps). Dumm, dass es heute so voll war, wahrscheinlich wegen der vielen Restaurants und dem Feiertag.

Minerve

Das mittelalterliche Dorf Minerve liegt auf einem Felsen zwischen den Flüssen La Cesse und Le Brian (GoogleMaps).
Vor sechs Jahren war Minerve noch recht ursprünglich, mittlerweile ist es mit viel Rummel voll auf Tourismus eingestellt. Trotzdem lohnt ein Besuch in dem urigen Ort.
Auch die wilde umliegende Landschaft mit den Gorges der beiden Flüsse lädt zum Wandern ein.

Eine weitere Besonderheit Minerves ist der riesige Tunnel, der die La Cesse in den Fels gebuddelt hat und den man durchwandern kann.

04.11.2019 – Peyriac de Mer – 25 km

Nur ein paar Kilometer östlich liegt der kleine Ort Peyriac de Mer im Naturpark Parc Naturel Règional de la Narbonnaise. Eigentlich sind wir hier nur zum Ver- und Entsorgen hin, die einzige Möglichkeit im weiteren Umkreis weit und breit. Wir hatten ganz vergessen, wie toll diese Seen- und Salinenlandschaft, eingefasst in sanft felsigen Hügeln ist.

Klar, dass wir mit vLadi ein wenig die Gegend erkundeten.

Vom Stellplatz (GoogleMaps) aus führt ein ca. 1,5 km langer Spazierweg zunächst am Étang du Doul entlang und anschließend über einen Bohlenweg zurück. Den sollte man sich keineswegs entgehen lassen.

Vor vier Jahren waren wir schon einmal hier, als Urlauber, da vergisst man vieles. Bei Peyriac de Mer befindet sich der Safari-Park Réserve Africain, den man besuchen sollte. Der Park ist wirklich toll angelegt, man fühlt sich wirklich fast wie in Südafrika!

Nördlich von Peyriac de Mer liegt in der Montagne de la Clape, einer Winnetou-Landschaft, Gruissan, bekannt für seine einmaligen Stelzenhäuser.
Infos mit mehr Bildern zum sehenswerten Ort, der Gegend und den Möglichkeiten findet im Reisebericht Frankreich von Süd nach Nord.

Montagne de la Clape

Zuvor an den Salinen mit den Flamingos vorbei mussten wir uns die Landschaft der Montagne de la Clape unbedingt noch einmal auf einer kleinen 50 km Spazierfahrt ansehen.

Ein kleines Flamigo-Video, ca. 35 sek

Vom Cimetiére Marin aus unternahmen wir eine kleine Wanderung zu der hoch oben gelegenen Chapelle Notre-Dame des Auzils, von wo man herrliche Ausblicke auf das Meer genießen kann. Zurück wieder durch die Salinen und einer einzigartigen Landschaft.

06.11.2019 – Padern – 52 km

Padern ist ein morbides verschlafenes Nest, nordwestlich von Perpignan gelegen.
Hier sind wir hin, da sich hier ein kleiner ganz nette hübscher Stellplatz ohne VE befindet (GoogleMaps).
Von hier aus besuchten wir einige nahe Sehenswürdigkeiten die wir zwar immer mal sehen wollten, aber es nie geschafft hatten.

Ca. 10 km weiter befindet sich Duihac-sous-Peyrepertuse (GoogleMaps) aber der Platz ist nicht ganz so nett und ich müsste später mit Bimo den ganzen Berg wieder hinunter fahren.
Die Hinfahrt war mal wieder schlicht toll und manch eine Ortsdurchfahrt recht spannend.

Gorges de Gamalus

Am gleichen Tag unternahmen wir noch eine rund 60 km Rundtour durch das Vorland der Pyrenäen. Vor allem wollten wir durch den Gorges de Galamus. Eine kleine schmale Straße schlängelt sich abenteuerlich durch die wilde und faszinierende tiefe Schlucht.
Die Durchfahrt ist auf 2,70m Höhe und 2,00m Breite begrenzt und das aus gutem Grund. Eigentlich war schmales vLadi schon zu breit. Es passen keine zwei Fahrzeuge nebeneinander. Wenn man Pech hat, so wie wir, muss man schon mal ein paar Hundert Meter bis zur nächsten Bucht die schlängelige Straße zurück setzen. Ich möchte nicht wissen, welches Chaos hier im Sommer herrschen muss 🙂

Hier noch ein kleines Video, ca. 1 Min über die spannendsten Stellen im Gorges de Galamus.

Und überhaupt, die Fahrt durch diese Landschaft und Ortschaften, selbst bei diesem nicht so tollen Wetter, ist ein Erlebnis.

Irgendwie hatten wir useliges Schmuddelwetter und da bin ich Nachts noch mal raus und durch den Ort gelaufen. So konnte ich die verfallene Schönheit des Ortes so richtig erfahren. Und: Es war so schön, sich wieder im warmen Wohnmobil einzukuscheln.

08.11.2019 – Ille sur Tête/Les Orgues

Pyrenäenblick unterwegs
Pyrenäenblick unterwegs

Vor ca. 5 Mill. Jahren versteinerte abgelagerter Sand. Bewuchs wurde abgetragen und es entstanden erste Risse und Auswaschungen in dem versteinerten Sand/Ton-Gemenge. Die Erosion schritt weiter fort und es entstanden auf einem begrenzten Gebiet Gebilde, die, wie der Name Les Orgues schon sagt, an Orgelpfeifen erinnern. Les Orgues erinnert ein wenig an den Bryce Canyon in den USA, nur in Miniaturausgabe.
Diese Erosionen sind in Europa recht selten, in Frankreich findet man dergleichen noch bei Rossillon und Lustrel. Ähnliche Erosionen findet man nur noch in Spanien und Portugal.
Der Eintritt kostet für den kleinen Rundweg 5€/Person, dafür darf man mit dem Wohnmobil auf dem Parkplatz (GoogleMaps) auch übernachten.

An dem Zugang zum Gebiet hat ein Künstler Stahlskulpturen geschaffen, einfach irre.

Alte Steine: Eus und Villafranche-de-Conflent

Orgelpfeifen

Wir fuhren ca. 30 km die N116 entlang Richtung Westen. In Eus legten wir unseren ersten Stopp ein. Eus gilt wie so etliche Dörfer als eines der schönsten Dörfer Frankreichs (Plus beaux villagesFrance). Mit der romanischen Kapelle, der Kirche und den malerischen Gassen ist es wirklich sehenswert.
Angeblich soll dies auch der sonnenreichste Ort Frankreichs sein. Das erklärt wohl die Pflanzenvielfalt mit Palmen, Granatäpfel und Kakteen.

Villefranche-de-Conflent erscheint eher wie eine Befestigungsanlage als ein Dorf oder Stadt, was auch eher die Grundbestimmung war. Irgenwie hat es mit der Befestigung, den Gassen und dem Fort Libèria schon was. Aber so richtig wollte es uns nicht gefallen. Zu touristisch, einerseits verfallen, andererseits teils lieblos restauriert und hat mit den vielen Andenkenläden auch etwas von Disney. Uns fehlte einfach ein wenig das gewohnte richtige französische Leben.

10.11.2019 – Collioure – 47 km

Ich glaub, ich hab ne Serie, innerhalb von zwei Monaten ist meine Krone zum dritten Mal heraus gefallen. Die muss nun wirklich mal richtig repariert werden. Ich hab in Spanien bei Roses einen scheinbar guten Zahnarzt gefunden und dort für die kommende Woche einen Termin vereinbaren können. So sind sind wir weiter Richtung Spanien, aber zur Küste.

Pyrenäenblick

Collioure liegt ca. 30 km von der spanischen Grenze entfernt am Mittelmeer. Collioure ist sehr touristisch und heute am Sonntag war schlicht die Hölle los, kaum ein Parkplatz zu bekommen. Sehenswert ist die Festung, die engen Gassen mit den alten Häusern und die Promenade im Hafenbereich. Sicherlich voll auf Touristen eingestellt, aber die Franzosen haben die Stadt mit Blumen und Verzierungen so schön heraus geputzt. Und dann das pulsierende Leben, zum Fotografieren zwar nicht so schön, aber zum Erleben der Stadt einfach toll.

Übernachtet hatten wir oben auf dem Berg an der D114. Wenn man früh kommt und einen der netten Plätze mit Aussicht ergattern kann, gar nicht so schlecht. Ansonsten ist der Platz nur so lala und meist recht schief. Die 10 Euro sehe ich mal als Beitrag für die Entsorgung.

Von Collioure aus führt auf und ab die breit ausgebaute D914 über tausend Kurven nach Spanien. Man kann einige schöne Ausblicke erhaschen, aber an nur wenigen Stellen anhalten. Bei den Orten handelt es sich meist um Badeorte, aber das ursprüngliche, eher morbide Cerbère lädt zu einem Stopp ein, wer darauf steht. Insbesondere der mittlerweile fast ungenutzte Eiffel-Bahnhof und das irre Lost-Place Hotel, die langsam vor sich hin verfallen.

Lohnenswert ist die D914 deshalb, weil auf spanischer Seite nach dem noch morbideren Portbou und dem noch gewaltigeren Bahnhof der Nationalpark des Cap de Creus mit seiner wilden Landschaft beginnt.

Hier enden zunächst einmal die Reiseberichte Frankreich. Die nächste Zeit verbrachten wir für die Zahnreparatur im Nordosten Spaniens am Mittelmeer um Rosas herum.
Es folgte eine Zeit des Relaxens, Wartens und Entdecken kleiner Schönheiten, an die man sonst so vorbei fährt.

Nächster Reisebericht: Spanien Katalonien I ->

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