Reisebericht mit dem Wohnmobil durch Litauen

Dieses Corona nervt langsam…
Die App vom Auswärtigen Amt ist recht hilfreich, hier findet man zu den einzelnen Ländern alle Infos die man benötigt, so auch die Corona-Regeln. Für die Einreise nach Litauen muss man sich zuvor auf einer Website registrieren, Adresse und Einreisedatum angeben und erhält anschließend per Mail einen QR-Code. Schön, dass der Link in der App eingepflegt ist. Man muss sich halt irgend eine Adresse aussuchen, da man als Wohnmobilfahrer kaum Wochen auf einem reservierten Platz steht.
Allerdings hätten wir uns den Aufwand sparen können, auf der kleinen Straße war die Grenze offen wie ein Scheunentor.

Auf die baltischen Staaten freuten wir uns. Hier gibt es wieder überall die grandiosen Picknick-Plätze mit Überdachungen, Bänken und Feuerstellen, wo meist auch das Übernachten erlaubt ist.

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Litauen

Baltikum-Tipps:

Entsorgung:
Eine Ent- und Versorgung ist im gesamten Baltikum grundsätzlich recht schwierig. Eine Kassette kann man vielleicht noch auf einem Campingplatz oftmals mehr schlecht als recht entsorgen, mit einem Fäkaltank wird es aber schon schwierig. Es gibt nur ganz wenige Campingplätze, wo hier eine Entsorgung, wenn überhaupt, möglich wäre.
Da der Reiz des Baltikums aber gerade darin besteht, frei oder auf den unzähligen Picknick-Plätzen (erlaubt) zu übernachten, sollte man ausreichend autark in Punkto Entsorgung sein, möchte man die wenn auch meist sauberen Plumps-Klos nicht nutzen wollen. Das gilt auch für die Campingplätze, die sanitären Anlagen entsprechen oft nicht unseren gewohnten Standards. Eine Trockentrenntoilette ist hier dann keine schlechte Idee, will man auch für Tage die Natur genießen können und eben nicht nur auf Campingplätze mit deren Sanitäreinrichtungen angewiesen sein.
Und noch ein Punkt für eine Trockentrenntoilette: Es geht nun mal gar nicht, dass Kassetten in Dixies oder den Plumpsklos entleert werden! Wenn das jeder machen würde, sind die Toiletten ruck zuck voll und stehen nicht mehr zur Verfügung!

Campen:
Das sog. wilde Campen ist grundsätzlich erlaubt, sofern einige Regeln eingehalten werden:
Die Plätze sauber verlassen, nicht in Städte, nicht auf Privatgrund und in Naturschutzgebiete, bzw. Nationalparks nur auf den ausgewiesenen Plätzen. Diese findet man zuhauf, in Estland findet man sie unter “RMK“, wofür es sogar eine App gibt.
Wenn ihr schon die App P4N nutzt, beachtet bitte eine Nettiquette damit uns das Baltikum so in dieser Form mit dem freien Stehen bzw. Nutzung der RMK oder anderer Picknick-Plätze erhalten bleibt.
Entleert keine Kassetten in den Plumpsklos! Okkupiert nicht die Feuerstellen und Hütten, denn diese Plätze sind eigentlich für Camper mit Zelt gedacht. Es sei denn, es ist z.B. in der Nebensaison völlig leer auf dem Platz.
Stehen auf kleinen Plätzen schon zwei Wohnmobile, fahrt bitte weiter und sucht euch einen anderen Platz, nehmt den Einheimischen nicht die Camp- und Parkplätze weg!
Nur wenn wir uns entsprechend verhalten, wird uns dieses Paradies erhalten bleiben können, ansonsten werden wie so oft Verbote und Beschränkungen folgen.

Trinkwasser:
Das Trinkwasser verdient meist den Namen nicht, jedenfalls geruchstechnisch. Einmal stank das als Trinkwasser deklarierte Wasser wie aus einem Güllefass. Moorig, oder in Städten chlorig riecht es fast immer.
Man sollte sich in den Supermärkten ausreichend mit 5 L-Flaschen eindecken. Eine Tankreinigung kann bei Rückkehr durchaus möglich sein. An manchen Ecken befinden sich Quellen oder Brunnen, die in manchen Apps wie PocketEarth verzeichnet sind. Das Wasser ist dort einfach nur köstlich!

Straßen:
Noch 2019 war der größte Teil der Straßen, auch viele Hauptstraßen, nicht asphaltiert. Oft waren es nur schlechte, steinige und humpelige (Waschbrett-)Pisten.
In 2021 war es genau umgekehrt! Selbst kleine Nebenstraßen waren größtenteils asphaltiert.

Achtung:
Wer dicht an der russischen Grenze vorbei fährt, sollte sein Handy in den Flugmodus stellen!
Nur ein kurzes Einloggen in das russische Netz kostet ein kleines Vermögen, wenn man nicht aufpasst.
Ulrike hatte nur ein paar Sekunden nicht aufgepasst, schwupps waren 7 Euro futsch!

29.07.2021 – Vištytis/Litauen – 50 km

Klar, das ist nun die nicht die weiteste Etappe, aber über GoogleMaps hatten wir ein nettes Plätzchen am Wystiter See entdeckt. Ist schon spannend, dass sich nur ein paar Meter entfernt Russland befindet. Nun ja, so toll der Platz auch ist und auch mit ein paar weiteren Kratzern auch mit Bimo erreichbar, aber irgendwie können wir die Enge im Wald nicht mehr so richtig ab. Dazu war es nach dem gestrigen Gewitter gefühlt wie in einer Waschküche.
Allerdings die mystische heilige Quelle mit den vielen Kreuzen in der Nähe besichtigten wir noch.

So sind wir ein Stück weiter am See vorbei und haben bei Vištytis noch einen Platz gefunden, sonnig, windig und mit freiem Blick auf auf dem See und Russland.

Die Fahrt ging über kleine Straßen und hügelige Landschaften. Interessant, vor allem mit den Grenzsicherungen im Dreiländereck Polen, Litauen und Russland.

30.07.2021 – Jurbarkas – 100 km

Stundenlanges Suchen mit PocketEarth und Apples Karten (ist genauer als GoogleMaps) hatten sich gelohnt.
Nach einer Pause an einem See in Sakiai schauten wir nach einem neuen Übernachtungsplatz. Zwar stand man am See recht schön und auf dem Platz war sogar offiziell das Übernachten erlaubt, war es uns durch die nahe Hauptstraße aber zu laut.
Fündig wurden wir 70 km weiter an der Memel, wo wir einen Traumplatz unmittelbar am Fluss entdeckt hatten. Bimo freute sich auch, wurde er doch mal im Ansatz artgerecht gehalten 😉
Freunde dürfen mich gerne nach den Koordinaten fragen…

31.07.2021 – Lukstas Ezeras – 100 km

Als wir mit vLadi in Litauen waren, befuhren wir fast ausnahmslos Pisten. So bildete sich das Vorurteil, in Litauen gibt es kaum Asphaltstraßen. Ist natürlich Blödsinn, sicher gibt es hier richtige Straßen, genau wie bei uns.
Das war heute ein richtig entspanntes Fahren, nahezu ohne Autos auf den Straßen. Verwunderlich, dass wir auch keine Wohnmobile gesehen hatten. Es kam uns vor, als wären wir die Einzigen, die mit einem Wohnmobil unterwegs wären.
Am See Paršežerio hatten wir einen Stopp eingelegt. Hier befindet sich eine kostenpflichtige Wiese, die sich Campingplatz nennt. Hier sprudelt das Leben mit Einheimischen. Wer dieses Leben mag, ist hier gut aufgehoben.
Vor hier aus unternahmen wir eine kleine Wanderung auf einem abenteuerlichen Pfad um den See.

Uns war das zuviel Rummel, wir sind ca. 8 km weiter zum See Lukstas gefahren. Wir hatten zuvor über Apples Karten eine winzige Badestelle gefunden wo vielleicht 5 PKW Platz haben. Hier standen wir ganz alleine, nur ein Angler kam vorbei. Ein kurzes Gewitter hatte auch seinen Reiz, traumhaft.

01.08.2021 – Plateliai – 70 km

Plateliai liegt an dem gleichnamigen See. Der Platelių ežeras ist eine bei den Litauern beliebte Ausflugs- und Ferien-Destination.
Rund um den See finden sich etliche malerische kostenpflichtige und durch die Nationalparkverwaltung verwaltete kostenlose Campingplätze.
Einen traumhaften Campingplatz hatten wir bereit vor zwei Jahren mit vLadi kennen gelernt, für Wohnmobile untauglich. Auch jetzt hatten wir wieder einen tollen Platz entdeckt. Eng und nur für ein bis zwei nicht zu große Fahrzeuge und nicht unbedingt für Standard-Wohnmobile geeignet.

Die Hinfahrt war wieder so wie in Erinnerung. Kaum Autos und eine schlängelige Piste durch die urwüchsige Hügellandschaft.

Piste in Litauen

02.08.2021 – Lurdas – 40 km

Lurdas lingt wie Lourdes, ist es auch, das Litauische. Ein heiliger Ort mit einer kleiner Kapelle, einer Grotte mit Marienfigur und einem Brunnen mit gesegnetem Wasser.
An diesem traumhaft schönen und einsamen Ort schlugen wir wie vor zwei Jahren mit vLadi unser Nachtlager auf. Nur die niedlich gewöhnungsbedürftige Toilette benötigten wir dieses Mal nicht 😉
Wie auch damals machten wir die kleine Wanderung ins Tal (siehe Video).

03.08.2021 – Klaipeda / Karkles an der Ostsee – 40 km

Karkles

Versuch macht kluch…
In den Ferien an die Ostsee? Eigentlich keine so gute Idee. Polen, Litauer, Letten und Esten, alle hatten sie Ferien und waren mit Kind und Kegel zum Campen unterwegs. Aber oh welch Überraschung…
Dadurch, dass die mitteleuropäischen Touristen aus welchen Gründen auch immer ausblieben, war es ganz entspannt. Sogar der Ostseestrand war teils menschenleer. Eine wunderbare Gegend, Grüngürtel und Strand, traumhaft.
Niedergelassen hatten wir uns auf dem Campingplatz Karkelbeck No. 409, ca. 7 km nördlich von Klaipeda in Karkles.
Ein kleiner sehr ruhiger Campingplatz am Wald nahe der Ostsee. Für uns war wichtig, hier gibt es eine Waschmaschine und wir brauchten wieder Wasser. Nur leider war die Waschmaschine laufend besetzt und das Wasser roch wie Gülle.
Nun ja, wir wollten das Bimo nicht den ganzen Tag irgendwo herum stehen lassen, wenn wir unsere Wanderung und Radtour nach Klaipeda machen wollten. Die Touri-Gegend ist dafür nicht unbedingt geschaffen.
Gleich nach Ankunft unternahmen wir eine rund 13 km Wanderung am Strand mit den Klippen entlang und durch das waldige Naturschutzgebiet.

Klaipeda mit dem Rad

Klaipeda ist von hier aus auf einem tollen Radweg in nur ca. 10 km Entfernung zu erreichen.
Nun, Klaipeda muss man wirklich nicht gesehen haben, aber wie so oft, muss man das Auge auf die Details werfen. So manch ein optischer Schatz versteckt sich im Stillen.

05.08.2021 – Mosėdis – 67 km

In Mosėdis, einem kleinen Ort nordöstlich von Kleipeda im Inland gelegen, befindet sich ein hübscher Skulpturen- und Felsenpark. Der sehr schön mit den unterschiedlichsten Felsen angelegte Park lohnt sich für einen entspannenden Bummel unbedingt.
Unmittelbar am Park befindet sich sogar ein netter kostenloser Stellplatz der in keiner App verzeichnet ist.

Wir sind allerdings ein Stück zurück an einen traumhaft schönen See bei Šaukliai mit Feuerstelle und Bänke gefahren. Von hier aus führt ein Lehrpfad durch ein riesiges eingezäuntes Gehege, wo man Mufflons ausgewildert hat. Leider bekamen wir keines der Tiere zu Gesicht. Nur ihre Spuren waren überall zu sehen.

Von hier aus führte uns der Weg nun nach Lettland->

Zum Schluss noch ein Video über die Tour, mit einigen Eindrücken mehr, als Bewegtbilder ca. 12:20 min.

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