Dieser Teil behandelt die Route vom Schwarzen Meer an der Grenze zu Abchasien weiter durch die flache Ebene zentral Georgiens nach Tiflis (Tbilisi) mit den Lost Places der Sanatorien bei Zqaltubo und anderen Sehenswürdigkeiten.
Vorheriger Reisebericht: Georgien Teil I
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Vorwort:
Also mit dem Wetter haben wir es in diesem Jahr wirklich nicht so🙄
Das war ja schon in der Türkei nicht wirklich der Hit und hier scheint sich die Nässe entgegen der Klimatabellen weiter fortzusetzen. Wenn wir mal wie jetzt drei oder vier Tage heiteren Frühling genießen durften, keimte so etwas wie Hoffnung auf.
Jetzt geht das Gepladder gerade schon wieder los und nach zwei heiteren Tagen soll es ab Montag angeblich fast zwei Wochen lang in ganz Georgien nur nass werden.
Eigentlich wäre es ja von Anaklia aus optimal, die Strecke Mestia/Ushguli zu fahren. Aber unter diesen Wetterbedingungen kann man das schlicht vergessen.
Da käme uns ein heißes Bad gerade recht und so sollten es als nächste Ziele die Nokalakevi Schwefelquellen sein.
Toll, nur hier heißt es hier mittlerweile, wie auch in der Umgebung: Wohnmobile unerwünscht!
Hm, ich dachte, Georgien sei bezüglich Freistehen so tolerant?



Wir hatten dann weitere Spots angepeilt, nämlich den Martvili– und Okatse-Canyon sowie den Kinchkha Wasserfall. Abgesehen von den Schwierigkeiten, dort adäquate Nachtplätze fürs dicke und hohe Bimo zu finden; Massentourismus und Abzocke sind einfach Dinge, die wir garantiert nicht (mehr) mehr haben müssen. Auch wenn das imponierende Landschaften sein mögen, das überlassen wir dann doch lieber den normalen Touristen…
Also schlugen wir den Weg weiter durch die Ebene Richtung Osten nach Zqaltubo ein, denn hier sind im Moment zumindest die Temperaturen frühlingshaft. Die Strecke war übrigens auch recht spannen…



16.05.2026-Zqaltubo-110km
Zqaltubo, oder auch Tskaltubo geschrieben, was immer auch richtig ist, war einst ein luxuriöser Kurort der Sowjetunion. Nach deren Zerfall 1991 wurden die teils prunkvollen Sanatorien im stalinistischen Stil aufgegeben und zerfielen.
Heute sollen noch ca. 30 der verfallenen Sanatorien vorhanden sein und stellen ein fotografisches HighLight für Urbexer aus aller Welt dar.
Stalin selbst hatte hier eine Datscha, wobei Datscha für diesen Palast nicht der richtige Ausdruck ist. Angeblich soll sie auch mit einem Geheimgang zu einem Sanatorium verbunden gewesen sein.
In einigen, natürlich in den eher praktisch kubischen Bauten wurden Flüchtlinge untergebracht. Einige harren bis heute darin aus.



Ganz bekannt ist das Sanatorium Metallurgist mit seinem riesigen Kronleuchter. Das ist natürlich entsprechend besucht und relativ sauber, das Flair und den Wind der alten Zeit spürt man da dennoch. Das richtige LostPlace-Gefühl bekommt man eher in den anderen Sanatorien wie Medea, Meshakhte oder Górnika. Ins Iveria und Meshakhte, die wohl die best Erhaltensten und mit Inventar mit schönstem LostPlace-Flair kommt man nicht mehr hinein. Nur mit Glück kann man vielleicht einen Wachmann bestechen, soll angeblich aber meist nicht von Erfolg gekrönt sein.






Die unbewachten Gebäude zeigen leider natürlich wie so oft auch die unschönen Seiten der Lost Places. Dennoch, in jedem der teils sehr kunstvollen Gebäude spürt man noch den edlen Luxus, der hier mal geherrscht haben muss.



Sonstige Sehenswürdigkeiten
Sehenswert ist auch der ca. 2 km lange Stadtpark in dem sich Stalins Pool der sogar mit einem Spa im Badehaus 6 in Betrieb ist.
Dann wäre da auch noch der Pazari der für diesen Ort sogar recht groß ist, den wir natürlich auch besucht hatten.


18.05.2026-Kutaisi-20km
Eigentlich wollten wir noch einen Tag in Tskaltubo bleiben.
Aber augenscheinlich war heute Grün Pflegetag. Überall Rasenmäher und Motor betriebene Kantenschneider, dazu noch der Verkehrslärm.
Nach zwei Nächten mussten wir die lärmenden Donat-Dreher auch nicht mehr haben.
Also sind wir zum nahen Tsivi-See umgezogen, eigentlich ein hübscher Platz und was war?
Maschinenlärm und Verkehrslärm mit einem Bumm Bumm einer Dehnungsfuge.
So sind wir nach dem Besuch des Pazari und dem Erwerb von leckerem frisch gebackenem Puri die paar Kilometer nach Kutaisi gefahren.
Nahe der Stadt fanden wir am Rioni unseren recht nett erscheinenden Übernachtungsplatz.
Was war? Richtig, wieder Lärm, dieses Mal von einer Baustelle gegenüber, aber der nahe Fluss gab sich alle Mühe, den Lärm mit seinem Rauschen zu überdecken.



Donats
Alles gut? Mitnichten! Wären vorher Donuts zu sehen gewesen, hätten wir einen anderen Platz gesucht. Dann plötzlich kamen sie, die Spätpubertierenden, denen man offenbar das Hirn weggeätzt hat. Drehten ihre Kreise und produzierten in ihren bestimmt 60k€ teuren Kisten in einem Nebel von Reifenabrieb Donuts.
Manchmal hatte ich echt Schiss, wenn ihre Kisten max. 2m ans Bimo heran schleuderten.
Wenn einer von den Hirnis ins Bimo krachen würde, hätte man erst einmal die A-Karte!
Bemerkenswert ist, ich mein, diese Sorte gibt es ja weltweit, aber hier in Georgien scheint das ja ein besonderer Kult zu sein. Kaum ein Parkplatz ohne Donuts!
Wie jetzt am Wochenende erkennbar, interessiert das die Polizei auch nicht, das machten die Spätpubies ja quasi vor deren Augen und das sogar verbunden mit lärmenden Beschleunigungsrennen auf der Straße.
Ok, dachten wir, die Hirnis wären weg, kamen mitten in der Nacht die Nächsten.
Echt jetzt😳 Also wieder Umzug! Das hatten wir noch nie, dass wir 4x am Tag wegen Lärm und Hirnis umgezogen sind.
Stadtbummel Kutaisi
Nach über 30 Stunden Dauerpladder hatten wir die Gelegenheit wahrgenommen und einen Stadtbummel durch Kutaisi unternommen.
Kutaisi kann man sich durchaus anschauen, vor allem bei diesem schönen Wetter. Die kleine Innenstadt mit dem Brunnen, den umliegenden Gebäuden und dem zentralen Park mit dem entspannten Leben kann man durchaus hübsch nennen.
Logisch, dass wir auch den Basar besucht hatten, hier gibt es von Klamotten, Gemüse, Fleisch, Brot und anderem Kram fast alles zu kaufen.
Wir deckten uns mit Gemüse ein und naschten hier und da auch vom georgischen Süßkram wo ich auch, keine Ahnung wie die heißen, eine Art Walnuss Schaschlik erstand. Ich muss ja gestehen, meine Welt ist das alles mit dem eingedickten Sirup nicht.
Auf weitere Besichtigungen wie die Bagrati Kathedrale hatten wir keine Lust. Wir haben einfach schon zuviel von derlei Gebäuden gesehen. Wir relaxten bei diesem Frühlingstag lieber im Park.
Außerhalb des Zentrums wird es schnell morbide, aber anders als z.B. in Italien oder Frankreich mit all dem kunstvollen Zierrat. Hier ist es eher so in der Art „sozialistisch verfallen“.
Ob man das mag oder dem Charme zusprechen kann, nun ja, Schönheit liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters. Auf jeden Fall ist es sehr interessant.








21.05.2026-Kazchi-Säule-70km
Oh Mann, langsam schlägt das Wetter echt aufs Gemüt. Seit über drei Wochen ist es wirklich mehr als durchwachsen.
Wir sind dennoch völlig optimistisch in die neblig graunassen Berge, genauer gesagt ins Ratscha-Gebirge zur Kazchi-Säule, im Original kʼatskhis svetʼi oder kac’xis svet’i genannt, gefahren. Man weiß echt nicht, wie man was wie schreiben soll🙄
Egal, hierbei handelt es sich um eine knapp 40 Meter hohe, frei stehende Kalkstein-Klippe.
Oben drauf auf dem ca. 15x10m messenden Plateau befindet sich eine kleine, eher winzige georgisch-orthodoxe Klosteranlage.
Diese ist lediglich über eine Leiter erreichbar, die Mönche sollten also schon schwindelfrei sein. Wichtige Lebensmittel wie Bier oder Anderes wird mit einem Lastenaufzug hochgehievt.
Die Kazchi-Säule ist also so etwas wie die Miniaturausgabe der Meteora in Griechenland.
Bei dem rund 650m hohen Ratscha-Gebirge handelt es sich eigentlich um ein erodiertes Kalkstein -Plateau, das auch ein beliebtes Klettergebiet ist.



23.05.2026-Gori
Die kleine Stadt Gori am Fluss Liakhvi gelegen ist ein Ort, wo man sich durchaus mal zwei oder mehr Tage aufhalten kann. Hier befindet sich ein Stalin-Museum, ok, muss man nicht unbedingt haben und auf einem Felskamm befindet sich die mittelalterliche Gori-Festung.
In der Nähe befinden sich viele Klöster, Forts, Kirchen und Ruinen. Eigentlich wollten wir am Fluss auf einen vermeintlich tauglichen Parkplatz verbleiben, aber in der Stadt war dermaßen die Hölle los, dass wir knapp 10km weiter gefahren sind, zur Höhlenstadt…
Uplistsikhe (Uplisziche)
Uplistsikhe übersetzt „Festung des Herrn“ ist die älteste der drei Höhlenstädte Georgiens, gefolgt von Dawit Garedscha und Wardzia. Die Stadt soll auch gleichzeitig der einzige gut erhaltene antike Baukomplex in Georgien sein.
Schon 2.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung wurden die Höhlen als Wohnungen genutzt, um sich dann zu einer Stadt mit Infrastruktur und Festung zu mausern.



Erst im 18. Jahrhundert verließen die letzten Bewohner die Stadt.
Die Stadt an einem Wochenende zu besuchen war jetzt vielleicht nicht gerade die beste Idee, aber wenn wir nun mal da sind, was solls. Wie erwartet, ist Uplistsikhe ein touristischer Rummelplatz. Dass es aber dermaßen voll ist, dass hat selbst die übelsten Erwartungen übertroffen. Es war ein Kommen und Gehen an Reise- und Kleinbussen sowie PKW.
Wie die Ameisen kletterten die Besucher auf dem Felsen mit den Häusern und Felswohnungen herum. Nein danke, das müssen wir wirklich nicht haben!
Und ganz ehrlich? Wenn man die Höhlenwohnungen und Felskirchen sowie die ganzen Städte in den Felsen aus der Türkei kennt, haut einen Uplistsikhe wirklich nicht vom Hocker, darauf können wir gerne verzichten.



Wir hatten ca. 1km vorher geparkt und die die wirklich tolle Felslandschaft erkundet die wir schon sehenswerter fanden.
Anfangs dachten wir, hier auch zu bleiben, aber der Rummel hatte uns dann auch hier erreicht.
Also nichts wie weg von hier. An der Kura hatten wir dann in wunderschöner Landschaft unseren Nachtplatz gefunden wo wir auch noch einen Tag länger geblieben sind.
Hier an diesem Flecken ist die Landschaft auch endlich einmal so, wie wir sie uns in Georgien vorgestellt hatten.



25.05.2026-Tiflis-110km
Zunächst sind wir weiter durch die Ebene Richtung Tiflis gefahren. Über GoogleMaps hatte ich geschaut, was es so auf dem Weg noch so zu entdecken gibt. Entdeckt hatte ich die kleine, von der Hauptstraße weg, in den Bergen gelegene und verlassene Magalaant-Kirche. Neben all den vielen anderen Wehrtürmen und kleinen Kirchen erschien sie mir am interessantesten.
Magalaant-Kirche
Von weitem unscheinbar, doch in der Nähe wurden die kunstvollen Ornamente im Mauerwerk sichtbar, die man dieser schlichten Architektur gar nicht zugetraut hätte.
Innen finden sich noch viele uralte Malereien die etliche Deppen leider mit ihren unschönen Kritzeleien versehen haben.
Dennoch, diese kleinen verlassenen Kirchen, die nur noch von wenigen Einheimischen besucht werden und irgendwie eine Geschichte erzählen, finden wir tausend mal spannender und schöner als die ganzen sog. Touristen-Attraktionen.






Tiflis, der Verkehr
Dann ging es weiter nach Tiflis. Hier durfte ich die Stadt mehr oder weniger gleich zwei mal durchqueren da wir wegen eines Elektroproblems zu einer Werkstatt wollten.
Anschließend hieß es dann, auf auf zur Nachtplatzsuche und durch das sehr mehr als kreative Verkehrschaos, das ich so in der Form in Georgien noch nicht erlebt habe.
Wem es an der nötigen Ruhe fehlt, Baldrian soll da hilfreich sein.
Dazu kam, dass wir nahezu alle bekannten und als Tipp genannten Nachtplätze abgefahren sind, die sich alle als völlig untauglich erwiesen haben.
Tiflis – Nachtplätze
Der angeblich so ruhige Platz bei den Chroniken, wo kaum jemand hin kommen soll, ist dermaßen schief. So kann man sich doch nicht im Womo aufhalten!
Plätze von der Straße ab sind wegen der Auswaschungen nur was für Vans mit viiel Bodenfreiheit, allerdings dann mit der Gefahr, zugeparkt zu werden. Denn, dort oben herrscht schlicht die Touri-Hölle!
Von der Hauptstraße bis oben Fressbuden, Reise- und Minibusse, Taxen mit Massen von Menschen! Also wenn das ruhig sein soll…


Die Parkplätze an der Kathedrale und Kirche: Geschlossen, zu, weg…
Die Plätze am See: Mal abgesehen davon, dass sie im Moment nur aus Pampe bestehen, die steilen Zufahrten sind völlig zugewachsen, tief ausgewaschen und ohne richtige! Bodenfreiheit gar nicht zu befahren. Beim einzig Machbaren steht man wie auf dem Präsentierteller und ist jetzt bei Sturm auch indiskutabel.
Dazu kommt, dass man mittlerweile sein Fahrzeug dort nicht mehr unbeaufsichtigt stehen lassen sollte.


Unseren Platz hatten wir dann bei der größten, einem Palast ähnelnder Mall gefunden.
Sogar mit Grün und von hier aus gehen auch die Busse in die Stadt. Und, positiv, hier konnten wir uns in einem echten Chinaladen mit Dingen eindecken, die wir schon seit Monaten gesucht hatten.
Stadtbesichtigung Tiflis
Zumindest heute war das Wetter mal wunderbar heiter, also ein guter Tag, um der Altstadt Tiflis einen Besuch abzustatten.
Stadtfans und Kulturenthusiasten könnten sich natürlich Tage in Tiflis aufhalten. Im Hinterkopf hatten wir das zwar auch vor gehabt, aber ohne einen altstadtnahen und ruhigen Übernachtungsplatz würde uns da einfach nur der Schädel platzen.
Wie bereits erwähnt, ist das jedoch mit den stadtnahen und mit zumindest einem Hauch an Ruhe ausgestatteten Plätzen in Tiflis so eine Sache. Stadtnah und ruhig in Tiflis? Ein Widerspruch in sich😁
Da wir ja unter diesen Umständen nicht mehr als einen Tag ohne Kopfschmerz in einer Großstadt ertragen, beschränkten wir uns also auf einige ausgesuchte Klassiker, wofür Tiflis ja primär bekannt ist:
Orient, Sowjetflair, bunte alte Balkone, Thermalbäder, alte historische Häuser, futuristische Architektur und eine Prise Aussicht auf so manch eine Sehenswürdigkeit.
Heute am 26.5. war Unabhängigkeitstag und ein entsprechender Trubel herrschte in der Altstadt und insbesondere am Friedensplatz.
Wobei, das Fest wie die Busfahrt durch die indonesisch wirkenden Vororte und dem Wegkommen von der völlig zugeparkten Mall war auch wieder einmal ein Erlebnis für sich.
Und überhaupt, Tiflis hat hat uns mit dem Flair und all den HighLights schon mächtig beeindruckt.









Autobasar
Heute sind wir bei lachender Sonne mit dem Bus in einen Vorort gefahren.
Ziel war primär der Auto-Basar, wo man nahezu alles bekommt. Ich hatte nämlich die tolle Idee, den defekten Sicherungssockel mit einer neuen Sicherung zu überbrücken und auf einem Basar bekommt man Kabelschuhe mit dickem Kabel und der nette Mensch bastelte das Kabel auch gleich zusammen.
Hier erstand ich auch für wenig Geld, eigentlich grundlos, einen leistungsfähigen Doppelkompressor wo man einen Reifen auch in vernünftiger Zeit aufpumpen kann.
Das war wohl so eine Art mentale Vorahnung, denn als ich den Kompressor ausprobieren wollte stellte ich fest, der innere Zwilling war platt und drucklos!
Nun ja, der Reifen hält die Luft nur bedingt und morgen muss ich mal sehen, ob da etwas drinne steckt.



Dann lege ich auch mal den Bypass, dachte ich. Hurra, der Kühlschrank läuft wieder auf 12 V, aber was ist mit der 12 V Buchse? Natürlich tot!
Wie kann das, geht doch gar nicht, unlogisch! Dann sah ich die Bescherung, ein ganzer Block mit „-„ Kabeln, verranzt, oxidiert und schon teils durchgeschmort.
Dadurch hatte auch die 12V-Buchse ihre Unterbrechung.



Und jetzt? Vielleicht war das ganze miese Wetter so ne Art Wink mit dem Zaunpfahl🤷♂️


Tiflis, Werkstatt
Zwei Tage hatten wir nun beim Mercedes-Benz Truck Van Service mehr oder weniger nutzlos verbracht.
Unser Elektroblock war wie erwartet eine Herausforderung, also wurde nach einer ersten Reinigung der Verbinder zunächst einmal unser Reifen geflickt.
Ich habe ja so meine Ideen, wie man die Masse-Schienen provisorisch mit Schrauben, Klemmen, Löten und/oder Verbindern sauber und gut leitend reparieren könnte.
Nur, an die vielen und zudem kurzen sowie engst verlegten Kabel mochte sich niemand heran trauen.
Also sollten lediglich die Verbinder gereinigt und evtl. ersetzt werden um für guten Kontakt zu sorgen.
Drei Stromkreise, für die Solarladung der Starterbatterie, der Kühlschrank und die Power 12V Dose hatte ich bereits abgeschaltet. Dann kam der Elektriker, völlig konfus und unwissend, was er eigentlich machen soll und bevor er weitere Zerstörungen vornehmen konnte, habe ich ihn schnell an weitere Maßnahmen gehindert.
Zuvor hatte ich noch eine weitere verkokelte + Leitung entdeckt. Mit meinem Wunsch, einen neuen Kabelschuh zu montieren, hatte ich ihn dann völlig überfordert.
Das war selbst dem Chef nur peinlich, dass wir sogar die Reifenreparatur kostenlos bekommen hatten.



Rustavi
Im 60 km entfernten Rustavi, eine Autostadt wo scheinbar jeder eine Auto-Bastelwerkstatt besitzt, fanden wir dann eine hilfreiche Hand, die meinen entdeckten Anschluss gesäubert und einen neuen Kabelschuh montiert hat.
Nun denn, Solar für die Starterbatterie und 12V Dose sind verbruzelt und der Kühlschrank zieht zuviel Strom.
Also hieß es nun für uns: Sicherheitshalber Strom sparen um eine wiederholte Überhitzung an den Verbindern zu vermeiden.






Was machten wir nun?
Mittlerweile plagten wir uns ja mit einigen Handicaps herum und das Stromproblem stellte wirklich einen Komfortverlust dar. Aber einfach so wieder zurück zu fahren war auch irgendwie blöde. Also gingen wir jetzt einen Kompromiss ein:
Da einige Ziele jetzt in Georgien nicht optimal waren, besuchen wir zunächst Armenien und anschließend noch einige Ziele in Georgien.
Allerdings weniger intensiv als geplant, sondern eher wie eine längere Urlaubsreise.
Ein Jahr lang mit den Unpässlichkeiten herum zu fahren war uns einfach zu blöde.
30.05.2026-Rote Berge
Wenn wir jetzt schon in der Nähe sind, sollten wir vor Armenien auch die nahen „Roten Berge“ besuchen, danach wäre es zuviel Gurkerei und kämen hier garantiert nicht mehr hin.
Die Regenbogenberge oder auch treffender Roten Berge genannt bei Rustavi sind irgendwann neulich vor rund 24 Millionen Jahren durch Sedimentablagerungen entstanden.
Mit den Zutaten Sauerstoff und Wasser entstanden die unterschiedlichen Farben durch die Minerale Eisen, Chlorid, Magnesium etc.
Damit das Ganze hübscher aussieht, haben tektonische Bewegungen die Landschaft aufgefaltet und die Hügel gebildet.
Das mit den Regenbogenfarben hat die Natur wohl doch nicht so richtig hin bekommen, aber egal, es sieht schon toll aus.
Menschenleer, eine endlos erscheinende Weite und eine schier faszinierende Landschaft die uns voll flasht!
Die Zufahrt ist etwas holprig, vielleicht ist dies auch ein Grund, warum man hier auch kaum Fahrzeuge antrifft.






31.05.2026-Dawit Garedscha–25km
Unmittelbar an der Grenze zu Aserbeidschan befindet sich das älteste Kloster Georgiens Dawit Garedscha.
Nicht, dass wir diesen Touri Spot geplant angefahren wären, liegt der aber jetzt doch quasi auf unserem Weg.
Von unserem Nachtplatz aus ist das an den Regenbogenbergen vorbei über eine 20 km lange holprige Lehmpiste über ein Hochplateau zu erreichen.
Schon die ist eine Sehenswürdigkeit, denn die weite, grüne und hügelige Landschaft ist einfach nur ein Träumchen für das Auge.
Aber nur so als Info: Leute, die mit ihrem Kasten auch auf huckeligen Pisten umgehen können, kommen da auch mit dem einen oder anderen Schweißtropfen durch.
Für Standard-Wohnmobile mit ihren Überhängen und tiefen Schürzen ist das aber definitv nichts, denn ein paar Stellen sind schon, ich nenne es mal spannend.
Spannend fand ich die auch schon mit Bimo, so von wegen des Kippfaktors.
Ansonsten reicht lediglich etwas Bodenfreiheit. Nach oder bei Regen ist die Lehmpiste aber auch für 4×4 nur was für Abenteuerlustige.
Klar, ansonsten ist das Kloster natürlich über eine breite Asphaltstraße zu erreichen.






Völlig überrascht waren wir vom Kloster, es waren kaum Touristen anwesend.



Anschließend fanden wir nicht weit entfernt unseren Nachtplatz mit einer Aussicht, schlicht Wahnsinn. Wir blickten über die hügelige Hochebene zum Kaukasus in 130 km Entfernung und über die Tiefebene weit nach Aserbeidschan hinein.
Nur der heftige Wind, der störte etwas…



01.06.2026-Dedoplistskaro-110km
Auch dem Vashlovani Nationalpark wollten wir als absolutes landschaftliches HighLight einen Besuch abstatten, also wenn man schon mal in der Nähe ist
Dedoplistskaro ist sozusagen der letzte Punkt der Zivilisation wo man noch mal einkaufen, tanken, da vor allem Wasser und sich überhaupt noch einmal mit allem versorgen kann. Das sollte man auch unbedingt tun wenn man vor allem mehrere Tage den Nationalpark erkunden möchte. Im Park selbst hat man dann keine Möglichkeit mehr. Dort ist nichts, kein Café, kein Minimarkt, schlicht nichts, noch nicht einmal Netz.
Im Ort befindet sich auch das Visitor-Center wo man sich registriert und seinen Parkeintritt bezahlt. Zur Zeit sind das 50 Lari für das Fahrzeug und 10 Lari/Pers./Tag.
Anschließend muss man noch zur Border Police wo man dann seine Genehmigung für das Grenzgebiet erhält.





02.06.2026-Kasristskali-40km
Auf dem Weg zum Vashlovani Nationalpark kommt man an dem Lost Place der ehemaligen sowjetischen Luftbasis Shiraki vorbei, die durchaus einen Besuch wert ist.
Die Basis diente damals den Sowjets als Luftwaffenstützpunkt im Afghanistan-Krieg.




Dahinter beginnt dann die sog. „Hauptstraße“ bis zum Dorf Kasristskali. Dies als Hauptweg titulierte Etwas ist nichts weiter als ein enger lehmiger Pfad wo man genau seine Spur treffen muss um nicht in eine der tiefen seitlichen oder mittigen tiefen Rillen abzurutschen. Bei Regen dürfte der lehmige Weg unpassierbar werden.
Als wir in Kasristskali angekommen sind, das waren dann noch rund 12 km vor dem Nationalpark, hatte ich schlicht den Papp auf und war fix und fertig.
Außer ein wenig Bodenfreiheit benötigt man für den Weg eigentlich nichts und fährt dort mit jedem PKW oder Van lang.
Nur in unserem hohen schaukelnden Bimo, wo der Schwerpunkt bei den Engeln zu liegen scheint, bekomme ich bei den Schräglagen Zustände und der Blutdruck erreicht unermessliche Höhen.





Hinter Kasristskali geht es auf Fantasiewegen über die Wiesen hoch auf ein traumhaft schönes Plateau wo wir unser Nachtlager auf einer Wiese aufgeschlagen haben.
Die hügelige grüne Weite, Pferde und in der Ferne der Kaukasus bilden nahezu eine Fantasiewelt.
Von hier sollte es dann die letzten Klometer in den Nationalpark gehen. Es galt, dabei zwei lange Gefällstrecken mit ca. 30% auf losem Grund zu überwinden.
Hätte das Bimo zwar iwie gepackt, aber die Regierung hatte ihr Veto eingelegt. Ihr ist bei solchen Aktionen einfach nicht wohl und hätte nicht schlafen können.
Da mir ihr wohl wichtiger ist, traten wir den Rückzug an und sind zum Airfield zurück wo wir auch genächtigt hatten.





04.06.2026-Sagarejo–110km
Wir bewegen uns nun Richtung Armenien und zwar auf derselben Route, auf der wir gekommen sind. Schneller ginge es zwar über die S5, aber lieber ein kleiner Umweg mit grandioser Landschaft und schöner Piste, als sich auf einer großen Straße mit gefühlten Selbstmordkandidaten und den, diplomatisch ausgedrückt, eher wenig reizvollen Vororten von Tiflis herumzuschlagen.
Am Fluss Lori hatten wir uns an einem idyllischen Plätzchen direkt am Wasser niedergelassen. Als eine Kuhherde an uns vorbeizog, wurden wir allerdings umgehend von der örtlichen Security in die Zange genommen.
Nach einer friedlichen Vorstellung unsererseits, einem Leckerli und einer anschließenden respektvollen Streicheleinheit war das Eis schnell gebrochen. Mir kam es danach sogar so vor, als hätten die Sicherheitskräfte ihren Dienst kurzerhand zu uns verlegt. Denn als die Herde längst weitergezogen war, blieben sie immer noch bei uns.



Vor den bulligen Georgischen Owtscharkas habe ich sogar noch etwas mehr Respekt als vor den Kangals in der Türkei. Sie wirken auf mich noch wachsamer und, nennen wir es freundlich, etwas entschlossener. Schließlich arbeiten und entscheiden sie völlig selbstständig, wenn es darum geht, Herden gegen Wölfe, Bären oder andere ungebetene Gäste zu verteidigen.
Am nächsten Tag fuhren wir dann wieder über die Piste an den roten Bergen vorbei und die letzte Etappe bis zur Grenze.
Der nächste Reisebericht also: Armenien 2026 Teil I


Hallo Mikesch,
das ist wie immer ein toller Reisebericht. Das Malheur mit den verranzten Kabeln ist natürlich sehr misslich. Hast du eine Idee wie das passieren konnte?
Viele Grüsse
Rainer
Moin Rainer,
da haben sich offensichtlich zwei Steckverbindungen etwas los gerappelt, ebenso eine Sicherung. Dadurch hat sich der Übergangswiderstand erhöht und sie wurden selbst zu Verbrauchern und warm.
Nicht nur warm, sondern auch heiß, so dass nicht nur ein Kabel durchgeschmort ist, sondern auch der Kunstoff der Sicherung.
Kurios, die Sicherungen selbst sind nicht durchgebrannt.
Habe das jetzt alles notdürftig geflickt und hoffe, dass das erst einmal hält.
Ist jetzt auch das kleinere Problem, das Bimo zickt, hat Aussetzer. Mal sehen, ob das hier in Jerewan gefixt werden kann. Ist irgendwie der Wurm drin…
Viele Grüße,
Michael
Moinsen,
das mit den Aussetzern könnte vielleicht an der Dieselpumpe liegen. Natürlich kann es tausend andere Ursachen haben…
VG Rainer
Moin, sehn wir mal, wir fahren gleich zur Werkstatt..
Kurbelwellensensor oder Injektor. Tritt ja nur bei einer bestimmtem Drehzahl und Wärme auf.
Bis denne,
Michael
Hallo Michael,
wie ist es in der Werkstatt gelaufen? Haben die die Ursache für die Aussetzer gefunden?
VG Rainer
Moin Rainer,
das Problem besteht ja schon seit 3 Jahren. Keine Werkstatt konnte bisher wirklich helfen. Irgend eine Bastelei milderte das zwar ab, heile wurde es aber nicht.
Das Problem: Es gibt keine Fehlermeldung und man muss suchen, dazu tritt der Schluckauf ja nur bei Hitze auf.
Erst mal wurde der quasi neue Dieselfilter getauscht. Der war versifft und der Wasserabscheider war voll. Das hätte demnächst üble Folgen gehabt.
Ursache war aber das AGR-Ventil, das völlig dicht war. Gereinigt, fertig.
Warum sich da niemand beim Service drum kümmert? Hier ist der Sprit ja oft nicht so prall, von daher reinigen die das Ventil alle 50.000 km.
Also Glück gehabt, bis nach D wären wir nicht mehr gekommen und die nächste MB-Werstatt wäre in Istanbul gewesen. Die Chance wäre groß gewesen, das es den Motor gekillt hätte.
Im nächsten Reisebeicht siehst du ein Foto des Ventils.