Die Reise führte uns weiter durch das zentrale Anatolien von Kappadokien kommend über Kayseri, über die anatolische Hochebene und weiter durch das gewaltige und schneebedeckte ostpontische Gebirge bis zur Grenze nach Georgien.
Vorheriger Reisebericht: Türkei 2026 Teil I
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08.04.2026-Kayseri-70km
Der angedrohte Pladder war in der Tat Nachmittags sowie die Nacht über eingetreten und den hatten wir in Kayseri ausgesessen.
Der Plan war ein Parkplatz in der Innenstadt und nahe am Zentrum. Klingt bei einer Millionenstadt ziemlich bescheuert, aber erfahrungsgemäß ist das Fahren mit dem dicken Bimo in solch einer Metropole selbst in der Innenstadt entspannter und geht flüssiger voran als in Deutschland. Selbst unsere kleine Base-City Oldenburg stellt schlicht die verkehrstechnische Hölle dar.
Stimmt auch in Kayseri, allerdings war die Vorstellung, hier einen freien Parkplatz zu bekommen schon recht naiv! Richtig, war natürlich nichts…
Gefunden hatten wir den allerdings ein paar Kilometer auswärts in einem schönen grünen Kültür Parki (38.74937° 35.49469°).



Was wollen wir eigentlich in einer solchen Stadt? Wir waren wieder einmal auf der Suche nach einem der in der Türkei seltenen Waschsalons und uns bei der Gelegenheit die Innenstadt mit dem nach Istanbul zweitgrößten überdachten Basar der Türkei anzuschauen. Mit der WaschMasch ist es doch nichts geworden, aber egal…
Das ist ein Treiben welches wir fast schon mögen, Leben eben und irgendwas findet sich immer etwas, was wir noch gebrauchen können.
Angeblich soll er zudem als einer der Schönsten der Türkei bekannt sein.



Kayseri ist riesig, aber dafür ist das eigentliche Zentrum recht klein und die Sehenswürdigkeiten wie der Basar, die Ulu Camii (große Moschee), das Seltjuk-Museum sowie der 1237 erbaute Hunat Hatun Komplex liegen nah beieinander.
Für uns war allerdings die türkische Ursprünglichkeit die größte Sehenswürdigkeit.
Wobei, die Kayserianer hatten heute auch eine Sehenswürdigkeit, nämlich uns
Gefühlt und wie uns ein Einheimischer erzählte, wären wir wohl die ersten Ausländer seit 20 Jahren die die Stadt besucht hatten, na ja…😉
Für uns gab es kaum ein Durchkommen, laufend wurden wir begrüßt und nach dem Wohin und Woher befragt. Unfassbar, wie viele hier deutsch sprechen.
Das war schon ein spannender Tag!



10.04.2026-Erciyes Dağı-30km
Der fast 4.000m hohe Erciyes Dağı ist quasi Kayseris Hausberg. Berg an sich stimmt nur bedingt, also nur eigentlich, denn er ist vielmehr ein erloschener Vulkan, dem wir die wundervollen Tuff-Landschaften Kappadokiens zu verdanken haben.
Wer sich erinnert, Ulrike und hohe Berge, dazu noch in Kombination mit Schnee sowie Kälte, ne, das ist nicht ihre Welt, geht eigentlich gar nicht🙂
Keine Ahnung was sie genommen hat, ausgerechnet von ihr kam der Vorschlag, auf dem fast 2.200m hoch gelegenen Campingplatz am Fuße des Erciyes Dağı in den Schnee zu fahren.
Die Verlockung einer Waschmaschine, nun ja, die sind in der Türkei in der Tat recht selten, muss überwältigend gewesen sein und eine unglaubliche Anziehungskraft ausgeübt haben.
Und hier, auf dem mehr als recht günstigen Campingplatz (38.54080° 35.53130°) befindet sich in der Tat eines der seltenen öffentlichen Exemplare.
Ansonsten hat die Gegend im Moment außer Skifahren nichts zu bieten. Ein typisches Skigebiet mit der üblichen unschönen Bebauung halt. Wobei, halt, die Mosche die hat schon was!
Da etliche Wanderwege existieren, könnte man zumindest im Sommer die vulkanische Hochgebirgslandschaft erkunden die bestimmt nicht uninteressant sein dürfte.



11.04.2026-Sarimsakli-60km
Der Blick heute Morgen aus dem Fenster. Etwas Neuschnee…
Eigentlich hier oben nichts Besonderes, für mich aber der Erste seit Jahren, da irritiert das schon etwas, wobei ich neues Weiß ja richtig hübsch finde.
Dann, plötzlich, oh welch ein kleines Wunder, konnte ich doch noch kurz einen Blick auf dem Erciyes Dağı erhaschen (Bild oben). Der hatte sich nämlich die ganzen Tage selbst bei Sonne in einer dicken Wolkendecke verhüllt.
Wir zockelten also den Berg wieder hinunter und fanden später beim Sarimsakli Baraji (Stausee) unseren Nacht- und Nachdenkplatz.
Der Winter soll angeblich die östliche Türkei noch etliche Tage im Griff behalten.
Aber auf Fröste und diesen stechenden Wind haben wir einfach keine Lust. Wir dachten hier mal darüber nach, wie uns da halbwegs angenehm Richtung Georgien durch schlängeln können.
Ich vermute mal, dieses Jahr braucht man erst gar nicht vor Mitte Mai in Georgien aufschlagen.



12.04.2026-Divriği-270km
Mit einem Zwischenstopp erreichten wir mit Divriği unser nächstes Etappenziel.
Wie zuvor schon einmal führte die Route über die endlose Weite des hügeligen zentralanatolischen Plateaus. Durchweg auf ca. 1.600m Höhe gelegen und eingefasst von ca. 2.600m hohen schneebedeckten Bergen.
Der Blick schweift teils 30, 40 oder 50 km weit. So merkt man erst einmal, die Türkei ist nicht nur groß, sie ist riesig.
Alle paar Kilometer begegnet einem mal ein Auto und alle zig Kilometer kommt man durch eine kleine, typisch ursprünglich türkische Stadt.
Diese Kombination aus ursprünglichen Orten und dieser faszinierenden Landschaft ließ jetzt bei uns so richtig das Gefühl aufkommen, dass wir uns in einem anderen Land befinden.
Einer dieser Orte war übrigens Kangal. Ja genau, der Ort, in dem die berühmten Herdenschutzhunde „erfunden“ wurden.
Vermutlich saßen da mal vor über 1.000 Jahren oder sogar noch früher ein paar Schäfer zusammen und dachten sich: „Wir brauchen unbedingt einen Hund der die Herden vor Wölfe und Bären beschütz“.
Irgendwie ist ihnen da, nicht nur als Wortspiel, ein ganz großer Wurf gelungen. Denn in Anatolien verrichten die Kangal schon im Mittelalter ihren Dienst. In der heutigen Türkei verrichten wohl Zigtausende ihren Herdendienst und ebenso Tausende leben frei als Straßenhunde.






Divriği – Der Ort
Divriği wirkt auf den ersten Blick wie ein verschlafenes Städtchen in Ostanatolien. Dennoch, hier steht eines der beeindruckendsten Meisterwerke mittelalterlicher Architektur in ganz Anatolien:
Das wunderschön restaurierte Ensemble der großen Moschee mit dem Hospital, der Divriği-Moschee Divriği Ulu Camii ve Darüşşifası, gilt als Meisterstück der anatolisch-seldschukischen Baukunst und ist heute ein UNESCO-Weltkulturerbe.
Die Portale sind mit extrem feiner Steinmetzarbeit verziert, deren verwirrende Motive mit einem kurzen Blick schlicht nicht zu erfassen sind.



Auf einem Felsen thront eine Burgruine inklusive einer Moschee und in der Altstadt sind noch Wohnhäuser aus der osmanischen Zeit zu bewundern. Nun gut, den Meisten ist anzusehen, dass sie die beste Zeit hinter sich haben, sehr diplomatisch ausgedrückt.
So ganz ohne Touristen versprüht der sehr Ort mit seinen kleinen ursprünglichen Geschäften aber einen, meine Lieblingsbezeichnung, morbid lebendigen Charme der ihn gerade deshalb so sehens- und liebenswert macht.



Ach ja, hoch droben auf dem Berg befindet sich noch eine Aussichtasplattform aus Glas.
Also, da bekam sogar ich beim Betreten Herzklopfen. Die Sache mit dem Glas ist ja ein Ding, aber durch den Wind hatte die Konstruktion etwas gewackelt. Das ist nicht jedermanns Sache😉
Ein Bohlenweg führt von der Plattform spannend an der Kante der Schlucht entlang zu einem Aussichtsturm.
Die Ausblicke in die rund 300m tiefe Schlucht und auf die Berge sind schlicht grandios zu nennen. Also die 40 Teelöffel haben sich echt gelohnt.




15.04.2026-Bağıştaş Barajı Göl–60km
Von Divriği aus fuhren wir, nachdem wir uns erst einmal durch die „riesig breite“ Hauptstraße gekämpft hatten, weiter nordwärts. Nördlich der Stadt verengt sich das Flusstal an der steilen Felsnase des Festungshügels und schlängelt sich kurvig zwischen den Felsbergen weiter nach Osten, bis der Çaltı Suyu auf den von Erzincan kommenden Euphrat trifft.
An der Einmündung macht der Euphrat einen scharfen Bogen nach Süden und fließt durch den Dark Canyon. Die abenteuerliche Straße mit den Tunneln durch die imposant enge und tiefe Schlucht wollte ich Naivling schon vor 2 1/2 Jahren mal befahren🙄
Durch einen Erdrutsch hat man angeblich jetzt selbst mit einem Bully keine Chance mehr.
Nur von Süden aus hat man die Chance, etwas mehr vom Canyon zu sehen, also wenn man sich ins Touri-Getümmel stürzt. Aber egal, die Türkei hat ja genug andere HighLights!


Bunte Berge
Das Gebiet um Divriği ist eines der wichtigsten Eisenerz-Abbaugebiete der Türkei.
Dabei treten auch andere Mineralien wie Quarze, Pyrit u.s.w. zu Tage und entsprechen bunt ist die Felslandschaft.
Am Stausee Bağıştaş Barajı Gölü des östlichen Euphrat fanden wir dann irgendwo unseren Nachtplatz. Die sind übrigens in der ganzen Region sehr rar gesät, selbst bei dem ansonsten allwissenden P4N scheint dieser Teil Anatoliens ein weißer Fleck zu sein. Die sind übrigens in der ganzen Region sehr rar gesät, selbst bei dem ansonsten allwissenden P4N scheint dieser Teil Anatoliens ein weißer Fleck zu sein.






16.04.-13.05.2026-Ostpontisches Gebirge-800km
Bis Georgien ist es ja eigentlich nicht mehr sooo weit. Ein Urlauber würde Morgens kurz gähnen, einen Kaff schlürfen und schwupps wäre er schon in Batumi.
Nur, wir sind ja a) keine Urlauber und b) wollen wir nicht zu früh in Georgien aufschlagen, da soll erst einmal der Schnee in den Bergen weg schmelzen.
Bleibt also die Frage: Wohin jetzt?
Den Osten Anatoliens mit Van See, Kars, Ani oder Nemrut kennen wir ja schon recht gut und was wir noch nicht kennen, das sparen wir uns für die Rücktour aus Georgien auf.
Die Region scheint bei Google, Wikipedia und auch unter Reisenden ein eher weißer Fleck zu sein.
Das liegt vielleicht auch daran, dass das „Straßennetz“ eher für tapfere Ladas als für Wohnmobile gedacht ist. Selbst Straßen 3. oder 4. Ordnung entpuppen sich gern mal als rustikale Abenteuerpfade. Kennen wir ja… 😉
Dafür sind einige Verbindungen autobahnmäßig so ausgebaut, wovon man anderswo nur träumen kann. Stellt sich nur die Frage, für wen? Fahrzeuge sieht man auf zig km vielleicht mal 4 Stück.
Also werden wir uns ganz ohne festen Plan durchs ostpontische Gebirge schlängeln, kreuz und quer, so nach dem Motto: Der Weg ist das Ziel und schauen, was es noch so durch Zufall zu entdecken gibt.
Die Fahrt durch die teils schroffe Bergwelt hatte auch wieder etwas. Etwas faszinierend fremdartig, wie man sie in Europa sonst nicht unbedingt kennt.






Gölova Baraji Gölü
Was so viel wie Gölova Stausee heißt und der an der namensgebenden Stadt, oder besser kleinem Ort liegt.
Fast genau so groß wie der Ort befindet sich am Stausee eine Piknik- und Kamp-Alani.
Campen und Picknick ist in der Türkei halt Kult. Und hier haben wir unseren Platz gefunden.


Irgendwo am Fluss
Wir sind 40km weiter an einem Fluss bei Kelkit in herrlicher Landschaft gefahren. Hier war der durch den Regen der letzten Tage nasse Boden mit Kies durchsetzt, zwar weich, aber leidlich befahrbar.
Ich kann vor solchen Böden nur warnen und man sollte sie zuvor immer ablaufen!
Die Pampe ist zwar nur rund 1cm tief, aber setzt sich ins Profil und verklebt den ganzen Reifen mit einer dicken Pampeschicht. Die Traktion geht dabei teils nahe null und das Lenkrad erscheint da eher wie eine Dekoration.
So lange die Piste eben ist, geht das ja noch, aber das kleinste Gefälle sorgt dann für eine Rutschpartie. Dabei bedeutet, je schwerer das Fahrzeug, desto größer der Spaß😉
Allrad hilft hier auch nur bedingt, wird, wie ich immer sage, völlig überbewertet.




Episode am Rande: Da entdecken wir einen relativ frischen Tatzenabdruck im Boden, hm…
Sieht aus wie Bär und als wir noch einen uns bekannten ebenso frischen Haufen entdeckt hatten, war es gewiss: Es ist Bär!
Völlig überrascht befragten wir Google und siehe da, hier im Pontischen Gebirge befindet sich angeblich die größte Population an Braunbären.
Google redet von syrischen Braunbären, ob die alle geflüchtet sind?
Aber niemand ist sich da wirklich sicher, also nennen wir sie mal gemischtrassig.
Mir ist das eigentlich auch recht egal. Auf jedenfall weiß ich, dass ich mich im Dunkeln nicht mehr hinaus wage🙃


Bayburt
Bayburt ist eine typisch lebendige mittelgroße Universitätsstadt im Nordosten Anatoliens.
Touristisch völlig im Abseits, was man an den neugierigen Blicken uns gegenüber deutlich bemerkt.
Oberhalb der Stadt liegt auf einem Felsvorsprung die Bayburt Kalesi, also Burg. Die Mauern sehen von unten schon imposant aus, aber eigentlich ist es nur noch eine Burgruine.
Interessant ist die Architektur der Universität, die mit ihren Bauten eher an die Luxushotels in Las Vegas erinnert als an einen Campus.
Auch Gebäude der Gemeinde und selbst Wohnhäuser erinnern eher an schnieke Hotels als an Nutzbauten.
Wie in der Türkei so üblich, legen die Städte und Gemeinden viel Wert darauf, den Einwohnen etwas Lebensqualität zu bieten.
Entlang des Flusses Çoruh, der sich durch die Stadt windet, befindet sich beidseitig eine kilometerlange Promenade und etwas außerhalb ebenso am Fluss der riesige Freizeitpark Bayburt Şehir Parkı. Hier finden sich Pavillons für Picknicks, Feueratellen, Spielplätze und Grünanlagen. Und natürlich alles kostenlos!
Der Security-Mensch der Stadt erlaubte uns mit einem freundlichen Lächeln, dass wir hier auch ausnahmsweise unser „Lager“ für die Nacht aufschlagen durften.






Winterfahrt nach Erzincan
Gestern genossen wir noch einen Frühlingstag mit heiterem Wetter und angenehmen Temperaturen um dann über Nacht dann einen Temperatursturz mit Sturm, Pladder und Schnee überrascht zu werden. Das Gepladder zog sich dann noch den ganzen Tag dahin.
Also die Wetterkarte studiert und siehe da, ein Loch mit Sonne und fast 20 Grad soll sich in Erzincan auftun.
Nicht dass die Stadt besonders toll ist, hier waren wir schon zwei mal und ich kann mich schlicht an nichts erinnern, aber wir sehnen uns einfach nach Sonne.
Also kämpften wir uns noch am Nachmittag über einen kleinen 2.100m hohen Pass und fuhren die 125 km nach Erzincan.
So mistig das Wetter auch war, aber irgendwie hatte dieses weiß/grau etwas. Schade war lediglich, dass wir bei diesem Wetter die farbige Vulkanlandschaft des Gebirgszugs nördlich Erzincans nicht wirklich genießen konnten.



Erzincan
Was hatte uns Petrus versprochen? Frühling? Jau, den hatten wir heute in der Tat.
Blauer Himmel und nahe 20 Grad. Sogar das Grün schien auf den Moment gewartet zu haben.
Natürlich unternahmen wir da auch einen Stadtbummel durch Erzincan. Wie schon einmal erwähnt, eigentlich ist es einfach nur eine relativ moderne Stadt ohne Besonderheiten und mit seinen Straßen quadratisch praktisch angelegt.
Die ganze, recht große Innenstadt erscheint wie ein großer Basar. Mit den modernen Läden, Kaufhäusern und sogar Ketten nur halt in sagen wir mal, relativ modern.





In den Seitengassen ist Erzincan aber auch wieder wie gewohnt ursprünglich mit einem kleinen Markt für Gewürze, Obst sowie Gemüse und den typischen urigen Läden wo man einfach alles bekommen kann.
Überhaupt, in dieser Stadt prallen Moderne und das Traditionelle sowie Ursprüngliche aufeinander.




Wahrscheinlich war das heute auch der erste Frühlingstag in Erzincan, denn auch die Bewohner sind ins Freie geströmt. Das Zentrum war rappelvoll und ebenso in „unserem“ Park den wir als Nachtplatz auserkoren hatten, tobte der Bär, wie man so schön zu sagen pflegt. Jung und alt spielten, grillten und genossen einfach nur das Leben.
Vor unserem Bimo hatte sich auch eine Männergruppe zum Kochen niedergelassen.
In einer großen Pfanne wurde ein Hase auf türkische Art in viel Öl, Paprika, Tomaten, Zwiebeln und mit den typischen Gewürzen zubereitet.
Die übliche Einladung konnten wir natürlich nicht ausschlagen und was soll ich sagen?
Das war der beste Hase, den ich je in meinem Leben gegessen hatte!


Am Ursprung des Euphrats
Heute ging es weiter gen Osten und dort, wo im Zusammenfluss von Karasu und Tuzla Çayi der Euphrat entsteht, fanden wir unseren Nachtplatz.
Klingt total spannend, aber um eine gewisse Schönheit der Landschaft zu erkennen, musste ich mein Hirn zunächst doch erst konditionieren🙃
War natürlich auch klar, dass sich das Wetter wieder „normalisiert“ hatte. Zwar relativ warm, aber grau, stürmisch und schmuddelig. Um nicht zu sagen, es goß teils wie aus Eimern.
Ok, wir wollen uns mal nicht beschweren, am Spätnachmittag ließ sich sogar ein Flecken blauer Himmel mit einem Sonnenstrahl blicken.



Erzurum
Erzurum, bzw. die Region, ist der Kältepol der Türkei. Lange schneereiche Winter mit bis zu -35 Grad zeichnen die Region aus.
Doch der Frühling tat uns einen Gefallen und erwachte für uns langsam mit Sonne, milden Temperaturen und schenkte uns ein wenig Grün. Also genau richtig, um durch die Stadt zu wandeln.
Erzurum ist mit ca. 400.000 Einwohner zudem die größte Stadt Ostanatoliens. Leider wurde bei einem schweren Erdbeben 1939 ein großer Teil des Altstadtzentrums zerstört.
Dennoch hat Erzurum mit den Koranschulen, Moscheen wie die von innen beeindruckende Lala Mustafa Paşa Camii (aus Rücksicht keine Bilder gemacht), Museen und auch einigen alten historischen Gebäuden so einiges an Sehenswürdigkeiten zu bieten.








Tafta Tabyasi
Ca. 30km nördlich von Erzurum befindet sich auf 1.910m auf einem kleinen Hochplateau das Ende des 19. Jahrhunderts errichtete Fort Tafta Tabyası oder auch Sahab-Pascha Festung genannt.
Wahrscheinlich ist sie Teil einer riesigen Befestigungsanlage um Erzurum herum aus Zeiten des Russisch-Osmanische Krieges 1877–1878.
Das Fort ist recht gut erhalten und es liegt nahezu kein Müll herum. Das ist wohl dem Umstand zu verdanken, dass das Fort lediglich über einen schmalen, teils recht steilen kilometerlangen humpeligen Weg zu erreichen ist und eigentlich recht unbekannt ist.
Klar, dass wir hier in dieser etwas abenteuerlich wild erscheinenden Einöde auch unseren Nachtplatz aufgeschlagen haben.








Tortum Gölü
Nach einem Himmelsfeuerwerk sind wir die wie eine Autobahn mit aufwändigen Tunnel ausgebaute D950 weiter Richtung Norden durch die wild zerklüfteten Berge gefahren.
Manchmal konnte man die alte Straße erkennen und die Route muss echt mal spannend und abenteuerlich gewesen sein.
Erst dann würde auch das wilde Gebirge so richtig wirken. Aber egal, grandios ist es dennoch.






Ziel war der Stausee Tortum Gölü bei dem sich ein toller Wasserfall befinden sollte.
Ein Wasserfall und vor allem ein Toller ist er aber begrifflich nur mit Wasser und das möglichst viel. Womit wir in dieser Jahreszeit jedoch gar nicht gerechnet hatten, dass er ausgerechnet jetzt im Frühjahr bei der Schneeschmelze für seine Verhältnisse kaum Wasser führte.
Ob der Schnee neuerdings einfach verdunstet? Keine Ahnung…😉
Hübsch ist er trotzdem anzuschauen, auch wenn sich gerade wirklich nicht so viel Wasser herab stürzte.



Doch auch der Stausee ist in dieser fremdartig felsigen Landschaft einfach nur eine Sehenswürdigkeit. Logisch, dass wir uns hier an einen netten Platz niedergelassen haben.
Völlig irre, auch hiermit haben wir nimmer mit gerechnet, am Stausee wachsen Kornblumen und Flieder! Das hier, wo eigentlich nur eine niedere Flora gedeiht!


Borçka-Talsperre
Weiter ging es dann über die D950 Richtung Norden. Eine tiefe und faszinierend schroffe, über 100km lange, fast surreal erscheinende Schlucht von Uzundere bis Borçka reichend, bildet ein umfangreiches Staudammsystem das letztendlich in die Borçka-Talsperre endet.
Je nach Wetterlage pfeift der Wind so richtig mächtig durch die enge Schlucht. Unter so richtig meine ich so etwas wie die Bora in Kroatien. Also nicht nur einfach Sturm, sondern auch heftigste Fallwinde. Wenn man die Staubwolken den Berg hinunter schießen sieht, sollte man tunlichst den Fuß vom Gas nehmen. Insbesondere in den Lücken zwischen den Tunneln.
Ohne die Tunnel würde man bei normaler Straßenführung hierfür bestimmt 3 Tage benötigen.




Bei Artvin, die letzte wirkliche Stadt vor dem Schwarzen Meer mit Einkaufsmöglichkeiten, wechselt man auf die D610.
Hier ändert sich auch schlagartig die Landschaft und das Klima. Auf nun rund 200m Höhe ähnelt die Landschaft mit den dunklen Felsen und den Wäldern eher dem Rheintal.
Und warm wurde es! Mit dem Grün, blühend duftendem Blauregen und dazu 25 Grad kam glatt so etwas wie Sommerurlaub auf.



Arhavi
Nach einem Frühlingstag folgte natürlich: Richtig, Pladder!
Den saßen wir erst einmal zwei Tage an unserem Stausee aus. Gestern sind wir dann durch die vernebelten Berge nach Arhavi gefahren. Nicht weil die sehr, hm, eigenwillige Stadt so schön ist, sondern um noch einige Einkäufe zu tätigen und uns auf Georgien vorzubereiten.
Da ich ein Spezialfall bin, war das mit der Krankenversicherung zunächst etwas blöde und da das Wetter eh nicht so der Hit ist, haben wir gleich online eine georgische magti-eSIM erworben und die KFZ-Versicherung gebucht. Morgen geht es dann nach Georgien und dann müssen wir uns mit dem Gedöns nicht noch an der Grenze herum plagen oder in Bitumis Getümmel herein fahren.



In Arhavi merkt man gleich, dass man gefühlt nicht mehr in der Türkei zu sein scheint.
Die Leute sind irgendwie anders und erscheinen teils mürrisch bis stur.
Wie soll ich sagen, das ist wie mit den Ostfriesen in Deutschland😉
Hier an der östlichen Schwarzmeerküste leben die vornehmlich aus der Kaukasusregion stammenden Lasen. Sie haben ihre eigene Kultur mit Tänzen und Musik sowie ihre eigene Sprache.
Sie sind zwar völlig in der Türkei integriert, aber man spürt sofort die Unterschiede.
Aber wie bei den Friesen, spricht man sie mit einem lächeln an, tauen sie sogleich auf.



Hier endet nur unser erster Transit durch die Türkei, denn am nächsten Tag ging es rüber nach Georgien. Der nächste Reisebericht also: Georgien 2026 Teil I (in Vorbereitung)

