Vom Baltikum zurück nach Deutschland

Nahezu 6 Wochen hatten wir bis jetzt im Baltikum verbracht. Uns sind kaum Wohnmobile begegnet, überhaupt, ab Mitte August kehrte eine unglaubliche Ruhe ein. Auch die Einheimischen waren nicht mehr unterwegs.
Schweren Herzens verließen wir Estland und traten den Weg nach Deutschland an. Gerne wären wir noch länger geblieben, aber wir wollten bis Ende September durch Polen durch sein, da das Mautsystem von viaTOLL auf eTOLL mit völlig anderem Verfahren umgestellt worden ist. Wenn wir bis dahin unsere Mautbox nicht abgegeben haben, verlieren wir die Kaution und müssten uns nochmals neu anmelden. Dinge, worauf wir keine Lust hatten.
So die eigentliche Idee, aber es kam dann doch ganz anders…

Baltikum-Ende

Vorheriger Reisebericht: Mit dem Wohnmobil durch Estland->

In diesem Reisebericht behandeln wir nur die paar einzelnen angefahrenen interessanten Punkte. Wer sich für das Baltikum insgesamt interessiert, kann sich über die Hashtags die einzelnen Berichte anzeigen lassen.

Baltikum | Estland | Lettland | Litauen | Polen

10.09.2021 – Über Jelgava zum Berg der Kreuze – 150 km

Wir waren einfach nur genervt, nach Wochen der Ruhe, der Natur und Einsamkeit dann dieser Verkehr mit dem Lärm.
Wir werden Monate brauchen, um uns daran wieder zu gewönhen!
Mit dem Ako piemineklis Salaspilī hatten wir eigentlich einen tollen Übernachtungsplatz gefunden. Früh Morgens aber waren wir jedoch von Angeln nahezu eingekeilt worden. Wir wollten nur noch raus diesem Gewusel.
Da wir vor zwei Jahren ebenso wegen der Menschenmengen an dem Berg der Kreuze in Litauen vorbei gefahren waren, wagten wir es jetzt doch noch einmal, da es abseits der Städte relativ leer war.

Jelgava

Südwestlich von Riga befindet sich die Stadt Jelgava, wo wir einen Stopp eingelegt hatten. Die Stadt muss man nicht als Ziel aussuchen, aber wenn man schon daran vorbei fährt, lohnt sich doch ein Stopp. Der Skulpturenpark, bzw. der Park drum herum mit all der Kunst lädt zu einem Bummel ein. Ebenso das Schloß Mitau, dass Teil der Universität ist.

Das Bimo spinnt, umplanen

Genau hier passierte es, gerade als wir weiter fahren wollten: Der Motor heulte auf, die Elektronik hatte den Kraftschluss zur Hinterachse getrennt. Ich schnell den Motor aus gemacht, neu gestartet und Gott sei Dank lief das Bimo wieder.

Bimobil Anzeige Fehlermeldung
Fehlermeldung

Oh Schreck was tun? Zunächst mal meinen Freundlichen angerufen. ABS-Sensorproblem, verdreckt, all solche Dinge könnten es sein. Kommt man damit noch nach Deutschland? Notlauf? Der 🙂 meinte, da dies nichts mit der Motosteuerung zu tun hat, könnte es klappen. Öhm, könnte
Was mir Sorgen bereitete war, dass der Kraftschluss unterbrochen wurde, könnte das nicht jederzeit wieder passieren? Was dann? Hier in der Wallachei ohne Werkstatt? Das war mir alles zu unsicher und wir disponierten um.
Über das Internet schnell die Fähre nach Kiel gebucht, zwei Tage warten ging ja noch. Die 340,- Euro mit Kabine gehen sogar für die 20 Stunden fahrt. Wer in Zeitnot ist, also so als Urlauber, ist die Fähre bestimmt eine Alternative.
Für uns dumm ist nun, das die Kaution für die polnische Mautbox futscht ist. Das Gefrierfach muss abgetaut werden, nun gibt es zwei Tage Schnitzel… 🙂
Was mache ich mit meinen letzten Zloty?
Aber Hauptsache, wir konnten überhaupt noch fahren! Wer braucht schon Allrad und ABS 🙂

Berg der Kreuze

Da es ja so quasi auf dem Weg lag, hatten wir unser Ziel, den Berg der Kreuze zu besuchen nicht nehmen lassen. Es war zu merken, Nebensaison, nichts los. Der Besuch war sehr entspannt und wir nächtigten bis auf einen Van alleine auf dem großen Parkplatz. Der Parkplatz und die Touristeninfo sind voll auf Rummel ausgelegt, in der Saison möchte ich hier wirklich nicht hin.
Der Berg der Kreuze besteht aus ca. 100.000 Kreuzen, also wenn man jedes Kreuzchen mit zählt. Das sieht schon bombastisch aus, aber für mich am Interessantesten ist, das Auge auf Makro zu stellen, all die kleinen Kreuze an den Großen. Pilger stellten in der Hoffnung auf Wunder die ersten Kreuze auf, die Menschen später zum Gedenken an die Gefallenen der Aufstände. Irgendwann wurde für alle möglichen Dinge ein Kreuz aufgestellt.

Über Jelgarva und dem Berg der Kreuze noch ein kleines Video, ca. 2:30 min.

11.09.2021 – Germanto Ežeras 70 km

Das Wetter war zu schön, so dass wir uns spontan entschlossen hatten, am Germanto Ežeras, einem See bei Telšiai einen Stopp einzulegen. Ebenso spontan entschlossen wir uns, hier auch zu nächtigen.
Der Badesee mit seinen Wanderwegen, Grill- und Spielplätzen, garniert mit Kunstwerken wird auch durch die Einheimischen rege genutzt. Das Wetter war jedoch so toll, dass wir den geringen Trubel gerne in Kauf genommen hatten.

Abendsonne am See

12.09.2021 – Fähre Kleipeda – 85 km

Am Tag noch in Kleipeda gammeln, endloses warten in der Autoschlange und dann rauf auf die Fähre nach Kiel.
Die Fähre wird in erster Linie von Truckern genutzt und ist eigentlich eher eine Transportfähre für Auflieger. Das Ein- und Auschecken ist nur chaotisch zu nennen. Auf der Fähre gibt es lediglich ein kleines Restaurant, das nur temporär geöffnet hat und eine kleine Bar. Relativ wenige Aufenthaltsmöglichkeiten und man kann sich kaum bewegen.
Vorsicht mit dem Handy, besser man stellt es auf Flugmodus und stellt das WLAN aus, um später keine teure Überraschung zu erleben. Man sollte genug zu lesen mitnehmen, denn irgend ein Entertainment gibt es nicht.
Es lohnt sich wirklich, eine Kabine zu buchen. Es geht auch mit Ruhesitzen, ist natürlich deutlich billiger, aber darin schlafen? Nein danke…
Die Kabinen mit Dusche/WC sind pickobello sauber!
Ob sich die Fähre wirklich lohnt? Die Fahrzeit beträgt 20 Stunden, dazu kommen je 2 Stunden für das Auffahren und ca. 2 Stunden für die Abfahrt. Je nach dem kann das etwas flotter gehen, oder auch länger dauern. Zumindest beim Entladen hatten wir Glück. Zuerst wurden die Auflieger aus dem Schiff bugsiert, was richtig schnell geht, die Jungs haben das echt drauf. Dann war unser Bimo schon frei und ich konnte rückwärts raus. Mopedfahrer von der Fähre hatten uns 1 1/2 Stunden später überholt, da hatten wir schon eingekauft. Klar, bei Ankunft ist man entspannt und ausgeruht, aber in 24 – 26 Stunden schaffe ich die 900 km auch entspannt mit dem Auto, ist selbst mit Verschleiß wohl günstiger und sieht zudem noch was.

Abfahrt Fähre Kleipeda

14.09.2021 – Egestorf – 140 km

Bei Bordesholm hatten wir zunächst einmal einen netten Übernachtungsplatz gefunden. Von dort sind wir dann am nächsten Tag weiter nach Egestorf in der Lüneburger Heide auf dem Stellplatz mit VE am Barfußpark. Für uns als an das Baltikum verwöhnte Menschen der netteste Platz weit und breit wo man auch noch etwas unternehmen kann.
Wir nutzten das schöne Wetter und unternahmen noch eine 11 km Wanderung durch die Lüneburger Heide.

Hier endet dann mit ca. 2 Monaten leider die für unsere Verhältnisse kurze Reise durch das Baltikum.
Dieses Mal haben wir uns richtig, insbesondere in Estland verliebt! Die Campkultur, die freundlichen Menschen, die teils noch wilde und ursprüngliche Natur. Einfach nur toll! Ich glaube, wir werden nochmals wieder kommen. Das Baltikum noch einmal so erleben, so lange es noch geht.
Ich glaube, man sieht ja schon jetzt die beginnenden Veränderungen. Alleine mit den asphaltierten Straßen, dass dieses Paradies so nicht bestehen bleibt, auf jeden Fall, wenn die Massen das Baltikum als Urlaubsregion entdecken.

Wie geht die Reise weiter?

Zunächst muss Bimo ins Krankenhaus, zum Truck Center Lauenau, dort wurde uns vor zwei Jahren schon einmal ganz spontan und kompetent geholfen, wo sich eine Maus ein Nest im Luftfilter gebaut hatte.
Dann steht auch eine allgemeine Wartung an die gleich mitgemacht wird und ich denke darüber nach, dem Bimo vorne neue Stoßdämpfer zu gönnen. Stoßdämpfer sind ein schleichender Prozess und bei nun rund 97.000 Kilometer…
Wir werden vLadi abholen und dann machen wir uns auf die Reise nach Frankreich, der Sonne entgegen, denn noch ein Winter in Deutschland halten wir bestimmt nicht aus.

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2 Kommentare

  1. Hi Michael,
    wir waren die letzten 3 wochen in Frankreich, in den Alpen, in dem Gebiet zwischen Briancon und Laragne. Hier kenne ich jeden Feldweg persönlich.
    Negativ: Das Womo Aufkommen hat sich gegenüber 2019 verfünffacht. Ich rätzele immer noch ob das Auswirkungen von Corona, einem gänderten Verhalten in der Nebensaison schlichte Zunahme von Fahrzeeugen oder eine Kombination von allem sind. Die Zukunft wird es zeigen. Einige lauschige Plätzchen die wir seit 30 Jahren kennen waren allerdings nicht mehr zugänglich.
    Positiv: Es gibt noch ein paar schöne Stellen, doch man hat sie nicht mehr alleine.

    Die Zukunft des Wohnmobil Tourismus haben wir auch gesehen, am Reschenpass. Das war früher ein reines Etappenziel, allenfalls zwei, drei Camper standen dort. Heute hat man dort eine Seilbahn gebaut mit einen großen Parkplatz aus groben Schottersteinen. Hier tummelten sich jetzt 100 Wohnmobile zum Tagespreis von 15€ im absolutem Nirvana. An Hässlichkeit nicht zu überbieten. Der Höhepunkt für uns, war ein 200.000€ Camper. Die Besatzung hatte Tisch und Stühle raus gestellt und prostete sich mit Sekt zu, das wilde Camperleben feiernd. West und Mitteleuropa für uns jetzt Geschichte. Frankreich ist hier noch die letzte Bastion. Alo genießt euren Urlaub “so lange es noch steht”
    Liebe Grüße Jochen

    • Moin Jochen,

      werden wir machen! Wir haben uns vorgenommen, nur noch ganz im Abseits zu reisen.
      Ich denke, es die Mischung aus allem. Corona, eine Generation der Erben, die Vermarktung Wohnmobil mit der großen Freiheit und dass das Geld unter die Leute muss, leihen kostet ja auch nichts mehr.

      Damit müssen wir halt die nächsten Jahre mit leben. Ihr habt ja auch fast alles gesehen, sucht euch neue Plätze. Aber klar, es wird eng…

      Also genießt, was ihr noch finden könnt!

      Liebe Grüße,
      Michael

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