Das Bimobil

Wenn ich da noch an die Messe 2014 denke…
Ich war so weit, alles aufzugeben, weil einfach nichts zu finden war. Sorry, ich kann leichter Geld verbrennen, als mir eine Pappschachtel zuzulegen. Wenn man in einem Wohnmobil bei Kälte und Hitze auch autark wohnen möchte, sind hier andere Maßstäbe anzulegen.

Unsere Zielvorgaben:

Komfortables Reisen und ebenso in jeder Jahreszeit komfortables autarkes Wohnen mit viel Raum und Platz mit der Freiheit, auch mal den Asphalt verlassen zu können.

Wir möchten teils abseits befestigter Straßen fahren, kein richtiges Gelände oder OffRoad, aber mal auf Pisten, Feldwege und Matschwege fahren. Hierzu darf das Fahrzeug nicht zu lang, sollte aber auch hochbeinig sein. In Bezug auf Strom wollen wir vom Frühjahr bis Herbst völlig autark sein, keine Gedanken über Gas verschwenden wollen, in Bezug auf Wasser und Abwasser, ebenso Toilette, wenigstens 5 Tage in der Wallachei stehen können. Sprich, mit all den Dingen, die in Foren oft thematisiert werden wollen wir schlicht nichts zu tun haben!
Ebenso sollte die ganze Ausstattung, insbesondere der Ausbau entsprechend robust sein. Gleichzeitig ist großzügiger Wohnraum gefragt, wo auch zwei Leute mal nebeneinander her laufen können.

  • Alkoven, wegen dem Hitz- u. Kälteschutz und besserer Raumausnutzung
  • Hohe Zuladung
  • Winterfestigkeit
  • Allrad
  • Wendigkeit
  • Robuster Möbelbau mit hochwertiger Technik, solide verbaut
  • Fäkal-Festtank
  • Gastank
  • Nicht mehr als 7m
  • Viiiieeel Stauraum
  • Großzügiger Wohnraum
  • Ecke zum Fletzen, keine Drehsitze

Die Suche nach dem richtigen Fahrzeug:
Eigentlich würde ein Expeditionsmobil zu uns passen wir bekommen auch immer feuchte Augen, wenn wir Reiseberichte mit diesen Fahrzeugen lesen. Da wäre z.B. die Klasse eines Bimobil EX 365 und hier mussten wir auch lange überlegen. Es ist für die Piste besser geeignet als der HD 420, hat auch die tolle Rundsitzecke, aber durch die Längsbetten im Alkoven geht viel vom Innenraum verloren, ist auch schmaler, ebenso ist weniger Stauraum vorhanden. Auch die meisten Expeditionsmobile, so schön sie sind, bieten uns nicht genug Wohn- und Stauraum. Für ein dauerhaftes Wohnen für uns weniger geeignet.
Mit unserem Anspruch an das Wohnen wäre nur ein z.B. MAN oder Unimog in Frage gekommen, aber 12 – 18 Tonnen schwer. Abgespeckte MAN sind selber schon so schwer, dass der auf 7,5 T abgelastete kaum mehr Zuladung bietet. Oder ich alter Sack müsste auf meine alten Tage noch mal den “Großen” machen. Dazu der finanzielle Aspekt, noch einmal wenigstens > 100 – 200.000 Euro drauf legen und dazu der Unterhalt. Ebenso die Nachteile ob der Größe und Schwere, wenn man mit einem solchem Fahrzeug hier in Europa auch auf kleinen Straßen und Dörfern unterwegs ist.
Abgesehen davon, gebrauchte Expeditionsmobile hatten wir für uns auch nicht gefunden, die individuellen Vorlieben der Besitzer entsprachen nicht der Unseren.
Da der Anteil der Straßen, wo wir ein 4×4 Expeditonsmobil wirklich nutzen würden, bei bestenfalls 1 % liegen wird, dazu die Nachteile, lohnt sich dieser immense finanzielle Aufwand nicht und haben uns für ein Mittelding entschieden.

Ein Fahrzeug, das zwischen Reise-/ Wohn- und Expeditionsmobil angesiedelt ist. Hoher Wohnwert mit viel Platz und viel Zuladung aber gleichzeitig die Möglichkeit für Schotterpisten und mal den Asphalt zu verlassen.

Einige Phönix hätten auch unsere Anforderungen erfüllt. Glasvitrinen eines Phönix sind aber nicht unsere Welt und Phönix war dazu völlig unflexibel bei den Wünschen. Die Inneneinrichtungen der anderen Individualausbauer gefielen uns auch nicht, so blieben wir beim Ikea-Stil mit der massiven Bauweise von Bimobil hängen. Wir mögen Ikea
Dazu kam, dass uns der Herr von Liebe persönlich betreut hat und mit ein wenig kritzeln und zeichnen stand innerhalb von 2 Stunden das Konzept der Umbauten, wie wir das haben wollten. Darum ist es und eben dieses Bimobil geworden und mit dem HD 420 hatten wir genau das Reise-, Koch- und Wohnmobil gefunden, welche alle unsere Wünsche erfüllt.

Bimobil HD 420

Bimobil HD 420

Bimobil HD 420

Das Fahrgestell ist ein Sprinter, mit 3L V6 Motor, Allrad und 5,3T zul. Gesamtgewicht. Vollgetankt mit allen Tanks und uns drin, dürfen wir noch 1 T zuladen. Da ja noch ein Motorrad, Tauchgeraffel und Paddelboote, brauchen wir das auch. Gewogen mit viel Wein, Bier, Milch, Klamotten, Lebensmitte, gepackt für die große Tour, bringen wir exakt 5,3 Tonnen auf die Waage, hinten genau 3,5 Tonnen.

  • Boden: Sandwich Verbundplatte mit einem unverrottbaren Hightec-Hartschaumkern in die ein 5cm Alu Gitterrohr-Rahmen integriert ist.
  • Doppelboden von 35 – 50cm Höhe, über die ganze Fläche beheizt, auch die Tanks und Ablassventile.
  • Der Aufbau ebenfalls eine 4cm dicke Alu Hartschaum Sandwich-Bauweise.
  • TecTower mit 150 L Kühlschrank, separatem 30 L Gefrierteil und Backofen auf Gasbetrieb.
    BimobilRichtig ist, dass ein Kompressorkühlschrank effektiver arbeitet, auch bei sehr hohen Temperaturen herunter kühlt, während ein Gaskühlschrank nur eine Differenz zur Außentemperatur schafft. Allerdings benötigt der Kompressor dann auch seine Energie und fängt an Strom zu saugen. Wir wollen aber autark bleiben, auch mal ein paar Tage im Abseits stehen, das ist mit einem Kompressorkühlschrank kaum möglich, oder man verbaut jede Menge Solarpaneele. Aber was ist dann im Herbst/Winter?
    Auf der Jungfernfahrt hat der Kühli bei Temperaturen um 38 Grad seine Tauglichkeit bewiesen. Auch der Froster frostete ohne Mucken. Tja, und der Backofen musste einfach sein 🙂

Zusatzausstattung

  • Mobiliar in Ahorn
  • 6 KW Truma
    Da überdimensioniert und ausgetüfftelte Luftverteilung, arbeitet die völlig Geräuschlos und wirbelt auch nichts auf. Im Wohnbereich sind 7 Auslässe, zusätzlich in der Stufe zum Fahrerhaus, Bad und der Alkoven ist umlaufend beheizt.
    Niemals eine Alde, wir brauchen es bei Bedarf schnell warm.
  • Großes Heki Dachfenster im Alkoven
  • Isolierte Türe zum Fahrerhaus!!!
    Fern halten von Hitze oder Kälte! Das Fahrerhaus ist gerade bei VI oder TI die größte Kältebrücke bzw. “Heizung” im Sommer.
  • Dachreling
    Die macht durchaus Sinn, zur Befestigung von Krams, als Rammschutz oder Astabweiser für den Allkoven. Die Markise hatten wir wieder abbestellt, da wir die schon in der Vergangenheit kaum nutzten und bei der Höhe kaum Nutzen bringt.
  • Ladebooster
    Bei dem Sprinter 519 mit E6-Norm gaaaanz wichtig!
    Ist die Fahrzeugbatterie voll, wird die Aufbaubatterie nicht nicht mehr geladen!
    Die Ladung der Aufbaubatterie ist nur mit Ladebooster möglich!
  • Anhängerkupplung
    Notwendig für unsere 2 Motorräder
  • Außendusche
  • 116 L, dies entspricht bei 80%-Füllung ca. 45 kg Inhalt Gastank
    Im Winter hält eine Flasche u.U. nur wenige Tage, dieses Gehampel mit dem Gas wollen wir keinesfalls, schon gar nicht im Urlaub oder auf Reisen!
    LPG gibt es überall auf der Welt und mit dieser Menge braucht man sich ein Jahr lang garantiert keine Gedanken zu machen, selbst wenn teilweise geheizt werden muss.
  • Keramik-Toilette mit Häcksler und 70 L Festtank
    Das muss halt jeder für sich entscheiden, ICH jedenfalls schleppe nicht den Schiet-Kasten durch die Gegend und möchte auch für 5 Tage diesbezüglich autark sein!
    Die 70L reichen auch, da bei diesem System deutlich weniger Wasser verbraucht wird, ist äquivalent wie ein 150L-Tank üblicher Bauart.
  • 2 Monokristalline Solarmodule mit je 80 Wp in CIS-Technik
    Die CIS-Schicht absorbiert genauso viel Sonnenlicht wie die hundert Mal dickere Siliziumschicht einer kristallinen Solarzelle. So wird auch bei bedecktem Wetter noch ausreichend Strom produziert. Hierzu durften wir ausreichend Erfahrung sammeln, selbst im Schatten wurde noch ausreichend geladen. Was nützt ein Modul mit höherem Wirkungsgrad, wenn es aber bei Bewölkung einbricht.
    Bei unserem Strombedarf sind wir von März bis September zu 100% autark. Im Januar wären es immerhin immer noch 5 Tage mit Heizen.
  • 300 W Sinus-Wechselrichter
    Strom brauchen wir nur für einige wenige Technik wie Laptop und Ladegerät für meine Drohne. Alles Andere läuft sparsam auf 12 V.
  • 220 Ah Blei Gel Akku
    Wir haben einen Verbrauch von 15 Ah, mit Heizen und TV von 25 Ah. Selbst ganz ohne Solar, reicht das für 3 – 5 Tage ohne die Batterie zu schädigen.
  • SAT-Anschluss außen
    Für den Fall, dass es mal einen TV-Anschluss auf einem CP gibt oder für spätere SAT-Anlage. Diese wird dann aber eher für den Einsatz zum  Internet-Empfang sein.
  • Nicht sichtbar verbautes Lautsprechersystem in den Schränken der Küche, angesteuert von einem Radio innerhalb unseres Power-Centers (s.u.).
    Dort befindet sich dann ein gewöhnliches Autoradio mit Bluetooth um dies mit Tablet oder Laptop anzusteuern um auch Filme mit vernünftigem Klang genießen zu können.
  • Dinette umklappbar
  • Can KocherDreiflammiger Kocher von CAN mit einer Flamme von 3 kW
    Sorry, die üblichen selbst in höchstpreisigen Wohnmobilen verbauten Kocher mit 1,7 kW sind für mich schlicht ein Witz und taugen zu nichts, wahrscheinlich auch eine Folge der verordneten 30mb. Braten unmöglich, kochen und Warmwasserbereitung eine Geduldsprobe.
    CAN rüstet primär für den Yachtbau aus und bietet 2 Variationen an: Standard wie gewohnt mit Absenkung und eine ohne. Wir haben uns für “hochgelegte” entschieden, sieht mit der Ceran-Platte erst mal edel aus und man kann die Pötte frei verschieben.
  • 1,60 m 15 dBi-Antenne (umklappbar) auf dem Dach mit WLAN-Router
    Aufs Internet mag ich nun gar nicht verzichten. Hier möchten wir gemeinsam mit unseren Geräten auch ins Netz gehen können, wenn wir in der Walachei ein paar km vom AP entfernt sind und sei es nur, in der letzten Ecke eines CP noch Empfang zu haben.
    Die Lösung: WLAN_im_Wohnmobil
  • WAECO PerfectView MC444 mit Farb-Doppelkamera und Multimedia Monitor-System (Moniceiver).
    Mit Absicht ohne Navi, da die Dinger teuer, aber schnell überholt sind. Dazu ist es ein Akt, neue Karten und Software einzuspielen. Die letzten Jahre war ein Tablet mit kostenloser Navi-Software und immer aktuellen Karten völlig ausreichend. Mal abgesehen von dem schönen großen Display…
  • Ladeplattform für Motorrad 200 kg von Fiedler in Bremerhaven
    Lest oder testet hierzu die Auswirkungen auf die Hinterachse: Achslastrechner

Skizze: Bimobil
Bimobil Riss

Hier folgte der größte Akt, die umfangreichen Umbaumaßnahmen.

Umbaumaßnahmen

  • Versetzung der Toilette und Dusche in die linke Ecke, wo vorher die Betten waren.
  • Da hier Raum frei wurde, wurde hier eine Bank mit Stauraum geschaffen, der auch von außen zu erreichen ist. Durch diese Bauart wirkt der Innenraum erst recht richtig großzügig und lädt zu einem Tänzchen ein.
  • In dem rechten freigewordenen Platz wurde ein großer Schrank eingebaut, unten mit Schubladen für z.B. Schuhe, damit man sich ihrer schnell entledigen kann, bevor man hineingeht.
  • Im Schrank neben der Eingangstüre kommt ein Power-Center mit zusätzlichen Steckdosen für 230 und 12 V um unsere ganze Elektronik außerhalb des Sichtfeldes laden und Verstecken zu können. Davon haben wir ne ganze Menge und ich finde es furchtbar, wenn der ganze Kram mit all den Kabeln offen im Wohnmobil herum liegt.

Nachträglich wurden noch einige Maßnahmen durchgeführt, so ein Unterbodenschutz auf Wachsbasis und eine Goldschmitt Luftfederung verbaut.

Weitere Maßnahmen

Der Sprinter entstammt dem Nutzfahrzeugbau, hier ist es so, dass Verzinken bei den ach so tollen Mercedes (nicht nur die) immer noch ein Fremdwort ist. Zwar ranzen die Sprinter heute nicht mehr so wie vor ein paar Jahren, wir wollen unser Bimobil aber doch etwas länger fahren. Folglich bekommt es einen Unterbodenschutz und eine Hohlraumversiegelung mit Wachs-Produkten, lese dazu auch meinen Artikel zur Hohlraumversiegelung >

Zwar ist eine Metallic-Lackierung robuster gegenüber einer Einfachen, allerdings habe ich noch kein Fahrzeug ohne Steinschlagschäden erlebt. Kotflügel, Motohaube und Türen werden deshalb klar foliert. Das ist heutzutage kaum zu erkennen und steigert den Wiederverkaufswert ungemein, wenn man die Folie vor Verkauf abzieht.

Das Fahrwerk vom Sprinter ist auch nicht so der Brüller, der Radstand gerade hinten ist auch viel kurz. Vom Schaukeln mal abgesehen, hing das Fahrzeug auch durch. So haben wir noch eine Goldschmitt Luftfederung nachgerüstet.

In 09/2016:
– Anbringung einer Airline-Schiene in Stehhöhe um dort eine leichte Plane gegen Sonne oder Regen anzubringen. Wie vermutet, eine Markise taugt bei dem Bimobil nichts, die wäre zu hoch und böte kaum Schutz.
– Montage von VanGlas-Fenstern, siehe Bericht VanGlas-Fenster
– Umrüstung auf eine vernünftige Bereifung mit 215/85/16 Cooper AT3 Discover. Siehe Bericht Umrüstung Reifen

Kosten alles mit allem in dieser Endversion: Rund 170.000 Euro
Puh, beim Schreiben der Zahl wird mir wieder schlecht, aber entweder so oder gar nicht, ich bin zu arm, um gewisse Kompromisse in Bezug auf Qualität oder Ausstattung für den Rest meines Lebns14 einzugehen und mal eben um 60 – 80.000 Euronen zu Versemmeln oder mich langjährig zu ärgern.
Wer die Geschichte von der Planung, Fertigstellung und alles was so folgte verfolgen möchte, kann das unter Erfahrungen – Wartungsdokumentation nachlesen.

 

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