Georgien-2026-I

Reisebericht Georgien 2026 Teil I

Georgien mit dem Wohnmobil, unser dritter Anlauf 🙃
Beim ersten Mal (2024) hatte Ulrike keine Lust mehr, beim zweiten Mal hatten wir einen Brutofen vor uns mit über 40 Grad von Bulgarien bis nach Georgien. Wir wären dann zwar schön zart gebacken worden, aber wir hatten uns dann doch lieber in die klimatisch angenehmen Berge Bulgariens verkrochen und lediglich bis zur äußersten Ostgrenze der Türkei gefahren.
Dieses Mal sollte es dann doch sein, den Entschluss hatten wir da eigentlich recht spontan im Baltikum getroffen.
Der Hintergedanke auch dazu: Wer weiß, ob wir bei der weltpolitischen Lage sonst noch eine Gelegenheit dazu haben und wir, eigentlich ja eher ich, werden ja auch nicht jünger. Im Gegensatz zum Bimo hilft da auch keine Inspektion mehr😉
Der erste Teil der Reiseberichtsserie behandelt zunächst einige Infos und die Route über Batumi entlang der Schwarzmeerküste.

Vorheriger Reisebericht: Türkei 2026 Teil II

Reiseinfos vorab:

Ich führe hier nur kurz einige grundsätzliche Dinge auf, für weitere Infos und da sich ja vieles in kurzer Zeit ändern kann, schaut bitte auf die Seite des Auswärtigen Amtes!

Einreise

Für die Einreise reicht theoretisch der Personalausweis, theoretisch, weil es da auch Einschränkungen gibt. Also besser mit Pass reisen, den benötigt man auch, wenn man sich eine SIM besorgen möchte.

Internet/SIM

Die besorgt man sich am Besten in einem offiziellen Magti-Laden in Batumi, nicht an der Grenze! Magti deshalb, weil die Telefongesellschaft die beste Netzabdeckung in Georgien, insbesondere der abgelegeneren Gebiete bietet.
Ich empfehle eine eSIM, QR-Code scannen, fertig. Anschließend richtet man sich auf mymagti einen Account ein, dann kann man seine SIM bei Bedarf später zweitnah aufladen oder auch weitere eSIM erwerben.
30 Tage all inclusive mit unbeschränkt Daten kosten z.Zt. 45 Lari, also ca. 15€.
Man kann sich mit Scannen des Passes auch schon vor der Einreise einen Account bei magti einrichten und einen Tarif buchen, nur stellt das eine gewisse Herausforderung die aber mit Handy recht gut klappt. Jedenfalls fanden wir das einfacher als im Laden, unsere Erfahrung dort war mit dem unwirschen und unlustigen Personal nicht so gut und wir hatten nur eine Frage. Möchte nicht wissen wie das ist, sollten die einen Account mit dem richtigen Tarif einrichten wollen…

Einkaufen

Klar gibt es Supermärkte, wir bezeichnen sie aber eher als größere „Tante Emma“ Läden. Das, was wir gemeinhin als Supermarkt bezeichnen, also großzügig mit einem breit gefächerten Angebot an Gemüse, Fleisch und all den anderen Dingen findet man eher selten. Wenn, dann in größeren Orten und dann sind es eher die Carrefour. Wobei, selbst in Batumi hatten wir keinen gefunden…
Auch die Läden wie Spar, also die größeren Ketten, sind oft eher klein und so eng, dass teils kaum zwei Menschen in den Gängen aneinander vorbei kommen.
Einkaufswagen und Bänder wo man seinen Einkauf ablegen kann, fehlen ebenso oft gänzlich.
Die Angebote reichen für das Notwendige, klar, aber das wars auch. Fleisch sucht man in der Regel vergeblich, da die Georgier ihr Fleisch bevorzugt beim Metzger oder auf den Basaren kaufen. Die über Google zu finden ist bis auf die drei großen Städte ein schwerliches unterfangen.
Das geht dann nur mit Durchfragen bei Passanten. Einkaufstechnisch muss man halt umdenken.

Gemüse kauft man besser an den kleinen Ständen, Läden an der Straße oder auf dem Basar, dort ist die Auswahl größer und die Qualität auch besser als in den Supermärkten.
Das „Brot“ aus den Supermärkten ist für uns gar keine Option, geht gar nicht!
Hier kauft man sein Puri (Brot) besser bei den kleinen Bäckereien wo es frisch aus den Ofen kommt. Allerdings sind die spitzen an Fladen erinnernden Brote nicht vergleichbar mit jenen, die wir aus Europa her kennen. Aber ungeheuer lecker!
Für wen das nichts ist, muss halt selber backen…

Für uns stellte das Einkaufen auch eine logistische Herausforderung dar!
Oft liegen die Supermärkte und Läden in den Innenstädten, auf jeden Fall sind Parkplätze nahezu immer Mangelware oder erst gar nicht vorhanden. Hier sind mit einem großen Fahrzeug Improvisationstalent und eine  gewisse Coolness angesagt.
Tipp: Jede Gelegenheit wo man einen gut erreichbaren guten Supermarkt findet sollte man nutzen und seine Vorräte auffüllen!

Preise (Stand 05/2026)

Georgien ist kein Billigland, auch wenn immer Anderes behauptet wird!
Sicher, Diesel, Brot und Bier sind recht günstig, aber das wars auch.
250gr Butter kosten um 3€, 1 L Milch bis 2€, nur Billigangebote um 1,30€. Gemüse wie Paprika, Auberginen etc. um 5€/kg. Gefühlt liegen die Preise bei einem gemischten Warenkorb rund 30% höher als in Deutschland.

Aufenthaltsdauer

Als EU-Bürger darf man sich 360 Tage Visafrei im Land aufhalten.
Das gilt aber NICHT für das Fahrzeug! Man erhält an der Grenze quasi ein elektronisches TIP (TemporaryImport Permit) worin die Aufenhaltsdauer für die vorübergehende Verwendung vermerkt ist. Leider hat man selber nichts in der Hand und muss nachfragen, möchte man seine Restaufenthaltsdauer für das Fahrzeug wissen.
Die beträgt bei Fahrzeugen bis 3,5 Tonnen 90 Tage und darüber 60 Tage.
Manchmal ordnet der Zollbeamte auch ein schwereres Wohnmobil wie bei uns als „Leichtfahrzeug“ ein und vergibt auch hier 90 Tage. Verlassen kann man sich darauf aber nicht und auf jeden Fall nachfragen, da man ja kein Dokument erhält.
Schön ist, dass die Frist bei einem „Border run“ wieder neu läuft. Da die Meisten auch Armenien besuchen, also kein Problem.
Die Frist sollte man jedoch unbedingt einhalten, es drohen sonst Strafen!

Haftpflichtversicherung

Egal ob die eigene Haftpflicht zahlen würde oder nicht, man muss eine georgische Haftpflicht abschließen. Das kann man an der Grenze oder auch online erledigen.
30 Tage für ein Wohnmobil >3,5 Tonnen kosten z.Zt. 100 Lari.

Straßen und Verkehr

Der Verkehr in Georgien ist, erst recht in den Städten, durchaus chaotisch zu nennen.
Die Fahrweise entspricht in etwa wie bei den Scooter-Fahrern in Italien: Ein tägliches Angebot an das Schicksal, ob man den Tag doch noch überleben kann. Nur halt im PKW…
Die Straßen entpuppen sich trotz aller Mühen Orte wie Mestia und Uschguli über Asphalt der Zivilisation bedingt etwas näher zu bringen, oft aber nur als besserer Feldweg. Oder, Hauptstraßen außerhalb der dichter besiedelten Gebiete erscheinen wie die kleinen welligen mit Schlaglöchern übersäten Wege in der Wesermarsch in Deutschland.
Wobei, in Georgien könnte man in den Schlaglöchern einiger Strecken problemlos ein ganzes Schwein verstecken, wie man so schön zu sagen pflegt.
Hat man sich auf dem Balkan oder der Türkei an Ziegen, Schafe, Hühner oder ein paar Kühe am Straßenrand gewöhnt, hat dies in Georgien eine ganz andere Qualität da sie hier ganz normale Verkehrsteilnehmer sind. Die Verkehrswege werden selbst in Städte wie Batumi vollumfänglich von allen Lebewesen genutzt. Vielleicht handelt es sich bei den Schlaglöchern ja tatsächlich um Schutzmulden für die bewussten Schweine😁

Von daher, in Anbetracht der extrem hohen Versicherungssumme bei der Kfz-Haftpflicht sollte man eine äußerst defensive Fahrweise an den Tag legen!

Kranken- und Unfallversicherung

Seit dem 01.01.2026 benötigt man bei der Einreise eine Kranken- UND Unfallversicherung die je eine Mindestabdeckung von 30.000 Lari für den Zeitraum des Besuchs abdeckt.
Die Versicherungsescheinigungen müssen bei der Einreise in georgischer oder auch in englischer Sprache ausgedruckt oder digital vorliegen.
Angeblich soll auch bei der Ausreise die Gültigkeit geprüft werden können. Das Fehlen einer Versicherung kann mit Bussgeld geahndet werden.

Grenzprozedere nach Georgien

Der Grenzübertritt nach Georgien ist noch eine richtige Grenze und man sollte deshalb  etwas Geduld mitbringen. Hin und wieder kann die Straße wie bei uns auch wegen eines Felssturzes auch mal für Stunden gesperrt sein.
Am Besten erscheint man früh Morgens in der Woche. Dies mit dem Früh ist allerdings mit meiner lieben U. so eine Sache😉
Die Beifahrer müssen aussteigen und werden separat abgefertigt.
Hat man die Abfertigung hinter sich gebracht, benötigt man noch eine Kfz-Haftpflichtversicherung die man an der Grenze erwerben kann. Rund 56€ für 90 Tage für einen Truck, das sind auch Wohnmobile über 3,5 Tonnen, führen jetzt nicht in den Ruin.
Blöde, dass man nur 30 oder 90 Tage wählen kann, denn über 3,5 Tonnen, darf man nur 60 Tage im Land bleiben. Aber egal…
Geld kann man auch gleich tauschen oder sich eines Automaten bedienen.
Nur das Internet, das bekommt man nur in Batumi, eigentlich, denn, man kann sich wie oben erwähnt auch bei magti einen Account einrichten und eine eSIM erwerben.
Man erspart sich dadurch das Verkehrschaos in Batumi und die Lotterie einen Parkplatz zu ergattern.
Wir hatten die Kfz-Haftplicht ebenfalls bereits vorher schon online gebucht.
Die Nachweise der Kranken- und Unfallversicherungen wollte übrigens niemand sehen und wir bekamen für das Bimo sogar 90 Tage weil der Zöllner das Bimo nicht einordnen konnte. Nach 20 Minuten waren wir mit allem durch.

06.05.2026-Gonio-30km

In Gonio, einem Vorort von Batumi, hatten wir nach der Grenzabfertigung einen netten Platz an der Promenade gefunden. Hier war ein Waschsalon in der Nähe den wir natürlich gleich genutzt hatten.
Während die WaschMasch lief, nutzten wir die Zeit für einen Einkaufsbummel.
Abgesehen von den Spritpreisen mit 1,35€ für Diesel ist Georgien kein Billigland. 3€ für ein Päckchen Butter oder 2€ für ein Liter Milch sind schon Hausnummern.
Der erste Eindruck Georgiens ist wie in eine Reise in die Zeiten des eisernen Vorhangs. Es sieht alles schon recht verfallen sozialistisch aus. Allerdings auf eine gewisse Art charmant und vor allem interessant.

08.05.2026-Batumi

Heute stand der Besuch Batumis an. Der Bus startet nicht weit von unserem Parkplatz und ein Ticket benötigt man auch nicht.
Man hält einfach seine Kreditkarte an das NFC-Lesegerät und fertig. Die rund 10km-Fahrt in das Zentrum kostet dabei lediglich ein paar Pfennige.

Das sollten sich die Verwaltungsköppe in Deutschland mal anschauen, wo man für die Fahrt mit den Öffis ein Studium benötigt.
Batumi wird gerne auch als das Las Vegas des Kaukasus genannt. Ein herrlich schräger Mix aus subtropischem Badeort, Casino und einer futuristischen Spielwiese als Architektur-Experiment. Umzu Plattenbauten, historische Gebäude und Viertel mit eher indonesischem Flair.
Eine Stadt, die sich offensichtlich nicht entscheiden kann was sie sein möchte.
Am endlos langen Boulevard schlenderst du am Meer entlang, an den futuristischen Gebäuden wie dem spacigsten McDoof der Welt vorbei, stolperst über den Alphabetic Tower und schwups stehst du bei den Emotions in Stahl „Ali and Nino“.

Eigentlich sind derlei Städte ja nichts für uns, allerdings ist Batumi wiederum so schräg interessant, dass sich man sich einen näheren Besuch nicht entgehen lassen sollte!
Wobei wir aber auch nur das Wort „interessant“ und nur partiell schön unter bringen können. Mehr als einen Nachmittag könnten wir kaum ertragen.

Nebenbei bemerkt:

Leider befindet sich auf dem unter Travellern bekannten praktischen Parkplatz am Yachthafen eine Baustelle und ein Übernachten ist dort nicht mehr möglich.
Die Stadtverwaltung weiß augenscheinlich auch nicht, dass es längst mobile Menschen in großen Dosen gibt um das Land zu erkunden und jenen einen Schlafplatz zu ermöglichen. So bedeutet alleine die Suche nach einem Parkplatz ein kleines Abenteuer, geschweige, dass man einen akzeptablen, geschweige ruhigen Nachtplatz finden würde.
Auf die Idee, sich mit einem Wohnmobil in dieses schiere Chaos zu wagen, sollte man also erst gar nicht kommen. Man braucht dann schon ein Gemüt wie die Kühe, dies sich in aller Seelenruhe durch das Verkehrsgetümmel schlagen.
Von daher empfehle ich, sich vorher einen hübschen Platz zu suchen oder auf dem Camping Tabor N1 zu gehen um dann mit dem Bus ins Zentrum zu fahren.

13.05.2026-Anaklia-100km

Ziel war das an der Grenze zur abtrünnigen Region Abchasien gelegene, wie ich es nenne, Glubschauge.
Dieses „Auge Anaklias“ war Teil des Lazika-Projekts, eines der ehrgeizigsten, umstrittensten und futuristischsten Vorhaben in der jüngeren Geschichte Georgiens.
Man könnte es auch als den Versuch beschreiben, ein „Dubai am Schwarzen Meer“ aus dem Boden zu stampfen, wo vorher eigentlich nur Sumpf und Kühe waren.
Aus Umwelt-, Planungs und Umweltgründen ist das Projekt allerdings gescheitert.
Obwohl einige Anlagen wie der Aquapark und ein Hotel in der Saison in Betrieb zu scheinen sind, wirkt alles völlig heruntergekommen und eher wie ein Lost Place. Dies, obwohl teils renoviert wird und ein neuer Betonbunker aus dem Boden gestampft wird.
Irgendwie wirkt alles neben dem Baulärm und einem zum Meer aufgehäuften Schutt- und Kieswall unwirklich befremdlich.
Geht man über die Brücke, gelangt man zum anderen Teil des Ortes. Auch der sieht recht lost aus. Scheinbar ist er in der Saison dennoch belebt, denn es wird  eben leeren Gebäuden renoviert, die Palmen beschnitten und Gras am Weg abgestochen.
Irgendwie weiß man aber nicht, was man davon halten soll. Ist er Lost oder doch einfach nur vergammelt, als wenn man sich nicht entscheiden kann, was hieraus werden soll.

Obwohl auf seine Art interessant, fühlten wir uns hier einfach nicht wohl und sind zum Rand des Naturschutzgebietes Kolkheti an den Strand gefahren.
Hier hatten wir auch unseren ersten netten Kontakt mit einem Georgier, der als Wasserschutzpolizist seinen Dienst am Radar-Horchposten verrichtet.
Sogar Bienenfresser haben sich hier niedergelassen.

Die Fahrt hierhin war übrigens auch sehr spannend. Tolle Straßen wechselten sich mit Humpelpisten ab und führten durch ursprüngliche, an für uns Indonesien erinnernde Dörfer. Dazu schlenderten Schweine, Kühe und man glaubt es kaum, sogar Wasserbüffel an der Straße entlang.

Hier endet dann der erste Teil der Georgien-Reiseberichte, der nächste Reisebericht: Georgien 2026 Teil II (in Vorbereitung)

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