Der 4×4 Sprinter mit Cooper AT3 Discoverer im Gelände

Wie im Bericht Reifenumrüstung für den 5T-Sprinter beschrieben, habe ich auf dem 4×4 Sprinter die 215/85/16 Cooper AT3 Discoverer aufziehen lassen.
Nun wollte ich wissen, wie sich die Reifen im leichten OffRoad-Gelände machen würden und auch, wie sich der Allrad des Sprinters in der Praxis so bewährt.

Bimo im Sand

Bimo im Sand

Angedacht waren sandige Passagen, größere Bodenwellen und Spuren um die Bodenfreiheit und den möglichen Böschungswinkel auszutesten.
Weil es auf dem Weg lag, sind wir im Fürsten Forest gelandet, das ist ein im Wald gelegenes ehemaliges Bundeswehrgelände, zumeist sehr sandig mit tiefen Spuren, Absätzen und Erhebungen.
Die Kompetenz der Dame an der Rezeption war auch wieder mal eine Ausgeburt an Sachkenntnis, nämlich null! Das Gelände ist für solch große Fahrzeuge zumindest dann nicht geeignet, wenn man sich sein Wohnmobil nicht an den Ästen verschrammeln will und keine wirklich große Bodenfreiheit besitzt. Ich hatte dann das Beste draus gemacht, was machbar ist und wurde bestaunt wie ein Alien. Das nächste Mal fahre ich zum Mammut Park um dort mal die möglichen Steigungen auszutesten. Dazu ist dort der Untergrund ein Anderer.

Der Reifen Cooper AT3 Discover

Der Cooper AT3 ist ein wirklicher Allrounder. Auf der Straße ähnelt er ob trocken oder nass dem Vanco4Season, angenehm zu fahren und auch bei Nässe kam nie ein unangenehmes Gefühl auf.
Wer besser ist, kann wohl nur auf einer Teststrecke gemessen werden. Mir aber egal, da ich nie in diese Grenzbereiche vorstoßen werde.
Der Cooper hat dem Komfort und der Nasshaftung geschuldet ein weniger aggressives Profil. Man kann also nicht erwarten, dass der sich genau so durch die Pampe wühlt, wie ein grobstolliger Reifen.
Auf Sand hat das aber eher Vorteile, da er nicht so extrem gräbt. Auch für mich von Vorteil, da in der Praxis eher Sand als tiefste Pampe vorkommen wird.
Der Boden auf dem Platz bestand auf den Strecken zumeist aus feuchtem Sand von 5 – 20cm Tiefe. Hier zeigte der Cooper ausreichend Grip und ich fragte mich, wozu ich einen Allrad habe.
Auch im Sandkasten bin ich durch tiefen Sand ohne Allrad gefahren. An keiner Stelle drehte ein Rad durch, Grip ohne Ende und das ohne ein Zehntel Luft abzulassen.
Gebraucht hatte ich den Allrad an nur zwei Stellen, da versagte aber der Allrad des Sprinters, nicht der Reifen. Die 3 Zentimeter mehr an Bodenfreiheit wirkten sich auch sehr positiv aus, das war oft dieses kleine Quäntchen mehr Platz an der Achse oder am Überhang.
Für mich ist der Cooper AT3 Discoverer ein sehr guter Kompromiss zwischen Straße und leichtem Gelände. Gerade für die Leute, die die meiste Zeit auf der Straße unterwegs sind und doch mal ins  sandige Abseits wollen.

Der Allrad des Sprinters mit 4ETS, vom fröhlichen Graben im Sand

Zur Erinnerung: Der Sprinter hat keine Differenzialsperren, diese werden über das 4ETS (ElektronischesTraktionsSystem) simuliert. Dreht ein Rad durch, soll dieses gezielt abgebremst werden und die Kraft steht dem Rad mit mehr Grip zur Verfügung. So sollen dann bis zu 3 Differentialsperren simuliert werden können.

Die Praxis

Schaut euch das Video an, hier ist das Versagen des 4ETS sehr schön zu beobachten.

Ich wollte in einen anderen Weg einbiegen, ausgefahrene Spuren und in der Mitte war der Sand aufgehäuft. Keine Chance, darüber zu kommen….
Wenn ein Rad durchdreht, ist es wichtig, weiter am Gas zu hängen, damit das 4ETS regeln kann. Nur, da regelte nichts, so wurde das Wohnmobil einfach weiter geschoben, da an der Hinterachse Grip ohne Ende vorhanden war. Manchmal verspürte ich einen leichten Schlag in der Lenkung, dachte, jetzt aber, doch nichts passierte. Ich hatte dann entnervt aufgegeben.Das zweite Mal war ein Fahrfehler. Ich hatte mich rückwärts in ca. 20 – 30cm tiefen Sand manövriert. Da wäre ich vielleicht aber auch ohne Allrad wieder raus gekommen, tja wenn denn der 1. Gang genug Kraft entwickelt hätte. Ich wollte nun die Kupplung nicht unnötig quälen und wofür habe ich denn einen Allrad vor allem mit einer Untersetzung?
Sofort drehten die Räder vorne durch, aber hier kam es mir nun so vor, dass das 4 ETS teils zu arbeiten schien, da die Räder wechselseitig durchdrehten. Die Folge war, dass ich mich in kurzer Zeit fast bis zur Achse eingegraben hatte. Vorteilhaft waren hier wieder die größeren Räder, mit den Serienrädern hätte ich die Achse mit eingebuddelt.
Mit ein wenig Buddelei und ein paar Ästen kam ich dann ruck zuck wieder frei, da dann an beiden Vorderrädern gleiche Bedingungen herrschten.

Fazit

Der Cooper AT3 Discoverer ist eine unbedingte Empfehlung. Guter Grip in allen Situationen auf der Straße wie im leichten Gelände. Alleine die paar Zentimeter mehr Bodenfreiheit lassen etliches sicherer durchfahren, gerade bei meinem Überhang.

Zum Allrad meinte jemand in einem Kommentar: Wenn man den Allrad braucht, ist es eh zu spät und man sitzt fest. Ich sag mal so, stimmt bedingt, mit Allrad hat man zumindest eine Chance.
Fast alle Strecken sind in der Tat ohne Allrad zu bewältigen, nur wenn es tiefer pampig oder Sandig wird, dann ist der Allrad bei so großen und schweren Kisten hilfreich.
Hätte das 4ETS richtig gearbeitet, wären die Junx auf dem Platz nicht mehr aus dem Staunen heraus gekommen, was man mit solch einem fetten Sprinter-Wohnmobil so veranstalten kann.

Ich bin mir nicht sicher, ob das Verhalten des 4ETS nun so normal ist, oder vielleicht ein Fehler, auch meinerseits, vorliegt. Meine Erfahrungen weichen ja nun gänzlich von der Werbung und auch teils Anderer ab.
Ich werde dazu mal meinen 🙂 lichen aufsuchen und befragen, was der davon hält, bzw. den Sprinter mal ans Diagnose-Gerät hängen lassen. Mir ist klar, das 4ETS kann keine echten Differentialsperren ersetzen, aber so ist der Allrad gerade dann wenn es darauf ankommt, nahezu nutzlos.

Aktualisierung 18.10.2016:
Das 4ETS scheint wohl nur im Sand so seine Probleme zu haben, im Modder arbeitet es einwandfrei. Zu finden im Bericht: Das Bimo im Matsch

Aktualisierung im Oktober 2017:

Ab ca. 18.000 km bildet sich ein mehr oder weniger ausgeprägtes Sägezahnprofil an den Seiten der Vorderräder. Nach ca. 23.000 km auch an der Lauffläche in der Mitte. Die Hinterräder sind davon nicht betroffen, bzw. es beginnt ganz leicht.

Sägezahnprofil

Sägezahnprofil

Ursache:
Forsche Kurvenfahrten oder eher wie bei uns, starker Seitenwind mit den dadurch verbundenen Lenkbewegungen. Dazu kommt, dass die Belastung der Vorderräder mit dem schweren Alkoven besonders groß ist.
Allerdings schreibt sogar Mercedes, dass es bei Geländereifen zur Bildung von Sägezähnen an den Vorderrädern kommt. Erfahrungen anderer Reisender mit anderen Geländereifen auch auf anderen Fahrzeugen sprachen von den gleichen Problemen.

Die Vorderreifen mussten nun nach gut 26.000 km definitiv runter. Abgefahren waren sie noch nicht, an den dünnsten Stellen immer noch um 4mm aber das Sägezahnprofil an den Seiten ist nun so schlimm geworden, dass es ab 80 km/h einfach nur nervt. Die Reifen sind nun nicht nur laut, sondern man verspürt auch auch leichte Vibrationen im Lenkrad und das Armaturenbrett fängt nervig an zu singen.

Über die Reifen lasse ich trotzdem nichts kommen, ich sehe das einfach als erhöhte Unterhaltskosten an. In der Gesamtheit der Eigenschaften bieten die Reifen immer noch die meisten Vorteile.
Sei es Schnee, Sand, Matsch oder Nässe, die Cooper bieten einfach in allen Situationen ausreichend Grip.

Als sehr vorteilhaft hat sich die erhöhte Traglast ausgezahlt, denn mehr als einmal musste ein Zwillung auf Rough Roads die gesamte Achslast aufnehmen.

Auf Schotter sind die Reifen auf Grund des Profils nur durchschnittlich, wie ein normaler Reifen halt.
Entgegen dem Werbeversprechen setzen sich kleine Steine im Profil fest.
Trotzdem kam eine Umrüstung auf Bridgestone nicht in Frage, der Spezialist für Modder und Schotter.
Die Nass- und Schneeeigenschaften dieses Reifens halte ich einfach für zu schlecht, wie sich ja auch beim Mercedes Sicherheitstraining heraus stellte.

Nach nun gut 2.000 km mit teils grobem und spitzem Schotter und Steinen kann ich sagen, dass der Cooper sehr robust ist. Bisher keine Panne, toi, toi, toi…
Bei dem nichtbemerkten defekten Ventil musste ein Reifen des Zwillings über hunderte km fast das ganz Gewicht aufnehmen, nichts passiert!

Da der Reifen recht günstig ist, kann ich mit einer Laufleistung von 25.000 km vorne und 50.000 km hinten gut leben.

Wie in Deutschland konnte mir auch diese Werkstatt nichts über den richtigen Reifendruck sagen.
Allerdings haben sie mir ein Datenblatt des Coopers mitgegeben.
Bei voller Belastung (1280kg) eines Einzelreifens sind sie mit 5,5 bar zu fahren.
Bei den Zwillingen gilt hier ein Gewicht von 1.100 kg.
Auf unser Bimo bezogen fahre ich sie nun vorne mit 5,1 und hinten mit 4,8 bar.
Auf der Straße fährt sich das Bimo deutlich straffer und angenehmer, nur Schläge kommen stärker durch. Vielleicht wird es so auch mit den Sägezähnen besser. Ich werde berichten…

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10 Kommentare

  1. Wenn ich richtig informiert bin, rüstet die Firma Oberaigner in der Nähe von Rostock den Sprinter auf Allrad um. Die Techniker dort müssten dazu eigentlich was sagen können, warum ETS evtl. nicht funktioniert hat .

    • Moin Walter,
      ich habe ein OBD-Lesegerät, nicht, dass die Mercedes-Werkstatt bei der Umcodierung das ESP deaktiviert hat 🙁
      Danach mal meinen Freundlichen aufsuchen. Wenn ESP aktiv, werde ich Deinen Rat befolgen, will mich ja nicht blamieren 😉
      LG Michael

  2. Hallo Michael,

    vielen Dank für das Video und die Testfahrt. Hier kann man doch sehen wo die Grenzen liegen. Eine Achssperre hinten ist sicher eine gute Investition. Ich bin aber gespannt was da bei dem Thema ESP raus kommt. Obereigner macht die größeren Reifen nur in zusammenhang mit einem ausgeschalteten ESP. Grüße Robin

    • Moin Robin,
      laut Aussage ORC ist das ESP nicht abgeschaltet. Würde es, wäre der Allrad völlig sinnlos, wie auf dem Video zu sehen. War ja schließlich nichts besonderes. Ich hak da aber mal nach…
      LG Michael

  3. Hallo, wir fahren einen LBX 365 und setzen uns mit ähnlichen Fragen auseinander. Als wir im Sommer die Transporter-Tage von MB mitmachten wurde auf einem Rollenstand das elektronische ESP vorgeführt bzw. trainiert. Wir mussten hierzu richtig kräftig Gas geben, damit die Bremse das durchdrehende Rad stoppte.
    Grüße aus Berlin / Brandenburg
    detlev

    • Moin Detlev,
      danke für den Tipp, werde ich mal ausprobieren. Hatte davon schon gehört, aber in meinem Fall hatte ich mich nicht getraut.
      Auf dem Weg hätten mich die Zwillinge an dem Abzweig vorbei gedrückt. Im Sand hatte ich es versucht, aber in der kurzen Zeit steckte ich fast bis zur Achse im Sand.
      Auf jeden Fall erscheint es mir dann zu träge, denn wenns drauf ankommt, muss es schnell gehen.
      Ich war auch auf dem Transporter-Training, schade, dass bei uns kein Rollenstand dabei war.
      LG Mikesch

    • Sodele…
      Das scheint nur ein Prob im Sand zu sein, jetzt im Matsch kein Problem.
      …/das-bimobil-im-matsch/
      LG Mikesch

  4. Hätte auch gern 4×4 an meinem Sprinter 312 Wohnmobil, aber nicht fürs Gelände, da zerreibt sich jedes Auto. Nur wenns mal kritisch wird ist die Allradreserve top! Habe nur hinten echte Differenzialsperre und es reichte bislang .

  5. Habe mit großem Interesse den Bericht gelesen. Danach auch schon Kontakt mit ORC aufgenommen.So wie mir gesagt wurde haben die Reifen wie beschrieben das M&S Symbol aber kein Schneeflocken Symbol. Gibt es da Probleme wenn wir die Reifen auch im Winter fahren. Im Netz streiten sich da die Gelehrten.

    • Moin,
      M&S reicht aus, um dem Recht Genüge zu tun. Bin gerade bei Eis und Schnee unterwegs. Macht gar kein Spaß, die Reifen haben in allen Situation voll den Grip. Egal ob Eis oder Schnee…
      Kreise drehen ist so gut wie unmöglich 🙂
      Will sagen, die Reifen sind top!
      Liebe Grüße, Michael

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