Reifenumrüstung für den 5T-Sprinter 4×4

Reifenumbau Sprinter

Originalbereifung

War das ein Drama, Problem gelöst, Aktualisierung Oktober 2016.

Der Bericht ist neu verfasst und beschränkt sich nunmehr lediglich auf die Lösung.
Alternativ gibt es hierzu die Lösung mit dem Iglhaut  Allrad und dem SuperSingle für um 40.000 Euronen.

Eigentlich ging es uns für unseren USA-Trip lediglich um die Umrüstung des Sprinters auf 215/85/16, da die serienmäßigen 205/75/16 in den USA nicht zu bekommen sind. Ursache ist, dass der Sprinter in den USA mit den 215 Cargo-Reifen läuft. Hintergrund ist einfach, dass wir Reifenschäden eingeplant haben, da die Reifen im leichten Gelände einer höheren Belastung ausgesetzt sind.

Das Problem wurde nun nach über 6 Monaten Gedoktere bei den unterschiedlichsten Mercedes LKW Stationen gelöst.

Realisiert hat das nun die Firma ORC (OffRoadCenter) GmbH in Holzgerlingen. War nicht ganz billig, die Kosten für die Umrüstung mit Felgen, Flansche, Reifen mit Ventilverlängerung, TÜV-Gutachten und Anpassung für das Steuergerät bei Mercedes sowie die Halterung des Reserverades lagen bei um 3.300,- Euro.
Wer einen Umbau plant, sollte den Geschäftsführer von ORC, den Herrn Altschäffl kontaktieren, da er mit der Materie und Problemstellung vertraut ist.
Hier ebenso einen Dank an das ganze Team! Das ganze ORC-Team ist freundlich, hilfsbereit und lösungsorientiert! Alleine die Frickelei mit der Reserveradaufnahme, die Alträder wurden kostenfrei nach Hause geschickt…

Gutachten

Gutachten

Technische Hintergründe und warum sich der Umbau auch lohnt, auch wenn man nicht gerade in die USA möchte

In den USA läuft der Sprinter mit 215/85/16er Reifen auf der sog. 6J NAFTA-Felge mit anderer Einpresstiefe und Cargo-Bereifung.
Im Netz zu lesende Lösungen mit jener NAFTA-Felge kann man getrost vergessen, da Mercedes diese Felge in Europa nicht mehr ausliefert.

Sprinter Reifenumrüstung

Flansch

Mercedes bietet aber trotzdem ein Lösung an, ein dickerer Flansch und eine verstärkte 5,5J Felge sind regulär über jede Mercedes-Vertretung zu beziehen.
Die Felgen sind auf einen Flansch montiert. Da der 215er Reifen breiter ist, ist dieser Flansch ca. 1,5 cm dicker, dazu kommt, dass die neue Felge einen anderen Lochkreisdurchmesser hat. Damit wird gewährleistet, dass der Abstand zwischen den Zwillingen ausreichend groß ist. Dieser Flansch muss auch an den Vorderrädern montiert werden, damit die größere Spurbreite zu den Hinterrädern wieder stimmt und das ESP arbeiten kann.

Sprinter Reifenumrüstung

Anpassung Steuergerät

Nur so nimmt der TÜV in Holzgerlingen den Umbau ab was auch durchaus Sinn macht. Im Netz zu lesende Umbauten unter Degradierung des ESP machen auch für mich keinen Sinn. Keine Ahnung wie die durch den TÜV gingen.

Die Daten zur Umstellung sind bereits auf Grund des USA-Marktes im Steuergerät hinterlegt. In einer Mercedes-Werkstatt wird durch Code-Umstellung eine Tachoangleichung und Anpassung des Motormanagements vorgenommen.

Eigentlich könnte nun alles in Butter sein, wäre da nicht das Abgas…

Was hat das Abgas mit den Reifen zu tun? Ganz einfach, die Drehzahlen ändern sich, die größeren Räder (ca. 6cm im Durchmesser) haben eine andere “Hebelwirkung”, die Gänge verlängern sich.

Aber es ist doch bereits alles im Steuergerät für den US-Markt hinterlegt?

groessenunterschied

Größenunterschied Foto: D. Deter

Richtig, aber Mercedes hat keine Abgastests für den Europäischen Markt mit den 215/85er Reifen durchführen lassen, warum auch, es werden ja nur die 205/75er montiert.
So muss bei einer Umrüstung grundsätzlich eine Abgasuntersuchung mit Einzelabnahme durchgeführt werden und die kostet um die 2.000,- Euro.

Die kann man umgehen, wenn sich der Abrollumfang um nicht mehr als 8% erhöht. Rechnet man den mal in unserem Fall aus, ist erklärt, warum man den Umbau ohne Abgasgutachten in DE grundsätzlich nicht durch den TÜV bekommt 😉
Der Firma ORC liegt ein Schreiben vor, wo ihrem Reifen ein größerer Abrollumfang von 7.8% bescheinigt wird, welches vom TÜV in Großherlingen anerkannt wird.

Der Reifen Cooper AT3 Discover

AT3 Profil

AT3 Profil Foto: D. Deter

Den von ORC verbauten hatte ich schon vorher nach lesen etlicher Tests, auch von Privatpersonen auf amerikanischen Seiten im Visier.
Das Profil ist nicht so aggressiv wie von einem Bridgestone Goodrich und ähnelt eher dem Vanco4Season. Der oft verwendete Goodrich ist eher für das Gelände und tiefer Pampe geeignet, aber nicht auf der Straße wegen dem Lärm tauglich, schon gar nicht bei Nässe wo der IMHO lebensgefährlich ist.
Der Cooper Discoverer ist ein wirklicher AllTerrain-Reifen, auf trockener und nasser Straße ebenso wie im leichten Gelände. Bei Matsche soll der auch fast dem Goodrich das Wasser reichen können. Auf Sand sogar besser, da ein grobstolliges Profil hier eher nachteilig ist. Klar, er kann in keiner Disziplin etwas wirklich gut und zeigt seine Stärken im (leichten) Gelände. Ein Kompromiss-Reifen für Leute, die sich öfter in solchem befinden und auch einen stabileren Reifen benötigen.

Meine ersten Erfahrungen nach gut 1.000 Kilometern:
Das Fahrverhalten erinnert an den Vanco4Season, eigentlich kein Unterschied, erst recht auf trockener Fahrbahn. Der
Cooper fährt sich genau so komfortabel, wenn nicht sogar einen Tick komfortabler als der Vanco. Auch auf nasser Straße habe ich nichts Negatives bemerken können, wobei, ich fahre auch recht defensiv und kam noch nicht in Bereich, wo ich mal heftig in die Eisen gehen musste. Der Cooper ist durch “Singen” ab 80 km/h etwas lauter, aber nicht störend.
Der Cooper AT3 Discover ist ein Ganzjahresreifen mit MS-Kennzeichnung.  Morgen gehe ich ins Gelände, da werde ich dann später über den Allrad, den Reifen und die Möglichkeiten des HD 420 berichten…
Aufällig ist aber, dass sich gemäß dem Werbeversprechen so gut wie keine Steine in das Profil festsetzen. Betrachtet man das Profil und vergleicht man das mit einem Vanco, erkennt man warum. Steine werden durch den konischen Profilschnitt einfach heraus gedrückt.

Durch den erhöhten Abrollumfang müssen die Gänge im Gebirge mehr gezogen werden.
Die Drehzahl vermindert sich um ca. 150 UPM bei gleicher Geschwindigkeit zu vorher und die Gänge werden länger. In Bezug auf die Beschleunigung habe ich zumindest bei dem V6 keinen Unterschied feststellen können.
Die Spannbreite beim Spritverbrauch erhöht sich dadurch. Im Gebirge fängt die Kiste durch das Hochziehen der Gänge das Schlucken an, auf gerader Strecke wird der Sprinter richtig sparsam. Ich habe gerade Rekorde gebrochen, im Gebirge knapp 18 L/100km, auf gerader Strecke knapp 12 L/100km voll beladen und 1.000 kg Anhänger bei 95 echten Km/h.
Aktualisierung Febr. 2017
Der Cooper im Schnee

Warum ist eine Umrüstung auch ohne geplanten USA-Aufenthalt zu empfehlen

  • Klar, die Optik, die Räder sehen nicht mehr so verloren aus und haben eine dem Fahrzeug entsprechende Dimension.
  • Gewinn an Bodenfreiheit um ca. 3cm, die müssen allerdings bei der Höhe einkalkuliert werden.
  • Keine Steinchen mehr im Reifen bei Befahren von Feldwegen
  • Der Cooper AT3 Discover hat eine höhere Traglast und und ist gegenüber eines Vanco deutlich robuster, gerade im Bereich der Flanken. Dazu kommt eine bessere Traktion auf pampigen Wegen
  • Der Abstand zwischen den Zwillingen ist deutlich größer, die oft vorhanden Steine auf Feldwege können sich nicht mehr so leicht festsetzen.
    Sicher kann es auch hier passieren, aber die Steine der entsprechenden Größe sind nun leichter erkennbar und können umfahren werden.
  • Der Vanco4Season gab in der Flanke recht deutlich nach, der stabilere Cooper ist da steifer. Das unangenehme Schwanken des Sprinters wird dadurch vermindert. Im leichten Gelände schaukelt der Sprinter einfach weniger, auch wenn man sich im Fahrzeug bewegt.

Fazit

Wer nur auf Asphalt unterwegs ist, für den wird sich ein Umbau kaum lohnen.
Wer aber mal den Asphalt verlassen möchte, dafür ist der 4×4 ja eigentlich da, für den lohnt sich der Umbau ob der Vorteile insgesamt allemal und ist eigentlich ein Muss. Mir ist es eigentlich ein Rätsel, warum Mercedes diese Reifendimension nicht auch in Europa für die 5T-Sprinter vertreibt und hier Unterschiede zum amerikanischen Markt macht.

Wer einen Umbau plant, sollte das auch zeitnah machen, wer weiß, ob der zukünftig noch so möglich sein wird. Die Abgasvorschriften werden immer restriktiver, selbst ORC äußert da Bedenken.

Sprinter Reifenumrüstung

Vorderrad

Sprinter Reifenumrüstung

Zwillinge

 

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16 Kommentare

  1. Es war schon immer etwas teurer einen besonderen Geschmack zu haben.😉😉😉
    Und wer nicht in die Norm passt, der darf sich mit der Bürokratie herumschlagen. Sonderwünsche bleihen nur einigen Wenigen, wirklich “wichtigen” Menschen vorbehalten. Alle anderen haben sich dem Primat der Effizienz zu unterwerfen.
    Wo kommen wir da hin, wenn da jeder Sonderwünsche hätte. Kunden sind dazu da, um zu konsumieren – Umsatz und Wachstum zu geneieren damit die Wirtschaftsmaschine läuft. Da stören solche wachstumshemmenden Sonderwünsche nur.
    TTIP wird das schon richten. Aber bitte daran denken: keine Sonderwünsche und keine Extrawürste, die die Bürgerverwalter nicht genehmigt haben. 😨

  2. Wozu braucht ihr denn in den USA den dt. TÜV?
    Man kann sich ja alles auch kompliziert machen…

    • a) Die Versicherung zahlt im Falle eines Unfalles nur bei einem im Heimatland ordnungsgemäß zugelassenen Fahrzeug.
      Dazu gehört auch der TÜV.

      b) Ich will die Bereifung auch später weiter fahren, da sie für meine Bedürfnisse (z.B. mehr Bodenfreiheit, passendere Reifen) besser geeignet sind.

  3. Super Beitrag. Termin bei ORC wird gemacht. Ich bin gespannt was bei deinem Test mit den neuen Reifen im Gelände raus kommt. Und wie immer bitte mehr Bilder :-).

  4. Hallo
    Danke für den tollen Bericht !!
    Unsere Versuche mit Oberaigner und unserem wohnmobil Hersteller Robel die Reifenumrüstung hinubekommen, scheiterten leider an fehlende Kooperationsbereitschaft von Oberaigner 🙁
    Im Moment sind wir also noch mit den normalen 205/75 R16 unterwegs.
    3300,-€ sind halt schon ein stolzer Preis aber die Cooper AT3 würden mir halt auch schon sehr zusagen.
    Ich werde mal mit ORC kommende Woche telefonieren 😉

    gruss
    Rainer

    • Moin Rainer,
      ich muss da mal die Firmen in Schutz nehmen. Es fehlt nicht am Willen, eher an den fehlenden Kontakten.
      LG Michael

      • Hallo Michael
        So nun haben wir auch die Reifenumrüstung über ORC hinbekommen und den Cooper AT3 montieren lassen.
        Hat alles sehr gut funktioniert geklappt und ich bin zufrieden.:-)
        Jetzt muß das ganze nur noch auf der Zulassungsstelle in die Papers eingetragen werden und dann können wir hier einen großen Haken dran machen 😉
        Danke nochmal für den Super-Tipp !!

        LG
        Rainer

  5. Ich nuss da noch mal was fragen. Haben Deine Reifen auch die Schneeflocke. Also auch für Winter geeignet?

    • Der Cooper Discoverer hat die M+S-Kennzeichnung, damit genügt er (noch) den gesetzlichen Bestimmungen für den Winter. Eine Schneeflocke wird er auch nicht bekommen, es sein denn, es kommt ein völlig neuer Reifen auf den Markt.
      Das ist ein Kompromiss-Reifen, der auf der Straße nicht an einen reinen Straßenreifen heran kommt. Im Winter besser als ein Sommerreifen ist, aber nicht an einen richtigen Winterreifen heran kommt.
      Mal sehen, vielleicht bekommen wir ja mal Schnee oder in den USA, werde dann berichten.
      Im Modder spielt er als All-Terrain seine Stärken aus. Wie gesagt, ein Kompromiss für Leute, die vielleicht 10% auf Piste oder unwegsam unterwegs sind und einen stabileren Reifen benötigen oder pampige Strecken geplant sind.
      Wenn wir aus den USA zurück sind, werde ich wieder den Vanco4Season (mit Schneeflocke) montieren mit dem ich bisher sehr gute Erfahrungen auch auf pampiger Wiese und Waldboden sowie Schnee gemacht habe und hier in Europa nicht die Strecken wie in den USA fahren werde.

  6. Hallo,
    es gibt von Cooper als spez. Winterreifen diesen hier:
    Cooper Discoverer M+S LT215/85 R16 115/112Q 10PR bespikebar.
    Ich habe inzwischen ebenfalls die Cooper Discovierer A/T3 von ORC montieren lassen. Bin sehr zufrieden mit diesen Rädern bzw. Reifen.
    Muss jetzt sehen, wie ich die “alten” los werde.

  7. Wo und wie bekomme ich denn zuverlässig heraus, welche Reifen man in den USA für den Sprinter kaufen kann?

    • Moin,
      das ist die Größe, auf die ich umgerüstet habe, das ist die Serienbereifung des US-Sprinters, die gibt es in jedem WalMart, andere Größen gibt es nicht 🙂
      Wenn Du mir nicht glaubst, dann besuche einen MB-Händler, das ist dann zuverlässig.

      Besuche mal amerikanische Seiten von Reifenhändlern und du wirst feststellen, dass unsere europäische Serienbereifung nirgendwo erhältlich ist.

  8. Sieht toll aus ! Ist bestimmt fasst ideal, mir aber zu teuer. Halte es aus meiner Praxis auch für nicht superwichtig…wenn ich sehe, mit was für Autos viele Extremreisende unterwegs sind!…da haben teilweise die ganzen Fahrzeuge nicht viel mehr gekostet als euer Reifenumbau. Und die kommen auch gut weiter, auch ohne Elektronik…manchmal auch wegen ohne Elektronik.
    Habe mich manchmal schon gewundert!

    • Der Grund war ja in erster Linie die Verfügbarkeit in den USA, alles Andere ist nettes Beiwerk. Wobei, die 3cm mehr an Bodenfreiheit hab ich schon gemerkt…
      Aber stimmt, in der Regel eigentlich nicht notwendig…

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