Zwillingsreifen-die Probleme

Zwillingsreifen, besser Zwillingsbereifung sind doch das Beste für ein Wohnmobil, jedenfalls denken so die meisten Wohnmobil-Fahrer. Ich gestehe, ich war keine Ausnahme 😉
Vor dem Kauf unseres Wohnmobils hatte ich mir da eigentlich auch keine Gedanken über etwaige Probleme mit der Zwillingsbereifung gemacht. Ich dachte immer, klasse, wenn mal ein Reifen platzt, ist immer noch ein Zweiter da und das Fahrzeug gerät nicht außer Kontrolle, was sich später in der Praxis auch erwiesen hat.
Ebenso die große Auflagefläche wenn es mal in die Pampe geht, da kommt man überall durch, jedenfalls von jeder pampigen Wiese. Das ist sicherlich richtig und hat in punkto Traktion auch meine Erfahrung bewiesen, meinen Allrad habe ich kaum wirklich gebraucht.
Allerdings sind das mehr oder weniger die Vorteile, die für Leute, die sich hauptsächlich auf der Straße bewegen auch richtig sind.
Wer aber den Asphalt verlassen möchte und sei es nur steinige enge Rumpelstrecken, da tun sich auch Nachteile auf.

Schon auf den ersten 1.000 km ist es passiert, darüber hatte ich ja schon berichtet: Auf einer Landstraße gab es plötzlich ein ultralautes „Pong„. Was war das? Ich bin nirgendwo drüber gefahren…
Gesehen hatte ich den Schaden dann erst, als ich unter dem Wohnmobil lag und die Hybriden angezogen hatte. Wahrscheinlich hatte sich irgendwo auf einem Stellplatz ein Eisenteil zwischen den Zwillingen gequetscht und ist dann auf der Landstraße bei höherer Geschwindigkeit heraus geflogen und hat den 8 cm dicken Sandwich-Unterboden fast durchschlagen.

Untboden-Schaden

Unterboden-Schaden

Im letzten Urlaub, nach gut 10.000 km, nach einer Fahrt auf einem Feldweg in Polen war auf der Straße ein lautes tack tack tack zu hören. Angehalten und nachgeschaut, da hatte sich ein dicker Stein zwischen die Zwillinge gesetzt.

Kleiner Clip von 00:24

In einem solchen Fall können die Flanken der Reifen stark geschädigt werden und Reifenplatzer sind vorprogrammiert, wenn man Pech hat, dann gleich beide Reifen. Mittlerweile verstehe ich, warum mich echte Allrader und OffRoader mit meinem Spielzeug-Allrad und der Zwillingsbereifung eher belächeln 😉
Nun gut, ich will ja auch nicht ins Gelände, aber doch auch auf Feldwegen und Schotterpisten unterwegs sein.

Weitere Problematiken:
Unsere Wohnmobile sind meist vom Gewicht her recht ausgelastet. Das Gewicht verteilt sich hinten auf alle vier Räder. Ist die Straße stark gerundet, müssen die inneren Räder mehr Kräfte aufnehmen und die Reifen unterliegen dort einer höheren Belastung durch Druck und Walkarbeit.
Kritisch kann es im Gelände oder auf engen Wegen werden, wo u.U. ein Rad keinen oder nur wenig Bodenkontakt hat und das Andere die gesamten Kräfte aufnehmen muss.
Ist der Luftdruck bei den Zwillingen unterschiedlich, muss auch hier ein Reifen mehr Kräfte aufnehmen und es besteht die Gefahr von Reifenschäden und damit verbundenen Reifenplatzern.

Tipps und Fazit:

  • Eine Zwillingsbereifung ist nicht für den OffRoad-Einsatz geeignet!
    Sollte einmal der Luftdruck gesenkt werden müssen, verengt sich der Zwischenraum zwischen den Zwillingen. Durch die erhöhte Walkarbeit kann ein Gegenstand noch eher zu einem Schaden an den Flanken der Reifen führen.
  • Regelmäßige Luftdruckkontrolle und auf gleichmäßigen Druck achten.
    Ist bei einer Zwillingsbereifung oft nicht einfach, dann sollte man über eine Ventilverlängerung nachdenken.
    Gerade wer sich oft im Abseits bewegt, sollte einen Kompressor dabei haben. Muss ja nicht das teuerste Teil sein, aber für den Durchnittswohnmobilisten so was wie der Mannesmann.
  • Insbesondere nach und zwischendurch auf Schotterpisten oder Feldwegen eine Reifenkontrolle durchführen!
    Gerade hier hört man nicht, wenn sich ein Gegenstand zwischen die Zwillinge gesetzt hat. Je länger sich ein Gegenstand zwischen den Reifen befindet, so größer die Gefahr eines Reifenschadens.
    Die meisten Gegenstände, meist Steine bekommt man auch so heraus, manchmal bedarf es aber auch eines Werkzeuges als Hilfsmittel.
    Zu empfehlen ist ein Stemmeisen oder besser ein Kuhfuss.
  • Manchmal hilft auch kein Werkzeug, dann muss ein Rad abgenommen werden.
    Vorsicht: Durch den Gegenstand in den Zwillingen kann einem das äußere Rad beim Lösen entgegen springen.
    Nachdem das Wohnmobil hochgebockt wurde, vor dem Lösen der Radmuttern erst den Druck aus den Reifen lassen!
    Vielleicht hat man auch Glück und kann den Gegenstand schon alleine durch diese Maßnahme entfernen, ohne ein Rad abnehmen zu müssten.
    Wie oben geschrieben, ein Kompressor gehört an Bord!
  • Auf Feldwegen, Pisten, oder auch beim Stehen eine einseitige Belastung eines Rades vermeiden.
  • Verwendung von Reifen mit einem höheren Traglastindex, das bringt Reserven auf Pisten, wenn ein Zwillingsrad in der Luft hängt.
  • Reifen unterliegen einem Alterungsprozess, in der Regel sagt man, dass spätestens nach 6 Jahren die Reifen gewechselt werden sollten.
    Auf Grund der höheren Belastung der Bereifung bei Wohnmobilen, empfehle ich hier besser 5 Jahre, gleich welche Laufleistung.
  • Ist für Wohnmobile (noch) nicht vorgeschrieben, aber ich empfehle ein Reifendruck-Kontrollsystem.

Sollte ich etwas vergessen haben, für Anregungen und Tipps bin ich dankbar und könnt ihr gerne in einem Kommentar hinterlassen!

Werbung/Anzeige
Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

9 Kommentare

  1. Danke für den informativen Artikel. Hab als Neuling die gleichen Gedanken gehabt wie du 🙂
    Würdest du dein aktuelles Fahrzeug bei einem Neukauf denn wieder mit Zwillingsreifen ausstatten oder doch eher zur normalen Bereifung greifen? Oder SuperSingle?

  2. Recht tendenziös, Zwillingsbereifung hat auch seine Vorteile, und bei schwereren Strassenfahrwerken über 4 Tonnen hat man ja auch gar keine Wahl.
    99% aller Baustellen-LKW fahren Zwillingsbereifung zumindest auf der Antriebsachse, ich glaube nicht, dass die alle plemplem sind.

    bis denn,

    Uwe

    • Moin,
      es gibt sehr wohl Fahrzeuge, sogar bis 18 Tonnen mit Einzelbereifung. Insbesondere Expeditionsmobile wird man niemals mit Zwillingen antreffen.
      Sicherlich haben Zwillinge auf der Straße ihre Vorteile, das durfte ich selber erleben. Hier geht es aber darum, wenn man den Asphalt mit tiefem Sand, Matsche, groben Steinen und Absätzen verlässt. Da sind Zwillinge kontraproduktiv. Zusetzen des Zwischenraums, Belastung eines Rades, weil eines meist in der Luft hängt…
      Eine Baustelle ist ebenso nicht mit OffRoad vergleichbar. Die Pisten sind meist mit einem hochbeinigen PKW befahrbar. Unter bestimmten Bedingungen kommen bei Baustellenfahrzeuge Gürtel zum Einsatz, der den Spalt zwischen den Zwillingen dicht macht. Unterm Strich überwiegen bei einem Baustellenfahrzeug die Vorteile eines Zwilling, das Wort Plemplem liegt bei mir Lichtjahre entfernt.
      Infos über die Tauglichkeit von Zwillingen im Gelände kann man sich auch in einschlägigen Foren oder bei OffRoad-Trainern einholen.

  3. Nun komme ich mal dazu, meinen Beitrag zu Singlereifen bei Expiditionsmobilen zu schreiben: Landauf-Landab sehe ich 18Tonner und höher, die an der HA Singlebereifung haben.

    Diese Art der Bereifung entspricht nicht den Herstellervorschriften und stellt eine Gefahr dar! Singelebereifung können sinnvoll sein bis zu einem GG von max 10Tonnen, MIT einer Anpassung der Achslasten und Bremsleistung. Besonders bei den LN2 Fahrzeugen von Mercedes.

    In den arabischen Ländern belächelt man diese Singlebereifung, weil sie einfach keine ausreichende Traktion haben. Zudem wird der Hilfsrahmen vom Fahrgestell nicht in den Aufbaurichtlinen gefertigt, was ganz wesentlich auf die Fahreigenschaften auswirkt.

    Selbst in der Lybischen Steinwüste fahren die Einheimischen ausschließlich mit Zwillingsbereifung (R20)!

    Dass die Offoadszene nicht Fachkundig ist, dürfte bekannt sein. Allerding habe ich großen Respekt – und ich warte auf den Tag – wo ein Singlebereiftes Expiditionsmobil in DE in eine heikle Situation auf der Autobahn kommt. Ab da wird man sich – wie schon so oft in der Vergangenheit – daran erinnern, dass Achslasten, Reifen, Feder, usw. die Fahrdynamik sichern. In der Wüste darf jeder tun, was er will. Und die Fachpresse Offroad scheinbar auch!

    Als Fahrzeugtechniker ist es mir unverständlich, wer für solche Fahrzeuge über 11Tonnen GG, die Genehmigung gibt. Seitens der Hersteller ist es nicht möglich.

    Seitens Anwender in Wüstengebieten (aktuell arabische Länder) ebenfalls nicht.
    Vielleicht liegt es am Geld, denn Singlereifen sind billig?

    Und: Ja, es gibt Fahrzeuge über 11 Tonnen, die ab Werk mit Singlebereifung ausgeliefert sind. Sie haben ausschließlich einen biegesteifen Rahmen! Also keinen Leiterrahmen, wie sie in zivilen Fahrzeugen verwendet werden.

    ruptech

  4. Sollte vor Fahrantritt nicht eine Fahrzeug – Kontrolle durchgeführt werden?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.