Sicherheit bei Unfällen

Wieder mal aufgeschreckt durch Bilder eines Unfalls (siehe Bericht “Wohnmobil zerlegt“), soll mein Bericht einfach ein wenig zum Nachdenken anregen.
Nach dem Wunsch nach immer billiger müssen auch irgendwo Konzessionen gemacht werden. Man kann nicht erwarten, dass ein mit Schnickschnack ausgestattetes großes Wohnmobil von um 60 k Euro in Aufbau und Qualität auch noch Maßstäbe setzen kann.
Um mir Ärger in der Abmahnwelt zu ersparen, verzichte ich auf eine Nennung von Wohnmobil-Herstellern, deren Produkte ich für besondere Pappschachteln halte. Googelt nach den Bauweisen der Hersteller oder fragt einfach nach wie deren Konstruktion ist… 🙂

 Das Wohnmobil und Unfallsicherheit

Hier sollten die einzelnen Fahrzeugtypen und Arten des Aufbaus betrachtet werden.

Aufbau und Konstruktion

Bildquelle: womo-beratung.de

Bild Wohnmobil Aufbau Holzkonstuktion

Wohnmobil Aufbau Holzkonstruktion

Bei den eher “preisgünstigen” und älteren Wohnmobilen werden Holz-Skelettwände, die zwischen dem Holz eine EPS (Styropor, expandiertes Polystyrol) Füllung beinhalten, miteinander verklebt.
Ein Hersteller ist mir bekannt, wo diese Verbindungen zusätzlich verschraubt und mit einem nach eigenen Aussagen Dichtkleber versiegelt wird. So entsteht eine zunächst einmal stabile selbst tragende und verwindungssichere Karosserie. Werden dann noch Verbindungswände, Schränke und Truhen verbaut, wird der Aufbau richtig stabil.

Der Schwachpunkt der Konstruktion sind aber die Klebeverbindungen der Wände. Die Konstruktion hat durch diese Art der Verbindungen nur dann Halt in sich, solange die Verklebungen halten. Kommt es hier zu ein einem oft schon relativ leichten Unfall wo die Verklebungen aufreißen, verliert die Konstruktion ihre Stabilität und der Aufbau zerbröselt/zerlegt sich in seine Bestandteile, siehe Fotos.
Ein Bekannter wollte einmal sein Womo auf Grund neu aufbauen, als die Möbel heraus waren, brach die Karosserie einfach auseinander. Vermutlich waren die Verklebungen bei dem alten Mobil nicht mehr so ganz wirksam  😉

Zunehmend geht man zu XPS (Polystyrol-Extruderschaum) über und kann hier auf Grund der höheren Festigkeit auf ein Holzgerüst verzichten. Ebenso kann hier auch nichts mehr verotten. Ein Problem bleibt aber immer noch, die Verbindung der Sandwich-Platten und in der günstigen Klasse zudem auch noch dünn sind.  Da man die Platten aber nicht so einfach verschrauben kann, werden in die Sandwich-Plattenränder Leisten aus Holz oder hoch verdichtete Schäume eingearbeitet, die Schrauben ausreichend Halt geben sollen. Diese Art der Verbindung findet man vornehmlich in billigeren Wohnmobilen vor.
Auch hier kann man sich vorstellen, dass diese Verbindungen keine großen Kräfte aushalten können und die Platten bei einem Crash einfach auseinander fallen.

Eine höhere Stabilität weisen Konstruktionen auf, wo die Kantenverbindung mit verklebten Strangprofilen aus Alu hergestellt wird. Die Ausführungen sind je nach Typ und Hersteller sehr unterschiedlich. Ebenso unterschiedlich ist hier die Qualität der Sandwich-Platten. Auch hier dürfen keine Wunder erwartet werden, aber sie vertragen schon einmal einen Bums, zumindest in der höherpreisigen Klasse.  Nimmt man z.B. ein Fahrzeug wie Phönix oder Morelo,  setzen diese Hersteller für diese Art Wohnmobil in Bezug auf Qualität des Aufbaus Maßstäbe.

Bildquelle: bimobil.com

Bild Bimobil Aufbau Konstruktion

Bimobil Aufbau Konstruktion

Besondere Maßstäbe legen ebenso die Individualausbauer wie Bimobil, Dopfer, Wölcke, Robel und wie sie alle heißen an. Diese Fahrzeuge sind dazu gedacht, auch einmal den Asphalt zu verlassen oder mit Expeditions-Mobilen für den OffRoad-Einsatz die Welt zu erkunden.
Hier werden hohe Anforderungen an den Aufbau gestellt. Die Fahrzeuge und Aufbauten müssen Verschränkungen aushalten, Rüttelpisten…

Ich nehme hier einmal das Beispiel Bimobil, einfach weil ich eines habe.
Der Boden einer Bimobil-Kabine besteht aus einer 60 – 70 mm starken Sandwich Verbundplatte mit Hartschaumkern in die ein Alu-Gitterrohr-Rahmen integriert ist. Dach und Wände bestehen aus 45 mm dicken Sandwichplatten mit einer Aluminium Außenhaut. Über dem Boden befindet sich ein Alu-Gerüst für den Zwischenboden, worüber wiederum eine 70 mm dicke Sandwichplatte als Fußboden montiert ist.
Die Seitenwand und das Dachblech werden in einem 45 Grad Winkel überlappend in das in der Außenwand umlaufende Dreieck-Spezialprofil verschraubt und verklebt.
Die Kabine alleine, noch ohne Einbauten würde wohl so selbst einen Überschlag überstehen.

Fahrzeugtypen

Die Kleintransporter bieten zwar nicht die Sicherheitsstandards wie ein guter Mittelklasse-PKW, aber mit Airbags und Knautschzonen zumindest ein Mindestmaß an Sicherheit.
Den größten Personenschutz auch für die hinteren Mitfahrer bietet wohl ein Kastenwagen, einfach, der kann sich nicht zerbröseln.
Beim Alkoven und  Teilintegrierten (TI) sind zumindest die Personen im Führerhaus halbwegs geschützt. Mitfahrende Personen im billigen Aufbau jedoch bei einem Crash nahezu zum Tode verurteilt.

Eine Besonderheit stellen die Vollintegrierten (VI) dar. Hier wird um das Fahrgestell herum eine komplett neue Karosserie aufgebaut. Eine Knautschzone ist nicht mehr vorhanden, nur splitterndes Plastik, ob da noch ein Airbag hilft? Einige haben noch nicht mal mehr eine Beifahrer- oder gar Fahrertür. Wenn eine vorhanden ist, dann ein billiges Brotbrettchen. Bei einem Crash löst sich eine solche Pappschachtel schlicht in alle Bestandteile auf.
Hier haben auch die Insassen meiner Meinung nach auch vorne kaum noch eine Chance.
Ausnahmen bilden die Oberklasse oder Premium-Hersteller, wobei ich die fehlenden Türen vorne für bedenklich halte.

Das Wohnmobil und Unfälle in der Statistik

Wohnmobile werden in den Unfallstatistiken nicht separat aufgeführt da die Unfallbeteiligung zu gering ist. Eine verlässliche Statistik und Untersuchung in Bezug auf Wohnmobile liegt alleine für das Jahr 2010 vor.
Da die Zulassungszahlen in den letzten Jahren sehr stark gestiegen sind, müssten die Zahlen gegenwärtig auch entsprechend höher angesetzt werden.

Zitat Quelle: bast.de/DE/Publikationen/Berichte/…
Im Jahr 2010 wurden 743 Unfälle mit Personenschaden registriert, an denen ein Wohnmobil beteiligt war.
Darunter waren jedoch nur 4 getötete und 62 schwerverletzte Personen Insassen eines Wohnmobils.
Gleichwohl zeigt die nach Fahrern und Mitfahrern differenzierte Betrachtung der Unfallschwere bei den Wohnmobilen Ansatzpunkte zur Verbesserung der Sicherheit. Im Mittel des Zeitraumes 2000 bis 2010 weisen die Mitfahrer von Wohnmobilen eine deutlich erhöhte Unfallschwere im Vergleich zu den Fahrern auf.

Fazit

Wohnmobile sind an Unfälle nur selten beteiligt, aber wenn es denn kracht, sind gerade die Mitfahrer und vor allem die benachteiligt, die sich im Aufbau befinden. Die Zahlen der Statistik sagen auch nichts darüber aus, ob sich Personen im Aufbau befunden haben, die Meisten sind ja zu zweit unterwegs.
Zumindest, wer vor hat, mit Kindern zu Reisen, sollte sich einmal den Aspekt Sicherheit durch den Kopf gehen lassen. Es ist mir völlig klar, dass sich nicht jeder ein teures hochwertiges Wohnmobil leisten kann, aber dass man sich zumindest bewusst ist, mit was man da unterwegs ist und eine gewisse Sorgfalt im Verkehr walten lässt.
Vielleicht gibt es bei einem neuen Kauf eines Wohnmobil Wichtigeres als Nespresso, Spiegelschränke oder ein riesiges Wohnmobil. Denkt bei Wahl eines Wohnmobils auch mal über den Aspekt nach höherer Aufbau-Qualität nach, erst recht, wenn Kinder die Freiheit im Wohnmobil bei der Fahrt im Aufbau genießen sollen.

Hier noch einige Videos

Zum Thema Pappschachtel:

Besonders die zweite Hälfe, mit nicht angeschnallten Kindern

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