Nun sind wir in Armenien…
Das war wieder einmal richtiges Grenzgefühl. Georgische Grenzpolizei, dann Zoll mit Auto ausführen, wieder Grenzpolizei, dieses Mal die Armenische und wieder Zoll um das Womo abzufertigen. Jeder wollte ins Bimo und jedesmal musste ich jeden Schrank öffnen. Nur in den Kühlschrank wollte niemand schauen, wenn ich das gewußt hätte…
Dieser Reisebericht beschreibt die Route vom Nordosten, über Yerewan bis hin zu unserem östlichsten Punkt Goris an der Grenze zu Aserbeidschan.
Vorheriger Reisebericht: Georgien 2026 Teil II
Artikelinhalt
Grenzabfertigung
Was kaum jemand schreibt und man auch von den Grenzbeamten nicht hingewiesen wird, dass man sein Fahrzeug irgendwo parkt und in das Zollgebäude muss und dort die Abfertigung vorzunehmen.
Wer sich dann naiv vor dem Schalter mit den drängelnden Truckern stellt und nicht seinen Nachweis der gezahlten Ökosteuer und Straßenbenutzungsgebühr vorlegen kann, Pech gehabt und wieder zurück und den Schalter dafür suchen. Anschließend hat man dann wieder das Vergnügen der Schlange😁
Am Grenzübergang Bagratashen befindet sich der Schalter rechts neben der Zollabfertigung mit der Aufschrift Ararat Bank. Die Steuern sind auch nur bar zu zahlen, nix mit Karte.
Für das ganze Prozedere sollte man zwei Stunden einkalkulieren.
Aufenthaltsfrist
Grundsätzlich erhält man für das Fahrzeug eine Verwendungsfrist von 1 Jahr (Quelle: finport.am). Hierüber erhält man ein Zolldokument mit der Frist (TIP), das man tunlichst sorgfältig aufbewahren sollte!
Als Person darf man als EU-Bürger ohne Visum 180 Tage im Kalenderjahr im Land bleiben. Geschickt sind so also bis zu einem Jahr möglich.
Versicherung/SIM
Hinter dem Amtsplatz befinden sich dann die Versicherungsgebäude und ein Büro des Telekommunikationsanbieters Viva. Hier wurde uns schnell und hilfreich für wenig Geld je eine eSIM nebst Account mit App eingerichtet. Die Kfz-Haftpflicht kann man auch vorher online über die Seite der ASWA buchen.
Last euch hinter der Abfertigung bloß nicht von den nervig aufdringlichen Anmachern zu irgendwas nötigen!
Erste Erfahrungen
Gleich die ersten Erfahrungen: Geldautomaten funktionieren manchmal nur mit Glück, NFC funktioniert gar nicht und meist sind nicht mehr als 100.000 Lara (236€) möglich. Etwas Bargeld sollte man für entlegene Gegenden immer zur Hand haben, wir hatten mit ca. 500€ viel zuviel davon, 200€ als Notgroschen hätten völlig gereicht. Ansonsten kann man meist, selbst in den kleinsten Klickerläden mit Karte zahlen.
An der Grenze konnte ich allerdings alleine die eSIM mit Karte zahlen, Versicherung etc. geht nur Bar.
Auf über 40 km war bis Alaverdi kaum kaum ein Laden, Stand oder sonstwas um Lebensmittel einzukaufen und in dem einen Laden den wir gesehen hatten, waren die Preise astronomisch.
Danach war das Einkaufen unproblematisch, eigentlich eher richtig gut! Überall kann man seinen Bedarf decken. In jedem größeren Ort befinden sich eine Vielzahl an Supermärkte und kleinen Gemüse-/Obststände. Das Angebot ist meist hervorragend und manchmal sogar wie im Paradies. Kein Vergleich zu Georgien, das uns einkaufstechnisch eher wie ein Entwicklungsland vorkam.
Milchtrinker haben allerdings ein Problem. Die einzige haltbare Milch muss gekühlt werden und ist dennoch recht sensibel und wird schnell schlecht. Die Preise für einen Liter liegen dabei im Angebot bei 1,30€ bis hoch zu 2,50€/Liter.
06.06.2026-Haghpat-46km
In Haghpat sind wir auf einen kleinen hübschen Campingplatz gegangen, denn hier gibt es eine der vor allen Dingen eine der äußerst seltensten Waschmaschinen.



In nur etwa einem Kilometer Fußweg vom Campingplatz entfernt liegt das verlassene Kloster Haghpat aus dem 10. Jahrhundert. Es war nun das erste von gefühlt hunderttausend armenischen Klöstern, das wir besichtigt haben.
Man sollte unbedingt das Wochenende vermeiden, man wird wird sonst vom Rummel erschlagen und das macht schlicht keinen Spaß!
Der erste Versuch an einem Sonntag war demnach nur höllisch. Aber am Montag war es dann so wir uns das vorgestellt hatten. Und was soll ich sagen? Es war schlicht überwältigend.






Was kaum jemand erwähnt: Den dahinterliegenden Friedhof sollte man unbedingt mit anschauen. Die alten Grabsteine und Kreuzsteine verleihen dem Ort noch einmal eine ganz besondere Atmosphäre.


09.06.2026-Arjut-65km
In Alaverdi hieß es zunächst einmal einkaufen. So günstig, wie mancher Reisebericht vermuten lässt, ist es hier allerdings nicht unbedingt. Wobei, das hängt natürlich immer vom Inhalt des Einkaufswagens ab. Unser Warenkorb fällt jedenfalls teurer aus als in Italien oder Deutschland. Etwas gewöhnungsbedürftig ist für uns eher, dass es manche Dinge schlicht nicht gibt oder bevorraten kann. Aber gut, wir sind ja zum Reisen hier und nicht, um nach Armenien auszuwandern. Außerdem kann man auch hier wunderbar leckere Sachen zaubern, denn frisches Gemüse, wenn auch beschränkt und aromatische frische Kräuter gibt es nahezu überall reichlich und dazu erfreulich günstig.
Auch gutes Fleisch konnten wir heute zu einem fairen Preis erstehen.



Kloster Kobayr
Anschließend ging es weiter durch das schluchtähnliche Tal des Debed. Die wilde Landschaft ist schon faszinierend. Bei Kobayr, einem 10 Häuser Dorf besuchte ich das verlassene gleichnamige Kloster.
Es sind zwar vom Parkplatz aus nur 500m, aber der gut ausgeschilderte Weg, eigentlich eher eine Stiege mit 100m Höhenunterschied lockt einem alten Mann schon einen Schweißtropfen hervor. Ulrike blieb derweil im Bimo, denn für sie habe ich leider kein Ersatzknie auf Lager.






Die größte Herausforderung war allerdings nicht der Aufstieg, sondern der Weg durchs Dorf. Mehrfach wurde ich angehalten und nach Herkunft und Reiseziel befragt, mit Kirschen beschenkt und zu einem Schwätzchen eingeladen. Gelebte armenische Gastfreundschaft…
Bei Arjut hatten wir dann im Abseits auf einer Anhöhe mit herrlicher Aussicht unseren Nachtplatz gefunden.



10.06.2026-Spitak-Pass-49km
Heute ging es hoch hinaus, auf dem ca. 2.150 hohen Spitak-Pass und darauf auf eine Hochebene. Die M3 bildet hier die Verbindung zwischen Spitak und Astarak bzw. Jerewan.
In Spitak lässt sich übrigens hervorragend einkaufen, wem etwas auf dem Weg fehlt, sollte hier unbedingt einen Stopp einlegen.
Und wer danach immer noch etwas vergessen hat, findet auf der Hochebene einen modern gestalteten Supermarkt.
Die Landschaft ist wieder völlig anders. Die >2.000 m hohen Berge wirken eher wie sanfte Hügel. Jetzt im Frühjahr ist noch alles grün und bunt, mit moosbewachsenen Felsbrocken und immer den Blick auf den über 4.000 m hohen Aragat der majestätisch über allem thront.
In dieser wundervollen Landschaft hatten wir dann auch unseren Nachtplatz gefunden.
Mit der Schafherde und einem großen Hunderudel war dann die Idylle perfekt.



11.06.2026-Armenisches Alphabet-49km
Nachdem uns heute Morgen die Schafe als biologischer Wecker aus den Federn geholt hatten, ging es wieder über die Hochebene weiter.
Schon bald erreichten wir die kleine Stadt Aparan. Irgendetwas kam mir dort sofort seltsam vor. Die gepflegten, teilweise modernen Häuser wirkten im Vergleich zu den bisher besuchten Orten geradezu unsozialistisch. Nur einige der alten Autos erinnerten uns daran, dass wir uns tatsächlich in Armenien befanden.
Natürlich mussten wir neugierig auch einen modernen Supermarkt besuchen, denn, man weiß ja nie😉
Da bin ich fast durchgedreht!
Die unterschiedlichsten Brotsorten, vom georgischen Puri bis hin zu richtigem Graubrot. Dazu Käse in einer Auswahl, die wir bisher hier nicht für möglich gehalten hätten. Dann noch jede Menge Gebäck, fertige Mahlzeiten und überhaupt all die kleinen und großen Leckereien, nach denen unsere verwöhnten Leckermäulchen schon seit Wochen heimlich gelechzt hatten😊






Unseren Übernachtungsstopp legten wir anschließend nahe dem Armenischen Alphabet Monument ein.
Hier stehen die 39 Buchstaben des armenischen Alphabets als große, aus Stein gehauene Kunstwerke als Kunstinstallation neben anderen Figuren in der Landschaft herum. Daneben befindet sich ein privat angelegter Heldenpark mit moderner Kirche, und auf dem Hügel darüber thront ein monumentales stählernes Kreuz, das wiederum aus vielen kleineren Kreuzen zusammengeschweißt wurde.






12.06.2026-Saghmosawank-5 km
Da es ja quasi um die Ecke lag, besuchten wir die an der tief eingeschnittenen Kassagh-Schlucht gelegene Kirche Saghmosawank.
Die aus dem 13. Jahrhundert stammende Kirche wirkt von außen eher zurückhaltend. Aber bekanntlich zählen ja eher die inneren Werte. Und tatsächlich: Innen entfaltet sie beinahe eine mystische Atmosphäre. Verstärkt wird dieser Eindruck durch einen Sonnenstrahl, der wie ein perfekt platzierter Bühnenscheinwerfer durch die Öffnung in der Kuppel fällt. Zufall oder himmlische Lichtregie🤷♂️



Der Blick hinunter in die Schlucht ist phantastisch. Hier hinunter gibt es auch einen Wanderpfad zu anderen Sehenswürdigkeiten und auch zur Kirche Howhannawank, die ebenfalls ein Highlight ist.
Die haben wir dann aber nicht mehr besucht, denn vermutlich sieht sie innen auch nicht viel anders aus und vor allem scheint ihr auch der himmlische Sunbeam zu fehlen.
12.06.2026-Aschtarak-15km
Wir hatten uns anschließend nach Aschtarak aufgemacht weil wir in der Nähe Jerewans bleiben wollten.
Eigentlich eine dumme Idee, da es hier unten ganz schön warm, um nicht zu sagen heiß ist.
Aschtarak selbst gehört auch nicht unbedingt zu den Orten, die man auf einer Armenien-Reise unbedingt gesehen haben muss. Andererseits hat die Stadt mit ihrer Schlucht, den Brücken und ihrem etwas eher ursprünglicheren Charakter durchaus ihren Reiz.
Aber egal, da müssen wir durch, denn wir haben wieder ein Problem: Das Bimo hat ne Art „Schluckauf“ und wir müssen in Jerewan zu Mercedes. Keine Ahnung was es konkret ist, das kann von Kurbelwellensensor bis hin zu den Injektoren einfach alles sein.
Zumindest haben wir das Glück, hier nah bei einer richtigen Mercedes-Werkstatt zu sein, was auf unserer Reise ja keinesfalls selbstverständlich ist und etwas Optimismus aufkeimen lässt.






13.06.2026-Jerewan-25km
Durch die Hölle von Jerewan, so könnte man die heutige Fahrt wohl treffend beschreiben. Hitze, höllischer Verkehr und Verkehrsregeln, die eher als unverbindliche Empfehlungen verstanden werden. Das Umspringen auf Rot einer Ampel ist eher als verlängerte Grünphase zu betrachten.
Dennoch hatten wir es geschafft, die Mercedes Werkstatt zu erreichen um einen Termin abzusprechen.
Am Victory Park hatten wir anschließend unter dem wachsamen Blick der Mutter Armeniens unsere Heimstadt gefunden. Praktisch im Grünen gelegen und dennoch ist die Innenstadt auch nicht all zu fern.
Hier befindet sich auch ein Vergnügungspark. Zunächst hielt ich ihn für einen Lost Place, der seine besten Zeiten schon vor Jahrzehnten hinter sich gelassen hat. Doch weit gefehlt: Das Ding lebt! Und wie. Überall Menschen, Musik, Kinder und jede Menge pulsierendes Leben.






Stadtbummel Jerewan / Eriwan
Die Stadt hat mit dem Zizernakaberd, dem Mahnmal und Museum zum Völkermord an den Armeniern, der Blauen Moschee, den singenden Fontänen und dem Platz der Republik mit seiner ganz eigenen sowjetischen Architektur durchaus einiges zu bieten.
Wir „genießen“ in Jerewan ja gerade einen ungeplanten Zwangsaufenthalt. Was lag da näher als zumindest einen kleinen Bummel durch die Stadt zu unternehmen?
Neben dem Park mit der Mutter Armeniens liegt noch eine bekannte Sehenswürdigkeit vor unserer Nase und ist die gleichzeitig auch die Verbindung zur Innenstadt:
Die Kaskaden, ein riesiges Treppenmonument aus weißem Stein. Es verbindet das über 100m tiefer gelegene Stadtzentrum mit dem oberen Viertel und dem Park. Im Inneren befindet sich jede Menge Kunst, Kunstgalerien.
Die 100 Höhenmeter überbrückt man über 805 Stufen und wie der Name schon sagt, über Kaskaden abwärts. Hoch führt dann dankenswerterweise eine Rolltreppe und erspart sich 500 Stufen sowie einen möglichen Herzkasper.
Wenngleich die Stadt eine Art Ungetüm ist, ist sie ungemein sehenswert.
Alleine die Parks mit den Wasserspielen mit der vielen Kunst sind ein Erlebnis.
Auch die Altstadt Kond ist ein Besuch wert. Nicht weil Ortsteil einem nur einen Hauch von Schönheit verspricht, hier schlägt einem die geballte morbide Ursprünglichkeit entgegen.
Wir hätten nicht gedacht, dass uns diese vielfältige Stadt gefallen könnte und wir haben ja nur einen kleinen Ausschnitt gesehen.








Jerewan Werkstatt

Heute stand dann der Werkstattbesuch wegen Bimos Schluckauf an. Wie beim letzten mal schon wurde keine Fehlermeldung ausgegeben die auf diese Symptome hinweisen könnte.
Also war manuelles Suchen angesagt. Hier hat sich das Team von Mercedes Armenia alle Mühe gegeben. Meine Skepsis zuvor war also völlig unbegründet.
Schön zu hören, dass der DPF nach nun 170.000 km völlig clean ist. Aber das AGR-Ventil war schon fast dicht. Dass da keine Fehlermeldung aufgetaucht ist, bzw. das Bimo nicht noch mehr gezickt hat😳
Der vor vier Monaten neu eingebaute Dieselfilter war verunreinigt und es hatte sich gut Wasser angesammelt. Mieser Diesel halt und dabei habe ich versucht, immer Markensprit und vor allem V-Power etc. zu tanken.
In der Türkei scheint der Sprit also auch nicht überall so prall zu sein.
Da es im Süden Armeniens auch nicht so toll mit dem Diesel aussieht, werden wir die Gegend auslassen da ich da mit einer Tankfüllung nicht rum komme. Die neuen E6-Fahrzeuge taugen einfach nichts für dieses Regionen.
15.06.2026-Garni-35km
Nach dem Trubel der letzten Tage lechzten wir doch nach etwas Ruhe. Die fanden wir nicht weit entfernt auf dem wirklich hübschen Campingplatz 3Gs. Wir mal wieder auf einem Camping? Terrassenförmig angelegt mit Blick in die Schlucht, Pool, sauberste Sanitäranlagen, Küchen und WaschMasch, kurz, einfach nur toll.
Doch, auch für als vornehmlich Freistehreisende wie uns ist das ein kleines Juwelchen wo wir gerne verweilen.



Da es mit dem Garni Tempel, einem römischen Tempelnachbau, der Symphony of Stones, einem Ensemble aus Basaltsäulen und dem Kloster Geghard sowie den vielen Wanderwegen durch die tiefe Garni-Schlucht so einiges zu entdecken gibt, kann man sich hier schon einige Tage aufhalten.
Das Tempel-Replica haben wir wegen unsäglichem Rummel und abgehobenen Eintritt ausfallen lassen.
Symphony of Stones
Die Basaltsäulen sind trotz des Touri-Rummelplatzes schon recht imposant. Imposantere werden wohl nur auf Island zu besichtigen sein.



Kloster Geghard
Das Geghard-Kloster, eingebettet in einer traumhaften Berglandschaft wirkt es schon recht imposant.
Obwohl wir noch nicht den üblichen Rummel erleben durften, waren die Selfiemaker Touris schon in nervendender Anzahl anwesend.
Die Touristen an sich sind für uns ja nicht das Problem, es ist diese Respektlosigkeit.
Muss man so herum palavern? Kann man an solchen Orten nicht mal ein wenig stille sein? Kann man seine Kleidung nicht zumindest ein wenig anpassen?




17.06.2026-Azati-Stausee-40km
Auf einem Plateau ließen wir uns mit herrlicher Aussicht auf den Ararat für die Nacht nieder.



18.06.2026-Angels Canyon-53km
Auf unserem Weg Richtung Süden lag auch der Hotspot Kloster Xor Virap, das ja von innen recht nett sein soll. Allerdings sind wir erst einmal ausreichend klostergesättigt und ehrlich? In praller Sonne bei 35 Grad im Schatten in einem Touristentreck den Berg hoch laufen?
Viel schöner und erhabener empfanden wir den Blick aus der Ferne. Im Vordergrund das Kloster und im Hintergrund der imposante heilige Berg der Armenier, den Ararat. Als gläubiger Mensch könnte man den Anblick fast göttlich nennen.



Anschließend sind wir zum nur über eine Humpelpiste zu erreichenden Angels Canyon gefahren. Ein klitzekleiner märchenhaft schöner Canyon in einer faszinierenden bunt-felsigen Landschaft die uns ein wenig an Arizona erinnerte.
Jemand meinte mal zu uns, kann man hinfahren, muss man aber nicht. Uns hat die ganze Landschaft einfach nur geflasht und umgehauen. So unterschiedlich ticken halt die Menschen…








19.06.2026-Irgendwo in den Bergen-35km
Wir verließen diesen Traum an Landschaft, da es uns einfach schlicht viel zu warm war.
Von hier aus ging es nunmehr peu a peu immer höher hinaus. Nicht, dass gleich wieder der Schnee rieselt, aber mit um 25 Grad Spätnachmittags auf rund 2.000m ist es deutlich angenehmer.
Plötzlich wurde es auch wieder grün und bunt, der Frühling hatte uns mit aller Gewalt wieder. Überhaupt, diese dieses mal ganz sanfte hügelige grüne Landschaft flasht uns ebenso wieder.
Einige Kilometer von einem Kloster entfernt hatten wir uns auf einen Hügel niedergelassen.
Die Aussicht? Der Wahn, sogar Ulrike konnte sich dieses Mal für Aussicht begeistern.
Unser Platz ist nicht nur paradiesisch, es ist ein kleines Paradies.
Auch der vorbei kommende Abt des Klosters ließ sich einen Besuch in unserem Paradies nicht nehmen. Nicht um uns aus jenem zu vertreiben, nein, er hieß uns herzlich willkommen.



Paradies? Da war doch noch was? Jau, die Sache mit der Schlange. Da sitzen wir draußen vor unserem Grill, dann raschelte es und es kam eine Schlange auf mich zu.
Dass eine Schlange so schnell sein kann! Und was für ein Teil, garantiert 1m lang und bestimmt 4cm dick. Ich schnell meine Beine hoch und sie raste zwischen meinen Beinen unter meinem Stuhl hindurch unters Bimo. Hatte ich da einen Adrenalinstoß bekommen, puh!
Dank Google konnten wir die Schlange identifizieren, es war eine Levanteotter. Klingt harmlos, gehört aber zu den Vipern und ist natürlich giftig. Zwar allgemein nicht tödlich, einen Biss muss man aber dennoch nicht haben.



21.06.2026-Hell’s Canyon
Zwei Tage an einem Fleck, dann sollte man weiter fahren. Die Vipern begrüßen einen ja schon mit Namen😉
Nicht weit entfernt befindet sich der Hell’s Canyon, eigentlich eher ein Schlüchtelchen, dennoch, die wilde felsige Landschaft rundherum ist schon faszinierend.
Touristisch ist der unspektakuläre, kleine steilfelsige Canyon bis für die Kletterer recht unbedeutend. Die haben aber im Tal sogar auch einen kleinen Naturcampingplatz.
Wie man auf den Namen Höllenschlucht gekommen ist, bleibt mir schlicht ein Rätsel.






22.06.2026-Kloster Noravank-40km
Wenn wir schon hier vorbei fahren, können wir auch dem aus dem 13. Jahrhundert stammenden Kloster Noravank einen Besuch abstatten.
Die aus mehreren Kirchen bestehende kleine Klosteranlage liegt spektakulär eingebettet in den Hängen des Gebirges am und über dem Ende der Noravank-, oder auch Amaghu-Schlucht und ist schon von weitem sichtbar.
Es gehört übrigens mit zu den wichtigsten Touristenattraktionen Armeniens und steht wie die Schlucht selbst mit ihren Höhlen und bunten Kalksteinformationen seit 1995 auf der Tentativliste des UNESCO Weltkulturerbes. Doch offenbar mahlen die Mühlen der UNESCO mindestens genauso langsam wie die Bürokratie in Deutschland, denn auf die endgültige Aufnahme warten beide allerdings bis heute🙃
Von innen sieht das Kloster mit den Grabplatten und Steinmetzarbeiten durchaus interessant aus, beeindruckt hat uns aber in erster Linie die Lage, bzw. wie das Kloster in dem fast pittoresken Gebirge eingebettet ist.








23.06.2026-Gndevank-Canyon-35km
Heute Morgen wurden wir von unzähligen Störchen umlagert. Mit so vielen Störchen und überhaupt Störche in dieser Gegend hätten wir niemals mit gerechnet.
Von der M-2 geht mit der H-44 die alte Straße nach Jermuk ab und führt durch das Tal der Arpa, namentlich das Gndevank-Canyon. Das märchenhaft wirkende Tal entwickelt sich zu einer kleinen Schlucht mit auf der Ostseite faszinierenden Steilwänden aus hohen Basaltsäulen.
Die teils Schlagloch- oder überhaupt enger werdende Piste schlängelt sich später durch das enger werdende Tal abenteuerlich hoch auf über 2.000m bis nach Jermuk.
Auf der hälfte der Strecke hatten wir unseren Nachtplatz gefunden, als spät im Dunkeln ein Armenier an unsere Türe geklopft hatte.
Er hat ein Stück weiter ein Haus und klärte uns netterweise mit einem Foto darüber auf, dass einige Kilometer weiter ein Erdrutsch die Piste verschüttet hat. Das wäre ein „Spaß“ geworden, denn ein Wenden wäre mit Bimo nicht möglich gewesen.
Puh, Dank des netten Menschen ist mächtig Ungemach an uns vorüber gegangen.
Dann nehmen wir halt morgen halt die neue H-43…






24.06.2026-Jermuk-35km
Heute ging es also auf der Hauptroute zu der auf knapp 2.000m gelegenen kleinen Stadt Jermuk.
Jermuk ist als Thermal-Badeort natürlich bescheiden touristisch, gefühlt aber eher durch Armenier als durch Ausländer, also angenehm entspannt.
Hier kann man sich in Spas entspannen und auch gehoben nächtigen.
In der hübschen Wassergallerie, am Randes des mit vielen Statuen versehenen ebenso hübschen „Stadtparks“ gelegen, sprudelt aus etlichen Rohren warm bis heißes Mineralwasser.
Warum sich etliche Hunde den Ort als Domizil ausgesucht haben, keine Ahnung.
Das Highlight war für uns allerdings die enge und zerklüftete Arpa-Schlucht mit dem Wasserfall.
Vom Jermuk- Hotel führt eine steile, enge und wackelige Stahltreppe rund 50m hinab in Schlucht. Diese Treppe ist die Übelste, die ich in meinem Leben bisher benutzt habe.
Ok, wären wir anders herum gelaufen, hätten wir sie noch gemusst. Das wäre zwar anstrengender gewesen, aber das Hirn hätte nicht verrückt gespielt. Über dieses waackelige Stahlgebilde runter ist schon ne Ansage. Meine allerliebste Ulrike ist heute wohl über alle Schatten gesprungen, die ihr Körper in ihrem Leben je geworfen hat.









Unseren Nachtplatz hatten wir nach der Stadtbesichtigung bei einer Kapelle am Kechut Reservoir gefunden.




25.06.2026-Spandaryani-Stausee-35km
Heute stand mal kein Spot oder Sehenswürdigkeit auf dem Programm.
So ging es erst bergab und anschließend über die M2 den rund 2.300 Meter hohen Vorotan-Pass wieder hinauf. Hinter jeder Kurve warteten neue Ausblicke, die die Fahrt zum Erlebnis machten.
Auf einer Hochebene oberhalb des Spandaryani-Stausees entdeckten wir schließlich auf etwa 2.100 Metern Höhe unseren herrlichen Platz für die Nacht.








26.06.2026-Sissian-40km
Mit dem Einkaufen wird es langsam etwas schwierig und man sollte da jede Möglichkeit in einem größeren Ort nutzen. Deshalb stand mit einem kleinen Umweg Sissian auf dem Plan.
Praktischerweise lagen auch gleich zwei Sehenswürdigkeiten unmittelbar auf dem Weg die wir uns zu Gemüte geführt hatten, um uns anschließend nach dem Einkauf wieder einen traumhaften Platz auf der Hochebene zu suchen.






Shaki Wasserfall
Den hätten wir eigentlich gar nicht besucht und schon gar nicht auf einem Freitag, da es sich bei dem Wasserfall um ein, für uns eigentlich unverständlich, touristisches HighLight mit entsprechendem Rummel handelt.
Aber wenn er sich schon auf dem Weg befindet, kann man ja auch mal vorbei schauen.
Wie erwartet fällt der Wasserfall eher unter definiere Wasserfall. Die Bezeichnung kann man dann anwenden, wenn aus dem nahen Stausee Wasser abgelassen wird, ansonsten rinnt halt Wasser über Steine.
Wir hatten da ungeheuer Glück und konnten so etwas wir einen schön anzuschauenden Wasserfallrutsch bewundern. Sogar die Touristen hatten gewartet damit wir unsere Bilder machen konnten. Die Ströme setzten erst ein, als wir wieder zurück gegangen sind.
Auch wenn der Wasserrutschfall zusammen mit der Landschaft hübsch anzuschauen ist, fällt das Ziel für uns eher unter kann man hin, wenn man wie wir eh grad dran vorbei kommt, muss man aber nicht unbedingt.



Zorakarer
Zorakarer, Zora Karer, Karahundsch, Karahunj, oder wie immer man das schreibt…
…die Schreibweisen sind gefühlt so unterschiedlich wie die Anzahl der Steine.
Einigen wir uns im Text auf Zorakarer, liegt auf einem Höhenvorsprung im armenischen Hochland nahe der Stadt Sissian und zählt zu den ältesten Megalithanlagen der Welt. Oft wird die Anlage auch völlig übertrieben als das „armenisches Stonehenge“ bezeichnet, ist jedoch deutlich älter.
Während Stonehenge in England etwa 5.000 Jahre alt ist, wird Zorakarer auf über 7.500 Jahre datiert, oder gar noch älter, darüber streiten sich die Gelehrten.




Die Anlage besteht aus Hunderten aufrecht stehender Steine, bzw. Megalithe und Gräber die sich über ein großes Areal verteilen. Besonders bemerkenswert sind die runden Löcher in einigen der Steine. Forscher vermuten, dass sie zur Beobachtung der Gestirne dienten und wie eine Art antiker Sextant genutzt wurden. Daher gilt Karahunj, äh Zorakarer als eines der ältesten astronomischen Observatorien der Welt, also wenn das stimmen sollte, was ich auf Grund der Lage der Löcher nicht glauben kann.
Die Löcher könnten auch genau so gut dazu gedient haben, Hebel zum Aufstellen der Basaltblöcke aufzunehmen, was auch einleuchtender klingt.
Astronomisches Observatorium klingt aber cooler und mystischer als Loch für Stäbe😉




27.06.2026-Goris-35km
In Goris hatten wir einen netten Parkplatz mit Blick auf die skurrilen Felsen mit den Höhlen gefunden und sogleich auch eine kleine Wanderung in die Felslandschaft hinein beim Friedhof unternommen.
Goris selbst wirkt unerwartet gepflegt und teils mit viel Liebe hergerichtet. Mülleimer als Figuren, Bänke in Form von Buntstiften und derlei Kleinigkeiten.
Und, für uns Leckermäuler wichtig, ein kleines Einkaufsparadies. Gemüseläden mit frischem Gemüse in guter Auswahl, ne Bäckerei mit frischem Brot, Supermärkte und sogar ein Spezialitätenladen mit ausländischen Genüssen wie Mascarpone. Ok, über Preise reden wir in einen solchem Laden mal nicht…









Khndzoresk
Auf einer Höhe von 1437 Metern am Rand einer leicht gewellten, mit Gras bewachsenen Hochebene liegt unweit Goris das Dorf Khndzoresk.
Nach Süden hin fällt ein steil zerklüftetes und malerisches Tal ab. Hier finden sich neben Felshöhlen, Ruinen aus dem 19. Jahrhundert, Kirchen auch eine dreischiffige Basilika aus dem 17. Jahrhundert.
Die ganzen Felsen scheinen durchlöchert wie ein schweizer Käse zu sein. Die Erwartungshaltung sollte allerdings nicht zu hoch angesetzt sein, verglichen mit den Felsenkirchen und Wohnungen in der Türkei sind sie hier eigentlich wenig beeindruckend.
Für viele Menschen aber so richtig spannend, insbesondere für die nicht so Schwindelfreien, ist die rund 160m lange, leicht schwankende Hängebrücke über die Schlucht hinüber zu den Höhlen und der Felslandschaft.
Nicht minder spannend sind auch die sog. Wanderwege die durch die Felsen führen.
Die kann man größtenteils nur erahnen und ohne Kartenapp, aber nicht so was wie GoogleMaps, sondern was Richtiges, ist man ziemlich aufgeschmissen. Auch Komoot hilft da nur bedingt.
Um aber in den Genuss dieser kleinen Abenteuer zu kommen, sind aber erst einmal 400 Stufen abwärts zu stapfen. Und klar, die muss man dann auch wieder hoch zum Parkplatz.
So als Hinweis: Die 3 Kilometer zum Parkplatz ist eine üble Dirt Road und mit manchem Womo mit großem Überhang oder tiefergelegt schon eine Herausforderung. Man sollte auch wissen, wie man Transportsicherung schreibt 😉








Hier endet nun mit dem für uns östlichsten Punkt in Armenien der erste Teil der Armenien-Reiseberichte.
Der nächste Reisebericht: Armenien 2026-Teil II (in Vorbereitung)

