Energetisch Autark

…unterschiedliche Wege

Dampfmaschine

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In diesem Artikel beschreibe ich alleine den Punkt Energie, die anderen Punkte, teils ebenso Energie (Gas) werden im Bericht Autark im Winter abgehandelt. Autark bedeutet unabhängig, hierbei verbinden und denken die Meisten bei der Energiefrage gleich an Solar. Das ist aber nur ein Punkt, die sinnvolle Planung einer energetischen Autarkie (Gas, Diesel und Strom) im Wohnmobil richtet sich nach den Ansprüchen, der Art des Reisens, des Reisemobils, der Reiseziele und der Jahreszeiten. In Expeditions-Mobilen findet man oft gar kein Gas vor, dort läuft alles über Strom und Diesel. Hier schon wird erkennbar, dass es unterschiedliche Lösungsansätze gibt. In diesem Artikel möchte ich eine Hilfestellung bei der Planung geben. Ebenso geht es hier darum, wirklich öfters mal 5 Tage irgendwo ohne Versorgung zu stehen und nicht nur mal so 2 Tage.
Zunächst ein paar Zahlen:

Verbräuche und Leistungsdaten

Verbräuche

Zunächst sollten wir ermitteln, was die einzelnen Geräte so verbrauchen, nur ein Anhalt, individuell und nach Art der Geräte leicht unterschiedlich. Eine Klimaanlage habe ich mal nicht aufgeführt, die bis zu 2.500 Watt mit ca. 208 A bei 12 V  saugt, sind sie in der Regel nur mit 230 V über ein Stromaggregat oder Landstrom zu betreiben.
Eure Verbräuche könnt ihr auch mit meinem online-Rechner ausrechnen.

Gerät Watt Ampere Zeit/min Ah
Licht LED 3 ,3 120 0,5
Licht Leuchtstoff 9 ,8 180 2,3
Wasserpumpe 100 8,3 10 1,4
TV 24 2,0 180 6,0
SAT 15 1,3 180 3,8
Radio 25 2,1 240 8,3
Laden Handy 24 2,0 180 6,0
Heizung
(Winterfest)
20 1,7 120 20,0
(5,0)
Kompressor-Kühlschrank (Im Sommer) 60 10 600 60,0
Fön / Nespresso 1300 108 10 18,1
Gesamtverbrauch: 125,9

Solarstrom-Gewinnung

Durch den sich ändernden Einfallswinkel der Sonneneinstrahlung ist die nutzbare Energie je nach Region und Jahreszeit unterschiedlich. Die Zahlen (Quelle: Wikipedia) geben den Durchschnittswert für Deutschland an. Nicht berücksichtigt sind Phasen längerer Bewölkung.

Jan Feb Mrz Apr Mai Jun
Nutzbare Energie
in Deutschland
Daten f. 200 Wp-Paneel
112 Wh 212 Wh 351 Wh 521 Wh 672 Wh 708 Wh
9 Ah/d 18 Ah 29 Ah 43 Ah 56 Ah 59 Ah
Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Nutzbare Energie
in Deutschland
Daten f. 200 Wp-Paneel
657 Wh 576 Wh 425 Wh 266 Wh 131 Wh 87 Wh
55 Ah 48 Ah 35 Ah 22 Ah 11 Ah 7 Ah

An den Daten kann man nun a.H. seiner Geräte überschlägig ausrechnen, welches Solar-Paneel mit welcher Leistung man verbauen muss, um seinen Strombedarf zu decken.
Wer sich für ein Solarpaneel entscheiden möchte, da habe ich etwas unter welches Solar-Paneel geschrieben.

Batterien

Der Strom wird zumeist dann benötigt, wenn keine Energie erzeugt wird (Nachts und Abends). Von daher sollten die Batterien ausreichend bemessen sein! 200 Ah ist bei Wenigverbraucher das Minimum, oder man ist bereit, u.U. alle 2 Jahre eine neue Batterie zu kaufen.

Lösungen

Wie man sieht, wird selbst mit dem Luxus TV, Handy, Tablet, Radio u.s.w. relativ wenig Strom verbraucht. Ein 160 Wp-Paneel mit einer 200 Ah Batterie reicht hier völlig aus, für 4 Tage sogar im Winter. Es gibt heute keinen Grund mehr für einen Wechselrichter, alles läuft heute auf 12 V. Es ist auch völlig bescheuert, von 12 V auf 230 V Wechselspannung und anschließend im Gerät wieder runter auf x V Gleichspannung zu transformieren. Auch hierbei treten Verluste im Wechselrichter auf. Wer länger im Winter frei steht, dem reicht zumeist eine Aufrüstung der Batterien auf 400 Ah.
Wäre da nicht als riesiger Stromfresser der….

Kühlschrank

Standard-Kompressorkühlschränke verbrauchen um 50 – 60 Ah/Tag, zusammen mit den anderen Verbrauchern ist das nur durch Aufrüsten auf min. 400 Wp und 400 Ah Batterie halbwegs wenn überhaupt und nur im Sommer aufzufangen. Besser ist hier ein Kühlschrank von Kissmann, der auf Grund besonderer Technik meist nur um ca. 24 – 30 Ah/Tag verbraucht, wobei auch hier zusammen mit den anderen Verbrauchern für eine ordentliche Stromzufuhr gesorgt werden muss. Von der Investition her teurer, hat aber den Vorteil eines wirklich hochqualitativen und leistungsfähigen Produktes und i.V.m. Solar auch eher zu realisieren.

Andere Möglichkeit ist ein Absorber-Kühlschrank, der sicherlich nicht die Kühlleistung eines Kompressors schafft. Hier werden aber oft Fehler im Einbau begangen! In meinem Dometic habe ich selbst bei 38 Grad Außentemperatur noch 7 Grad im Kühlschrank und Eis im Froster. Der Vorteil ist hier, dass man gänzlich unabhängig vom Strom ist.
Das ist dann auch die Überleitung zum…

Gas

Gas wird zum Kochen benötigt, für das Warmwasser, für die Heizung und ggf. für den Kühlschrank. Sicherlich, eine 11kg Flasche hält im Sommer fast ewig, wenn Heizen angesagt ist, ist sie aber ruck zuck leer, ebenso im Sommer, wenn ein großer Kühlschrank betrieben wird. Problematisch gestaltet sich die Gasbeschaffung bedingt durch andere Anschlusssysteme im Ausland. Zwei Gastanktankflaschen wo man überall an fast jeder Tankstelle in Europa neues Gas bekommt sind für mich ein Muss als Minimum! Allerdings ist der Einbau wiederum so teuer, dass man sich gleich einen vernünftigen Gastank einbauen kann. Das ist gerade dann interessant, wenn man in Ländern mit schlechter LPG-Versorgung oder im Winter unterwegs ist.
Gas (LPG) von Tankstellen hat aber auch Nachteile: Das LPG besteht aus 60% Propan und 40% Butan. Das Butan geht ab null Grad, meist ein paar Grad höher, nicht mehr in den Gasförmigen Zustand über und verbleibt im Tank. Man muss darauf achten, dass man hier bei Tankstellen tankt, die ein 95/5-Gemisch (95% Propan) zur Verfügung stellen, Propan hat eine Siedetemperatur von -40 Grad.
Zwar hält ein 116 L Gastank gut ein halbes Jahr, auch im Winter viele Wochen, aber in einigen Ländern ist LPG kaum zu bekommen, die Lösung der…

Expeditionsmobile (gasfreie Strategie)

Da man hier oft für viele Monate, teils Jahre, in fernen Ländern oft abseits der Zivilisation unterwegs oder die Gasbeschaffung problematisch ist, wird hier zunehmend auf Strom und Diesel gesetzt…
Kochen und Kühlen (Kissmann) mit Strom, Heizen und Warmwasser mit Diesel. Diesel ist nahezu immer vorhanden, der Strom wird mit oft mit > 600 Wp auf dem Dach und um 600 Ah Batterien gedeckt. Immer mehr kommen auch die hochwertigen LiFePo-Akkus zum Einsatz.
In sonnigen Gefilden reicht das dann für einige Tage in Bezug auf Strom. Wenn geplant ist, noch länger zu stehen, ist zusätzlich ein gekapselter Diesel-Generator (Moppel) an Bord, ansonsten sind Expeditionsmobile ja meist in Bewegung.
Manche Expeditionsmobile sind mit Diesel-Kocher ausgestattet, hier entfällt dann der hohe technische Aufwand für die elektrische Versorgung. Allerdings kann man den Komfort dieser Art Kocher nicht mit denen eines Gaskochers vergleichen. Wer das Geld für ein solches Mobil hat, der gönnt sich dann die aufwendige elektrische Versorgung und einen Induktions-Herd 😉

Fazit

Wie gesagt, die beste Lösung richtet sich nach den Ansprüchen, der Art des Reisens, des Reisemobils, der Reiseziele und der Jahreszeiten.

Auf jeden Fall alles auf 12 V und LED umrüsten. Vllt. den alten Fernseher verschenken, gute neue TV mit DVD und Tuner verbrauchen heute nicht mehr als 24 Watt.

Beschränkt man sich auf die notwendigen Verbraucher, sogar mit dem Luxus TV, ist eine energetische Autarkie von Frühjahr bis Herbst relativ günstig zu verwirklichen. Legt man Wert auf Fön oder Nespresso, steigt der Aufwand exponential in Bezug auf Technik und Investition. Für drei Mal am Tag Kaffee kochen ist der Aufwand doppelt so groß, technisch wie finanziell.
Der Stromfresser Kompressor-Kühlschrank steht einer energetischen Autarkie entgegen, hier gehört ein Kissmann oder günstiger ein Absorber-Kühlschrank rein.

Solar ist im Winter wirkungslos, dazu kommt, dass in einem nicht wintertauglichen Wohnmobil der Stromverbrauch (Gebläse) bei Frost zwischen 30 und 50 Ah/Tag liegt. Mit solchen Wohnmobilen ist autarkes Stehen bestenfalls für einen Tag möglich oder man hat einen Generator oder eine Brennstoffzelle dabei. Winterfeste Wohnmobile sollten zumindest ausreichend Batteriekapazität vorweisen, aber auch hier, elektrisch autark ist man bestenfalls für einige Tage, siehe Bericht Autark im Winter.

Gemittelt auf den Verbrauch für drei Tage sollten die Batterien mindestens das doppelte oder mehr (30% Entladung) an Kapazität (Ah) aufweisen, Ausnahme LiFePo oder Kristall-Batterien, die man schadlos weiter entladen kann. Beispiel: Verbrauch 20 Ah/Tag x 3 Tage = 30% entspricht 200 Ah Batterielapazität.
Die Solarpaneele sollten so bemessen sein, dass sie im März (Tabelle oben) wenigstens den Verbrauch abdecken können, hier ein 200 Wp-Paneel.

Wer vornehmlich im westlichen und südlichen Europa unterwegs ist, sollte über Gastankflaschen nachdenken. Für mich gehören die eigentlich auf Grund der Bezugsprobleme im Ausland eh in jedes Wohnmobil. Wer länger, also für etliche Wochen oder gar Monate auch in skandinavischen Ländern oder im Osten und auch im Winter unterwegs ist, sollte für seine Unabhängigkeit einen Gastank mit 116 L (gängige Größe) verbauen. In einigen Ländern ist die LPG-Versorgung eher schlecht und in kalten Zeiten (Heizen) hat man mehr Spielraum. Winterfahrer sollten darauf achten, dass sie 95/5 LPG tanken.

Die optimalste Lösung ist die gasfreie Strategie, allerdings dürfte die ob des technischen und finanziellen Aufwandes für die meisten Wohnmobil-Fahrer nicht in Betracht kommen. Dies lohnt eigentlich nur, wenn das Ziel Länder sind, wo eine Gasversorgung nicht sichergestellt ist.

Der Gedanke, den Verbrauch hoher Verbraucher wie Kühlschrank mit Solar decken zu können um auch über Tage autark stehen zu können, ist im Sommer zwar machbar, aber aufwändig.
Ich bin der Meinung, dass man in diesen Fällen in Kombination einer ausreichenden Batteriekapazität und mit anderen Energiequellen wie z.B. einen gekapselten Generator besser fährt. Insbesondere dann, wenn man auch im Spätherbst oder Winter unterwegs sein möchte.

Ich hoffe, euch raucht nicht der Kopf und ihr konntet etwas für euch und euer Vorhaben etwas heraus ziehen.

 

 

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3 Kommentare

  1. Hallo,
    Gasfrei im Expeditionsmobil ?
    Mitnichten. Uns reicht eine 11kg Flasche Gas ausschließlich zum kochen mehr als 100 Tage.
    Solange stehe ich bestimmt nicht in der Pampa.
    Nachfüllen mit Autogasadapter ist nirgends ein Problem.

    • Moin Peter,
      da gebe ich Dir recht! Ich kenne sogar welche, die haben nur 2,5 kg zum kochen dabei. Hier sind wir dann bei dem Thema Ziele und Einsatz worauf ich ja immer wieder hinweise und für euch die beste Lösung ist.

      Ich zeige ja nur mögliche Strategien auf, daraus möge jeder für sich mit seinen Zielen seine Essenz finden.
      Nichts desto trotz kann es bei der Gasbeschaffung in bestimmten Ländern zu Problemen kommen. Ich weiß, es gibt teils die abenteuerlichsten Füllmethoden 😉
      In Südafrika, Namibia u.s.w. ist gar nichts mit Adapter, dort ist LPG nicht zu bekommen, z.Zt. nur eine Füllstelle in SA, ebenso wenig in Skandinavien oder im Osten. Auch das Befüllen auf anderem Wege ist nicht immer gesichert. Für diesen Kreis Reisender sind 100 Tage nichts…
      Deshalb wenden die Ausbauer zunehmend die gasfreie Strategie an. Bei Kerkamm und den Großen von Actionmobil findest Du deshalb kein Gas mehr.

      LG Michael

  2. Klaus Kruschel

    Danke für den sehr guten Artikel. Mir hilft es meinen “neuen” gebrauchten, der leider einen Kompressorkühlschrank verbaut hat, mit gutem Gewissen auf Absorber umzurüsten. Wir hatten bisher im MB100 einen Absorber, der zwar nie so dolle gekühlt hat, unserem Bedürfnis “frei” zu stehen aber sehr entgegenkam.
    LG Klaus

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