Differentialsperren in Allrad-Fahrzeugen

Corona-Zeit und graue Novembertage, da habe ich doch wieder etwas Zeit, um mir Gedanken über die unwichtigen Dinge des Lebens zu machen, so wie z.B. Allrad und Differentialsperren 🙂

Warum? Immer wenn ich von einigen meinigen lustigen Erlebnissen berichte, kommt solch ein Spruch wie: “Bau Dir doch ne Hinterachsdifferentialsperre ein.”
Echt jetzt, selbst bei einigen OffRoadern frage ich mich, haben die eigentlich Ahnung davon, was da wirklich passiert um mir solch einen Tipp zu geben?
Deshalb dieser Artikel zum Verständnis, beginnend bei Adam und Eva.

Truck im Matsch
Truck im Matsch

Seit dem wir unseren kleinen Russen haben, haben sich meine Offroad-Erfahrungen ein wenig erweitert und vor allem habe ich mich mehr mit der Technik auseinander gesetzt.
Meine ersten Erfahrungen mit modernen elektronischen, ich nenne sie mal Sperrhilfen wie 4ETS bei Mercedes, waren mit unserem Sprinter. Wie im Bericht Bimo im Sand zu lesen und im Video bei 3:50 zu sehen, versagte das ja vollends. Dann kommen die schlauen Leute und meinen, ich solle doch eine Hinterachsdiffentialsperre einbauen lassen und alles wird gut.
Auh Mann…
Anmerkung: Manchmal schreibe ich Differential, manchmal Differenzial. Laut Duden ist das wurscht. Ob da nun ein “t” oder “z” steht, war abhängig von meinen dicken Fingern und beide Variationen sind besser für Google

Was ist ein Differenzial und warum ist jenes notwendig?

Ohne Differenzial würden sich die Räder auch in Kurven gleich schnell drehen und die Straßenlage würde instabil werden. Deshalb muss sich das äußere Rad einer Achse etwas schneller drehen als da Innere.
Die Kraft des Antriebs soll ja auf beide Räder einer Achse verteilt werden, also müssen die unterschiedlichen Drehbewegungen ausgeglichen werden. Dies wird in der Regel durch zwei umlaufende Kegelzahnräder erreicht. Dreht sich ein Rad z.B. in einer Kurve schneller, rotieren diese zum Ausgleich um die Zahnkränze der Antriebsräder. So wird die Antriebskraft auf beide Räder verteilt, obwohl sie sich unterschiedlich schnell drehen.
Ausführlich bebildert mit den unterschiedlichen Systemen erklärt wird das in der Wikipedia->

Warum eine Differenzialsperre?

So lange beide Räder einer Achse den gleichen Grip haben, verteilt sich auch die Antriebskraft gleichmäßig.
Verliert aber ein Rad den Grip, z.B. im Gelände, Schnee, Matsch, auf einer Wiese oder überhaupt immer, wenn sich ein Rad z.B. auf Asphalt und das Andere im Matsch befindet, dreht dieses bedingt durch die (Ausgleichs-)Kegelräder durch. Alle Kraft geht dann auf das durchdrehende Rad über und man steckt fest.
Abhilfe schafft hier nur eine Differentialsperre, bzw. ein Sperrdifferential welches die Kegelräder sperrt, so dass sie nicht mehr umlaufen können. So wird die Antriebskraft gleichmäßig auf beide Räder einer Achse verteilt verteilt.
Hierzu gibt es unterschiedliche Formen und Möglichkeiten die in der Wikipedia erklärt werden. Allerdings wird dort auf die Wichtigste, die starre mechanische 100%-Sperre unverständlicherweise nicht eingegangen.

Matschweg

Differentialsperren in Allrad-Fahrzeugen

Allrad-Fahrzeuge mit elektronischer Regelung

Mercedes z.B. hat das 4ETS (ElektronicTraktionSystem). D.h., dreht ein Rad durch, wird es durch Messung der unterschiedlichen Drehbewegungen über die ABS-Sensoren über die Bremse abgebremst und die Kraft dadurch auf die anderen Räder verteilt. Theoretisch und laut Mercedes-Werbung werden hierdurch drei Sperren simuliert.
Soweit die Theorie, das funktioniert aber zumindest bei Mercedes nur, wenn alle Räder in Bewegung sind. Steht das Fahrzeug und ein Rad dreht durch, arbeitet das 4ETS nicht mehr richtig und der Sprinter rührt sich keinen Millimeter von der Stelle. Sehr schön hier im Video bei 3:50 zu sehen.
Tipps, man solle eine Hinterachssperre einbauen, sind absolut dummes Zeug!
Es kann ja trotzdem zumindest ein Rad auf der vorderen Achse durchdrehen und der Sprinter bleibt immer noch stehen! Die elektronischen Systeme sind schlicht nicht OffRoad-tauglich, da immer eine Mindestgeschwindigkeit, bzw. Drehbewegung aller Räder vorhanden sein muss!
Kann man aber mit Geduld überlisten, wenn man den Fuß aufs Gaspedal hält. Das 4ETS ist aber so träge, dass man sich dann längst eingegraben hat, bis es reagiert. Wenn es dann reagiert, gräbt sich sofort das andere Rad ein 🙂

Bimo im Sand
Bimo im Sand

Konventionelle Differentialsperren

Nur eine echte mechanische Differentialsperre ist deshalb eine richtige Sperre!
Klar, die Differentiale einer jeder Achse sollten gesperrt werden können. Vergessen wird da gerne eine dritte Sperre, die des Verteilergetriebes (VTG)!
Fährt man durch eine Delle oder über einen Hügel, gibt es einen kleinen Moment, wo sich Vorder- und Hinterachse unterschiedlich schnell drehen.
Durch die Unebenheiten der Fahrbahn oder des Untergrundes, drehen sich Vorder- und Hinterachse immer unterschiedlich!
Hier ist deshalb ein Differenzial im Verteilergetriebe notwendig!

Lada auf Sandpiste

Professionell mit drei Sperren

Im Gelände ist es wichtig, dass alle Räder gleichmäßig drehen, keine Kraft durch durchdrehende Räder vergeudet wird und das Fahrzeug stehen bleibt. Das ist nur möglich, wenn jede Achse und auch das Verteilergetriebe zu 100% gesperrt werden können.
Sperrt man nun die Differentiale der Vorder-, Hinterachse und des Verteilergetriebes, ist der gesamte Antriebsstrang starr verbunden und alle Räder können sich nur noch gleich drehen. Die Kraft wird auf alle Räder gleichmäßig verteilt.

Die wichtigste Differenzialsperre, die des Verteilergetriebes (VTG)

Klar, drei Differenzialsperren sind toll und der Königsweg, aber sind sie auch wirklich notwendig, reicht nicht nur eine Sperre? Wenn ja, welche?

Schnee

Würde man nur eine Achse, wie der oft erfolgte untaugliche Tipp mit der Hinterachse sperren, was dann? Dann können sich die Räder der Vorderachse trotzdem munter weiter drehen und man sitzt fest. Umgekehrt ist es natürlich das Gleiche.
Also dann Vorder- und Hinterachse Sperren? Das bringt ebenso kaum bis gar nichts, da die Räder einer Achse trotzdem durchdrehen können! Wie das?
Das Verteilergetriebe (VTG), da sitzt auch ein Differential um die unterschiedlichen Drehbewegungen der Antriebsstränge auszugleichen! Wenn eine Achse im Verhältnis zur Anderen an Grip verliert, dreht sie halt durch.

Darum macht es keinen Sinn, die Achsen zu sperren, wenn nicht gleichzeitig das Verteilergetriebe ebenso gesperrt wird!!

Also verzichten wir auf die Achsen und sperren nur das Verteilergetriebe, was passiert dann?
Die Antriebswellen nach vorne und hinten können sich nur noch gleich drehen. Dadurch können die Räder einer Achse nicht mehr durchdrehen. Ebenso ist es unmöglich, dass ein einzelnes Rad durchdrehen kann.

Dadurch ist Sperre des Verteilergetriebes grundsätzlich völlig ausreichend und man kann auf die Achssperrdifferentiale verzichten!

So hat das im Übrigen auch Lada und Nissan gelöst. Lada sperrt lediglich das Verteilergetriebe und der kleine Russe kommt wahrlich nahezu überall durch. Bei Nissan ist das Verteilergetriebe grundsätzlich starr bei Einschalten des Allrades.

Matschpiste
Matschpiste

Aber halt, eine, wenn auch sehr seltene Situation, wo man auch mit alleiniger Sperre des Verteilergetriebes stecken bleibt:
Wenn je ein Rad einer Achse gleichzeitig den Grip verliert, wobei der schwache Grip dieser beiden Räder wirklich gleich sein muss!
Diese beiden Räder können dann in der Tat durchdrehen und das Fahrzeug bleibt stehen. Wobei, wenn man nur eines dieser beiden Räder Grip verpasst, geht es wieder weiter…

Fazit

Lasst euch für euren modernen elektronisch geregelten Mercedes-Allrad keine, vor allem einzelne Achssperren andrehen, das taugt nichts! Im Gegenteil, das ist eher ein Nachteil und ihr kommt weniger weit, weil die elektronische Regelung 4ETS abgeschaltet wird!
Entweder, ihr baut komplett auf permanent Allrad mit allen Sperren um, oder lasst es bleiben!
Wenn es möglich ist, dann nur eine Sperre und zwar die des Verteilergetriebes, diese reicht für fast alle Situationen völlig aus!
Gab es mal bei Oberaigner, leider macht es jetzt niemand mehr.
In der Regel wäre für den Sprinter eine Hinterachssperre als 4×2 völlig ausreichend, nur höher legen sollte man ihn unbedingt.

Iglhaut bietet auch eine einzelne Hinterachssperre für den Allrad an, sagt dann aber auch ganz klar, dass der Allrad dann bei Einlegen der Sperre abgeschaltet werden muss!

Drei Sperren sind der Königsweg, ist aber teuer in der Anschaffung oder im Umbau. Lohnt sich m.E. eher nur für einen kleinen Personenkreis die wirklich HardCore Gelände fahren.

Ganz preisgünstig ist es, wer einen Hecktriebler hat und eine mechanische 100%-Hinterachssperre einbauen lässt. Der kommt damit garantiert weiter als all die mit ihren modernen elektronischen Wiesen-4×4 wie unsereiner seiner 😉
Nur für Bodenfreiheit muss er sorgen..

Die Beste und günstigste geländegängige Möglichkeit ist ein Allrad wo man nur das VTG sperren kann wie beim Lada, tja, die bietet leider niemand mehr an.

Offroad-Tipps

Grundsatz: Steht das Fahrzeug erst, ist immer Sch…e!

Wer keinen permanent Allrad hat:
Wenn ihr meint, ihr könntet den Allrad vielleicht gebrauchen, schaltet den schon vorher ein! Wenn ihr den Allrad erst einschaltet, wenn ihr ihn braucht, ist es oft zu spät.

Das Gleiche gilt für die Sperre(n). Ist absehbar, dass ihr Sperren brauchen könntet, legt sie vorher ein.
Besser unnütz zugeschaltet als stecken bleiben!
Aber Achtung: Der Untergrund muss immer lose sein, nie auf Asphalt!

Wer über drei Differentialsperren verfügt:
Zuerst die die Wichtigste, die Sperre des Verteilergetriebes (VTG) einlegen!
Die reicht für nahezu alle Situationen des Lebens völlig aus!

Reicht diese Sperre wider Erwarten mal nicht aus, dann zusätzlich die Achs-Sperren und zwar dann IMMER beide gleichzeitig!

Nicht vergessen, die Sperren auf Asphalt oder festem Grund wieder heraus zu nehmen, sonst produziert ihr teuren Metallschrott!

Wer mit einem elektronischem System unterwegs ist, immer darauf achten, dass man genug Fahrt drauf hat und immer schön den Fuß auf dem Gaspedal halten, auch wenns schwer fällt!
Auch wichtig, die ASR (AntiSchlupfRegelung) auszuschalten, sonst wird die Leistung des Motors u.U. so weit herunter geregelt, dass ihr nicht mehr von der Stelle kommt!

Nur ein technischer Tipp: Schaltet den Allrad und alle Sperren ab und zu ein!
Nur wenn die Mechanik gängig ist, könnt ihr euch darauf im Notfall verlassen. Bei längerem Nichtgebrauch streikt die Technik gerne und das ist markenunabhängig!

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29 Kommentare

  1. Besonders Deinen letzten Tipp kann ich nur bestätigen / bestärken!
    Je öfter man diese Funktionen nutzt desto flüssiger funktionieren sie, wenn man sie braucht. Anfangs ist es ziemlich hakelig den Allrad und die Untersetzung einzulegen.

  2. Hey Klasse Artikel!
    Dazu gleich drei Frage an dich:

    Citroën Jumper (Mein Reisemobil und Front Antrieb) kann ich mit Dangel 4×4 folgendes tunen:
    1. Höherlegung 2. Allrad 3. SperrdifferentialHinterachse 100%

    Und Bereifung: 15” / 16 “ / 17 “ und 18 “

    Zuerst dachte ich an Allrad und Höherlegung plus 18 “ damit ich noch etwas mehr Bodenfreiheit erreiche, nach deinem Artikel macht die Hinterachs Sperre keinen Sinn. Richtig?
    Wie ist es mit Allrad und 18” ist das schädlich? Habe gelesen das das Getriebe und Antriebswelle stärker belastet werden und daher kein 18” wâhlen soll. Ist das auch richtig ?

    Und dritte Frage wie würdest du kombinieren ?

    Vielen Dank für Deinen Blog!

    • Moin Roman,

      merci!
      Richtig, HA-Sperre macht keinen Sinn. Behält das Fahrzeug seine Elektronik, dann könntest Du einen ganz kleinen Vorteil haben. Ansonsten lass es und begnüge dich mit dem normalen Allrad, in der Regel reicht der.

      Bei größeren Rädern muss der Tacho angeglichen werden. Die Getriebeabstimmung ändert sich und die Gänge werden länger. Du brauchst eher eine Untersetzung, bzw. ist eine Voraussetzung.
      Wenn Du keine hast, klar, die Belastung der Mechanik wird deutlich größer. Fahre mal mit einem Fahrrad im größten Gang langsam über eine Wiese 😉

      Allrad und Höherlegung auf jeden Fall. Gibt es eine Option für eine Untersetzung? Dann auf jeden Fall auch die.

      Die Idee mit den Rädern ist schon ok. Musst dich mal erkundigen, was erlaubt und möglich ist. Kommt ja auch darauf an, welche Reifen montiert werden. 18“ und Niederquerschnitt ist nahezu das Gleiche wie 16“ und dicke Reifen.
      Ich würde darauf achten, dass sich der Abrollumfang um nicht mehr als 10% erhöht. Ist der höher, bekommst du auch Probleme auf der Straße, da die Gänge ja länger werden.

      Gern geschehen und viele Grüße,
      Mikesch

      • Oh danke! Das hilft ungemein. Untersetzung habe ich leider im Dangel Angebot nicht gefunden!

        Es geht ja auch bei einem Kastenwagen eher darum bei schlechten Wegen / Straßen / Wiesen / Stränden voranzukommen.

        Danke für den 10% Tipp. Das wusste ich auch nicht.

        Gibt es denn ein Buch oder eine Off-road Bibel mit der ich mich da weiterbilden kann ? Ich habe seit deinem Artikel das Gefühl ich kann nix mehr. Haha

        • Die 10% sind auch für den TÜV und Tachoangleichung wichtig! Kommst Du drüber, brauchst du in der Regel auch ein Abgasgutachten.

          Keine Ahnung was es an Literatur gibt, musst du mal googln. Oder mach mal ein Training mit, das lehrt ungemein.

    • Servus, ich bin auch am überlegen ob auf dem Dangel Jumper 16 oder 18 Zoll drauf kommen. Bei den 18 Zoll, bist halt vom LK mit dem Reifen begrenzt. Hier ist angeblich nur der ContiContactCamper (für ordentlich Asche) als einziger Anbieter möglich. Dazu über 2K für den Radsatz und wenn im leichten Gelände dir die Felgen verkratzt….ärgerlich.

      Bei 16 Zoll, hast eher Verlust zum Fahrkomfort. Aber mehr Auswahl an Reifen, höhere Bodenfreiheit und kannst Schneeketten aufziehen. Soll ja bei 18 Zoll nicht mehr möglich sein.

      Halt Du mich mal bitte auf den laufenden.

      Grüße Jörg

  3. Hallo ich fahre einen IVECO 7,2 to mit eletrisch zu schaltbarem Sperrdifferenzial.
    Der Verkäufer sagte mir bei der Übergabe: Anhalten, Schalter drücken und langsam ohne größere Lenkeinschläge bis zum nächsten festen Punkt fahren. Dann die Sperre wieder ausschalten und ein Stück zurück und vor fahren. Damit die Sperre sicher raus ist.
    Ich habe sie diesen Sommer zum ersten mal auf einer leicht abschüssigen Wiese bergauf nach 3 Tagen Regen benutzt.
    Bin ohne Halt oben angekommen.
    Ob das auch ohne dieses Hilfsmittels geklappt hätte ? ? ?

    • Moin Helmut,
      die Frage lässt sich nicht so einfach beantworten. Du hast ja vier angetriebene Räder. Die Sperre kommt ja dann zum Einsatz, wenn der Grip der Räder unterschiedlich ist und eines oder zwei durchdrehen.
      Auf einer Wiese ist der Grip meist gleich, insofern…
      Müsstest Du testen 🙂
      Dann: Welche Sperre? Hinten, vorne oder mitte? Ist nur die Mitte, sprich das Verteilergetriebe gesperrt, kannst Du ganz normal lenken.

      LG Mikesch

      • HALLO Mikesch,

        soweit ich weiß, soll beim iveco die Sperre im Differenzial vorgenommen werden ?
        Kann ich diese auch bei langsamer Fahrt zuschalten ?

        Gruß Helmut W

        • Moin Helmut,

          die Sperre befindet sich immer im jeweiligen Differenzial 😉

          Grundsätzlich ist es so: So lange keine unterschiedlichen Drehbewegungen vorhanden sind, kann man die Sperre(n) auch während der Fahrt zuschalten. Also auf ebener Strecke geradeaus…
          In der Praxis hat man aber fast immer eine Differenz in der Drehbewegung der Räder, von daher sollte das Fahrzeug in Geradeausrichtung stehen. Manchmal hakt es es, dann kann mit Gefühl etwas Druck auf der Kupplung und evtl. langsame Bewegung das Einrasten erleichtern.
          Egal, was in der Bedienungsanleitung steht, ich versuche es immer erst bei Stillstand.

          LG Mikesch

  4. Servus Mikesch!
    Toll,endlich mal einer der sich scheinbar super auskennt. Ich tu es ledier nicht so. Daher würde ich gerne folgende Fragen an dich stellen. Für eine Antwort danke ich dir jetzt schon ganz herzlich.
    Ich habe für die Jagd einen Toyota Rav 4 Bj. 98 mit perm. Allrad. Er hat auch einen Druckschalter mit dem Achsensymbol. Beim Drücken leuchtet in der Anzeig auf: “MittelDiff.Sperre”
    Ist das Mitteldiffertial das von dir angesprochene VTG?
    Da würde bedeuten mein Ravi wäre richtig gut im Wald und Gelände? Bisher bin ich nämlihc auch ohne die Sperre und mit All Terrain Reifen fast über hoch und durch gekommen.
    Vielen Dank und Gruß
    Franz

    • Moin Franz,
      genau, die MittelDiffSperre ist die des VTG (Verteilergetriebe), ausreichend für 99% der Fälle des Lebens 🙂
      Sei froh, dass Du noch solch ein altes Auto hast und nicht mit dem elektronischen Schnickschnack.
      Damals war das so üblich, nur das VTG zu sperren, weil die anderen Sperren meist überflüssig sind.
      Ich glaube (nicht sicher), Nissan baute noch bis 2015 nur mit Mittelsperre ohne Elektronik.

      Viel Spaß mit Deinem Schätzchen und auf dass 2021 besser wird,
      Mikesch

  5. Hallo,
    vielen Dank für deinen total Beitrag – hat mir sehr weitergeholfen. Darf ich dich bitten mir einen Rat zu geben (da meine Verkäufer keine Ahnung hat…)? Ich spiele mit dem Gedanken mir einen Fort Transit Trail zuzulegen. Den gibt es als Vorderrad mit mechnischer Differentialsperre oder Allrad mit elektronischer Steuerung. Konkret – denkst du dass die Variante mit dem Sperrsdifferential gleich gut ist wie der allrad (für Zufahrt diverse Strände und Bergstrassen) – spart ~6.500€ und 200kg…
    Von der Höhe ist der 2-Rad mit 11-14cm angegeben und der Allrad mit 15 cm – also beides nicht besonders…
    danke!

    • Moin Bernie,
      die Elektronik macht immer dann Probleme, wenn du stehst, bzw. erst mal fest steckst. Der Allrad bringt dann nicht viel. Der elektronisch geregelte Allrad hat meist immer dann Vorteile, so lange du in Fahrt bist.
      Auf der nassen Wiese, am steilen Berg mit der Schotterpiste oder wenn es mal durch Sand geht, finde ich eine mechanisch gesperrte Achse hilfreicher.
      Die Variante mit Sperrdifferential ist nicht gleich gut wie der Allrad, beide Varianten haben ihre Stärken.
      Der Trail ist kein Offroader, daher denke ich, dass die Version mit Sperrdifferential für deine Zwecke völlig ausreichend ist, weil Du dich dann aus Situationen befreien kannst, wo der Allrad wahrscheinlich versagen wird.
      Abgesehen vom wirtschaftlichen Faktor….

      LG vom Mikesch

      • Hallo Mikesch,

        hab Dank für diesen Artikel!
        Du schreibst, dass Nissan bis 2015 noch mit VTG baute – betrifft das alle Modelle?

        Wie sind nämlich auf der Suche nach einer Pritsche mit Geländeunterstützung für den Umbau zum Wohnmobil. Es soll kein krasses Offroad-Teil werden, aber mal von der Straße runter auf unwirtlichere Wege können.

        Unser Problem: Allrad und/oder Diffsperre wird quasi nur für Fahrzeuge bis 3,5 t ab Werk angeboten. Wir brauchen (zu sechst) aber einfach mehr Zuladung. Nur Iveco scheint es auch über 3,5 t zu machen, ist aber neu mit 4×4 extrem teuer und gebraucht nur ohne Beifahrerairbag zu finden (jaaa, der MUSS sein).
        Gedanke war nun, einen 3,5 t aufzulasten (könnte gerade knapp so hinhauen). Allrad nachrüsten ist ja wirtschaftlicher Irrsinn (und scheint nach deinem Artikel auch gar nicht mal so schlau zu sein).

        Oder fällt dir ein passendes Fahrzeug ein?

        Viele Grüße,
        Schneggo

        Ps: unser erster Van war tatsächlich ein Allrad -Nissan (reiner Zufall), der auch brav jeden Blödsinn mitgemacht hat: https://famotion.wixsite.com/famotion/post/campervan Der wäre jetzt aber deutlich zu klein 😆

        • Moin Schneggo,

          interessanter Blog! Genau so etwas mit Auto kaufen in Neuseeland haben wir auch noch vor, also wenn es wieder mal möglich ist 😉

          Ob alle Nissan 4×4 Modelle mit VTG ausgerüstet sind, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, da müsste man googln.
          Bei den älteren, vorelektronischen Fahrzeugen, auch der anderen Marken war das aber üblich.

          Bei >3,5 Tonnen gibt es bei den LLKW eigentlich nur zwei Fahrzeuge: Sprinter oder Iveco…
          Der Sprinter hat halt einen elektronischen „Baustellenallrad“, reicht für die meisten Gelegenheiten völlig aus.
          Ich mein, wir sind mit unserem Bimo tausende Kilometer Pisten und Humpelstrecken in Kanada, Utah und Alaska gefahren.
          Untersetzung und Bodenfreiheit waren hier das A und O.
          Er mag halt keinen tiefen Sand, bzw. darfst darin nicht stehen bleiben 😉
          Er ist komfortabel und hat auch einen Beifahrerairbag. Neu ist er mittlerweile fast günstig zu nennen, allerdings gerät der Allrad immer mehr ins Hintertreffen und wird abgespeckt. Ich glaube, nur der mit 140 kw wird demnächst noch mit Allrad zu haben sein.

          Der Iveco ist das Arbeitstier, laut und eher ungemütlich, halt eher ein LKW. Der Einzige seiner Klasse mit richtigem 4×4 mit drei Sperren und zig Gängen.
          Da er schon wertiger geworden ist, kostet der ein Vermögen. Für das Fahrgestell kann man sich einen Luxus-Kasten kaufen…

          Wenn du keine richtigen Geländeambitionen hast, würde ich nach einem 5 T Sprinter schauen. Auf jeden Fall den 6ender!
          Der schnurrt und nur den gibt es demnächst noch mit Allrad.

          LG vom Mikesch

  6. Hab Dank für deine Rückmeldung!

    Neuseeland ist einfach wunderschön. Allerdings inzwischen wohl deutlich restriktiver geworden, was das Freistehen und die Campervans angeht.

    Den Sprinter 50 gibt es nach unseren Infos neu leider nicht mit Allrad. Das müsste nachgerüstet werden.
    Und auch gebraucht finde ich ihn mit Allrad nur bis 3,5 t…

    Was hältst du von den neuen ESP? Die simulieren ja zum Teil eine Differentialsperre (wir schauen gerade zum Beispiel bei den Ford Transits). Kann man damit was anfangen? (Schnee, Matsch, Feldwege, Strand)

    Viele Grüße!
    Schneggo

    • Moin Schneggo,

      kann sein, dass der Allrad im Moment nicht zu haben ist. Soll aber laut Hörensagen wieder kommen, dann aber nur mit dem 140kw, was ja kein Beinbruch ist.
      Wahrscheinlich sind die deshalb auch nicht gebraucht zu bekommen oder man zahlt Freudenhauspreise dafür. Allrad hats aber definitiv bis 2020 bis 5T gegeben, hab ja einen…

      Von den elektronischen Systemen halte ich, wie oben beschrieben und auch nach meinen Erfahrungen gar nichts. So lange du fährst und in Bewegung bist, ist alles ok und können eine Hilfe auf der Straße und auf steilen Schotter-Steigungen sein. Aber genau in den Momenten, wo du wirklich die Hilfe benötigst, nämlich wenn du stehst oder sich ein Rad eingegraben hat, versagen sie, weil viel zu träge.
      Zumindest beim Sprinter ist das 4ETS (soll ja auch 3 Sperren simulieren) eher eine Eingrabhilfe, hab da ja auch einen Bericht zu.

      Bei den Fords wird das wahrscheinlich nicht anders sein. Ford und auch Fiat haben zudem den Nachteil, dass sie so gut wie keine Bodenfreiheit haben, aber genau die ist genau so wichtig wie der der Antrieb.

      Bei Ford und Sprinter würde ich eher mal googln, ob man die Kisten nicht höher legen kann und dann dazu eine HA-Sperre. Damit kommst du weiter als mit dem elektronischen Firlefanz-Allrad, gerade, wenn du an den Strand möchtest.

      LG vom Mikesch

      • Hallo Mikesch,

        Ich habe einen Sprinter 906 zum Camper umgebaut und überlege eine HA Differentialsperre einbauen zu lassen.
        ( https://offroad-transporter.com/produkt/differenzialsperre-fuer-die-hinterachse-907/).
        Taugt das deiner Meinung nach etwas?
        Vielen Dank.
        Vg
        Karsten

        • Moin Karsten,

          damit kommst Du gerade im Sand oder Matsch weiter als mit dem Serien-Allrad.

          LG vom Mikesch

          • Hallo Mikesch,

            vielen Dank für die Antwort.
            Den preis finde ich nur sehr heftig, meinst du das speziell das verlinkte Angebot etwas taugt?
            Man hört ja sonst nur immer von den üblichen Verdächtigen.
            VG
            Karsten

          • Moin Karsten,

            ob der Preis gerechtfertigt ist? Keine Ahnung, frage ich mich auch oft. Es war immer schon etwas teurer, einen besonderen Geschmack zu haben 😉
            Das Mittendifferential lag auch in der Preisklasse und wenn Du bedenkst, was so ein Iglhaut-Umbau kostet…
            Zu dem Unternehmen und dem Angebot kann ich nichts sagen, ich persönlich kenne das nicht und kenne auch keinen der einen kennt…

            LG vom Mikesch

  7. Hey Mikesch,
    Danke!
    Du würdest also einen 516er einem 519er vorziehen? Darf ich fragen, warum?
    Viele Grüße!
    Schneggo

    • Moin Schneggo,

      umgekehrt, den 519 vorziehen! Das ist der geile 3 L 6ender mit 190 PS (140 kw)! Angeblich soll der Allrad später nur noch mit diesem Motor zu haben sein.
      Der 160 PS Motor soll laut einigen Berichten Probleme bereiten. Bei zwei Bekannten war der Motor nach rund 40 Tkm Schrott.

      LG vom Mikesch

  8. Servus Mikesch,

    bei uns steht die Überlegung eines Cratfters an. Die Differentialsperre mechanisch bei der Hinterachse, ist nur in Verbindung mit 4-motion möglich (warum auch immer).

    Aus Deinen Berichten + Informationen sollte in erster Linie eine mechanisch Differentialsperre verbaut werden. 4*4 ohne mD macht keinen Sinn.

    Heißt für uns bei dem Crafter wir müssten beides berücksichtigen + genügend Bodenfreiheit.

    Mit den besten Grüße aus Murnau + freue mich auf Deine Antwort
    Andy

    • Moin Andy,
      wie gesagt, bei einem 4×4 nur eine Sperre hinten macht nicht viel Sinn. Du könntest genau so gut auf die Sperre verzichten. Es braucht vorne nur ein Rad durchdrehen und du stehst.
      Ich weiß ja nicht, wie die 4-motion bei VW arbeitet, vielleicht ist sie ja besser als das 4ETS von Mercedes.
      Wie gesagt, verzichte bei 4×4 auf die Sperre, spart Geld.

      LG vom Mikesch

  9. Hallo Mikesch,

    wieder so ein geiler und ausführlicher Artikel wo alles wirklich gut beschrieben ist.
    So wie es ausschaut habe ich alles richtig gemacht: ich hab den Sprinter mit Heckantrieb genommen…dann noch eine Hinterachsdiffentialsperre einbauen lassen, und alles ist gut.

    Zur Höherlegung sei gesagt, dass es schon viel hilft, wenn man das Schlechtwetterfahrwerk nimmt…durch die höheren Reifen (225 75 R16 anstelle der serienmäßigen 225 65 R16) und durch das 3cm höhergelegte Fahrwerk gewinnt man in Summe dann doch 6cm.
    Das sind dann noch nicht die 10-11cm wie beim Werksallrad, kostet dafür in der Aufpreis Liste nur 400€ und ist besser als nichts.

    Beim neuen Crafter z.B. muss ich für 6cm schon zu Seikel und mir ein neues Fahrwerk einbauen lassen (3cm Gewinn) und dann noch für teures Geld die neuen Reifen eintragen lassen…mit TÜV etc…

    Der neue Allrad vom Sprinter wurde die Tage vorgestellt. Die Technik scheint jetzt dieselbe wie beim Crafter zu sein und nur noch mit großem Motor und Automatik möglich. Beim Crafter gibt´s dann wenigstens noch eine Hinterachsdiffentialsperre für schlanke 1000€ Aufpreis direkt vom Hersteller.

    Mal schauen wie es wird, wenn mein neuer endlich da ist.

    Gruß
    Sepp

    • Moin Sepp,
      alles richtig gemacht!
      Dass Höherlegen ist ja nicht alles, das Differenzial kommt dabei ja nicht höher, nur durch größere Räder, was du ja gemacht hast.
      Insofern, freu dich!

      LG vom Mikesch

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