Braucht man einen Allrad

Eine Frage, die immer öfter in Foren auftaucht:

…sind am überlegen, ob wir unser neues Wohnmobil mit oder ohne Allrad bestellen sollen.

Das ist erst einmal eine Frage des Einsatzes und Geldbeutels…  🙂
Um die Antwort vorweg zu nehmen:

Der gemeine Wohnmobil-Fahrer braucht im üblichen Gebrauch keinen Allrad, erst recht nicht bei heckgetriebenem Fahrzeug!

Wer plant, in wirklich unwegsamen Gelände OffRoad, Gefilden mit Flussdurchfahrten und tiefer Matsche oder Sand unterwegs zu sein, der erwirbt gleich das entsprechende Expeditions-Mobil, welches auch  ansonsten richtig ausgerüstet und technisch dazu konzipiert ist!
Diese Fahrzeuge haben, mit großen Rädern ausgerüstet eine hohe Bodenfreiheit, kaum Überhang für einen großen Böschungswinkel, kurzen Radstand für einen großen Rampenwinkel, die Aufbauten vertragen Verwindungen und verfügen über drei Differentialsperren.

Zielgruppe der Allrad-Fahrzeuge von Sprinter, VW, Iveco & Co.

Allerdings gibt es die Gruppe der Wohnmobilisten, wie auch ich, die kein Expeditionsmobil ihr eigen nennen (wollen), aber trotzdem mal die eingefahrenen Wege verlassen möchten.
Matschige Passagen, mal eine kleine Furt, der steile Feld- oder Schotterweg, Schnee und auf jeden Fall die Sicherheit, von der tiefen matschigen Wiese wieder herunter zu kommen. Nur für die ist die Frage interessant, denn der Mehrpreis für den Allrad ist ja auch nicht ohne.
Die Wohnmobile, zumeist Sprinter Kasten, Individuelle wie Bimobil, Wölcke etc. liegen vom Einsatz her irgendwo zwischen den üblichen Wohnmobilen und den Expeditionsfahrzeugen. Sicher, richtig modifiziert mit Fahrwerken mit Allrad von z.B. Iglhaut oder Oberaigner sind auch die Kleineren teilweise OffRoad-tauglich, aber die gehören ja nicht in diese Zielgruppe.

Der Allrad des Sprinters, eine Besonderheit

Den Allrad des Sprinters nenne ich gerne Spielzeugallrad, da der keine Sperren hat. Das wird über das Elektronischen Traktions-System 4ETS, welches die durchdrehenden Räder automatisch und individuell abbremst, geregelt. Das hat scheinbar laut einiger Berichte in Foren aber so seine Tücken. Sobald 2 Räder keinen Grip mehr haben, bewegt man den Sprinter kaum noch, damit kommt die Elektronik offenbar nicht klar. Stehenbleiben im Sand ist ebenso eine Sache. Die Elektronik glaubt dann wohl, man würde zu viel Gas geben und regelt herunter, gerade dann, wenn man aber die Kraft benötigt. Der Sprinter rührt sich dann keinen Millimeter mehr. Ich glaube aber, dass Mercedes da auch etwas dran tun wird, das Problem ist ja bekannt.
Aus diesem Grund und trotz erhöhter Bodenfreiheit ist der Allrad für den richtigen OffRoad-Einsatz nicht wirklich geeignet.  Auf Grund der kleinen Räder ist das Mehr an Bodenfreiheit auch nur bedingt, da das Differential gerade mal ca. 18cm über den Boden liegt. Ebenso stellen die Zwillingsreifen auch nicht die optimale Bereifung dar. Muss die Elektronik viel regeln, können die Bremsen heiß laufen, mal den erhöhten Verschleiß außer Acht gelassen. Dieses Problem haben wohl alle elektronisch geregelten Allrader.
Darum bewegt man sich mit dem Sprinter auch nicht in Terrain, wo man einen “richtigen” Allrad benötigen könnte. Bleibt aber für diese Zielgruppe trotzdem interessant, da wir uns ja nicht in schweres Terrain bewegen wollen, sondern nur die etwas anderen Wege und dafür reicht der Allrad alle Male.

Man erhält ja nicht nur Allrad…

Gemein ist den Fahrzeugen, dass sie über deutlich mehr Bodenfreiheit verfügen, auch wenn Gelenkwellen und Differential nicht gerade hoch liegen und je nach Bauform ein ordentlich befahrbarer Böschungswinkel möglich ist.
Der Sprinter ist zudem mit Stabis, Schlechtwegepaket und Untersetzung ausgestattet, dürfte bei den Anderen nicht anders sein.

Bisherige Erfahrungen:

Bild Stellplatz Haren

Stellplatz Haren, ohne Allrad 🙂

Ob die Wiese aus Pampe, das geht auch ohne Allrad, da zuckt der Sprinter noch nicht mal. In der Regel war ein Allrad nicht notwendig, das wird ebenso für die Iveco- oder anderer Fahrzeuge ähnlicher Bauart gelten.
Ich war in meinem Leben schon viel mit Allrad-Fahrzeugen unterwegs, gebraucht hatte ich den Allrad nur wenige Male. Situationen mit schlammigen Flussdurchfahrten und tiefem Sand, die ich mein Wohnmobil nicht aussetzen würde 🙂
Gebraucht hatte ich den Allrad meines Bimobil vornehmlich dann, wenn mein 2 T Anhänger mit den Mopeds hinten dran hing. Das war der matschpampe SP in Greding als ich durch die Pampe für ein nettes Plätzchen unbedingt einen Hang hoch wollte 🙂
Oder mit Anhänger durch eine tiefe Wiese am Berg hoch musste…
Hier war die Untersetzung aber weitaus wichtiger, den Allrad hätte ich ansonsten nicht gebraucht, glaub ich jedenfalls. Dann noch einmal, als ich ein Wohnmobil von einer matschigen Wiese raus gezogen hatte.
Die Tage im Schnee, da kam das Spielkalb im Manne durch 🙂
Überholen durch den tiefen Schnee in der Fahrbahnmitte, einfach Gas und das Bimobil zieht seine Bahn. Mal ein wenig Rutschen in Kurven provoziert, geil, wie die 5 Tonnen mit dem Allrad zu händeln sind 😀

Fazit:

Hauptsache Heckantrieb, am Besten mit Sperre. Brauchen tut diese Zeilgruppe den Allrad prinzipiell auch nicht dann, wenn man den Asphalt verlässt. Es ist aber schön ihn für einige Situationen zu haben, das gibt auch ein Gefühl der Sicherheit. Wichtiger für diese/unsere Zielgruppe ist das Beiwerk mit dem verbesserten Fahrwerk, die erhöhte Bodenfreiheit und die Untersetzung.

  • Der steile feinschottrige Weg, geht ohne, aber mit ist einfacher
  • Die steile feinschottrige oder glitschige Abfahrt, geht ohne, aber mit ist sicherer
  • Die matschige Wiese, geht ohne, aber mit ist problemloser und dank Untersetzung einfacher
  • Im Schnee, geht ohne, aber mit ist sicherer und vor allem problemloser
  • Ein Überhang von 1,90m und Radstand von 3,50m ist schon grenzwertig um auch nur hügelige, tiefe dellige Wiesen und Feld-/Waldwege zu befahren, bei größeren Werten lohnt sich die Anschaffung IMHO eher nicht, da die Wege ob des geringen Böschungs- und Rampenwinkels nicht befahrbar sind.
  • Nach- / Aufrüsten mit einem teuren Allrad z.B. von Oberaigner oder Iglhaut nur dann, wenn der Aufbau den Belastungen gewachsen ist, das Gesamtkonzept des Aufbaus auch OffRoad zulässt und man auch vornehmlich Ziele und Wege im Auge hat wo das auch genutzt werden kann. Also tiefstes Asien, Verschiffung nach Südafrika, USA…
    …und man den Mut hat, diese Strecken zu befahren 🙂

Da ist einzig die Frage, was einem dies wert ist, beim Sprinter kostet der Allrad z.Zt. > 10.000 Euro.
Mir war es das wert und möchte nie mehr ohne! Wenn ich die wenigen Fälle auf die weiteren Jahre hochrechne, hätte ich mich tierisch geärgert wenn ich den Einen oder Anderen Weg hätte nicht befahren können!

 

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4 Kommentare

  1. Allrad hat den Nachteil daß man erst dort stecken bleibt wo der Abschlepper auch nicht mehr hinkommt 😉

    • Stimmt… 🙂
      Drum ist er bei mir auch nur die Lebensversicherung für die matschige Wiese oder Traktionshilfe bei rutschigem Gefälle und dafür taugt er allemal 🙂

  2. Kein Wort über VW T6 4motion! Schade. Habe gerade einen gekauft – auch des Preises und der Architektur wegen, um mehr Pisten in Island usw. zu erkunden. Bimobil baut ja auch darauf auf. Ist das ein no go?
    PS: bin an Euch über Michael und Iris aus Emden (tournatur) geraten.

    • Moin Dietmar,
      es geht ja um das Thema an sich, von der Technik und Wohnmobile nicht um spezielle Marken. Dass ich mehr auf den Sprinter eingegangen bin nur deshalb, weil ich einen Fahre und wie ich elektronische Allrade bewerte. Der T6 käme mir aus Gründen der Zuladung nicht in Frage, hat aber nichts mit dem verbauten Allrad zu tun.

      LG vom Mikesch
      …und grüße schön!

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