Diesel Additiv

Unterschiedliche Hersteller bieten Super Additive für den Dieselmotor an, um die Kraftstoff-Eigenschaften zu verbessern. Beworben werden sie dann in etwas so, Zitat eines bekannten Herstellers:

Entfernt Ablagerungen im Diesel-Einspritzsystem sowie im Brennraum und verhindert deren Neubildung. Pflegt alle Bauteile der Diesel-Einspritzanlage. Verhindert das Festbrennen und Verharzen von Düsennadeln. Erhöht die Cetanzahl und verbessert die Zündwilligkeit des Diesel-Kraftstoffs. Sorgt für ruhigen Motorlauf. Schützt das gesamte Kraftstoffsystem vor Korrosion und Verschleiß. Optimiert die AU-Werte und die Leistungsfähigkeit des Motors. Saubere Motoren verbrauchen weniger Kraftstoff und reduzieren den Schadstoffausstoß.

LKW Tankstelle

LKW Tankstelle

Dies bietet bei den Gegner und Befürwortern reichlich Stoff an Stammtischen oder in Foren was manch religiöse Züge annimmt  🙂
Anwender der Super Additive sprechen teils von 20% mehr Leistung gleich beim ersten Einsatz, was natürlich völliger Blödsinn ist, wo soll die Energie her kommen 😉
Andere tun das als Blödsinn und Geldschneiderei ab.
Wie immer liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte…

Mal Tante Google anschmeißen, wen es interessiert, hier finden sich unzählige Tests mit meist gleichen Ergebnissen.
Die Additive haben durchaus ihre Wirkung, Tests von z.B. FAZ oder Auto-Bild haben die positiven Wirkungen der Additive nachgewiesen. Ein Nageln beim Diesel hatte ein Ende und Ablagerungen wurden gelöst. Ventilsitze und Einspritzdüsen wurden wieder sauber, es bildeten sich keine neuen Ablagerungen mehr und die Motoren wurden laufruhiger. Die Frage, die sich stellt, machen sie aber auch Sinn bei den heutigen modernen Kraftstoffen?

Additive in Kraftstoffen

Grundsätzlich ist der ganze Sprit eine Brühe der aus der Raffinerie kommt. Bei den Raffinerien werden dann die Additive der einzelnen Kraftstoff-Unternehmen zugemischt. Die Zusammensetzung der Additive sind ein hochgehütetes Geheimnis und sie verleihen den Kraftstoffen das letzte Quentchen Qualität. Auch hier werden eben solche Additive in bestimmten Zusammensetzungen zugemischt, die eben diese Eigenschaft wie Klopffestigkeit, Korrosionsschutz, Reinigungseffekt u.s.w. dem Diesel verleihen, eben das, was die zusätzlichen Additive auch versprechen.

Die Mineralölindustrie ist natürlich gar kein Freund dieser Zusätze, ebenso auch die Autohersteller. Bei einigen erlischt sogar die Garantie, sollte solch ein Zusatz nachgewiesen werden.
Dies ist auch verständlich, da die zusätzlichen Additive in das Gefüge der bereits Zugesetzten eingreifen können und deren Wirkung aufgehoben oder verändert werden kann. Ebenso ist kaum absehbar, welche Langzeitfolgen oder nicht der Zusatz dieser Additive hat.

Als Fazit kann man sagen, je höherwertiger der Kraftstoff ist, desto geringer sind die Wirkungen der zusätzlichen Additive. Bei den mittlerweile hohen Qualitätsstandards hier in Mitteleuropa macht der Einsatz zumindest in Neufahrzeugen keinen Sinn.  Mal Abgesehen von den möglichen Garantieproblemen…

Wann kann der Einsatz zusätzlicher Additive im Diesel Sinn machen?

Bei den Tests handelte es sich um alte Fahrzeuge mit um oder mehr als 100.000 km auf der Uhr. Hier waren waren die Erfolge deutlich mess- und nachweisbar. Die Motoren waren deutlich verkrustet und nach einigen Tankfüllungen wieder sauber.
Beim Diesel ist hauptsächlich das Problem, dass sich die Düsenlöcher der Einspritzdüsen zusetzen. Dies kann Leistungseinbußen von bis zu 20% bedeuten. Wenn ein Wohnmobilfahrer von einer Leistungssteigerung spricht, liegt das nicht daran, dass dies das Additiv durch Power bewirkt hat, sondern nur insoweit, dass der alte Motor wieder frei und sauber wird und volle Leistung bringt 🙂

In Altfahrzeugen haben die zusätzlichen Additive nachweisbar eine positive Wirkung und machen ein altes Schätzchen wieder fit!

Ist der Motor wieder sauber, kann erst mal getrost auf die weitere Zugabe der Additive verzichtet werden. Nur ne Meinung, es reicht, wenn man mal alle 10.000 km auf ein paar Tankfüllungen Additive zusetzt um den Motor, insbesondere beim Diesel die Einspritzdüsen sauber zu halten. Besser, man verwendet gleich zumindest in Abständen Premium-Diesel, der eine nahezu gleiche Wirkung hat und stört auch nicht das Gefüge der Additive der bereits zugegebenen Markenprodukte. Preislich tut sich das auch nichts…

Ein weiteres Einsatzgebiet können durchaus Länder sein, wo der Sprit halt von eher geringerer Qualität ist. Wie gesagt, die Wirkung ist um so besser, je schlechter der Diesel ist.
Es gibt zig Hersteller von Additiven, ich würde allerdings nur jenen vertrauen, die auf entsprechende Erfahrung zurückgreifen können und auch das Geld haben, ihre Produkte zu testen, z.B. Liqui Moly

Alternative Premium Diesel an statt zusätzlicher Additive

Was ist der sog. Premium-Diesel?
Die Premium-Diesel enthalten wirksamere Additive, enthalten einen Teil synthetisches Mineralöl und vor allem keine biogenen Anteile (FAME / Biodiesel). Der Anteil hochwertiger Additive und der fehlende Anteil an FAME (Biodiesel) führen zu dem deutlich höheren Preis. Die Premium-Diesel unterliegen einem höheren Steuersatz (fehlender Biodiesel) und machen ihn weiter teuer.
Der ADAC hat einen geringeren Verbrauch und eine höhere Leistung gemessen (höherer Energiegehalt wegen fehlendem FAME). Gemittelt dürfte der Preisaufschlag in etwa dem bei dem Einsatz von Additiven liegen.
Auch sie haben eine nachweislich reinigende Wirkung und verbesserte Schadstoffemissionen, aber als Dauerkraftstoff sind sie bei sauberen Motoren nicht notwendig, ist wie mit den Additiven.
Es reicht also, von Zeit zu Zeit vielleicht mal einige Tankfüllungen zur Vorbeugung gegen Verschmutzungen zu verfahren.
Die Premium-Diesel sind aber auf jeden Fall ein gutes Mittel gegen…

Die Seuche der Neuzeit – Dieselpest

Mikroorganismen (Bakterien, Hefen, Schimmelpilze) im Dieselkraftstoff zersetzen die Kohlenwasserstoffe und es bildet sich ein Bioschlamm. Die Dieselpest gab es immer schon, vor allem in der Schifffahrt, bei KFZ eher ganz selten, aber nie so schlimm wie heute…

Je mehr Wasser im Diesel und Futter (insbes. FAME ) für Bakterien vorhanden ist, desto größer ist die Infektionsgefahr. Hat schon mal jemand Bier gebraut und zuviel Hefe zugesetzt? 🙂
Das Zeugs explodiert förmlich, kriecht durch jede Ritze, breitet sich aus wie eine Amöbe. Ich durfte mal eine Yacht begutachten, der Schaden lag bei ca. 250.000,- Euro. Ältere Wohnmobile sind dann Schrott, da eine Reinigung wirtschaftlich nahezu unmöglich ist, sie je nach Ausbreitung der Dieselpest tausende kosten kann. Was befallen ist, muss raus, Motoren u.U. zerlegt werden.

Verantwortlich ist dafür unser Gesetzgeber, der vorschreibt, dass dem Diesel ein gewisser Anteil FAME (Biodiesel) zugesetzt werden muss, es ansonsten zu einer höheren Energiesteuer führt (Premium-Produkte).
FAME  ist in Verbindung mit Wasser einfach ein Schlaraffenland für die miesen Bakterien, Hefen und Schimmelpilze! Das Dumme an FAME ist, dass hiermit auch zugleich vermehrt Wasser mit eingebracht wird. Entstand Wasser im Tank früher eher dadurch, dass sich an den Wänden eines Blech-Tanks durch Kondensation Wasser ansammelte, hilft heute selbst ein voller Tank nicht mehr. Wir holen uns das Wasser schon beim Tanken in den Tank!

Fahrzeuge, die laufend in Betrieb sind, haben da kaum mit zu kämpfen, da die Bakterien wenig Chancen haben. Aber sobald ein Fahrzeug länger, vor allem bei warmen Temperaturen steht, wächst die Gefahr, insbesondere bei den Wohnmobilisten, die an freien Tankstellen getankt haben. Deshalb freie Tankstellen (gerade die Einkaufszentren), weil diese oft ihren Sprit günstig auf dem Spot-Markt in Eigenregie kaufen und Diesel/Sprit erwerben, den sonst keiner haben will. Restbestände, Sumpf, 50ppm-Ware (unerlaubter Schwefelgehalt)…
Das ist übrigens kein Vorurteil, ich weiß das, it`s my Job

Fazit – was ich mache

Die Essenz aus dem, was ich geschrieben habe, muss jeder für sich ziehen. Ich biete nur an, was ich mache…

  • Wenn mein neuer Panzer um 30.000 km auf der Uhr hat, bekommt er alle 5.000 km  ein paar Tankfüllungen mit Premium-Diesel
  • In Ländern, wo ich weiß, dass der Diesel schlechter ist, gibt es als Additiv  Liqui Moly
  • Ansonsten tanke ich ganz normalen Diesel bei Marken-Tankstellen, bei Freien nur dort, wo ich weiß, wer der Lieferant ist…
  • Steht das Bimo länger, was kaum vorkommt…
    Macht ein Zusatz eines Additives keinen Sinn, auch wenn versprochen wird, dass dies der Dieselpest begegnen soll, was ich mal rundsätzlich glaube…
    Ich begegne lieber der Ursache, dem  FAME und minderwertigem Diesel und tanke für Standzeiten Premium-Diesel, weil dann die Bakterien kein Futter haben.

Zum Autor, also mich 😉
Als Steuerprüfer gehe ich in Raffinerien und großen Lägern ein und aus, ebenso führe ich Qualtitätsprüfungen dort und an Tankstellen durch. Als Prüfer sind mir die Vertriebswege bekannt und um die Prüfungen durchführen zu können, benötige ich Wissen über die Produkte und deren Eigenschaften und auch die Technik wie diese in Verkehr gebracht werden.

Aktualisierung 09/2016:
Was ich hier so unwissenschaftlich aufgeführt habe, kann man auch in dieser Studie nachlesen: ufop.de/…/Abschlussbericht_Kraftstoffveranderungen_II1.pdf

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5 Kommentare

  1. Hallo Michael,

    dies ist ein super Artikel, aus dem ich noch mehr lernen konnte. Danke

  2. Hallo Danke für den Artikel.

  3. Klaus Dannwolf

    Danke. Ich habe viel brauchbares erfahren.

  4. Danke für den tollen Artikel.
    Ich habe gerade gelesen, dass du im normalen Leben Prüfer bist: Unterliegen Liqui Moly und Co. Additive oder Schmiermittel eigentlich der Energiesteuer, oder nur wenn diese als “Energieträger” eingesetzt werden?

    • Moin, sie unterliegen nur dann der Energiesteuer, wenn sie dem Verheizen oder als Kraftstoff dienen. Entstehung der Steuer durch Bestimmung.
      Liebe Grüße, aus Moab, Mikesch

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