Georgien-2026-III

Reisebericht Georgien 2026 Teil III

Vom Nordwesten Armeniens kommend verbrachten wir bei frühlingshaften Temperaturen etliche Tage auf dem Dschawacheti-Plateau in Georgien um der Sommerhitze zu entgehen.

Vorheriger Reisebericht: Armenien 2026 Teil II

04.08.2026-Madatapasee-60km

Wir erreichten von Armenien aus die Grenze nach Georgien und eigentlich wäre alles relativ flott gegangen, doch umständliche Bürokratie dauert halt mit Knolle…
Ich mein, die Armenier fahren ja wie die Henker als wenn es keine Verkehrsregeln geben würde. Aber bis auf NRW habe ich in keinem Land so viele Blitzer gesehen wie in Armenien. Natürlich ist das passiert was passieren musste, ich habe einen übersehen und auf breiter Schnellstraße wurde ich mit 75 geblitzt. Dass dort in freier Natur nur 60 erlaubt waren, war mir glatt entgangen. Aber gut, die 10€ sehe ich mal als Unterstützung der armenischen Infrastruktur an.
Bei den Georgiern wurden wir mal richtig kontrolliert, jedes Fach, jede Luke und Klappe musste geöffnet werden und wurde durchleuchtet. Sogar der Kühlschrank und Backofen! Gut, dass sie das Gefrierfach nicht entdeckt hatten, das wäre blöd gewesen😉
Und die Versicherungen? Nichts, das wäre doch viel wichtiger gewesen. Lustig, wir merkten auch anhand der Muffeligkeit gleich, dass wir wieder in Georgien sind😁
Am wunderschönen Madatapa-See auf 2.150m n.n. fanden wir hinter der Grenze unseren schönen Nachtplatz. Kurioserweise ist der nicht mal in P4N vermerkt🙂

06.08.2026-Dschawacheti-Plateau-65km

Es ist August und um uns herum, also dort, wo das Dschawacheti-Plateau endet, herrschen Temperten von über 30 Grad.
Hier oben hingegen pendelt sich das Thermometer Nachmittags auf entspannte 22-24 Grad ein und nach Sonnenuntergang kühlt es sich schnell deutlich ab.
Wir sahen deshalb momentan keinen vernünftigen Grund, das Plateau freiwillig zu verlassen.
Das nur spärlich besiedelte Dschawacheti-Plateau ist eine vulkanische Hochebene auf über 2.000 Metern Höhe, direkt an den Grenzen zur Türkei und Armenien. Die Landschaft besteht aus einer kargen und gleichzeitig erstaunlich grünen Steppe mit mäandernden Flüsschen, Vulkankegeln, einer beeindruckenden Vogelwelt und den größten Seen Georgiens. Die Berge ringsum reichen von 2.700 bis über 3.000 Meter Höhe und sehen trotzdem eher nach gemütlichen Hügeln aus. Selbst Ulrike kann sich hier also mit den Bergen anfreunden😉
Ein großer Teil des Plateaus gehört dabei übrigens zum Dschawacheti-Nationalpark.

Mindestens genauso faszinierend wie die Landschaft sind für uns die überall verstreuten „alten Steine“. Im unbeschädigten Zustand waren sie einmal Festungen, Kirchen oder Grabstätten. Und da stellt sich unweigerlich die Frage: Wer kommt eigentlich auf die Idee, freiwillig auf 3.000 Metern mitten im Nichts eine Festung zu bauen?
Wollte man einfach ganz sicher seine Ruhe haben? Keine Ahnung…
Die nächsten Tage streiften wir also weiter über das Plateau und schauten, was wir noch so entdecken konnten.

Aspara

Aspara ist ein eher verlassener LostPlace am Westufer des Paravani-Sees, der mit rund 38 km² übrigens der größte See Georgiens ist.
Aspara ist aber dennoch einen Stopp wert: Hier befindet sich die Restgruine einer mittelalterlichen Kirche, deren Mauern etwa ins 12.–13. Jahrhundert datiert werden.
Umgeben bzw. erbaut sein soll sie angeblich auf einer ehemaligen Meghalit-Festung.
Nebenan liegt der Vulkan Koroghli mit seinen beiden prähistorischen, zyklopischen Megalithanlagen oder einfach auch Shaori-Forts genannt auf knapp 2.750 m Höhe.
Von Aspara aus führen sogar sog. „Wege“ hoch zu den Forts. Nun ja, nennen wir sie einfach Wege, das klingt freundlicher.
Wer also Lust auf eine teils schwierige 16km Wanderung mit 800 Höhenmeter hat, nur zu, viel Spaß, für uns ist das definitiv nichts mehr😉

Tambovka

Nach Tambovka wollten wir eigentlich nur wegen der Geysire die sich dort angeblich befinden sollen. Wir hatten Winterbilder gesehen und die Stalagmiten aus Eis sahen echt toll aus. Ok, Eis wird es im Sommer kaum geben, aber vielleicht hübsche Fontänen.
Aber was war? Man hat einfach Löcher in ein dickes Wasserrohr gebohrt, woraus das Wasser spritzt. Ein Café-Besitzer versucht so einfach Gäste anzulocken😁
Die Enttäuschung hielt sich aber in Grenzen, denn die kleine 5km-Wanderung und Fahrt durch die traumhaft beblümte Landschaft sowie über die Dirt- bzw. Roughroad sind schlicht ein Erlebnis! Dankenswerterweise sind auf der steinigen schmalen Piste nicht mehr als 5 – 10 km/h möglich, so kann man die Panoramen erst richtig genießen. Für die ca. 12 km haben wir locker über eine Stunde gebraucht.

Dann das halb verlassene Dorf Tambovka! Das Dorf bietet so viele Fotomotive, das könnte Speicherkarten füllen!
Da interessieren die sog. Spaß-Geysire wirklich nicht mehr die Bohne!

Fazit: Die Umrundung des Paravani-Sees ist unbedingt zu empfehlen! Gefragt sind halt Ruhe, Geduld und nicht gerade ein tiefer gelegtes Wohnmobil mit 2m Überhang😉

Tabatskuri See

Dumm gelaufen oder wieder mal, wir und das Wetter sowie ein „gastfreundlicher“ Georgier…
Der Plan: Zum Tabatskuri-See hoch fahren und eine Runde durch das traumhaft schöne Trialeti-Gebirge mit dem Tshkratkaro-Pass zu fahren.
Eine kleine schmale schlängelige DirtRoad über die Hochebene ohne Abhänge die auch für Ulrike keine mentalen Probleme darstellt und wo Bimos Bodenfreiheit noch ok ist.
Ein paar Kilometer hinter dem Dorf Tabatskuri fanden wir bei der beginnenden Wildnis einen netten Platz auf einer Wiese neben einer Dirt Piste.
Hohes Gras, Blumen, keine Zäune, keine Schilder, keine Häuser, keine Menschen.
Eigentlich genau das, wonach wir suchen.
Kaum standen wir dort, kam ein Mensch mit einem kleinen Trecker aus dem entfernten Dorf extra heran getuckelt und gab uns mit Händen und Füßen zu verstehen, dass dies sein Grund sei.
Ok, also die höfliche Frage meinerseits, ob wir denn hier nächtigen dürften. 
Klar, gegen Zahlung von 50 Lari und Umsetzung des Bimos auf die wilde Müllkippe auf der anderen Straßenseite.
Hallo? Nichts gegen ein kleines Salär oder soll er uns gleich verscheuchen wenn es sein Grund ist, aber diese Abzocke?
Nicht nur, weil uns die 50 Lari kaum arm gemacht hätten, sondern weil wir grundsätzlich wenig Interesse daran haben, uns beim Freistehen erst abzocken und anschließend auf einen Müllplatz umquartieren zu lassen.

Soviel wieder mal zum gern erzählten Mythos, die Georgier seien doch so nett, so gastfreundlich und das Freistehen sei doch so unproblematisch🙄
Natürlich kann dieser eine Herr weder für die Georgier noch für das ganze Land etwas.
Doch es war wieder mal ein Erlebnis welches unsere ohnehin eher verhaltene Begeisterung für Georgien weiter nach unten stabilisiert.

Für das eigentliche Scheitern unserer Pläne war allerdings nur einer zuständig, nämlich der Wettergott…
Bei dem Wetter ist die Route durch das Gebirge natürlich gecancelt. Steile Serpentinen Lehmpisten mit Auswaschungen und Regen sind mit unserem Bimo keine so gute Idee.

13.08.2026-Vardzia-75km

Wardsia oder Vardzia wie auch immer man das schreibt, lag da ja so nebenbei auf dem Weg in die Türkei.
Vardzia, eine Höhlenstadt im Kleinen Kaukasus am linken Ufer der oder des Mtkwari,  wurde im 12. Jahrhundert in einer Wand des Bergs Eruscheti erbaut und in eine vom Tal rund 500 Meter aufragende Felswand geschlagen. Die Baumeister nutzten Vor- und Rücksprünge für die Anlage tiefer Höhlen, die durch Tunnel, Treppen, Terrassen und Galerien miteinander verbunden sind. Für die Einwohner waren ursprünglich 3.000 Wohnungen auf bis zu sieben Stockwerken errichtet worden, die Platz für 50.000 Menschen boten.
Es ist schon faszinierend, was die Menschen damals geleistet haben und führt schon zu einem Erstaunen. Mich würde mal interessieren, mit welchen Werkzeugen die Menschen es damals geschafft haben, ein solches bauliches Wunder verbracht zu haben. Im Gegensatz zum Tuff in der Türkei ist der Fels hier doch relativ hart.

Sehenswert ist auch die kleine Felskirche. Eigentlich unscheinbar und nichtssagend, aber die uralten Malereien sind einfach beeindruckend.
Fotografisch kann man allerdings nur eine jene außen fotografisch festhalten, denn innen ist das Fotografieren untersagt. Warum auch immer, vielleicht hat man Angst, dass die Farbe auf den Sensor transferiert wird, keine Ahnung. Denn ansonsten ist die Kirche ja eher nichtssagend, geschweige, dass sich Gläubige dort in ein Gebet vertiefen würden. Ist ja eher ein Rummelplatz…
Wenn man jetzt einmal erleben möchte, wie sich eine Nonne in eine wilde Furie wandeln kann, braucht einfach nur mal ein Handy in die Hand nehmen, das war auch wieder so ein Erlebnis…🙂
Vardzia sieht eigentlich aus der Entfernung am Schönsten aus. Durch die touristische Aufbereitung ist ganz viel Atmosphäre verloren gegangen. Verglichen mit den ursprünglichen Felsenstädten in der Türkei fehlt hier einfach die Atmosphäre.

Nach dem Besuch sind wir weiter in die faszinierende Schlucht gefahren und haben dort irgendwo am Fluss inmitten von Pferden, Kühen und einer Hundesecurity unseren Nachtplatz gefunden.

Vertashi Kapelle

Manche kleine Schätze entdeckt man oft irgendwo im Nirgendwo, so wie die kleine im Fels gehauene Kapelle Vertashi oder auch Samertskhle.
Durch ihre Ursprünglichlichkeit, Verlassenheit und dass sie kaum aufgesucht wird, wohnt ihr eine besondere Atmosphäre inne.
Dazu kommt, dass sie nicht so einfach zu betreten ist. Die eigentliche Kapelle oder Kirche ist tief in den Fels gehauen und nur durch einen tiefen dunklen Gang der durchkrochen werden muss und eine steile knapp 4m hohe Leiter durch ein enges Loch zu erreichen.
Dennoch scheint sie von Einheimischen besucht und scheinen auch Messen abgehalten zu werden.
Nach der Kapelle zu googln ist übrigens zwecklos…

15.08.2026-Akhaltsikhe-50km

Akhaltsikhe war der letzte georgische Ort den wir besucht hatten. Hier galt es, noch einmal einzukaufen. Noch mal ein paar günstige Bierchen erstehen und, viel wichtiger:
So etwas wie Schinken, Butter, Leberwurst, saure Gurken und vor allem Käse. Natürlich aus Frankreich, Italien oder Deutschland importiert und somit recht teuer, aber man gönnt sich ja sonst nichts.
Wir können uns einfach nicht helfen, Butter und Käse in Armenien, Georgien oder der Türkei sind einfach nicht unsere Welt. Wir haben so viel probiert, aber das vergewaltigt einfach unsere Geschmacksnerven. Schmeckt entweder nach nichts oder iwie komisch.
Bei der Gelegenheit schauten wir uns noch ein wenig die Stadt und auch zumindest von außen die Festung an.
Akhaltsikhe hat auch eine kleine Altstadt, alles wirkt georgisch untypisch restauriert, ordentlich und die osmanischen Spuren sind überall deutlich erkennbar.

Anschließend sind wir dann rüber in die Türkei und sagten tschüß Georgien!
Es war teilweise sogar sehr schön und vor allem sehr interessant mit dir. Hier noch einige letze Impressionen:

Der nächste Reisebericht also: Türkei 2026 Teil III (in Vorbereitung)

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