Reisebericht Frankreich Zentrum

Wegen Corona ein relativ kurzer Reisebericht…
Mit dem Wohnmobil durch Frankreichs Zentrum. Durch menschenleere Gebiete ohne Wohnmobile und warum wir wegen Corona unseren Trip vorzeitig beendeten.
Die vorherige Etappe führte uns durch das Landschaftsgebiet des Périgord mit letztem Punkt Saint-Laurent-sur-Gorre im Parc naturel régional Périgord-Limousin.

Der vorherige Reisebericht: Frankreich Dordogne – Périgord  ->

Weitere Frankreich-Reiseberichte findet Ihr unter dem Hashtag Frankreich->

09.03.2020 – Oradour-sur-Glane – 38 km

Das war mal wieder ein Tag um Depressionen zu bekommen…
Es ist einfach unglaublich, zu was Menschen fähig sind…

In Oradour-sur-Glane verübte am 10. Juni 1944 die Waffen-SS das Massaker von Oradour (Wikipedia). Mit rund 642 Opfern war das wohl das größte Massaker in Westeuropa. Wenn man mit dem Wissen, wie brutal die Bevölkerung abgeschlachtet worden ist durch die Ruinen läuft, wird einem ganz anders in der Magengegend. Der Ort wurde weitgehend so gelassen wie er war.
Frauen und Kinder wurden in der Kirche eingesperrt und die wurde dann mit einem zuvor deponierten Brandsatz angezündet.
Männer wurden in Scheunen gesperrt und erschossen. Die Leichen und Schwerverletzten anschließend auf einen Haufen geworfen und verbrannt.

Ein Mahnmal, das jeder besuchen sollte der in der Nähe ist. Weil ich alleine wegen der Erwähnung an anderer Stelle mehrfach angemacht wurde: Es geht nicht um Schuldzuweisung, auch nicht darum ein schlechtes Gewissen zu erzeugen, es geht alleine um ein nicht Vergessen und dass sich so etwas nicht wiederholt. Die, die jetzt leben können nicht dafür, tragen keine Schuld. Die, die sich angegriffen fühlen, ziehen sich den Schuh selber an. Und das damit abzutun oder gar zu entschuldigen, dass die „Anderen“ ja auch Greueltaten begangen haben, halte ich für mehr als fragwürdig, diplomatisch ausgedrückt…

Übernachtet hatten wir im nahen kleinen kleinen Ort Javerdat wo es einen netten kostenlosen Stellplatz mit VE (GoogleMaps) gibt.

11.03.2020 – Confolens – 35 km

Confolens gehört auch zu den Beau Villages, aber der Ort wirkte auf uns eher wie dem Verfall geweiht und wie ein Lost Place. Verstärkt wurde der Eindruck dadurch, dass sich nur wenige Menschen durch den Ort bewegten und die Geschäfte geschlossen waren.

Genächtigt hatten wir auf einen kleinen Platz im nahen Dorf Esse der sogar über eine VE verfügt (GoogleMaps).

13.03.2020 Lathus-Saint-Rémy – 47 km

Eigentlich wollten wir nach Poitiers und uns die Stadt anschauen, die soll ja sehr hübsch sein. Aber die Durchseuchung mit dem Corona-Virus eskalierte langsam. Etliche Länder, nicht nur die Europas, schlossen ihre Grenzen. Fähren stellten ihren Betrieb ein, Kreuzfahrer kamen nicht von den Schiffen runter, ganze Landstriche wurden unter Quarantäne gestellt und und und…
Wir entschlossen uns dann, nordöstlich Richtung Deutschland zu fahren und uns weiter im ländlichen Raum durch die ausgestorbenen Orte zu bewegen.
Bilder von unterwegs:

Lathus-Saint-Rémy hat einen netten kostenlosen Stellplatz mit VE (GoogleMaps), also ließen wir uns dort nieder.

14.03.2020 – Mennetou-sur-Cher – 160 km

Eigentlich wollten wir nur bis Châteauroux fahren und dort für nächsten Tage Einkaufen. Aber der Stellplatz dort ist so was von laut und unschön, dass wir uns entschieden, noch 65 km weiter zu fahren.
Interessant übrigens, dass wir keine Wohnmobile mehr sahen und die Stellplätze für uns alleine hatten. Zig Kilometet fahren ohne ein Auto zu sehen, toll…
Nur die ausgestorbenen Orte erschienen uns schon etwas seltsam.
Bisher erschienen uns die Franzosen trotz Corona eher entspannt, aber hier durften wir erleben, wie auch die Franzosen hamsterten und die Regale leer kauften. Bier und Wein hatten sie Gott sei Dank genug für uns stehen lassen. Was macht man eigentlich mit Berge an Toilettenpapier! Tja, und die Hamster waren auch alle…

Leeres Regal nach Hamsterkauf

Mennetou-sur-Cher ist ein völlig unbedeutendes Nest, das nirgendwo Erwähnung findet. Der kostenlose Stellplatz dort (GoogleMaps) mit VE ist ganz nett und man sollte auch unbedingt einen kleinen Spaziergang durch den mittelalterlichen Ort machen!

15.03.2020 – Corona beendet unsere Frankreich-Reise

Nein, es ist nichts mit uns passiert, aber am 14.3. und in der Nacht zum 15.3. sowie am Folgetag hatten sich die Ereignisse dramatisch zugespitzt. Geschlossene Grenzen in Spanien, Belgien und sogar Deutschland hatte sich dazu durch gerungen. Ausgangssperren, geschlossene Camping- und Stellplätze. In Portugal und Spanien wurden die Wohnmobile von den Stellplätzen gejagt, in Katalonien herrscht strikte Ausgangssperre. Die Zustände hatten schon etwas von Science Fiktion und täglich wurde es schlimmer. Frankreich galt mittlerweile als eine Corona-Hochburg und die Zahlen der Infizierten schnellten rasant in die Höhe. Schulen, Geschäfte und Restaurants waren schon geschlossen. Vielleicht könnten wir das ja hier aussitzen, aber es war nur eine Frage der Zeit, wo auch Frankreich zu drastischeren Mitteln wie eine Ausgangssperre greifen würde und wir fest sitzen oder gar verjagt werden.

Blume

Da Ulrikes Versicherungsschutz als gesetzlich krankenversicherte auch nicht so optimal ist, wenn hier in Frankreich etwas insbesondere bei dieser Lage passieren sollte, entschlossen wir uns, zügig nach Deutschland zu reisen.
Zu erledigen hatten wir ja eh was, weshalb wir überhaupt nach Deutschland zurück wollten.

16.03.2020 – Schengen – 520 km

Das hat schon fast etwas symbolträchtiges…
In Schengen wurden damals die Verträge für die offenen Grenzen abgeschlossen und nun sind nahezu fast alle Grenzen dicht, bzw. es finden Kontrollen statt. Mit einem Zwischenstopp endete nun hier im auf deutscher Seite gelegenen Perl unsere Überwinterungsreise.
Der Grenzübertritt heute hatte was, erinnerte echt an frühere Zeiten. Eine halbe Stunde warten…

All die schönen Dörfer, die Landschaften, die Infrastruktur für Wohnmobile und die netten Franzosen, das vermissen wir schon jetzt. Uns reichte alleine schon der Grenzübertritt…
…aber wir kommen ja wieder, bestimmt!

Confolens-Brücke

Hier endet dann auch unsere Berichterstattung über unsere Überwinterung in Nordspanien und Frankreich. Wie es weiter und wohin geht, wissen wir im Moment noch nicht. Zunächst gilt es, die ganze Situation abzuwarten. Deshalb gibt es nun auch keinen weiter führenden Link zum nächsten Reisebericht.

Kuhtrieb

Vielen Dank, dass ihr bis hierhin durchgehalten habt, aber wir lesen uns, versprochen!

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2 Kommentare

  1. Thomas Emmenthal

    Willkommen zurück, auch wenn die Umstände zur Zeit nicht wirklich angenehm sind. Die Fahrt zu Batari durfte ich jetzt auch absagen. Ist allerdings nicht weiter schlimm. Angesichts der zu erwartenden Rezession wird meine Finanzierung nicht mehr funktionieren. Aber was soll’s, unser Bimi ist top, nur die grüne Plakette fehlt halt.
    Euch beiden alles Gute und vor allem Gesundheit.
    Liebe Grüße, Thomas

    • Moin Thomas,

      stimmt, da kommt was auf uns zu worüber sich noch niemand Gedanken macht. VW ist da ein Alarmzeichen!
      Jau, hast ja ein schönes Bimo und die grüne Plakette wird völlig überbewertet. Ich hab die noch nicht mal drauf 🙂

      LG Michael

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