Alaska USA Teil 2

Vorheriger Bericht: Alaska USA Teil 1

20.07.2017 – Kasilof – 218 km

Im nassen Grau sind wir weiter dem Turnaround Arm gefolgt, um am Ende weiter Richtung Homer zu fahren.
Mensch, Mensch, war das ein Verkehr! Eine einzige Karawane an Trailern, aufgeladenen ATVs und Wohnmobilen die über den Hwy heizten. Das Gebiet an dem Fjord und die Kenai-Halbinsel sind ein beliebtes Naherholungsgebiet. Fischen, Jagen, Kanufahren und auch klettern. In Coopers Landing war die Hölle los.
Auf einer abwegigen Schotterpiste trafen wir ein deutsches Pärchen, die meinten, in Homer wird es erst richtig voll.
Da wir durch die Bimo-Reparatur einen Tag verloren hatten und schon für den 24. die Fähre Whittier – Valdez gebucht hatten, hatten wir kurzentschlossen umdisponiert. Wir sind dann am Kasilof Beach hängen geblieben, wo der Kasilof ins Meer mündet.

Von Juli bis in den August ziehen hier die Lachse zum Laichen den Fluss hoch. Hier standen zig Wohnmobile und noch mehr Zelte der Einheimischen mit ihren Familien am Strand und alle hatten nur ein Ziel: Lachse fangen!
Aufgereiht wie eine Perlenkette standen Männlein und Weiblein im Wasser mit riesigen Kächern.
Zwischendurch und gerade am Abend war dann eher Party der besonderen Art. Lagerfeuer, 7-9 jährige Mädchen heizten auf Motorrädern oder ATVs über den Platz. Teenie-Mädels heizten mit ATVs lachend und schreiend über den Stand, andere führten so ihren Hund aus oder hatten ihre ganze Familie auf solch ein Vehikel gepackt.
Dazu kam, dass sich das Wetter zum Nachtmittag hin mit blauem Himmel und > 20 Grad schier grandios entwickelt hatte. Hier spielten sogar Eltern stundenlang mit ihren Kindern oder bauten bis Mitternacht noch Sandburgen. Das war Leben und Lebensfreude pur und einem besonderen Flair, vielleicht auch, dass es bis auf uns nur Einheimische gab, Touris waren nicht anzutreffen.
Ich stelle mir so was in Deutschland mit den verbiesterten Menschen und Blockwarten vor 🙂

Kasilof

Kasilof

Kasilof Lagerleben

Kasilof Lagerleben

Wir saßen beim Weine am Strand und genossen den geilsten Sonnenuntergang unseres Lebens mit Blick auf die Gletscher der Aleuten. Gegen 00:30 Uhr fing dann der Himmel an zu brennen. Ein solches Naturschauspiel hatten wir noch nie gesehen, nicht in Bilder zu erfassen.
Dabei diese relative Wärme. Das war wieder so ein HighLight-Tag des Lebens den man einfach aufsaugen musste.

Kasilof Sonnenuntergang

Kasilof Sonnenuntergang

Kasilof Beach

Kasilof Beach

21.07.2017 – Exit Glacier bei Seward – 234 km

Wir sind den Sterling Hwy bei bestem Wetter wieder zurück nach Seward. Seward ist eigentlich nur eine Basis für unterschiedliche Ausflüge mit dem Boot zu den Gletschern oder Angeln, Anleger von Kreuzfahrern und viel Verkehr ohne Ende. Die teuren Campingplätze sind eigentlich nichts Anderes als riesige häßliche Stellplätze.
Die alten Fischerhäuser sind in der Regel im alten Stil nett gemachte Andenkenläden oder Büros für die Touren. Einen gewissen Flair hat es schon, wenn die Angler wieder herein kommen, ihre Fische filetieren und an Haken zur Schau stellen.
Hier hatten wir dann eine Bootstour zu den Gletschern für den Folgetag gebucht. Ist nicht gerade günstig, aber man gönnt sich ja sonst nichts.

Seward

Seward

Tern Lake

Tern Lake

Anschließend sind wir zum Exit Gletscher gefahren und hatten eine kleine Wanderung zu dem Gletscher gemacht.
Hier hatten wir uns einen netten Platz mit traumhafter Aussicht auf den Gletscher gesucht.

Exit Glacier

Exit Glacier

22.07.2017 – Seward Gletscher-Tour – Exit Glacier – 28 km

Hierzu gibt es nicht viel zu schreiben. Blauer klarer Himmel und Meer, Gebirge, skurrile Steilküsten und dazu die Gletscher. Wenn man dann noch Orcas, Wale, Robben und Seeotter in freier Wildbahn beobachten kann, ist das kaum noch zu toppen.
Die 150,- Dollar/Pers. für die 6-Stunden Tour lohnen sich bei schönem Wetter auf jeden Fall, es würde einen sonst zuviel entgehen. Bilder habe ich auch nicht so viele, die Eindrücke sind am Besten im Video zu sehen.

Gletscher

Gletscher

Orca

Orca

Übernachtet hatten wir wieder auf der Zufahrt zum Exit-Gletscher, dieses Mal unmittelbar am Fluss, geil…

Boondocking Exit Glacier

Boondocking Exit Glacier

Der Clip bis hierher, ca. 10:45 min

23.07.2017 – Byron Glacier – 142 km

Wir sind Richtung Whittier…

Leamard Glacier

Leamard Glacier

Kurz vor Whittier befindet sich der Byron Glacier zu dem ein kleiner Trail führt. Der Blick von unten war schon grandios, aber erst aus der Nähe aus betrachtet. Der Gletscher hat im Gegensatz zu vielen Anderen richtig blaues Eis. Davor sind riesige Schneebretter, über die man laufen kann.

Byron Glacier mit Wolf

Byron Glacier mit Wolf

Ich hätte nicht gedacht, dass ich Ende Juli noch einmal durch den Schnee laufen werde 🙂
Übernachtet hatten wir am Portage River, wieder mal ein traumhafter Platz.

24.07.2017 – Fähre Whitier -> Valdez – 47 km

Hier gehen die Meinungen auch wieder stark auseinander, ob sich das lohnt.
Wenn man die Fähre nur wegen der Aussicht und evtl. Orcas oder Wale machen möchte, lohnt sich das nicht unbedingt, wenn man vorher ab Seward die Gletscher-Tour gemacht und diese Erwartungshaltung hat, denn die ist einfach nicht zu toppen.
Wenn es pladdert, sieht man auch nichts außer Wasser und Valdez ist ebenso kein Besuch wert, davon abgesehen, dass es dort an 300 Tagen im Jahr regnet. Der Glenn Hwy macht denn da wohl mehr Sinn.
Da es wettertechnisch mies werden sollte, hatten wir deshalb überlegt, die Fähre zu canceln. Wir hatten uns dann trotz etwas höherer Kosten für die Fähre entschieden.
Wenn es pladdert, sieht man auch auf dem Glenn Hwy nichts, dann ist es egal. Beim Glenn Hwy kommt man ganz nah an den Matanuska Glacier vorbei, von Valdez aus ist der Worthington Glacier.
Der Glenn Hwy ist eigentlich nur das erste Stück von Palmer aus bis hinter dem Gletscher wirklich sehenswert, der Richardson Hwy hat durchweg mit unterschiedlichen Landschaften seine Reize, wettertechnisch ist es also bis auf ein paar Euro völlig egal, wo man lang fährt.
Für uns war dann das Hauptargument die Fähre zu nehmen, dass wir keine Lust hatten, 150 km inmitten einer rasenden Blechlawine zu fahren und dann noch mal 100km durch besiedeltes Gebiet. Auf der ganzen Strecke befinden sich die meisten Touris. Nein danke! Den Byron-Glacier hätten wir sonst auch nicht gesehen 😉
Die Strecke über Anchorage wären gut 380 km, mit der Fähre sind es knapp 100 bis zur Junction und so vor allem entspannter.

Zunächst ging es nach Whittier durch den Tunnel, ein ehemaliger, knapp 5km langer alter Eisenbahntunnel, der entsprechend schmal ist. Auf Grund dessen ist er je Richtung nur für eine viertel Stunde je Stunde offen und die Fahrzeuge dürfen ihn nur mit großem Sicherheitsabstand befahren.

Whittier Tunnel

Whittier Tunnel

In Whittier ist außer einem großen Jachthafen nichts und das Wenige noch nicht mal wirklich ansehnlich. Warum dorthin so viele fahren, keine Ahnung. Vielleicht das Abenteuer Tunnel?

Hafen Whittier

Hafen Whittier

Wie erwartet war das Wetter dunkelgrau bis unten hin, aber windstill, trocken und mit um 17 Grad auf dem Wasser recht warm.
Die Fähre fährt bis Valdez dicht an der Küste entlang. Die Küste ist traumhaft schön, an kleinen oft schärenähnlichen Inseln vorbei führt die Route. Auch bei dem Grauwetter waren teils imposante Gletscher, wenn auch entfernter zu sehen. Bei dem Grauwetter hatte die Landschaft einen ganz besonderen Reiz. Ich vermag noch nicht mal zu sagen, ob ich/wir die Fahrt bei schönem Wetter besser gefunden hätten. So war es mal anders, teils völlig surrealistisch und wir sahen die Fahrt als eine lohnenswerte Bereicherung zu der Seward-Gletschertour. Vor allem war es ein ganz entspannter Tag ohne Verkehr wo wir auf der Fähre auch noch ein paar nette Leute kennen gelernt hatten!
Ach ja, Robben hatten wir auch und ein Wal kam auch vorbei…

Gebirgswolken

Gebirgswolken

Schären

Schären

Gletscher

Gletscher

Hinter Valdez hatten wir uns dann in die Büsche geschlagen und sind mal früh ins Bett.

25.07.2017 – McCarthy Hwy-Strelna Lake – 196 km

Im Grauwetter sind wir den Richardson Hwy hoch Richtung Norden.

Kenny Lake Mercantile

Kenny Lake Mercantile

Trotz Grau war die Landschaft schlicht imposant, auch wenn die hohen Berge verborgen blieben. Auf dem Thompson-Pass fuhren wir durch eine Suppe mit ca. 5 – 10m Sicht. Der etwas tiefer gelegene Worthington-Gletscher war zwar zu sehen, aber nicht vollständig. Dort hin konnten wir auf Grund einer Baustelle nicht. Egal, wir hatten ja genug Gletscher gesehen…

Die Sicht und das Wetter wurden besser und die Landschaft erinnerte an das Zentralmassiv in Frankreich.
Am Pippen Lake sind wir dann rechts in den Edgerton Hwy abgeborgen, der nach ca. 60 km ab Chitina zum McCarthy Hwy wird und nach weiteren 100 km als Sackgasse vor McCarthy endet.

Zunächst ging es endlos in eine Ebene herunter, wo sich der Copper River in die Ebene gefressen hat.

Copper Ebene

Copper Ebene

In Chitina sind wir ca. 16 km ein Stück dem Copper auf einer grandiosen, das letzte Stück abenteuerlichen Piste zum O Brien Creek gefolgt.

Copper River

Copper River

Ebenso eine Sackgasse, an deren Ende die Einheimischen Lachse fingen. Hier wären wir geblieben, wenn es nicht so gezogen hätte, das war einfach nur urig. Hier kam auch wieder der Allrad zum Einsatz ohne dem wir hier nicht mehr weg gekommen wären. Wenn 5 Tonnen bei einer ca. 20%igen Steigung auf losem, mit Absätzen durchzogenen Grund nach unten ziehen, helfen auch keine heckgetriebenen Zwillinge mehr.

Zum O Brien Creek

Zum O Brien Creek

O Brien Creek Road

O Brien Creek Road

In Chitina sind wir dann weiter dem McCarthy-Hwy gefolgt und hatten am Strelna Lake unser Nachtlager aufgeschlagen. Bei der ganzen Fahrt dachten wir, in einem Film mitzuspielen, eine Landschaft und mit der Aussicht von der Höhenstraße auf den Chitina River war das wie in einen Traum, schier unglaublich.

Chitina River

Chitina River

Da viele Vermieter den McCarthy Hwy ausgeschließen, herrschte hier auch kein Verkehr, vielleicht alle halbe Stunde mal ein Einheimischer. Nur ein schweizer Ex-Mobil fuhr an uns vorbei.
Die Straße ist eigentlich nicht besonders anspruchsvoll, teils Asphalt, teils rauhe Piste. Aufpassen muss man auf die extremen Dellen bei Asphalt sowie große/spitze Steine, tiefe Schlaglöcher und Nägel auf der Piste von der ehemaligen Eisenbahn, also den Kopf immer beisammen haben. Wenn man als Fahrer etwas sehen möchte, anhalten!

26.07.2017 – McCarthy – 78 km

Im Grau sind wir die letztlichen fast 80 km nach McCarthy gehoppelt. Am Ende der Straße ist außer einem großen Parkplatz, der auch als Campground fungiert nichts. Das in ca. 1km entfernt liegende McCarthy ist nur über eine Fußgängerbrücke über den Kennecott-River zu erreichen.
Außer noch weiteren 3 Campertrucks, einigen Leuten mit Zelt und Tagesbesucher war hier auch niemand.

Kennicot River

Kennicot River

Abends hatten wir einen Bummel durch McCarthy, das aus etwa 10 Häusern mit je zwei Saloons und Hotels besteht, gemacht.
Hier leben in der Tat auch Menschen, so hat der Ort seine Ursprünglichkeit erhalten. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, mich wirklich am A. der Welt zu befinden.

McCarthy

McCarthy

McCarthy Hotel

McCarthy Hotel

Eigentlich hätte man von hier aus auch ein tolles Panorama auf die Viertausender, aber das Wetter war wieder mal nur eine graue Suppe.

27.07.2017 – Kennecott – Kuskulana River 68 km

Mit dem Shuttle sind wir zur alten Kupfer-Mine Kennecott, heute eine touristisch erhaltene Geisterstadt mit den Ruinen der Mine, in der im Sommer sogar um die 6 Menschen leben.
Die Welt war wieder im Grau versunken, passte irgendwie.
Ich hatte hier denn auch erfahren, woher die Mockturtle in Oldenburg kommt 🙂

Mockturtle

Mockturtle

Von hier aus könnte man auch 3,5km zu dem weißen Teil des Gletschers laufen, was wir uns erspart hatten, da es U. nicht so gut ging.
Ich nenne solche Gletscher “Stonebreaker-Glacier”. Wenn man nicht weiß, dass es ein Gletscher ist, ist er kaum zu erkennen. Durch Eisbewegungen wird Sediment und Geröll nach oben gedrückt und es bilden sich über Kilometer riesige Kieshügel sowie eine Dreckschicht auf dem Gletscher. Nur an wenigen Stellen kommt das Eis zum Vorschein. Kilometer entfernt taucht dann die weiße Zunge des Kennecott-Gletschers auf.

Kennekott

Kennekott

Kennecott Gletscher

Kennecott Gletscher

Anschließend sind wir im Modder die 68km zum Kuskulana River gehoppelt, wo wir auch genächtigt hatten. War eh alles grau, dann kann man auch hoppeln, sonst hätten wir noch ne Nacht dran gehängt.

Der Clip bis hierher, ca. 10:35 min

Gefahrene km: 14.869
Gelaufene km: 391

Nächster Bericht: Alaska Teil 3

Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

Kommentar verfassen