Tuerkei-2026-I

Türkei 2026 Teil I

Wir hatten Griechenland von Italien kommend für unsere Verhältnisse recht zügig durchquert und begannen nun unsere Reise durch die Türkei.
Wir besuchten einige Orte die wir bereits von unseren vorherigen zwei Reisen 2023 und 2024 her kannten und nun um einiges Neues zu entdecken.
Diese Route führt von der Grenze Ipsala über die Gallipoli Halbinsel, das touristisch unbekannte Inland mit dem Kula Geopark, Klein Kapadokien zum Herz Kappadokiens, aber dieses Mal eher im touristischen Abseits.

Der vorherige Reisebericht:Griechenland 2026 im Transit

13.03.2026-Kavakköy-115km

„Merhaba“ 🇹🇷 – wir sind zurück in der Türkei!
Unsere Fahrt war herrlich entspannt, kein Verkehr, kein Stress, und auch der Grenzübertritt bei Ipsala lief erstaunlich reibungslos.
Das dürfte in der Saison auch anders sein, also vom Zeitaufwand her. Mit nur 6 Fahrzeugen vor uns betrug die Wartezeit schon so seine 20 Minuten. Das Prozedere mit Fahrzeugerfassung, Grenzpolizei und Zoll nimmt halt seine Zeit in Anspruch.
Die Abfertigung selbst über die 3 Stationen mit freundlichem Zöllner war nach gut 15 Minuten erledigt. Die Zollkontrolle war sehr lasch, worüber ich mich auch keinesfalls beschweren möchte!
Uns taten allerdings die Trucker leid, die sich über einen Kilometer in beide Richtungen stauten.
Für die Blechlawine in Richtung Griechenland haben wir keine Erklärung, da war bei den Reisenden echt Geduld verlangt.
Viele Türken fahren ja zum Einkaufen nach Griechenland, wobei wir uns fragen, wie sie die horrenden Preise bezahlen können wenn selbst wir schon stöhnen.
Apropos Preise, wir hatten zunächst einmal für 1,34€/L Diesel und 0,59€/L AdBlue voll getankt. Verglichen mit den durch den leidlichen Krieg verursachten Preisen mit um 2€/L fühlten wir uns fast wie im Diesel-Schlafaffenland😉

Ipsala Grenze
Ipsala Grenze

Bei Kavakköy fanden wir in der Saros Bucht am weitläufigen Strand, der von einem riesigen Feuchtgebiet eingefasst ist, unseren ersten wunderschönen Nachtplatz.
Wie hier die frei laufenden Kühe etwas zu fressen finden, bleibt uns verschlossen. Gut genährt sehen sie auch wirklich nicht aus.

15.03.2026-Çanakkale-125km

Wir durchfuhren auf dem Weg zur Halbinsel Gallipoli ursprüngliche Dörfer und durch eine selbst für die Türkei einzigartige  Landschaft aus einer Art grünem und erodiertem Lehm sowie wunderschön gelb bewachsen.
Die Rundfahrt führte über kleinste Straßen, war ungeheuer interessant und recht spannend.

Halbinsel Gallipoli

Wir hatten unsere Rundtour über die Halbinsel Gallipoli nachgeholt, die wir beim ersten Besuch wegen einer Sperrung nicht machen konnten.
Die ganze Halbinsel ist ein historischer Nationalpark und für die Türken quasi ein Nationalheiligtum.
So ist klar, dass wir uns selbst auf dem einzigen Parkplatz, wo das Übernachten im Nationalpark toleriert wird, verzogen haben weil wir uns deplatziert gefühlt hatten und weiter gezogen sind.

Schlacht von Gallipoli

Im ersten Weltkrieg meinten die Briten 1915, mit ihrer Flotte nach Russland zu wollen und um die Flanken zu sichern, die Türken mit Gewalt vertreiben zu müssen. Klar, dass die sich das nicht haben gefallen lassen und sich gewehrt haben.
An statt nach der ersten blutigen Nase das Vorhaben aufzugeben, ne, das machen Briten in ihrer Überheblichkeit nicht, schickten sie weitere Flottenverbände und sogar die Franzosen kamen zu Hilfe und bildeten eine riesige Übermacht.
Doch die eigentlich unterlegenen Türken mit ihrem Volkshelden Atatürk an der Spitze wehrten sich standhaft und versenkten und versenkten die bösen Angreifer.
Als dann noch die Deutschen das nervige Flaggschiff HSM Majestic der Briten versenkt hatten war dann der Keks vollends gegessen.
Die Schlacht von Gallipoli forderte unzählige Opfer auf beiden Seiten und die ganze Halbinsel ist gefüllt mit Monumenten und Friedhöfen der beteiligten Nationalitäten.

Eceabat

Eigentlich wollten wir in Eceabat unser Nachtlager aufschlagen, doch der unter den Reisenden bekannte und beliebte Nachtplatz bei der Boomerang Bar existiert nicht mehr wirklich.
Wahrscheinlich hat die Gemeinde dem Barbesitzer klar gemacht, ne, so geht das nicht, denn die Promenade ist Geimeindeeigentum.
Der Schotterplatz davor ist nur eine Müllhalde und die Bar ist zwar geöffnet, aber auch eher ein Sperrmüllhaufen wo man u.U. ein Bier bekommt. Woher die guten Google-Bewertungen kommen, keine Ahnung, die ästhetischen Sinne müssen schon arg gestört sein. Nur Mesut ist wie eh und je ein Original.

Also hatten wir, zwar Fahrmüde, noch spät die Fähre nach Çannakale genommen und dort einen netten Platz am Kanal gefunden.

Fähre Esteabat-Canakkale

Çanakkale Stadtbummel

Bis auf dem Umstand, dass Çanakkale strategisch günstig an der Meerenge der Dardanellen liegt, hat die Stadt nicht gar so viel an Sehenswürdigkeiten zu bieten.
Wobei, die Burg/ Schloss mit dem umliegenden Park und die große Skulptur des trojanischen Pferdes aus Stahl und Fiberglas haben schon was, gewissermaßen.
Wer sich durch das Pferd animiert fühlt, kann dann ja noch die nahen Troja Ausgrabungsstätten besuchen oder einfach nur das archäologische Museum in der Stadt.

Uns ging es jedoch einfach nur darum, nach unserer Ankunft in der Türkei dieses typisch türkisch pulsierende Leben und Lebensgefühl zu spüren.
Dazu ist die untouristisch lebendige Uni‑Stadt mit der Promenade, Cafés, Locantasis, Imbissen und den vielen kleinen Geschäften die die Stadt wie ein kleiner Basar erscheinen lassen zum Eingewöhnen genau richtig.
Ich befürchte, in der Türkei kommen wieder ein paar Pfunde dazu😁
Bemerkenswert ist, dass man nichts vom Ramadan spürt. Es wird geraucht, getrunken und geschlemmt als sei nichts. Im westlichen Teil der Türkei ist es scheinbar wie in Deutschland mit dem Christentum. Eigentlich interessiert es kein Mensch und gefühlt ist alles religiöse blabla.

Hier fanden wir dann auch einen funktionierenden Geldautomaten der PTT wo wir gebührenfrei Teelöffel ziehen konnten. ATM und überhaupt die Banken sollte man meiden, die verlangen teils horrende Summen an Gebühren!

Wenn jetzt jemand fragt, häh? Wieso Teelöffel?
Bei unserem ersten Besuch schon hatte der Google Übersetzer die türkischen Lira immer als „Teelöffel“ übersetzt und seit dem sind die Teelöffel in unserem Sprachgebrauch eingeflossen😁
Funktioniert jetzt nicht mehr, wahrscheinlich hat Google zwischenzeitlich an einem Sprachkurs teilgenommen. 

18.03.2026-Akçay-138km

Eigentlich wollten wir ja von Çanakkale aus stracks Richtung Osten fahren, einem Tipp folgend die Erdek-Halbinsel erkunden und auch wieder das schöne Bursa.
Wollten, ja wenn nicht das Wetter wäre. Kälteeinbruch, nur noch einstellige Temperaturen am Tag, Regen und bei Bursa sogar Schnee. Hallo?
Ich meine, wir haben Mitte März und befinden uns auf Höhe Valencia in Spanien und überhaupt, im tiefen Süden. Das kann doch nicht wahr sein, selbst in Deutschland ist es wärmer! Dieser Winter ist echt auf Speed!

Ok dann, wir folgen wir halt der Sonne, fuhren die D550 gen Süden und fanden bei Akçay einen schönen Platz am Strand. Hier war es zwar auch nicht gerade Sommer, doch zumindest schien hier die Sonne, also zumindest heute…
Denn die Flucht war nicht unbedingt von Erfolg gekrönt, denn auch auch hier wird es nass werden. Den Sturm haben wir jetzt schon🙄

Egal, wir haben auf jeden Fall nach unserer Ankunft erst einmal eine kleine Wanderung durch den belebten, aber nicht vollen Ort unternommen.
Ich glaube, auch hier haben die Stürme ihre Spuren in dem eh schon in die Jahre gekommenden Ferienort hinterlassen.

20.03.2026-Dikili-90km

Wir wollen ja nach Georgien und die optimale Route würde ostwärts führen.
Wobei, optimal ist ein recht dehnbarer Begriff, je nach Prioritäten.
Also, entweder „optimal“ mit 4 Tagen Regen und vielleicht Schnee sowie Sturm im Grauen oder weniger optimal weiter Richtung Süden mit weniger Grau, sogar etwas Sonne und kaum Regen. Bibberkalt ist es in beiden Fällen, also was haben wir gemacht?
Richtig, die Küste weiter runter gefahren. Mit der Küste bis und hinter Izmir ist es so, man hat zwar nette Ausblicke in die Berge, aber prinzipiell reizt sie zumindest uns nicht wirklich.
Sie ist einfach viel zu verbaut und wirkt wenig einladend. Allerdings gibt es dazwischen immer wieder hübsche Plätze in der Natur, wo man sich niederlassen kann.
So wie Dikili, wo wir unseren Platz für das Wochenende gefunden hatten.
Wunderschön im Nichts mit Grün an einem traumhaften Strand gelegen und nur durch ein enges Dorf etliche Kilometer über eine ebenso enge humpelige Piste zu erreichen.

Hartal Aufbautüre wieder defekt

Abends ist es dann mal wieder passiert, diese gottverdammte Hartal Aufbautüre hat wieder mal den Dienst quitiert. Dieses mal besonders schlimm, denn wir kommen weder rein noch raus! Dankenswerterweise ist es passiert, als wir drinnen waren, sonst hätten wir ein ernstes Problem gehabt. Die Treibstange die die Bolzen des Schließmechanismus bewegen sollen ist blockiert. Gewalt ist bei dem Plastik Innenleben keine Option, denn dann hätten wir ein noch größeres Problem wenn der Hebel weg bricht. Mal sehen, ob wir das gefixt bekommen, sonst haben wir ein spaßiges Jahr vor uns. Zurück in in dieses Deutschland wo es gerade etwas chaotisch ist, ist eigentlich keine Option.

22.03.2026-Aliaga-60km

Um etwas näher an Izmir zu einer Werkstatt heran zu kommen sind wir ein Stück weiter gefahren.
Wie schon vor einem Jahr sind wir in Aliaga gelandet. Nicht weil wir es sooo toll finden, es gibt einfach nicht so viele nette Plätze.
Wie wir schon vor einem Jahr erkannt hatten, ist die Küste nicht wirklich wohnmobilfreundlich.
Hatten wir damals in Aliaga bei dem See mit den Flamingos noch einen Nachtplatz gefunden, hat die Stadt nun eine Schippe drauf gelegt. Wohnmobilen ist mittlerweile nicht einmal das Parken erlaubt.
Den Türken wird alles verboten, was ihnen so lieb und heilig ist, wie Grillen im Park und dabei ein Bierchen schlabbern.
Damit das auch jeder kapiert, steht alle 50m ein großes Verbotsschild. Echt, noch nie in meinem Leben habe ich über Kilometer hinweg so viele Verbotsschilder auf einen Haufen gesehen!
Weder in Deutschland noch in Singapore, einfach unglaublich und ich dachte immer, wir wären die Weltmeister im Verbieten😂
Also, wer hier vorbei kommt, fährt besser durch…

In einer Seitenstraße hatten wir (legal und bewacht von Schafen) geparkt und die etliche Kilometer lange durchaus nette parkähnliche Promenade erkundet.
Meine allerbeste Reiseführerin fand dann auch abseits der Stadt einen fast hübschen Platz am Meer wo sich in dieser Enklave der „Gesetzlosigkeit“ auch Einheimische zum Sonnenuntergang und Biertrinken einfanden.

23.03.2026-Izmir-60km

Heute wurde, einem Tipp folgend, auf dem Stellplatz mit Camper-Service A KARAVAN KAMP (aus gewissen Gründen nicht verlinkt) unsere Türe zumindest wieder gängig gemacht.
Hierzu bedurfte schon etwas roher Gewalt und warum die Triebstange verkantet hatte blieb auch weiterhin ein Rätsel
Hier hätten wir dann besser gesagt, alles ok, alles gut und den Rest besser selber
gemacht.
Das Justieren der Raster im Rahmen hätte ich auch hin bekommen, ebenso, dass sich die Türe von innen kaum öffnen lies, so nahm es seinen Lauf…
Es folgte wieder etwas unnütze Gewalt, das dazu führte, dass ein kleines Stück Plastik, das eine Stange in Führung hielt zerbrach.
Mit der Folge, dass sich wegen der fehlenden Führung die Türe über das Schloss nicht mehr schließen oder öffnen lässt.
Dies bedeutet, unser Bimo ist weiterhin recht einbruchssicher und wir können es bei Abwesenheit nur wieder über eine Fahrerhaustüre betreten.
Wir dürfen nur nie vergessen, vor verlassen das Brett vor der Zwischentüre heraus zu nehmen, denn sonst hätten wir wieder ein Problem😁
Na egal, jedenfalls können wir wieder normal hinein und heraus gehen.

Zu unserem Stellplatz sind wir übrigens quer durch Izmir durch die Innenstadt gefahren. Ich wollte ja mal was sehen und hatte keine Lust auf 30km Umweg über die Autobahn.
Völlig überraschend war das entspannter als durch das Kaff Oldenburg zu gurken, ich mein, Izmir ist eine Millionenstadt und mit den Vororten riesig. Das war echt interessant und recht relaxt.
Morgen geht es dann endlich wieder weiter, mal sehen, was uns erwartet.

24.03.2026-Kula Geopark-173km

Zuerst wollten wir erst mal nur weg aus Izmir. 150 km mit Industrie und überhaupt zersiedeltem Gebiet, schlimm.
Irgendwo muss es auch heftig gebrannt haben, denn fast bis zum Geopark war es seltsam diesig und es roch beißend nach Qualm.

Der Kula Geopark ist sponsored by UNESCO, hat ein nett angelegtes Infozentrum mit großem Parkplatz wo man von den netten Mitarbeitern auch für Nacht eingeladen wird.
Interessant ist, dass man die Pisten, einige sind nicht Standard-Womo tauglich, durch den Park befahren darf und weitere Parkplätze in der Landschaft angelegt sind.
Ebenso bemerkenswert, dass dies alles kostenlos ist.
Die Region ist geprägt von einer Millionen alte Vulkanlandschaft, hier findet man ebenso Erosionen mit Hoodoos wie man sie von den USA her kennt, heißen Quellen, halt alles, was zu einer Vulkanlandschaft dazu gehört.
Wir hatten erst einmal eine kleine Wanderung vom Infozentrum aus unternommen und waren schon begeistert. Wir lieben einfach diese Landschaften
Auch wenn das Wetter leider nicht so prall ist, werden wir auch noch die weitere Region erkunden, wobei, man könnte sich hier viele Tage aufhalten!

Da das Vulkangebiet abseits jeglicher Touristenrouten liegt, verirren sich jene hier auch nicht wirklich hin.
Ich habe es auch nur gefunden, weil ich nach der Reparatur unserer Türe von Izmir aus einen neuen Schlafplatz gesucht hatte und dies als erstes Ziel in Betracht gekommen ist. Aber das es so toll ist, DAS hatte ich nicht erwartet!
So hatte die kaputte Türe wenigstens doch etwas Gutes, denn sonst wären wir hier nie hin gelangt😉

26.03.2026-Kula Geopark/Kuladokia

Nur ein paar Kilometer weiter nördlich befinden sich weitere Sehenswürdigkeiten wie sie nur in Vulkangebieten quadrigen Basaltformationen, die durch extrem rasches Erkalten von Lava entstehen.
Dann das alte Thermalbad, heute ein Lost Place, mit den heißen Quellen. Die ganze Region ist überhäuft mit geologischen Besonderheiten. Laut dem Infoblatt sind es über 40 Orte.
Unseren Nachtplatz fanden wir dann bei den Feenkaminen aus erodiertem vulkanischen Tuffstein, wie sie auch in Kappadokien vorkommen.
Daher auch der Name des Ortes Kuladokia, der sich aus Kula und Kappadokia ableitet.
Wobei, etwas anders sind sie schon, sie haben teilweise noch einen Deckel aus härterem Gestein wobei das Weichere schneller erodiert ist. In den USA hatten wir sie als Hoodoos kennengelernt.

27.03.2026-Klein Kappadokien-200km

Nördlich von Afyonkarahisar befindet sich ein echtes Highlight, das phrygische Tal.
Diese beeindruckende, auf rund 1000m liegende Hochebene aus Tuffstein ist von uralten Kultstätten der Phryger durchzogen. Alle Nase lang begegnen einem Felsreliefs, in Stein gemeißelte Monumente sowie Höhlenkirchen und -wohnungen.
Wind und Wetter haben in der Landschaft bizarre Türme, Kegel und Felssäulen geformt, die unweigerlich an die berühmten Feenkamine Kappadokiens erinnern.
Kein Wunder also, dass man das Gebiet auch „Klein-Kappadokien“ nennt, nur eben ohne die tägliche Ballon-Parade am Himmel und Touristenströme auf den Pfaden.
Wir hatten das phrygische Tal zwar bereits im September 2023 intensiv besucht, aber durch irgendeine Infektion waren wir damals etwas ausgehebelt und wollten uns jetzt zumindest einen Ort noch einmal ansehen:

Ayazini

Ayazini liegt im Phrygischen Tal eben mit dieser Tufflandschaft, das von Felsenkirchen und -wohnungen in der Art der kappadokischen Höhlenbauten durchzogen ist. Der bedeutendste sakrale Bau ist eine byzantinische Kreuzkuppelkirche im Südwesten des Tales. Im weiteren Verlauf des Tales finden sich noch kleinere Kapellen, ein größerer Wohn- und Klosterkomplex in einem Nebental sowie Felsengräber römischen Ursprungs.
Der Ort ist deshalb für seine Verhältnisse schon recht touristisch, besitzt allerdings auch sehr ursprüngliche Bereiche.

28.03.2026-Hochebene zentrales Anatolien-320km

Es ist ja nun unser 3. Besuch der Türkei und jedesmal sind wir bis ganz in den Osten gefahren.
So viele Routen gibt es ja nicht, vor allem, wenn man etwas sehen möchte.
Entweder die Nord-/Südküste, bzw. Regionen oder zwei durch das Inland, deren bekannte Sehenswürdigkeiten wir ja schon kennen.
Also schlängelten wir uns in der Hoffnung, Neues zu entdecken, langsam gen Osten.
Bis Bayat (45km) schlängelte sich die kleine Gebirgsstraße hoch bis auf 1.500 m durch eine waldig märchenhafte Tuff-Landschaft und durch sehr ursprüngliche Dörfer. Hierhier scheint sich wirklich kein Tourist zu verirren, denn jeder, also wirklich jeder winkte und grüßte uns herzlich zu.

Eigentlich hätten wir uns jetzt gerne einen Nachtplatz gesucht, aber hier gab es nichts.
Nun denn, so unsere Idee, fahren wir einfach weiter, es wird sich schon was finden.
Hinter Emirdag (75km) wurde die Hochebene bis auf sanfte Hügel plötzlich flach.
Man konnte wirklich fast 20 km weit sehen. Hier befindet sich auf gut 150km bis auf ein paar kleine Dörfer nichts, also wirklich gar nichts, kein Baum oder Strauch, nichts und dazu eine endlos gerade Straße bis in den Horizont.
Wir hatten glatt das Gefühl, uns in der Mongolei zu befinden🙂
Einen Nachtplatz zu finden war deshalb ein sinnloses Unterfangen.

Was tun? Weiter fahren bis zum nächsten Nachtplatz den wir kennen, am Tuz Gölü.
Bei Korkmazlar hatten wir noch einmal Hoffnung geschöpft, denn hier zieht sich ein kleiner rot/grüner Gebirgszug mit skurrilen Felsformationen entlang, der mich an Bilder aus Jordanien oder der arabischen Halbinsel erinnerte.
Doch das Gebiet hat weder einen Namen, noch führen wirklich Wege hindurch.
Leider hatte es angefangen zu regnen und da wollte ich auf der einzig gefundenen Piste keine Experimente unternehmen.
Tja, bei dem Schmuddelwetter waren leider auch keine wirklich schönen Bilder drin. Also weiter zum Tuz Gölü
Die letzten 20 km führten dann im Halbdunkel über eine mit Auswaschungen versehene und teils moddrige Piste bis zum See.
So was und überhaupt die Gurkerei muss ich wirklich nicht jeden Tag haben😉

Tuz Gölü/Salzsee

Der Tuz Gölü (übersetzt Salz See) ist nach dem Van See der zweitgrößte See der Türkei. Mit 32,9 % Salzanteil ist er außerdem einer der salzhaltigsten Seen der Welt.
Eingebettet in der kargen Prärielandschaft wirkt der Salzsee schon fast mystisch, also bei besserem Wetter als das, was wir gerade erleben dürfen.
Vor allem der Blick von unserem Übernachtungsplatz aus könnte einen dann ehrfürchtig erstarren lassen. Jetzt erscheint er aber einfach nur als ein großer See.
Gut, dass wir diesen schönen Ort schon einmal bei besserem Wetter erleben durften und unsere Erinnerungen haben. Hier Bilder vom letzten Mal:

Nun stehen wir hier sturmgepeitscht hier Regen, sogar der Ventilator der Trenntoilette kommt da nicht gegen an.

30.03.2026-Evren-51km

Nach einem Ruhetag ziehen wir weiter und über den Damm des Tuz Gölü ostwärts.
Wie auch beim letzten Mal, der See sieht erst auf dem Damm so richtig gut aus. Dieses Mal halt anders schön.
Unseren Übernachtungsplatz fanden wir bei Everen am größten Stausee Anatoliens, dem Hirfanli, der den Fluss Kizilirmak aufstaut.
Zu unserer Überraschung hatten sich am Stausee zig Flamingos niedergelassen. Damit hatten wir nun gar nicht gerechnet.

31.03.2026-Kappadokien-97km

Das Gestein Zentralanatoliens besteht geologisch über hunderte Kilometer hinweg vor allem aus vulkanischen Ablagerungen wie Tuff, Ignimbrit, Asche und Lava. Entstanden ist es durch intensiven Vulkanismus seit dem späten Miozän, also so neulich im Zeitraum von vor 23 – 5 Millionen Jahren. Große Mengen von Material aus jenen Vulkanen lagerten sich als Schichten ab und später formten Erosion durch Wind und Wasser daraus die typischen Landschaften Zentralanatoliens. Besonders in Kappadokien und im Göreme Nationalpark haben sich Mensch und Natur besonders hervorgetan.

Der Tuff ist relativ weich, so konnte die Natur ihrer Fantasie freien Lauf lassen und die mystischsten Gebilde Formen, die man sich als Mensch bestenfalls in einem LSD-Rausch ausdenken könnte.
Auch die Menschen erkannten den praktischen Nutzen des weichen Tuffs und höhlten ihn für ihre Wohnungen aus. So entstanden ganze unterirdische Städte mit bis zu 20 und mehr Etagen.

Über hunderte Kilometer hinweg finden sich Felsenkirchen und Wohnungen einfach so verteilt in der Landschaft die kaum Beachtung finden.
In Europa wären das historische Stätten, hier werden tausende Jahre alte Behausungen oder Kirchen als Stall oder Wohnraum genutzt.

Bevor Zentralanatolien zusammenbricht…

Bis heute höhlten die Menschen den Fels für Wohnungen und Lagerstätten aus. Man spart Baumaterial, kann den Stein noch anderweitig verwenden und die Räume sind im Winter wie im Sommer gut temperiert.
Fährt man durch Zentralanatolien, hat man das Gefühl, das ganze Land sei durchlöchert wie ein schweizer Käse und müsste jeden Augenblick in sich zusammenbrechen.
Würde es wohl auch, darum ist die neue Schaffung von Wohn- und Lagerraum im Tuff mittlerweile untersagt. Man stelle sich vor, ganze Berge und Städte wären plötzlich weg, im wahrsten Sinne vom Erdboden verschluckt…

Sehenswürdigkeiten

Da dies unser zweiter Besuch Kappadokiens war, haben wir nicht die üblichen Sehenswürdigkeiten, oder zumindest nicht so intensiv erkundet. Wir beschränkten uns primär auf eher Unbekanntes und abseits der Touristenströme.
Die Ziele vom ersten Mal mit GPS-Track einer Traumwanderung und auch ein Video findet ihr unter Türkei 2023/Kappadokien Bilder aus 2023 hierzu:

Gülsehir

In Gülsehir bekamen wir dann frei von Touristen, da alle nur die Gegend um Göreme kennen, den ersten Eindruck dieser grandiosen Landschaft.
Meine allerbeste Reiseführerin fand dann passend dazu einen wundervollen Nachtplatz.

Çat

Von Çat aus, ca. 7 km südlich von Gülsehir gelegen, beginnt ein verstecktes Juwel und ist nahezu frei von Touristen!
Die 10km Wanderung von Çat nach Gülşehir durch die Schlucht gilt als Geheimtip. Die Wände der Schlucht sind voll mit in den Fels gehauenen Wohn- und Taubenhöhlen.
Das HighLight ist das am nördlichen Ende der Schlucht gelegene Museum Açık Saray Müzesi mit den Kloster-, Kirchen- und Wohnräumen aus byzantinischer Zeit.

Ich empfehle ja beides, zunächst die Schlucht bei Çat und dann das imposante Açıksaray. Hierzu hat man drei Optionen:
Man wandert von Çat aus (großer Parkplatz, leicht zu erreichen 38.68299° 34.65456° oder spannend enge Zufahrt bei 38.68203° 34.65798°) rund 5 km in die Schlucht, bewundert die Felsformationen und Höhlenwohnungen und läuft dann wieder zurück. Das ist auch der schönste Teil und besucht dann am nächsten Tag das Museum.
Oder: Man ist sportlich und läuft bis zum Museum und wieder zurück, das sind dann halt 20 km.
Oder: Man läuft von Çat aus meist bergab zum Museum und nimmt sich ein Taxi (ca. 12€) zurück.
Das haben wir gemacht, denn 20 km laufen sind uns einfach zuviel😉

Auf jeden Fall sollte man sich die Schlucht und auch das Museum nicht entgehen lassen! Wirklich! Anderswo kostet solch ein Spot oft gut Eintritt und wird mit Massen durchgeschleift.

Uçhisar/Göreme

Uçhisar wird von einem weithin sichtbaren ca. 60 Meter hohen Burgfelsen dominiert. Der Felsen ist durchzogen von zahlreichen Gängen und Räumen, die heute allerdings größtenteils zugeschüttet sind.
Eigentlich wollten wir ihn schon beim letzten Mal besichtigen, aber die Stadt hatte uns abgeschreckt. Dieses Mal war es nicht anders, die Stadt wirkt auf uns alles Andere als einladend.
Am Fuße des Burgfelsens dann der Rummelplatz und nur um 60 m einen Felsen hoch zu klettern sich in das Getümmel stürzen? Nein danke, lass mal…
Der Felsen sieht aus der Entfernung eh imposanter aus, dann muss man da nicht noch hoch.
Zwischen Uçhisar und Göreme hatten wir bei inzwischen wieder schönstem Wetter, zumindes heute, auf dem Plateau unseren Nachtplatz gefunden.

Love Valley Plateau

Der Morgen begann grauwolkig, kein schöner Sonnenaufgang und selbst als die Sonne die Wolkendecke weggeschoben hatte, erschien die Welt in der untypisch diesigen Luft in keinem besonders schönen Licht. Es scheint, als wenn es der Saharastaub, der gerade Südeuropa einnebelt, auch uns erreicht hat.
Dazu gesellte sich dann noch ein wenig, später dann recht stürmischer Wind, also Ballons am Himmel, Fehlanzeige.
Nichts mit tollen Aufnahmen am Love Valley am berühmten Insta-Platz.
Selbst die Fehnkamine hatten sich im graubraunen Dunst verkrochen. Die ganze Landschaft wirkte einfach nur unwirklich.
Wir empfanden diese surreale Landschaft schon spannend, denn wann kann man diese so in der Form bewundern? Aber…
Wie ärgerlich muss das für all die Touristen sein, die hier lediglich ein paar Tage verbringen und mit Bussen durch die Gegend gefahren werden.
Dazu dann die Leute, die eine Ballonfahrt gebucht haben!
Dennoch wurde unser Parkplatz proppenvoll und wir nutzten eine Lücke, knapp 4 km weiter zu fahren. Da die spannende Zufahrt weniger für Wohnmobile geeignet ist, denn hier heizen eher die Quads und Jeeps entlang, konnten wir einen wunderbaren einsamen Platz mit einem Traum an Aussicht genießen.
Wenn auch nur sandig, staubig mystisch…🙂

Love Valley

Balooning

Was für ein Pech für die Touristen und Ballon-Unternehmen, seit Tagen war wetterbedingt kein Start möglich.
Doch dann, völlig unerwartet hatten wir und vor allem die Ballonfahrer Glück gehabt.
Ganz spontan wurde die Freigabe erteilt, Windstille…
Ok, die Wolken störten etwas, doch für einen kurzen Moment lugte die aufgehende Sonne durch eine Wolkenlücke durch und sorgte für ein schönes Licht.
Die Fotografen, Model und die Touristen, die keinen Flug gebucht hatten, sind wohl auch völlig überrascht worden. Plötzlich tauchten hektisch die PKW und Jeeps auf.
Wir wurden durch das weit entfernte Gebrüll der Ventilatoren geweckt, sonst hätten wir das Spektakel glatt verschlafen😁

Wanderung

Der Wettergott meinte es zumindest mit uns halbwegs gut und so unternahmen wir von unserem Nachtplatz aus eine kleine Wanderung durch das Love Valley.
Klein heißt, nur ca. 5 Km, erst die Piste bergab, dann durch das Tal der Penisse und wieder rund 80 Höhenmeter über eine in den Tuff gehauene Stiege, vorbei an einem romantischen Café zurück auf das Plateau.
Aber es lohnt sich! Wie ich damals schon schrieb, durch die andere Perspektive erhält man einen gänzlich anderen imposanten Eindruck vom Love Valley und der unterschiedlichen Felsarten.

Meskendir- und Rose-Valley

Eigentlich wollten wir uns ja nach Kayseri aufgemacht haben, aber Pläne sind ja dazu da, geändert zu werden.
Noch war gutes Wetter angesagt, aber dann sollte es großflächig, sogar mit Schnee, mehr als nass und kalt werden.
Also nahmen wir die Gelegenheit wahr und genossen die tolle Landschaft sowie das Wetter mit einer einer kleinen Wanderung durch das Meskendir– und Rose-Valley. Wir kennen die Täler zwar schon, aber die Mischung aus Felsformationen, Höhlenbauten und Tunneldurchbrüchen ist einfach so spektakulär grandioss, dass man sie ruhig mehrfach erleben darf.

Tal der Kirchen

Heute war dann der erst einmal letzte schöne Tag, denn am nächsten Abend sollte Schmuddel in Form von Regen, Schnee und Sturm folgen.
Also unternahmen wir mit dem Descent-Valley sowie ich nenne es mal Tal der Kirchen, einen Ausflug durch die skurrile Welt des Tuffs.
Da wir in den Tälern und über den Ebenen kleine humpelige Pfade gewählt hatten, bekamen wir bis auf dem Rummelplatz Descent Valley nicht einen Tourist zu Gesicht.
Dafür aber völlig unscheue und neugierige frei laufende Pferde.
Wieder einmal ein tolles Erlebnis!

Wir hatten mit Kappadokien nun gut die Mitte der Türkei erreicht und hier endet auf dem Weg nach Georgien der erste Teil unserer Türkeireise.
Der nächste Reisebericht: Türkei 2026 Teil II (in Vorbereitung)

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