Reisebericht Polen

Der Reisebericht behandelt den Norden mit Pommern und den Masuren. Nachdem wir alle unsere leidlichen Dinge erledigt hatten, ging es endlich wieder los. Ziel ist für ein paar Monate die Umrundung der Ostsee mit unserem Lada und Dachzelt, back to the Roots
Über kleine Straßen fuhren wir zunächst durch Deutschland, grob die Gegend, wo wir unseren Lada vor ein paar Tagen eingefahren hatten. Siehe auch den Bericht vLadis Jungfernfahrt.
Mit Bildern hielt ich mich dieses Mal zurück, dafür gibt es wieder ein Video.

18.05.2019 – Windisch Evern – 190 km

Windisch Evern liegt etwas südöstlich von Lüneburg am Elbe Seitenkanal. Hier hatten wir einen traumhaft schönen und einsamen Platz gefunden. Die Sandpiste wäre das erste Stück noch mit einem kurzen Kasten befahrbar, später dann wird sie tiefsandig und eng. Mit dem Bimobil wären wir zwar auch hin gekommen, aber nur mit vielen Schrammen.

Tommy, also unser TomTom, führte uns wieder auf absolut kleine Straßen. Wir kennen doch noch nicht alles…

19.05.2019 – Zotzensee, Mecklenburgische Seenplatte – 210 km

Die Amerikaner würden sagen: Historic…
Auf kleinsten Straßen, über enge Alleen mit Kopfsteinplaster durch Dörfer, als wäre hier die Zeit 30 Jahre stehen geblieben.
Selbst wenn kein Kopfsteinpflaster, dann furchtbar eng und mit Schlaglöchern übersät. Vielleicht nicht ganz so schlimm, aber teils sah es wie ein DDR Freiluftmuseum aus. Ich frag mich ernsthaft, wo mein gezahlter Soli geblieben ist.
Und wieder die Erkenntnis, Deutschland ist ein Steinzeitland. Seit zwei Tagen haben wir nun schon nur temporär Netz, meist nur E oder bestenfalls ein zaghaftes LTE-Strichlein.

20.05.2019 – Im Nirgendwo kurz vor Polen – 180 k

Wenn man glaubt, es sei keine Steigerung möglich, fehl gedacht.
Heute waren sogar die Kreisstraßen unasphaltiert, voller Schlaglöcher oder bestanden nur aus Kopfsteinpflaster.
Sogar der Allrad war manchmal im tiefen Sand hilfreich. Ich hätte nie gedacht, dass Deutschland ein OffRoad-Paradies sein kann, sogar auf regulären Straßen.
Die unglaublich schöne Gegend wirkte mit diesen Pfaden noch toller. Kurz vor der Oder hatten wir im Nichts einen wundervollen Platz gefunden.

21.05.2019 – Kolberg – 200 km

Kolberg, unsere erste Station in Polen.
Eigentlich wollten wir nicht an die Ostsee, aber in Kolberg trafen wir uns auf dem „Baltic“ Campingplatz mit einem Bimobil-Pärchen, welches uns schon mehrfach über den Weg gefahren ist.
Der Platzist übrigens recht nett angelegt und absolut sauber. Die Ostsee ist auch nicht fern. Der Ort selber? Ein Badeort halt, der fest in deutscher Hand ist.

22.05.2019 – Stemnitz – 150 km

Wir fuhren auf kleinsten Ministraßen kreuz und quer durch das fast leere Hinterland. Straßen, ähnlich wie in MeckPomm und sehr ursprüngliche Dörfer. Auch hier schien die Zeit stehen geblieben zu sein.
Bei Stemnitz, eigentlich nur 6 Häuser, hatten wir uns über einen tief matschigen kleinen Weg weit ins Abseits geschlagen und einen wundervollen Übernachtungsplatz gefunden.

23.05.2019 – Leba – 100 km

Heute hatte ich nach rund 20 km das Navi von „spannend“ auf normal umgestellt. Es war einfach zu viel an Pampe quer über die Felder. Schön wars trotzdem, sich durch die schöne Landschaft mit den Rapsfeldern zu kämpfen. Aber auch so führte uns Tommy nur über die kleinsten Wege nach Leba.

Leba ist ein Fischer- und Urlaubsort an der Ostsee. Jetzt ist noch keine Saison und so ist das alte sozialistische Flair noch deutlich spürbar. Aber die Hauptstraße und der Hafen haben was.

Grund für das Ziel war das nahe Naturschutzgebiet mit dem Wald und vor allem den hohen Dünen. Da die Dünen rund 8 km vom Ort entfernt sind, hatten wir uns für wenig Geld Fahrräder gemietet. Von den Dünen aus hat man eine herrliche Aussicht auf den Park. Zwar ist der Aufstieg durch den Sand etwas beschwerlich, aber lohnt sich!

Leba ist voll von Campingplätzen. Niedergelassen hatten wir uns für zwei Tage auf dem für uns 5 Euro günstigen zentrumsnahen Campingplatz „Marco Polo“. Er ist recht nett angelegt, hat tolle sanitäre Anlagen, Waschmaschine und sehr gutes WiFi.

Marco Polo Campingplatz

25.05.2019 – Danzig – 100 km

Danzig

Nach so viel Natur wollten wir uns wieder einmal eine Stadt anschauen. Danzig kennen wir aus dem Geschichtsunterricht und so weit sind wir noch nie in den Osten vorgedrungen, so waren wir neugierig.
Die Peripherie ist nicht gerade einladend, aber kommt man in die Altstadt, offenbart sich eine Perle.
Der Bahnhof, die Marienkirche, die Fassaden der Giebelhäuser mit all den versteckten Kunstwerken, einfach nur mega.
Die Bausünden der Ladenketten und Banken wie bei uns, findet man hier nicht und wenn sich mal eine Kette niedergelassen hat, sind die Läden optisch eingefasst.
Betrachtet man Bilder Danzigs aus 45, wo alles in Schutt und Asche gelegen hat, muss man den Polen größten Respekt zollen, was sie hier wieder restauriert und neu aufgebaut haben ist schlicht vorbildlich und gigantisch!

26.05.2019 – Elbing/Elblag – 115 km

Je weiter man ab Danzig in den Osten kommt, desto ursprünglicher wird es. Die alten Häuser versprühen einen eigenen Charme. Auch die Gegend wird zunehmend einsamer.
Der größte Teil der Strecke führte über alte preußische Kopfstein-Straßen durch teils verlassen aussehende Dörfer.

In Marienburg sollte man unbedingt einen Stopp einlegen und das größte Backsteingebäude Europas, die gleichnamige Burg besichtigen.

Von Elbing/Elblag führt ein über 100 km langer Kanal, der Kanal Elblaski, Richtung Südosten ab, der schon vor 150 Jahren so in dieser Form erbaut wurde. Die Besonderheit daran, es galt mehrere Berge zu überwinden. An statt Schleusen zu bauen, was damals zu anfällig war, werden die Schiffe mittels Schlitten auf Gleise über die Berge gehievt. Als Antrieb dient Wasserkraft über Mühlräder an jeder Station über einen Seitenkanal. Wenn je ein Schiff zu Tal und eines zu Berg transportiert wird, ist der Kraftaufwand wegen dem in etwa Gleichgewicht recht gering. Meine simple Frage, wie das Wasser auf den höchsten Berg kommt, konnte weder durch Wikipedia, auch nicht an anderer Stelle im Internet beantwortet werden.

An einer solchen Station am Kanal hatten wir unser Nachtlager aufgeschlagen. Leider ist die Zufahrt hierhin trotz Piste zu einfach und etliches an Weißware die der Rüttelpiste getrotzt hatten, verschandelte die Landschaft. Aber abseits im Wald auf einer Lichtung fanden wir ein nettes Plätzchen.
Der Platz ist Ideal für Leute mit Zelt und für die hat man auch Pavillons errichtet. Wenn aber noch mehr Weißware hier aufschlägt, ist es eine Frage der Zeit, dass die Zufahrt gesperrt wird, von daher veröffentliche ich den Ort besser nicht.

Übernachtungsplatz am Elblaski

27.05.2019 – Lötzen/Gizycko – 180 km

Die heutige Etappe führte in die Masuren in der Nähe von Lötzen/Gizycko. Die Landschaft erinnert mit den Wäldern, Freiflächen und Hügeln ein wenig an die Holsteinische Schweiz, nur menschenleerer.
Wir hätten unterwegs noch mit der „Wolfsschanze“ das Führerhauptquartier besichtigen können, aber derlei deprimierende Einrichtungen habe ich genug gesehen, vor allem, da sie mittlerweile tourimäßig aufbereitet wurde und die verrottete Ursprünglichkeit weg ist.

Durch Zufall entdeckten wir die Kirche Swieta Lipca, ein absolutes HighLight. Der Rummel mit lauter Pupertiere hielt uns allerdings von einem Besuch im Innern ab.

Heute war es ein Drama, einen offenen Campingplatz zu finden, noch hat alles geschlossen. Auch auffällig, wie muffelig und unfreundlich die Polen im Norden sind, hier ganz besonders. Der einzig freundliche Mensch seit Tagen war die Campingplatzbetreiberin und sie war keine Polin.

28.05.2019 – Stary Folwark – 150 km

Wir wollten das Fort in Lötzen/Gizycko besuchen. Das ist eine ähnlich angelegte zackige und gewaltige Festungsanlage wie in Bourtange (NL).
Ganz bestimmt interessant, aber was war: Überall Buden mit billigstem Schnickschnack und Horden von kreischenden Pupertieren, sorry, so etwas brauchen wir nicht….

So fuhren wir weiter Richtung Osten durch die ursprüngliche und leere Landschaft der Masuren.
Die Einstellung „spannend“ bei Tommy ist hier in Polen wirklich spannend. Gerade die kleinen Pisten durch das Masurische Seenland mit den zig Seen und den für uns unerwarteten Moorlandschaften ließen fast so etwas wie Abenteuer aufkommen.

Stary Folwark liegt ganz im Norden am See Zatoka Hanczanska, nur noch einige Kilometer von Litauen entfernt.
Da es heute Abend schütten sollte, hatten wir uns dort für einen netten kleinen Campingplatz entschieden. In Polen denkt man auch an Camper und stellt auf den Campingplätzen kleine Pavillons zur Verfügung wo man im trockenen etwas zu Esssen bereiten kann.

Hier noch ein Video über die Etappe, ca. 8:30 min

Morgen werden wir dann Polen verlassen und nach Litauen fahren.
Der nächste Reisebericht: Litauen->

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2 Kommentare

  1. Wie gewohnt super beschrieben und schön fotografiert.

    Viele Grüße aus dem Yellowstone NP, wie ihr schon beschrieben habt, muss man sehr früh aufstehen, um einen Campground zu bekommen.

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