Reisebericht Litauen

Mit unserem Lada Urban 4×4 durch Litauen, Lettland und Estland…
Der zweite Reisebericht über unsere Ostsee-, Skandinavien-Tour, vorheriger Reisebericht: Polen, der Norden

29.05.2010 – Vilnius – 210 km

Von Polens Masuren kommend überschritten wir die Grenze zu Litauen. Selbstverständlich hat sich auch Litauen entwickelt und vor allem die Hauptverbindungsstraßen sind von bestem Asphalt, aber abseits der Hauptstraßen erfährt man noch Ursprünglichkeit.
Die alten Grenzanlagen ließen erahnen, wie es hier damals mal ausgesehen haben muss. Als wir von der Hauptstraße abbogen, kamen wir gleich auf eine breite Piste, von der Klasse her eine normale breite Landstraße. Sie war sehr gut und flott zu befahren. Hier gilt allerdings eine Geschwindigkeitsbegranzung von 70 km/h. Die weitere Route führte über noch kleinere Wege und Feldwege, vorbei an scheinbar verlassenen „Lost Places“, wie gesagt scheinbar, denn die verfallenen Häuser waren meist bewohnt. Was waren wir froh, mit unserem Lada unterwegs zu sein, in einem Dorf mussten wir eine Umleitung über einen engen pampigen Feldweg fahren, mit einem normalen Wohnmobil kaum machbar.

Wir wollten uns unbedingt Vilnius mit der Altstadt ansehen, da wollten wir natürlich stadtnah Nächtigen. Ganz zentrumsnah befindet sich in einem grünen Fleck das Hostel und Camping „Downtown Forest“. Neben dem Hostel befinden sich hier 7 Stellplätze und ein kleiner Platz zum Zelten. Für Camper mit überdachten Pavillions, einem Aufenhaltsraum mit Küche, die mit Herd, Mikrowellen, Kühlschränken und allen Küchenutensilien ausgerüstet ist. Eine Waschmaschine und Trockner gibt es ebenso. Zum Hostel gehört eine urige und gemütliche Bar und den Morgenkaffee gibt es umsonst. Die verlangten 20,- Euro sind mehr als fair.
Von hier aus ist man nach einem Kilometer direkt in der Altstadt. Wohnmobil-Fahrern sei gesagt, länger als 6m sollte ein Mobil nicht sein. Entweder bleibt man schon bei Hinfahrt stecken oder der Platz ist bezüglich der Länge sehr begrenzt.

Vilnius-Stellplatz
Downtown Forest

Vilnius war schlicht wieder ein Erlebnis, zig teils wunderschöne Kirchen, eine wunderschöne Altstadt, schlicht eine Perle. Hunderte Bilder hätte ich machen können, dafür seht ihr im Video und dem Flair der Stadt.
Befremdlich war es aber schon, wenn man durch die heute schöne Altstadt läuft, dass es sich hier um ein ehemaliges Getto gehandelt hat, wo die Nazis mit einigen Litauern gemeinsam tausende Juden umgebracht hatten.

31.05.2019 – Kaunas – 80 km

Das am frühen Morgen beim Kaff, langsam aber sicher beginne ich die Pappschachtelfahrer an zu hassen, ist ja mittlerweile kein Einzelfall mehr und nur die sind es, die uns vermehrt mit Unarten aufgefallen sind.
Da spült eine Trulla ihre Schiet-Kassette im Spülbecken aus! Obwohl mir die Galle bis zum Hals stand, blieb ich ruhig und freundlich und wies sie darauf hin, dass wir Camper hier unser Geschirr spülen und auch Trinkwasser entnehmen. Sie dackelte ab und heulte sich beim Männe aus. Kam wieder und machte weiter, keine Spur von Einsicht. Hier entfleuchte mir dann doch die Drecksau…
Sorry für meine Gefühlswallung….

Etwas westlich von Vilnius liegt ein kleines Naturschutzgebiet mit viel Wald und Moor, welches wir erkundeten. Nur zu erreichen mit PKW oder Van, hier hatten wir die Natur für uns alleine.

Einen weiteren Stopp legten wir in Trakai mit der Burg ein. Diesen wunderschönen Ort mit den Holzbauten und Freizeitmöglichkeiten sollte man auf keinen Fall auslassen!
Hier wären wir auch gerne ein paar Tage geblieben, aber an diesem Wochenende war so eine Art Stadtfest mit Konzerten, Feuerwerk und viel Rämmidämmi. Schon jetzt war es proppenvoll und einen Platz auf dem teuren, aber hässlichen Campingplatz hätten wir bestimmt nicht bekommen.

Weiter ging es nordwestlich über frisch gegradete Pisten Richtung Ostsee. Kurz vor Kaunas befindet sich das Litauische Freiluftmuseum, das man unbedingt besuchen sollte. Auf einer riesigen Fläche befinden sich mehrere originale Dörfer aus den unterschiedlichen Gegenden Litauens. Schade, dass das Personal in den Häusern nur gelangweilt dumm herum stand, an statt bei Bedarf etwas zu den Häusern zu erzählen. Überhaupt gibt es so gut wie keine Infos, schade.
Am Wochenende oder in der Saison sollte man nicht unbedingt hierher fahren. Gegen eine Gebühr darf man dort auch mit einem PKW rein und die Reisebusse fahren eh dadurch. Das ist mehr als nervig und zerstört die schöne Atmosphäre. Die Dörfer sind richtig schön und authentisch in die Landschaft integriert. Wir hatten Glück, nur ein paar PKW und nur ein Reisebus mit einer Horde Touris waren an diesem Tag anwesend.

Bei Kaunas liegt das Kaunasser Meer und mit PocketEarh hatte U. einen Pfad am See entlang mit einem Picknick Platz entdeckt (GoogleMaps). Da der recht voll war, sind wir dem Weg weiter gefolgt und hatten einen traumhaften Platz direkt am See entdeckt. Nur Angler waren anwesend, sonst niemand. Dieses mal veröffentliche ich den Platz, da hier nur hochbeinige PKW oder ein alter T3 Syncro hin kommen. Keine Wohnmobile, keine Kästen, auch keine EX kommen hier hin, es sei denn, sie nehmen Kollateralschaden in Kauf.

01.06.2019 – Judrenai – 220 km

Das eigentliche Ziel ist Klaipeda/Memel, um von dort auf die Kurische Nehrung über zu setzen. Hier wollte U. schon seit 20 Jahren hin, aber das liegt ja irgendwie blöd. Heute waren wir bestimmt auf 50 km Piste unterwegs, so hatten wir das nicht geschafft. Abseits von Judrenai liegt eine Art Campingplatz, eigentlich richtig toll und schön angelegt. Eine Art deshalb, da es weder Toiletten noch Duschen gibt. Dafür sollte der Platz 15,- Euro kosten, aber nach Verhandlungen konnten wir für 10,- Euro stehen bleiben.
Da das Gebiet relativ stark zersiedelt ist, fanden wir auch keinen Freistehplatz. Hier offenbart sich langsam, was auf uns zukommt, völlig überteuerte Campingplätze, Ostsee halt.

Die Fahrt war sehr hübsch, zunächst ging es nur an der Memel entlang, wo sich eine Burg, bzw. Schloß aneinander reiht. Die Landschaft erinnerte etwas an die Elbe.

Auch eine Erfahrung, die Litauer sind recht muffelig und unfreundlich drauf, egal wo. Im Hostel war eine Gruppe Jugendlicher, wenn sie in der Küche anwesend waren, war das wie auf einem Begräbnis, selbst untereinander bekamen sie die Zähne nicht auseinander und schauten nur cool aus der Wäsche. Trotzdem hatten wir einige nette Bekanntschaften gemacht, Menschen, die ganz anders waren, offen und herzlich. Lustig, dass sie meinten, wir sollten Litauen schnell verlassen, kein Wohlfühlland, Muffelköppe und Abzocke. Ganz so schlimm war es aber nicht, aber dran ist da schon was.

02.06.2019 – Nida/Kurische Nehrung – 100 km

In Klaipeda setzten wir mit der Fähre auf die Kurische Nehrung über, Kosten: 12,80 Euro. Danach waren an einem Häuschen 5 Euro Nationalpark-Gebühr fällig.In Nida gibt es den einzigen Campingplatz auf der Nehrung, den man auch nutzen muss. Das freie Stehen ist im Nationalpark strikt verboten. Der Campingplatz hat nicht gerade gute Kritiken, aber so schlecht ist er auch nicht. Für Wohnmobile über 7,50 bleiben in der Tat nur ganz wenige Plätze und 34,- Euro sind nicht gerade billig. Überhaupt ist der Platz nicht groß und bietet nur begrenzt Raum, also sollte man frühzeitig dort sein. Reservierungen sind nicht möglich. Ab Ende Juni dürfte das zur Lotterie werden…
Für uns war der Platz optimal, gute sanitäre Anlagen, Waschmaschine, Kühlschrank und eine Küche mit Hersplatten. Iwie wußte uns das Mädel an der Rezeption nicht einzuordnen und berechnete lediglich ein Zelt. Ich mein, 17,- Euro waren da wirklich in Ordnung.

Nidda-Campingplatz
Nidda-Campingplatz

Abends schlenderten wir noch ein paar Kilometer durch Nida. Mit den alten Fischerhäusern, den Holzhäusern und dem alten Friedhof, wo viele Kreuze aus Brettern bestehen, ist der Ort sehr sehenswert.

Am nächsten Tag wanderten wir um die große Düne. Wer die in Reiseberichten und Reiseführer erwähnten und auch angeblich von Nida aus zu sehenden weißen Sahara ähnlichen Dünen erwartet, der darf nicht enttäuscht sein. Die gab es vielleicht früher einmal, heute hat man Düne mit Gras, Düne mit Moos oder Düne mit Wald. Nur an wenigen kleinen Flecken hat man noch puren Sand, wie er in vielen Bildern dargestellt wird.
Ein Teil ist völlig abgesperrt, den man auch nicht übertreten sollte.
Interessant ist auf dem Weg noch das Death Valley mit den Kreuzen, so genannt, da man dort
Die Landschaft ist zwar nicht unhübsch, aber ein HighLight ist sie sicherlich nicht.
Ich denke, die Landschaft der Kurischen Nehrung kann man am besten aus der Luft betrachten, so sieht man eigentlich nur Strand oder Wald.

Zur Ostsee sind wir dann auch noch gelaufen, Kilometer langer Strand.
Lustige Besonderheit: Es gibt Abschnitte für nackige gemischt, nur für angezogene Frauen, nur für nackige Frauen, nur für Angezogene gemischt, Raucherecken und für Ballspiele.

Nida-Ostsee
Nida-Ostseestrand

04.06.2019 – Lurdas – 110 km

Auf dem Rückweg über die Nehrung legten wir hier und da einen Stopp ein. Nördlich von Perwelk, in etwa der Hälfte des Weges, wollten wir die 55m Meter hohe Düne hoch, von dort hat man eine schöne Aussicht über die Nehrung und die halbsandigen, eher grünen Dünen. Bei 26 Grad hatten wir da aber keine Lust mehr zu und schon gar nicht, wenn man dafür auch noch 2 Euro zahlen soll, wo wir doch schon für den Park gezahlt hatten, da bin ich dann trotzig.
Ein Stück weiter befindet sich die größte Reiherkolonie Europas, das hatte was. Reiher, Reiher und nochmals Reiher, die im Wald nisten. An den weißen Streifen auf der Straße konnte man genau die Einflugschneisen erkennen. Überall war alles weiß von Dung. Die Bäume verkraften den scharfen Schiet nicht und die Meisten sind abgestorben.

Nächster Stopp war ein Stück weiter Raganus Kalnus in Juodkrante (Schwarzort). Ein ca. 3 Kilometer langer Waldweg mit zig geschnitzten großen großartigen Kunstwerken, die teils auch für Kinder als Spielgeräte genutzt werden können. Auch ein Spaziergang durch den Ort mit den Holzhäusern lohnt sich.
Wenngleich meine Erwartungen mit den weißen Dünen nicht erfüllt wurden, man von der eigentlichen Nehrung auch nicht so viel sieht, so hat sich der Abstecher aber mehr als gelohnt. Wer mag, kann ausgiebige Radtouren, Wanderungen oder Bootstörns unternehmen. In der Saison dürfte hier aber die Hölle los sein.

Eigentlich wollten wir bei diesem herrlichen Sommerwetter noch an der Ostsee bleiben. Aber gefühlt die Hälfte der Litauer waren am Strand. Den Trubel wollten wir nicht, ebenso wenig auf einen dieser überteuerten Campingplätze.
So sind wir ein Stück ins Inland zu der Wallfahrtsstätte Lurdas. Klingt wie Lourdes, ist es auch, das Litauische. Ein heiliger Ort und Gebiet mit kleiner Kapelle, einer Grotte mit Marienfigur und einem Brunnen mit gesegnetem Wasser. An diesem traumhaft schönen und einsamen Ort schlugen wir unser Nachtlager auf. Prkatisch für uns, es gibt auch eine niedliche Toilette.
Es ist keine Kunst, den Ort zu ergoogln, aber für Wohnmobile nicht wirklich empfehlenswert. Zunächst geht es Kilometer über eine Rüttelpiste, die eigentliche Zufahrt ist mehr als eng und nach Regen wohl abenteuerlich.

05.06.2019 Plateliai – 45 km

Die heutige Etappe führte ein Stück östlich ins Inland. Nach 25 km stoppten wir nur wenig südöstlich von Salantai bei dem Grabsteinpark „Orvidu Sodyba“ (GoogleMaps).
Die Sowjets zerstörten damals die Friedhöfe mitsamt den kunstvollen Grabsteinen. Der Steinmetz Vilnius Sodyba versuchte viele zu retten, schaffte sie auf sein Grundstück und gestaltete liebevoll den Park. Immer wieder zerstörten die Sowjets in ihrer Zerstörungswut auch seinen Park. Ebenso immer wieder baute Vilnius seinen Park auf. Sehr empfehlenswert, Eintritt z.Zt. 4,- Euro.

Östlich des Ortes Plateliai liegt der gleichnamige wunderschöne See, der von einem Naturschutzgebiet umgeben ist. Innerhalb des Naturschutzgebietes befinden sich ebenso wunderschön am See mehrere Picknickplätze, wo auch das Übernachten erlaubt ist. Sogar Lagerfeuer darf gemacht werden. Gott sei Dank sind die Plätze für Wohnmobile recht beschränkt und die Zufahrten für große Wohnmobile nicht tauglich. Für Kastenwagenfahrer oder unsereiner ist das ein Paradies.

Eigentlich wollten wir noch zum Berg der Kreuze, der liegt rund 100 km östlich. Nachdem ich aber einige Berichte und auch Bilder gesehen hatte, entschlossen wir uns, den Punkt nicht anzufahren und nördlich nach Lettland zu fahren. So beeindrucken all die Kreuze sein mögen, aber dort ist Touri-Rummel ohne Ende. Alles voller Busse und die Wohnmobile knubbeln sich. Ne, nix für uns…

So behandelt dann der nächste Reisebericht Lettland und Estland-> (In Vorbereitung)
Hier noch das Video zum Reisebericht, ca. 12:45 min.

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