Entlang der Pyrenäen von Ost nach West

Nach rund 8 Wochen hatten wir Spanien spontan verlassen. Sicherlich ist es hier im Süden Frankreichs nicht so warm wie in Spanien, aber Wärme ist nicht alles. Wir lieben Frankreich einfach, sauberer, die Orte haben mehr Flair und auch zwischen den Sehenswürdigkeiten ist Frankreich einfach schöner.
In diesem Reisebericht beschreibe ich unsere Route entlang der Pyrenäen von Ost nach West bis zum Atlantik.

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Die Pyrenäen

Die Pyrenäen sind eine rund 430 km lange, bis zu 3.400m hohe Gebirgskette zwischen Frankreich und Spanien.
Die Pyrenäen sind ein Paradies für Radfahrer, Wanderer, Kletterer und 4×4 Enthusiasten.

Pyrenäenblick

Pyrenäen-Route von Ost nach West

Wie man sich entscheidet, ist eine Frage des Geschmacks. Spanien ist anders bewachsen, im Norden fällt mehr Niederschlag, so findet man viel Laubwald vor. In Spanien viele Kiefern und es ist auch etwas weniger bewachsen, ganz anders halt, südlicher.
Die Infrastruktur für Wohnmobilfahrer dürfte in Frankreich besser sein, ebenso die Straßen.
In Frankreich entlang dürften es so 600 Straßenkilometer sein, über Spanien 900 – 1.000 Kilometer, da es kaum direkte Verbindungen gibt.
Wir hatten uns für Frankreich entschieden, auch aus dem Grund, falls das Wetter jetzt im Winter mal umschlagen sollte. Mit Pech hängt man sonst in Spanien fest und kommt nicht mehr weg.
Manch einer möchte die beiden Teile der Pyrenäen genießen und wechselt immer hin und her. Dazu bedarf es natürlich einiges an Zeit und um 1.300 – 1.500 Kilometer kann man da auch einkalkulieren. Wir sind vor 25 Jahren mit den Motorrädern immer hin und her gewechselt.
Bis heute hat sich gerade in Frankreich so einiges geändert. Kleine Straßen sind breite Asphaltpisten geworden, ehemals kleine Wege sind asphaltiert. Damalige Abenteuerpisten wie der 2.100 m hohe Col de Tourmalet sind heute Rennstrecken.
Das ehemals Wilde ist vor allem in Frankreich verschwunden. Nichtsdestotrotz findet man aber immer noch ein wenig “Wildnis”, man muss nur suchen. Vornehmlich in den Höhenlagen und Spanien, wo es meist noch wie vor 30 Jahren aussieht.

OffRoad in den Pyrenäen

4×4 Enthusiasten wählen natürlich Spanien, da die Spanier das Befahren der meisten OffRoad-Strecken oder überhaupt kleiner Straßen lockerer sehen. In Frankreich sind viele Straßen und OffRoad-Strecken sowieso gesperrt, nur vereinzelt findet man noch Abenteuerstrecken. Die Franzosen sehen das mit den Naturschutzgebieten recht eng. Im Winter stellt sich die Frage nicht, da die netten OffRoad-Pisten in Spanien und die Wenigen in Frankreich wegen dem Schnee nicht befahrbar sind. Die OffRoad-Zeit dürfte von Mai bis Ende Oktober sein. Später geht vielleicht auch, aber da muss man das Wetter schon im Auge behalten. Strecken findet man im Netz so gut wie gar nicht, finde ich auch gut so. Wenn man mal googlt, findet man Anbieter, wo man für ca. 100€ Road-Books erstehen kann. Wer nicht auf den Kopf gefallen ist, ist auch spannender, greift zu Apps wie PocketEarth i.V.m. GoogleMaps. Damit lassen sich geile Strecken finden. So hatte ich etliche tolle Wege gefunden, aber leider, der Winter…

Übernachten mit dem Wohnmobil/Van in den Pyrenäen

In den einschlägigen Apps finden sich massig wirklich schöne Stellplätze. Noch schöner steht man, das gilt für Spanien und Frankreich gleichermaßen, wenn man frei irgendwo in der Natur steht. Auch hier, Apps wie PocketEarth i.V.m. GoogleMaps sind da hilfreich. Aber bitte, schont die Natur, vermeidet Naturschutzgebiete und wenn schon irgendwo jemand steht, fahrt weiter. Viele tolle Plätze hatten wir entdeckt, auch Ausgewiesene, vor allem jenseits von 1.000 m. Da ist der Winter aber der falsche Monat, ehe man sich versieht, ist man eingeschneit, kommt vor allem den Berg nicht mehr runter oder ist eh wegen Unzulänglichkeit gesperrt.

28.12.2019 – Mirepoix – 59 km

Gestern querten wir die Pyrenäen und übernachteten in dem kleinen Ort Les Cabannes. Nordöstlich hiervon liegt Mirepoix, ein kleiner Ort mit einer ganz besonderen Altstadt. Die Fachwerkhäuser sind bunt, die Endpunkte der Balken sind meist mit Schnitzereien verziert, die mittlerweile aber schon recht verwittert sind. Auch die Gänge unterhalb der Häuser rund um den Marktplatz sorgen für ein gemütliches Flair. Kein, aber sehr eindrucksvoll ist die Cathédrale Saint-Maurice.

29.12.2019 – Saint Lizier – 70 km

Mir war heute nach spannend, so fuhr ich teils über kleine Straßen über das sanfte Bergland zu dem kleinen Bergdorf Saint Lizier. Über GoogleMaps entdeckten wir einen schönen Parkplatz mit Pyrenäenblick, wo wir uns nieder ließen. Da der Parkplatz in keiner App auftaucht, standen wir hier ganz alleine.

Die kleine Kathedrale und die historische Altstadt laden aber auch so zu einem Besuch ein.

31.12.2019 – Saint-Gaudens – 45 km

Nicht viel weiter Richtung Westen liegt der kleine Ort Saint-Gaudens.
Viel hat er nicht zu bieten, aber einen ganz netten Stellplatz mit Aussicht auf die Pyrenäen für 8,- Euro inklusive allem (GoogleMaps).
Hier wollten wir ein paar Tage bleiben, vor allem, weil ich noch einen Ausflug in die Pyrenäen machen wollte.

Rund um Saint-Gaudens

Bei herrlichem Wetter erkundeten wir die Umgebung Saint-Gaudens. Wir unternahmen Spazierfahrten über die sanften Hügel der Pyrenäen in der Umgebung und auch in das Hochgebirge.

Barbazan

In Barbazan befindet sich eine alte Therme mit Kurpark, heute leider nur noch ein Lost Place der die alte Schönheit erahnen lässt.

Saint Bertrand

Das Wahrzeichen des kleinen Bergortes Saint Bertrand mit den engen Gassen …

…ist die Basilika:

Col de Mente

Die folgenden beiden Pässe fuhr ich mit vLadi alleine. Ulrike hat es nicht so mit hohen Bergen und schon gar nicht auf den engen Wegen mit den Abgründen. Ich bin früh auf und genoss die mit Reif überzogene Landschaft und der frühen Sonne. Also verpasst hat sie schon was. Ebenso die Orte sind irgendwie anders, haben einen eigenen morbiden Charme.

Der Col de Mente liegt nur 30 km südlich von Saint-Gaudens wo ich erst einmal den Kocher für mein Frühstück ausgepackt hatte. Diese Aussicht musste ich genießen…
Der Col de Mente ist zwar ein Touri-Gebiet, aber von hier geht die D44L ab, ein steiler Waldweg der um den Berg ins Tal führt. Da er teils im Nord-Schatten liegt, war der Weg völlig verharscht und vereist. Aber die Grabber taugen was 🙂
Ich gebe zu, aufgeregt war ich ich schon. So am A. der Welt, alleine und ohne Netz.

Port de Balès

Ca. 60 Straßenkilometer weiter westlich befindet sich der Port de Balès, ein 1.780m hoher Pass der über eine kleine Straße zu erreichen ist. Nachdem ich einige Schneebretter überwunden hatte, war auf der Passhöhe endgültig Schluss, kein weiterkommen mehr. Also alles wieder zurück…
Da konnte sich Ulrike wirklich glücklich schätzen, nicht dabei gewesen zu sein. Auch ich stand unter Adrenalin pur. Mit zwei Rädern im vereisten Schnee, völlig schräg und auf der anderen Seite in nur ca. 15 cm Abstand von den Reifen der Abgrund. Da ich alleine war, konnte ich das leider nicht fotografisch festhalten. Ich hatte sogar die Fahrertüre offen, damit ich ggf. heraus springen konnte, fals vLadi abschmiert. War nur auf der Rückfahrt blöd, da saß ich am Abgrund…

04.01.2020 – Morbide Bastiden – 70 km

An diesem Wochenende waren immer noch Ferien und entsprechend war in den Bergen ganz schön was los. Dem wollten wir entgehen und sind ein Stück nördlich ins Inland gefahren um uns einige der Bastiden anzuschauen.
Bastiden sind bei ihrer Gründung befestigte Dörfer und Städte mit Marktrecht im Südwesten Frankreichs. Bezeichnend ist die rechteckige, schachbrettartige Anordnung der Fachwerkhäuser und der zentrale Marktplatz mit den Arkadengängen.
Die von uns besuchten Bastiden mit ihrem Fachwerk sind von einer morbiden Schönheit. Aber teils dermaßen heruntergekommen und dem Verfall geweiht, dass man sich Jahrhunderte zurück versetzt fühlt.

Miélan

Hier hatten wir auch auf dem kostenlosen Stellplatz mit VE übernachtet (GoogleMaps).

Mirande

Etwas größer aber ebenso verfallen ist Mirande, ca. 15 km nordöstlich von Miélan gelegen. Sehenswert ist der Marktplatz mit den Arkaden und die Kirche.

Tillac

Tillac ist ein kleines Nest mit 280 Einwohnern. Der Kern des Dorfes beträgt vielleicht 150x200m. Aber das Dorf ist so etwas von hübsch!

Marciac

Marciac ähnelt ein wenig an Mirande, klar, ist ja auch eine Bastide. Marciac ist vor allem eine Hochburg des Jazz mit einem jährlich statt findenden Jazzfestival und etlichen Jazz-Kellern.
Hier befindet sich auch ein netter kostenloser Stellplatz mit VE (GoogleMaps).

07.01.2020 – Rébénacq – 80 km

Pyrenäenblick

Bei dem zur Zeit schönen Wetter wollten wir noch einmal in die Pyrenäen. Rébénacq liegt da recht günstig, da es zum Einen nah dran und andererseit nicht so hoch liegt. Rébénacq ist ein total niedlicher kleiner Ort mit einem kleinen hübschen kostenlosen Stellplatz mit Ver- und Entsorgung, für 5 Stunden ist sogar Strom kostenlos (GoogleMaps). An die max. 5 Plätze hat man sich unbedingt zu halten!

Es ist auffällig, dass die Orte hier recht neu und renoviert aussehen, nicht so verfallen, wie die Bastiden weiter nördlich.

Arudy

Nach unserer Ankunft unternahmen wir sogleich über die sanften Berge eine kleine Spazierfahrt zum ca. 6 km entfernten Arudy. Arudy liegt im Tal Ossau am gleichnamigen Fluss Gave d´Ossau. Mehrere Ortschaften reihen sich hier entlang des Tales. Die D934 führt hier über die Pyrenäen nach Spanien.

Vallèe d`Ossau/Col de Portalet

Die D934 führt Richtung Süden durch das märchenhafte Tal Vallèe d`Ossau

…über dem Col de Portalet nach Spanien. Eine traumhafte Landschaft, sag ich nur. Leider sind jetzt die Nebenstraßen alle gesperrt, sogar mit Schranken, so dass 4×4 Exkursionen ins Hochgebirge oder Nebentäler ausfielen. Egal, hätte ich mit Ulrike dabei eh nicht gedurft 😉
Ohne Schnee könnte man auch wandern, das ich mir im Sommer recht spannend vor stelle.
Die D943 ist ist auch mit Womo gut zu befahren und in Artouste befindet sich auch ein zumindest in der Nebensaison netter Stellplatz (GoogleMaps).

09.01.2020 – Arette – 90 km

Das Wetter meinte es ja mit Sonne und fast 20 Grad zumindest im Moment gut, so wagten wir uns auch mit Bimo ein wenig weiter in die Pyrenäen hinein. Ich mein, wenn wir schon hier sind…
Über eine recht abenteuerliche Zufahrt fuhren wir hoch auf rund > 1.000m zu einem traumhaft schön gelegenen privaten Stellplatz (GoogleMaps) kurz vor der spanischen Grenze in einem Talkessel, umringt von den schneebedeckten 2 1/2 bis 3.000ern. Die ganze Landschaft ringsum, ein Traum!

Hier wurden wir dann freundlich von der Betreiberin weg komplimentiert, eigentlich lieb, dass sie es gemacht hatte. Wir wußten ja, dass es schneien sollte, nicht viel, aber wir wollten eigentlich ein wenig das Weiß genießen. Die nette Dame erklärte uns, dass vielleicht 10cm Schnee fallen würden, aber dafür käme kein Räumdienst hoch.

Plateau des Lhers-Stellplatz

Bei dem Gefälle von teils 15 – 20% auf 8 Kilometer kämen wir da mit unserem schweren Bimo nicht mehr heil runter. Ich musste eingestehen, dass sie Recht hatte, da hilft auch kein Allrad. Also alles wieder zurück…
Im 30 Kilometer entfernten und tief gelegenen Arette, einem unscheinbaren Ort, fanden wir einen leidlich netten Übernachtungsplatz.

11.01.2020 – Col-Bagargiak- 38 km

Wie erwartet hatte es gestern den ganzen Tag im Tiefgrau nur gepladdert. Den Tag faulten wir so richtig aus. Von dem Platz, wo wir vorgestern hin wollten, wären wir bestimmt nicht mehr weg gekommen. Heute schien wieder die Sonne und ich wollte unbedingt noch einmal in die Berge!
Am Luftlinie 30 km westlich gelegenen Lac d’Iraty befindet sich auf rund 1.200 m ein wunderschöner Stellplatz (GoogleMaps), dort wollten wir hin.
Die Zufahrt auf der Ministraße über dem vorgelagerten Col-Bagargiak ist schon spannend. Wie schon vorgestern, wird es über etliche Kilometer richtig steil. Ohne Untersetzung würde ich da mit dem Bimo nicht hoch fahren wollen. Oben auf dem Pass angekommen, war dann Schluss. Im Schatten war die Straße vereist und da ohne Grund mit dem schweren Bimobil bei dem Gefälle runter? Ne, lass man. Hätte wahrscheinlich geklappt, aber wozu unnötige Risiken eingehen.

12.01.2020 – Saint-Jean-Pied-de-Port – 50 km

Pyrenäenausblick

Wir also den Pass wieder runter und westlich nach Saint-Jean-Pied-de-Port, Luftlinie vielleicht 10 km entfernt 😉
Wir hatten uns hier auf einem ehemaligen Campingplatz nieder gelassen, weil wir den Ort und so lange das Wetter schön ist noch einmal die Pyrenäen erkunden wollten.
Hier beginnt das französische Baskenland, nicht nur die Sprache ist hier Asterix-mäßig anders, auch die Architektur eine völlig Andere. Das macht gar keinen so französischen Eindruck mehr, nicht mehr so morbide, fast schon aufgeräumt.

Letzter Pyrenäen-Ausflug

Bevor wir die Pyrenäen verließen, unternahmen wir noch einmal einen Ausflug.
Der Winter ist in der Tat nicht die richtige Jahreszeit für die Pyrenäen. Viele kleine Straßen, selbst Größere sind gesperrt. Nicht nur durch Schilder, sondern richtig mit Absperrungen. Schade eigentlich, die Landschaft hat in dieser Jahreszeit schon einen besonderen Reiz. Dazu die Wildpferde und die riesigen Geier….

15.01.2020 – Lac-de-Saint-Pèe – 45 km

Den Lac-de-Saint-Pèe hatten wir uns ausgesucht, weil es hier einen nicht ganz so hässlichen Stellplatz (GoogleMaps) gibt. Zu teuer zwar, aber hier kann man das Bimo auch mal den Tag stehen lassen, weil wir von hier aus einen Ausflug unternehmen wollten. Im Sommer dürfte auch so einiges los sein, denn das Umfeld ist mit dem See eigentlich ganz nett.
In den Bergen auf spanischer Seite gibt es einige sehr hübsche Plätze, aber wir sind ja mittlerweile geschädigt 😉
Alles Andere in der Nähe sind schlicht nur hässliche Plätze.

Hondarribia

Den spanischen Grenzort Ort Hondarribia wollten wir uns schon letztes Jahr anschauen, aber da war das Wetter so schlecht…
Das Umfeld ist wie so oft in Spanien unschön, aber Hondarribia hat eine nette klitzekleine Altstadt in dem typisch baskischen Stil, absolut sehenswert!

Saint-Jean-de-Luz

Gegenüber von Hondarribia liegt auf der französischen Seite Saint-Jean-de-Luz mit seiner Altstadt ebenso im baskischen Stil. Recht unfranzösisch, ganz und gar nicht morbide, sondern sehr gepflegt.

Ende der Querung, der Atlantik

Nur ein Stück nördlich von Saint-Jean-de-Luz hat man eine schroffe Felsküste, an der sich die Brandung des Atlantiks bricht.
Nach rund 750 Kilometern hatten wir nun Frankreich entland der Pyrenäen gequert.

Saint-Jean-de-Luz-Atlantik

Hier begann dann nach ein paar Tagen Aufenthalt am Atlantik ein neuer Abschnitt, nordwestlich durch das Inland Richtung Deutschland.

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