Dieser Reisebericht beinhaltet den Nordwesten und Norden Siziliens mit dem Cofano- und Zingano Nationalpark die zwar geschlossen sind, aber dennoch ein wenig erkundet werden konnten.
Weiter entlang der Nordküste mit Besichtigung der trubeligen Stadt Palermo.
Vorheriger Reisebericht: Sizilien 2025 im Wohnmobil Teil II
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18.12.2025-Cornino-28km
Zunächst sind wir weiter die Salinenstraße am Meer entlang gefahren und kamen dann den Flamingos wenigstens halbwegs näher.
Eigentlich hätte ich gerne den kleinen, wenn auch sehr touristischen Bergort Erice besucht. Der Plan war, am Fuße der Seilbahn zu parken um dann mit jener hoch zu fahren.
Doch a) wäre sie bei dem Starkwind eh nicht gefahren und b) am eigentlich kostenlosen Parkplatz an der Talstation scheinen Typen nach Mafia-Manier die Touris um Schutzgeld für nix erpressen zu wollen. Müssen wir nicht haben, so intensiv wollen wir Italien doch nicht kennen lernen.
Was die beste Ehefrau von allen nun auch nicht unbedingt haben muss: Mit unserem Bimo rund 700 Höhenmeter über eine schmale, enge Serpentinenstraße hochzukriechen – links Fels, rechts Abgrund, dazwischen wir. Bei solchen Diskussionen zieht man als Ehemann erfahrungsgemäß immer den Kürzeren. Und selbst wenn wir oben angekommen wären, hätte sich noch die Frage gestellt, ob es in dem gut besuchten Ort überhaupt einen halbwegs ebenen Parkplatz gegeben hätte.
Kurzum: Es fiel mir erstaunlich leicht, diesen großartigen Plan schnell wieder zu verwerfen.



Schon ein paar Tage zuvor hatte ich mir nämlich einen netten Nachtplatz direkt am Meer mit traumhafter Aussicht im fast ausgestorbenen Ferienort Cornino ausgeguckt.
Besonderes Glück: Dieser Platz taucht seltsamerweise nicht bei P4N auf – was bedeutet, dass sich hierhin kein Wohnmobil verirrt.
Ab hier beginnt eine völlig neue Landschaft mit spannend zerklüfteten und fast wild erscheinenden Bergen. In Abendsonne legten die Berge noch einmal eine mächtige Schippe Dramatik drauf.
Mitten im nahen und eher kleinen Naturreservat Riserva naturale orientata Monte Cofano thront der rund 650m hohe Monte Cofano.





Monte Cofano
Mit unseren Wanderungen hatten wir wieder einmal Pech.
Im Juli hatte es in der Naturschutzgebieten gebrannt und viele Wege sind schwer beschädigt oder durch Bergrutsche gleich unpassierbar geworden.
Das Naturschutzgebiet um den Monte Cofano ist vollständig gesperrt.
Da ich bekanntlich eine gewisse Verbotsresistenz pflege, habe ich mich trotzdem zu einer kleinen Wanderung im Cofano-Naturschutzgebiet aufgemacht. Zwischen bizarren Felsen und an den Stämmen verbrannten Palmen kam ich mir vor wie in einer anderen Welt.
Auf der ersten Bergkuppe gönnte ich mir dann einen Blick mit traumhafter Aussicht auf die andere Seite.
Der Haken: Von dort aus wären es noch rund 8 km zurück zum Bimo gewesen. Da ich aber nicht sicher war, ob der Küstenweg wirklich durchgängig begehbar ist, habe ich schweren Herzens umgedreht.
300 Höhenmeter absteigen, um nach vielleicht 6 km festzustellen, dass Schluss ist und man alles wieder hoch und zurück darf – das ist dann kein echter Knaller.




20.12.2025-San Vito Lo Capo-25km
Der Ferienonort San Vito Lo Capo ist ein wenig anders als die Orte, die wir bisher so kennen gelernt haben.
Er wirkt Aufgeräumt, die Hauptstraße mit den Geschäften und Restaurants, fast hätte ich schon gesagt „Mainstreet“, da das Zentrum mit den extrem breiten Straßen fast amerikanisch wirkt und ebenso die Promenade laden zum flanieren ein. So ganz ohne Schlaglöcher, Stolperfallen oder spontane Ruinen.
Man merkt, dass sich die Einwohner redlich Mühe geben, ihren Ort hübsch zu halten. Blumenkübel, gepflegte Fassaden, alles geschniegelt und gestriegelt.
Obwohl heute ein klassischer Grau-und Schmuddelnasstag war, haben wir uns einen kleinen Stadtbummel natürlich nicht nehmen lassen. Allerdings sind es natürlich weniger Bilder geworden.
Noch eine Besonderheit hat San Vito Lo Capo:
Hier leben Katzen, soweit normal. Aber: Nicht ein paar, nicht dutzendweise – eher in einer Größenordnung, bei der man sich fragt, ob die Menschen hier zumindest zur Zeit nur als Dienstleister als Dosenöffner und Streicheleinheiten geduldet sind.




Monte Monaco
Da bis heute Nachmittag der wohl letzte schöne Tag ist, hatte ich beschlossen den im oder besser am Zingaro Nationalpark einzig im Moment legalen Wanderweg zu laufen: Hoch zum schroff, felsigen Monte Monaco.
In den einschlägigen Apps wird der Weg als „leicht“ beschrieben. Nun ja – leicht liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters. Oder genauer gesagt: in den Waden, Knien und in der Lunge. Der Weg ist geröllig, stufig und vor allem eines: Steil und teils sehr steil.
Aber egal, belohnt wird man mit einer traumhaften Aussicht auf die umliegenden Berge, dem Meer und dem Ort. Wer nicht ganz dem Coachpotato Sport zugetan ist und in der Nähe ist, sollte die Wanderung unbedingt unternehmen, sie lohnt sich auf jeden Fall, wirklich!






Cala Calazza
Das Wetter hatte heute richtig gute Laune und lud uns ein, die Umgebung zu erkunden. Die Landschaft und die schroffe Küste sind schon eine Hausnummer!
Vermutlich haben wir hier auch den schönsten Nachtplatz auf Sizilien entdeckt.
Und da der Wettergott Gerüchten nach demnächst in einen längeren Stimmungseinbruch rutschen will, haben wir diesen Platz auch noch einmal ausgiebig genossen.






23.12.2025-Sferracavallo-90km
Wie heißt es so schön: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
Da die wunderschönen Naturschutzgebiete um Zingaro gesperrt sind, sich die Sonne recht rar gemacht hat und die Feiertage wohl auf Familienbesuch ist, haben wir uns auf den Weg nach Sferravacallo auf einen Stellplatz gemacht.
Unsere Batterie lechzt auch nach Strom, den sie ja wegen der abhanden gekommenden Sonne nicht bekommen hat. Selbst wenn sie wiederkommen würde, im Winter hat sie auch keine Lust, irgendwelche Akkus zu füllen, das ist einfach zu anstrengend. Erst recht, wenn die Batterie die Tage schon auf Diät war und richtig hungrig ist. Dauernd herum fahren ist ja auch keine Option.
Der nett angelegte Stellplatz in Sferracvallo liegt für uns auch einfach optimal, da Palermo mit dem ÖPV recht einfach zu erreichen ist.
Das erspart uns auch das dortige Verkehrsgetümmel und den häßlichen Stellplatz in der Stadt.
Der in der Saison touristische Fischerort Sferracavallo selbst ist dennoch recht ursprünglich und selbst jetzt im Winter dezent lebendig. Sehenswert ist vor allem das Capo Gallo mit seinen fast kunstvollen Trulli-Nachbauten, der kleinen Kapelle und dem Blick auf das zerklüftete Bergmssiv.






Palermo
Den Samstag nach Weihnachten hatten wir vom Stellplatz aus mit dem Bus Palermo aufgesucht, denn wenn vielleicht alles geschlossen hat macht das ja keinen Sinn. Die Busfahrt allein durch die Vororte war ein Erlebnis.
Dann Palermo selbst mit vor allem dem Ballarò– und Capo-Markt mit dem bunten lauten Leben und Treiben sowie all den Leckereien mit den betäubenden Gerüchen.
Wobei, eigentlich ist die ganze Innenstadt ein einziger bunter Markt wo wir uns wieder mit einigen Gewürzen eindecken konnten, die sonst nirgends zu bekommen sind.



Hier jetzt neben den Märkten, den botanischen Garten, Kathedrale, Normannenpalast, Teatro Massimo noch all die anderen Sehenswürdigkeiten Palermos aufzuführen, würde glatt den Rahmen sprengen.
Alleine für den Besuch jener müsste man eigentlich schon mindestens eine Woche in Palermo verbringen und auch die Brieftasche gut füllen.
Gotteshäuser sollten ja eigentlich für jeden zugänglich sein, nun ja, auch der Klerus hat die Marktwirtschaft entdeckt. Überhaupt, so gut wie keine Sehenswürdigkeit ist von innen kostenlos zu bewundern. So 150€/Person los zu werden wenn man die gängigsten Spots bewundern möchte, ist also keine Herausforderung.






In Kurzform: Palermo ist wie ein Freilichtmuseum mit morbidem Flair und riesiger Basar mit kaputtem Lautstärkeregler, also eine Art Geräusch- und Geruchsperformance.
Neben einigen wunderschön restaurieren historischen Gebäuden ist die Stadt vor allem morbid. Allerdings, ich kreiere jetzt mal das Wortspiel morbid lebendig. Klingt vielleicht wie ein Widerspruch, aber anders kann ich es nicht ausdrücken.
Viele Häuser stehen zwar kurz vor dem Zusammenbruch, aber die Einwohner kämpfen mit Blumen und kunstvollen Graffits sowie einem quirligen Leben dagegen an.
Palermo ist lebendiger Schmelztigel unterschiedlichster Menschen, nicht unbedingt schön zu nennen, aber interessant und mit einem Flair, dass einen in den Bann zieht.



Monte Santa Margherita
Mich lockte mal wieder der Ruf des nahen Berges.
Die Wanderapps wie Komoot und Alltrails, Karten-Apps wie PocketEarth sowie GoogleMaps übertrafen sich mal wieder mit Widersprüchen.
Kommt man nun zum 475m hohen schroffen Monte Santa Margherita hoch oder nicht?
Betrachtet man die Landschaft rein optisch, sagt der Verstand, ne, geht nicht, die steilen Felswände kommt man nicht hoch, jedenfalls nicht als Wanderer.
Aber, Versuch macht bekanntlich kluch und ich wäre nicht ich, würde ich nicht die Lücke zu entdecken versuchen.
Die Wahrheit liegt wieder in der Mitte. Man könnte wenn man unbedingt wollte, fällt aber unter „muss nicht sein“. Ein Weg durch das steile Felsgelände ist bestenfalls, wenn überhaupt, zu erahnen und eigentlich muss man sich den selber suchen.






Was aber wirklich schön ist, das ist der gut zu laufende Wanderweg zu einem auf 200 m Höhe liegenden Aussichtspunkt im Fels.
Sehr spannend, weil es von dort eben diese 200 m senkrecht abwärts geht. Überhaupt wirkt die Landschaft mit den senkrechten Wänden sehr imposant.
Da dürfen natürlich die Geier und Mufflons nicht fehlen die zudem recht unscheu sind. Fast hätte ich sie sogar übersenehen 🙂
Auch hier verstehe einer die Italiener. Auch dieser Park ist aus unerfindlichen Gründen gesperrt, aber interessiert das jemanden? Heute am Feiertag war dort vielleicht was los. Mit Kind und Kegel wurde Landschaft genossen. Im Norden ist das Reservat dagegen gegen Eintritt offen. Wie meinte da Obelix…?
29.12.2025-Calatabiano-270km
Oh Schreck! Das wichtigste Reisewerkzeug fiel plötzlich in Agonie: Mein iPad!
Totalausfall drohte, Banking, Kommunikation, Navigation, Reiseplanung – alles hängt an diesem flachen Stück Magie. Ein Leben ohne iPad ist zwar theoretisch möglich, aber praktisch ungefähr so komfortabel wie Reisen und ein Leben vor 50 Jahren. Also war klar: Bevor das gute alte Stück endgültig ins digitale Jenseits entschwebt, muss Ersatz her.
Der nächstgelegene Apple Store? In Catania….


Entlang der weiteren Route hatten wir keine netten Nachtplätze gefunden, oder anders gesagt – unser Bimo ist für manche Orte ungefähr so geeignet wie ein Elefant in einen Porzellanladen. Also sind wir völlig entspannt über die Autobahn direkt bis Catania durchgerollt.
Nach mehreren Stunden im an einem Sonntag brechend vollen Apple Store – es dauert halt, bis ein neues iPad versteht, dass es jetzt das alte sein soll – landeten wir auf dem erstaunlich nicht einmal hässlichen Ikea-Parkplatz. Dort genossen wir nach Jahren mal wieder echte „Walmart-Atmosphäre“.
Praktisch obendrein, am nächsten Tag konnten wir gleich noch ein paar Dinge besorgen.
Am nächsten Tag sind wir dann die Küste entlang zu einem wunderschönen Platz in der Nähe von Calatabiano gefahren. Hier haben wir dann die Tage bis zum nächsten Jahr ausgeharrt, oder besser, genossen.






01.01.2026-Barcellona Pozzo di Grotto-80km
Zwei Tage grau und Regen waren jetzt echt genug und wir sind über die SS185 mit dem Portella Pertusa Pass auf die andere Seite der Insel in die Sonne gefahren.
Mit all den engen Kurven und Serpentinen durch die Berglandschaft war dies schon eine spannende Fahrt.
Durch die überall herum stehenden Kühe und Ziegen, dem dichten Nebel und den Lost Places wirkten die Szenen teils schon unheimlich.
Wie ich schon vermutet hatte, wurde es in dem kleinen wunderschönen Bergort Novara di Sicilia besonders Spannend. Die Hauptstraße ist eigentlich nichts anderes als eine enge, ca. 3,5 m breite gepflasterte Gasse. Dort kommen nicht mal 2 PKW aneinander vorbei.
Logisch, dass es hier zu einem kleinen Tetris-Spiel kam. Aber wie immer in Italien, alles lief cool und relaxt ab.
Jetzt genießen wir erst mal die Neujahrssonne.






Hier endet nun auch unsere Sizilien-Rundreise. Da diese Region hier nicht unsere Welt ist, hatten wir am nächsten Tag die Fähre zurück zum Festland genommen.
Nächster Reisebericht: Italien 2026 – Kalabrien-Apulien (in Vorbereitung)

