Von Deutschland auf dem Weg nach Frankreich

Einleitende Gedanken

Das ist schon stressig, wenn man so viel Zeit hat und nicht weiß wohin 😉
Wochen grübelten wir, wohin wir denn dem Winter entfleuchen können.
Die erste Idee war Sizilien, dort waren wir noch nicht und es klang zunächst verlockend.
Wir sind jedoch im letzten Jahr rund 20.000 km gefahren, alleine die Baltikum-Tour waren 9.000 km in nur 2 Monaten. Bei unserer Art zu Reisen, wären es nur bis Sizilien um die 5.000 km geworden.
Nö, ich hatte im Moment einfach keine Lust mehr auf eine solch lange Strecke. Aber wohin dann?
Frankreich! Frankreich hat für Wohnmobilfahrer eine grandiose Infrastruktur! Angefangen von den Stellplätzen, Einkaufsmöglichkeiten und dann die grandiosen und abwechslungsreichen Landschaften, urigen Ortschaften sowie die Kultur.
Aber welche Route?
Ich hatte ja Italien mit Tirol und Piemont im Visier, um dann nach Frankreich rüber zu fahren. Genau hier hätten wir vLadi auch den richtigen Auslauf bieten können. Die Gegenden kennen wir von unseren Motorad-Touren. Geile Pässe über Pisten, verfallene Wege zu den alten Forts die nur mit kleinen 4×4 oder Enduros zu erreichen sind.

Aber…
Wir hätten ein Stück durch Österreich gemusst, rund 200 km Langweiligkeit, eine Strecke, die wir wirklich schon min. 20 Mal gefahren sind. Ich hätte mit Bimo über das Stilfser Joch fahren müssen, heute eine völlig langweilige Asphaltpiste, die durch eine für mich noch langweiligere Hochgebirgslandschaft führt, welches mit Bimo nu gar keinen Spaß gemacht hätte und dann noch nicht wenig Geld kostet.

Stilfser Joch

Ich wäre auch gerne ein Stück weiter östlich gefahren, westlich am Gardasee vorbei. Passo de Maniva, Grocedomini, mit Bimo ein richtig spannendes Abenteuer in traumhaft wilden Bergwelten!
Kleine enge Straßen und teils unbefestigt.

Groce Domini

Allerdings gibt es da ein Problem: Ulrike!
Sie mag keine hohen Berge an sich und schon gar nicht, wenn sie selber über diese Winzpisten an Abgründen entlang fahren muss.
Ok, dann nicht…
…selbst wenn…
Nach diesen rund 200 km Luftlinie geilstem Tirol hätten hunderte Kilometer nervende Langweiligkeit und Verkehr gefolgt. Kennen wir ja auch alles schon.
Wie ein Fels liegt in einer langweilig verbauten Landschaft Mailand im Weg, das es zu umschiffen gilt, um dann erst wieder in die tollen Berglandschaften zu gelangen.
Ich will aber Berge und kleine Straßen!
Also planten wir unsere Route durch das französische Jura bis hinunter in die nicht so hohen Seealpen.

Lods im französischen Jura

Auch diese Gegenden sind uns durch Motorrad-Touren und einen Urlaub mit Bimo geläufig. Nur, dieses Mal wollen wir uns mehr Zeit lassen.
Schroffe Berge, wilde Landschaften, urige Dörfer, sich schlängelnde Flüsse…
…die abwechslungsreiche nicht so hohe Bergwelt der Seealpen mit den Schluchten die wir mit vLadi dann erkunden wollen.
Etliche Strecken, von denen dann später in den Reiseberichten die Rede ist, sind für hohe Wohnmobile wie unser Bimo nicht der Hit, bzw. einfach nicht befahrbar.
Na jedenfalls freut sich vLadi schon riesig 🙂

Das Aussitzen der Sommerferien

Wochenenden und Ferien sind für uns einfach nur nervig. Klar, gönnen wir jedem seinen Urlaub, wir waren ja auch mal Urlauber 😉
Uns schränkt es aber ein, weil alle unterwegs sind und alles voll ist. Bestimmte Destinationen braucht man erst gar nicht anfahren und schon gar nicht unser Ziel Frankreich anzusteuern.
Also daddelten wir erst mal im Emsland herum und suchten uns schöne Plätze aus, wo aber keiner hin will, weil es keinen Strom oder sonst was gibt…

Der Juli

vLadi musste zur Inspektion, heißes Wetter, Rekordtemperaturen in Deutschland…
Das hält man nur an einem See aus, so verbrachten wir Tage am Erikasee in Esterwegen. Sogar ich wagte ein mehrmaliges Bad am Tag 😉

Stellplatz Esterwegen

Wir entdeckten sogar für uns Neues, wie die Molberger Dose.

Wir standen Tage in Cloppenburg am Freilichtmuseum bis wir uns langsam Richtung Süden aufmachten. Das Freilichtmuseum ist übrigens ein Tipp, das man unbedingt besuchen sollte! Das ist schon toll hergerichtet, hier hatte ich vor Jahren so einige tolle Shootings durchgeführt 🙂

Südlich von Osnabrück machten wieder einige Tage halt in Hagen und entdeckten einen Canyon. Also der heißt so, ist aber eigentlich nur ein Steinbruch.

In Werne trafen wir uns mit Jochen, ein treuer Leser unseres Blogs, huhu Jochen!
Finde ich toll, wenn man sich denn auch mal Aug in Aug gegenüber steht und sich austauschen kann.

Der August

Ich Dämel hatte meine gute Sony an der Lehne im vLadi eingeklemmt und das Display ruiniert. Also einschicken und dann später in Reutlingen bei Stuttgart abholen…
Junge, so ein Display kostet ein kleines Vermögen, aber ohne meine Sony kann ich nicht. Eine Neue ist auch nicht drin, der Body kostet mittlerweile um 3.000 Euro!
Wir eierten durch das Sauerland, was wir eher als langweilig empfinden. Alles so aufgeräumt, zersiedelt und die Bebauung ist mit dem praktischen Putz schon recht hässlich. Die Fahrten mit vLadi waren zwar nett, aber eher so wie Opa und Oma auf Sonntagsspazierfahrt.
Einen Stopp legten wie in Windeck ein, das dürfte schon der Westerwald sein. Die Häuser und die Landschaft sind wieder ursprünglicher und die Gegend ist mit kleinsten Straßen durchzogen. Das Fahren war mit Bimo schon spannend, dabei hat mein Ossi doch gar keinen Motorrad-Modus 😉
Aber mit vLadi die Gegend zu erkunden war entspannend spannend schön.
Windeck hat auch einen Wohnmobil-Stellplatz, traumhaft schön gelegen.
Aber da es dort nichts gibt, noch nicht einmal Mülleimer und eher für kleinere Wohnmobile geeignet ist, ist der Platz meist leer.

Limburg an der Lahn

An Limburg an der Lahn sind wir in unserem Leben bestimmt schon an die 30 Mal vorbei gefahren. Aber warum nicht hinein?
Vielleicht weil der Verkehr und die Straßenführungen mehr als chaotisch sind? Weil sich die Limburger Stadtväter alle Mühe geben, den Verkehr zu behindern? Hat ja seinen Grund, dass Limburg a. L. mit die dreckigste Stadt Deutschlands ist, also lufttechnisch gesehen.
Nachdem ich in PocketEarth so einige Wikipedia-Einträge gelesen hatte, wollten wir doch einmal hin und sind mit vLadi los.
Über 800 Jahre alte Fachwerkhäuser, der Dom und die alte, auch ca. 800 Jahre alte Brücke sind mehr als sehenswert! Wer in der Gegend ist, sollte sich Limburg wirklich mal anschauen. Man sollte nur nicht die Idee haben, dort mit einem Wohnmobil herein fahren zu wollen, das wird nichts. Parkplätze sind mehr als rar und befinden sich meist in Parkhäusern und sehr eng ist es auch.

Unseren Standort hatten wir am Herthasee (GoogleMaps), knapp 15 km westlich von Limburg entfernt. Der See hat ein glasklares Wasser und bei diesem Wetter freut man sich über jede Abkühlung. Ulrike hat sich solch ein StandUp-Dingens zugelegt, was sie natürlich ausprobieren möchte.
Ein leidlich netter Stellplatz für 6,- Euro mit VE ist auch vorhanden.

Am Rhein

Es war Wochenende mit herrlichem Sommerwetter und es war kaum zu glauben, dass wir südlich von Mainz einen einsamen Platz unmittelbar am Ufer des Rheins gefunden hatten. Am Samstag saßen wir in der Tropennacht bis in den frühen Morgen mit offener Klappe. Einfach nur herrlich!
Weiter entfernt stand nur ein ebenso einsames Wohnmobil aus der Gegend und am Sonntag erschienen kurz ein Leser unseres Blogs 🙂

Am Sonntag waren wir ins nahe Alzey gefahren und wollten die Altstadt bewundern, Sonntagsausflug sozusagen…

Allerdings endete hier eine Oldtimer-Rallye und so bekamen wir von der Altstadt nicht viel mit, es war einfach die Hölle los.
Ok, dann nicht so viel Altstadt, aber so richtig geile Oldtimer!

Schwabenländle

Um vom Rhein aus hierhin zu kommen, das war schon ätzend. Irgendwie war das dicht be- und zersiedelte Stuttgart im Weg.
Um die rund 250 km zu schaffen, legten wir nach 100 km erst einmal einen Stopp in Heilbronn ein und da uns der kostenlose Stellplatz an der ehemaligen Landesgartenschau (GoogleMaps) so gut gefiel, blieben wir da auch erst mal ein paar Tage.

Heilbronn liegt in Baden-Würtemberg und gerade in diesem Bundesland ist der Anteil zugewanderter Menschen gefühlt deutlich groß. Der Wertwiesenpark war voll mit Menschen unterschiedlicher Kulturen.
Das war fast wie ein Urlaub in einem fernen Land, nur die Landschaft passte nicht.

Multikulti

Da uns das in den letzten Jahren in diesem Bundesland extrem aufgefallen ist, habe ich dazu auch mal etwas geschrieben: Das Abendland im Wandel ->
Von hier sind wir dann weiter südlich von Stuttgart nach Reutlingen, weil sich hier der Reparaturdienst für meine Kamera befindet. Hab ich mich gefreut, wieder meine Sony in den Händen zu halten!
Ab hier beginnt auch die Schwäbische Alb, eine wunderschöne Gegend, mit dem Wald, die Täler, Blautöpfe und teils schroffen Felsen. Vor allem ist die Gegend nicht mehr so zersiedelt.
Da wir nicht wieder alles abgefahren sind, hier findet ihr weitere Reiseberichte:
Kleine Süddeutschland Tour->
Südwest Deutschland ->
Immer wieder findet man dann auch Unentdecktes wie den Sagenweg in Pfullingen bei Reutlingen.

Ebenso ganz in der Nähe von Pfullingen befindet sich der Schönbergturm, im Volkmund auch Pfullinger Onderhos genannt.

Vier Tage verbrachten wir in Trochtelfingen mit der klitzekleinen wirklich hübschen Altstadt, das nur 20 km weiter südlich liegt. Trochtelfingen ist sogar eine Stadt, obwohl es nur ein Nest ist.

Im letzten Jahr er-fuhren wir die Gegend noch mit unseren Motorrädern, jetzt erliefen wir sie mehr. Wie z.B. den 9 km langen Traufgang, der auf und ab durch den Wald über die Alb führt und teils tolle Ausblicke bietet.
Oder unternahmen Spazierfahrten auf kleinsten Straßen und Wegen.
Die Landschaft ist einfach wunderschön, habe ich ja schon in den o.g. Reiseberichten geschildert. Urbacher Wasserfall, all die Blautöpfe und und…
Hier lohnt es sich wirklich, ein paar Wochen zu verweilen.

Schwarzwald

Die letzte deutsche Region vor Frankreich….
Ein Stützpunkt war Emmendingen, ca. 15 km nördlich von Freiburg. Die Hinfahrt war recht lustig. Das Navi stand auf schnellste Route, aber ich ahnte es schon, da war ein kleines Teilstück, das recht eng aus sah. War eigentlich ganz so schlimm, aber es erst ging es rund 6 km mit 19% bergab, dann die gleiche Strecke mit 18% bergauf und dann wieder 18% bergab. Also Allrad mit Untersetzung rein und mit 10km/h runter, denn da ist bei den 5 Tonnen nichts mit Motorbremse und ich hatte keine Lust, mir meine Bremsen zu ruinieren. Ich glaub, die hinter mir sind wahnsinnig geworden, rund 40 min hab ich für die paar Kilometer gebraucht. Es gab auch keine Ausweichmöglichkeit, um die Nachfolgenden vorbei zu lassen, tja, Pech gehabt 🙂

Emmendingen-Grafitti

Von Emmendingen aus kann man gut den mittleren und südlichen Teil des Schwarzwaldes erkunden. Emmendingen hat auch ein sehr schönen kostenlosen Stellplatz mit VE, also eigentlich. Man muss sich bei der Stadt wirklich bedanken, dass sie diesen Platz zur Verfügung stellt (GoogleMaps). Hier standen wir vor Jahren zur gleichen Zeit noch völlig alleine.
Aber die Wohnmobil-Fahrer werden wahrscheinlich selber dafür sorgen, dass dieser Platz bald nicht mehr so angeboten werden wird wie jetzt.
Erst mal ist er proppenvoll, einige, auch mit Wohnanhänger haben den Stellplatz scheinbar als Wohnsitz auserkoren. Aufgestellte Markisen, Anhänger, PKW…
Dauerhaft abgestellte Wohnwagen, teils abgemeldet und Wohnmobile sowie die Leute in ihren Bussen ohne Toilette die dann ins Gebüsch gehen. Ne, schön ist anders…
Zumindest war es teils lustig, wenn sich die Proll-Wohnmobilisten wegen Abstand oder Anhänger lautstark in die Puschen bekamen und sich fast gekloppt hatten 🙂
Wir blieben trotzdem ein paar Tage, da wir einen Ausflug in den mittleren Teil des Schwarzwaldes machen und vor allem in Freiburg waschen wollten, gute Waschsalons sind in Deutschland rar und meist nur in Studentenstädten zu finden.

Freiburg-Waschsalon

Ein Abend sind wir Griecheln gegangen und hatten anschließend einen kleinen Stadtbummel gemacht. Ich hatte ganz vergessen, wie nett Emmerdingen eigentlich ist und hatte meine Kamera nicht mitgenommen. Echt blöd…
Hier einige Bilder mit dem alten iPhone, leider reichte es hiermit in der Dunkelheit nicht für die Fachwerkhäuser…

Am nächsten Tag unternahmen wir mit vLadi dann eine Spazierfahrt über kleine Straßen durch den mittleren Teil des Schwarzwaldes.

Unbeabsichtigt fuhren wir an Orte vorbei, wo wir schon vor Jahren mit dem Moped lang gefahren sind. Oh, hier waren wir auch schon?
Egal, auch mit vLadi hatte es richtig Spaß gemacht. Mit Bimo hätten wir hier teils entweder nicht fahren dürfen oder es wäre zu spannend gewesen.
Der Weg führte durch das Tal der Glutach (gesperrt >2,5 T)…

…vobei an der Hexenmühle, mit Restaurant und Moped-Treff.

Wir stiegen den 1.000 m hohen Kandel auf, von dem man eine herrliche Aussicht auf den Rhein bis zu den Vogesen genießen kann. Am Wochenende starten von hier die Gleitschirmflieger.
Mit Wohnmobil kann man hier nur von Osten her hoch und muss wieder zurück. Die Straße Richtung Westen runter ist für Fahrzeuge über 2,35m gesperrt und das mit gutem Grund!

In Waldkirch legten wir auch noch einen Stopp mit einem Bummel ein.

Im Schwarzwald könnte man sich Wochen aufhalten.
Triberg mit den Wasserfällen, all die Orte mit ihrem Fachwerk, Schluchten…
Der Schwarzwald ist durchzogen mit kleinsten Straßen, die entlang von romantisch wilden Flüssen und Bächen führen, oder in Serpentinen über teils recht hohe Berge. Auf der Westseite mit grandiosen Aussichten auf den Rhein und die Vogesen.
Für Wohnmobile sind die Strecken meist untauglich und auch gesperrt, ein Moped oder Roller sollte man dabei haben. Kastenwagenfahrer, oder Vans, wie man heute ja so schön sagt, haben es hier besser, die können hier auch entlang.

Keine Ahnung, wie oft wir schon im Schwarzwald waren, über 10 Mal bestimmt. Mit Auto, Wohnmobil, Motorrad oder Beidem, ich glaube, wir kennen den Schwarzwald mittlerweile recht gut.
So beschlossen wir, Deutschland zu verlassen und nach Frankreich in die südlichen Vogesen über zu siedeln.

Nächster Reisebericht: Frankreich-Vogesen->

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