Reisebericht Estland-Lettland-Litauen

Mit unserem Lada Urban 4×4 und Dachzelt durch Estland, Lettland und Litauen…

Der fünfte Reisebericht über unsere Baltikum- und Finnland-Tour, vorheriger Reisebericht: Finnland->

Die ersten Reiseberichte der baltischen Länder entlang der Ostsee: Litauen-> Lettland-Estland->

Von Finnland kommend landeten wir wieder in Tallin. Von hier aus führte dann unser Weg entlang der Ostsee und dann der russischen Grenze in die östlichen Teile der Länder.

25.06.2019 – Estland/Ostsee  – 130 km

Nachmittags sind wir mit der Fähre von Helsinki in Tallinn angekommen. Nur raus aus dieser chaotischen Stadt! Wir sind dann zügig Richtung Osten gefahren und hatten nach ca. 30 km am Jägala-Wasserfall einen Stopp eingelegt. Dies ist nun wirklich mal ein Wasserfall, klein, aber in dem Kalkstein wirklich fein, ein wunderschönes Kleinod.

Nach weiteren 30 km befindet sich an der Ostsee ein RMK Zeltplatz, mit Feuerstellen, Toiletten und Pavillon. Schlicht ein Traum! Wären wir mit dem Bimo hier gewesen, wären wir glatt zwei Tage geblieben. So mussten wir wegen Wassermangel leider weiter ziehen. Noch mal zur Erklärung: RMK-Zeltplätze werden von der Forstverwaltung eingerichtet, meist ausgestattet mit Feuerholz, Feuerstellen, Toiletten, Pavillons und manchmal auch Wasser. Sie sind in erster Linie für Wanderer, Radfahrer und überhaupt für Leute mit Zelt gedacht. Einige Große sind auch mit einem Wohnmobil zu erreichen und leider in den einschlägigen Apps wie P4N aufgeführt. Das wird eine Frage der Zeit sein, wann diese Plätze gesperrt werden. Viele schöne Plätze sind Gott sei Dank nur über Pisten und enge humpelige Pfade zu erreichen wo sich kaum ein Tourist hin verirrt. Wer mit einem Kasten oder Bus unterwegs ist, für den sind diese Plätze ein Tipp. Und wer sich die Plätze mühsam suchen muss, nimmt das auch keine Überhand. Und nehmt den Campern mit Zelt nicht die Plätze weg!

26.06.2019 – Nördlichster Punkt Estlands – 40 km

Heute war U. mein Navigationsgerät, sie war ja fast schlimmer als Tommy. Sie führte mich durch ein Naturschutzgebiet mit Wald und Moor über einen Waldweg, da ging vLadi das Herz auf. Nicht dass man einen 4×4 gebraucht hätte, aber Bodenfreiheit und ein großer Böschungswinkel waren gefragt.

Waldweg

Nächster Stopp war die Halbinsel Juminda an deren Kap sich ein 2. Weltkrieg Monument befindet. Hier hatten 1941 die Deutschen auf ihren Weg nach Stalingrad mit ihren „Heldentaten“ zig zivile Schiffe mit estnischen Flüchtlingen versenkt. 15.000 Menschen, auch Frauen und Kinder verloren ihr Leben.
Wie so oft bei solch deutschen „Heldentaten“, findet man darüber weder im Reiseführer, noch in der deutschen Wikipedia darüber eine Zeile.

Seemine

Nur wenige Kilometer weiter befindet sich nördlich von Loksa auf einer Halbinsel der nördlichste Punkt Estlands (Purrekari Neem).
Ein traumhaft schöner Ort. Hier befindet sich auch ein RMK Zeltplatz mit Feuerstellen und Toilette. Standen wir hier zunächst völlig alleine und saßen beim Lagerfeuer, hat aber wohl irgend so ein Depp den Platz in P4N eingetragen. Abends schlug dann folglich die Weißware auf und es wurde voll. Egal, es war traumhaft, Abends beim Lagerfeuer zu sitzen und zu Grillen!

27.06.2019 – Vösu – 20 km

Wir fuhren weiter durch den Lahema-Nationalpark, machten Spaziergänge, mal durch den Wald, mal die Ostsee entlang.
Bei Vösu fanden wir wieder einen genialen RMK-Zeltplatz, wieder mit Allem ausgestattet, Gott sei Dank noch in keiner App zu finden.

28.06.2019 – Kothla – 80 km

Wir fuhren weiter an der Ostsee entlang, durch den Wald des Nationalparks und idyllische alte Fischerdörfer. Auch entdeckten wir wieder einen dieser tollen RMk-Zeltplätze.
Kurios, an einer Stelle tummelten sich hunderte Schwäne in der Ostsee. Mit dem Ende des Nationalparks änderte sich auch die Landschaft. Sie wurde offener und nicht mehr so bewaldet. Auch die Ostsee änderte sich, sie ähnelte wieder mehr einem Meer.

Bei Kothla, ca. 70 km vor der russischen Grenze fanden wir einen wunderschönen Platz direkt am Strand. Wie sich heraus stellte, ist der Parkplatz sogar in P4N verzeichnet. Allerdings ist das Gelände vom Parkplatz weg nur mit kleineren hochbeinigen Fahrzeugen, teils nur mit 4×4 befahrbar. So standen wir völlig alleine in der Natur.
Dies war auch für Monate das letzte Mal Meer und bekamen als Abschiedsgeschenk einen Sonnenuntergang wie er malerischer nicht sein kann.

29.06.2019 – Peipussee – 110 km

Ca. 20 km östlich fängt die Steilküste an. Mit 56 m Höhe und 1.200 km Länge angeblich die längste zusammenhängende Abruchkante der Welt. Na ja…
Nur an wenigen Stellen kommt man zur Kante und kann auf rund 15 m die unterschiedlichen Gesteinsarten erkennen. Ansonsten ist alles dicht bewaldet und man sieht nichts. Am Besten sieht die Kante wohl vom Boot aus. Der sog. Wasserfall erinnerte eher an unseren Duschsack, oder erkennt ihn jemand auf dem Foto 🙂

Ostsee-Steilküste

Südöstlich hinter Jöhvi befindet sich das russisch orthodoxe Nonnenkloster Püthitsa. Man fühlt förmlich einen Hauch Russland.

U. führte mich wieder über Pisten, Junge Junge. Mitten im Wald plötzlich ein großer Friedhof. Keine Zäune, alles wegelos offen und teils ungeregelt im Wald integriert angelegt.

Waldfriedhof

Die Gegend wurde langsam einsam und am Grenzfluss Narva erhaschten wir einen Blick auf Russland.

Narva-Blick auf Russland

Hier gibt es gar nichts mehr, nur ein paar kleine Dörfer, eher Häuseransammlungen. Man spürt den russischen Einfluss, alles wirkt wie aus Sowjetzeiten und die Beschilderungen sind zweisprachig. Am Peipussee fanden wir wieder RMK Übernachtungsplätze, auch wieder mit Feuerstellen und Toiletten.
Die Toiletten sahen aus, gruselig, überall lag Toilettenpapier und Abfall im Wald, sogar an den Feuerstellen. Sie kamen sogar aus dem Dorf, um ihren Müll auf dem Zeltplatz los zu werden. So etwas hatten wir die ganze Zeit noch nicht erlebt. Überall war bisher alles pikobello sauber. Ich will nicht unken, ich vermute, es sind nicht die Esten, eher die Russen, die hier überwiegend leben.

Peipussee

30.06.2019 – Valgesoo – 110 km

Es ging weiter südlich durch „Russland“. Wirklich, diese flache und offene Landschaft mit den teils herunter gekommenen Häusern hatte etwas von Russland. Nördlich von Pölva, das liegt etwas westlich vom Peipussee, schlängelt sich der Ahja Jögi durch die waldig moorige Landschaft und frisst sich in den roten Sandstein. Auch hier befinden sich wieder einige richtig schöne RMK-Zeltplätze. Heute am Sonntag waren die Einheimischen unterwegs, ansonsten scheinen sich hierhin keine Touristen zu verirren. Seit Tagen haben wir kein Wohnmobil gesehen.

01.07.2019 – Paganamaa – 90 km

Auf der Fahrt Richtung Süden klapperten wir einige, teils traumhaft schöne RMK-Zeltplätze an Seen ab, wir wollten heute nicht so viel fahren. Nur hatten wir ein Problemchen, der Wind war schon mehr als nur eine Brise und die Plätze standen alle im Wind. Am Paganamaa RMK am Peeli Jögi, dem Grenzfluss zu Lettland hatten wir dann Glück gehabt und ein windgeschütztes Plätzchen gefunden.

Die hügelige Landschaft hier, mit 350m die höchste Erhebung des Baltikums ist wieder recht ursprünglich und die kleinen kurvigen Pisten mit dem auf und ab machten richtig Spaß. 

Der Video-Clipp, ca. 6:20

02.07.2019 – Siveri – 250 km

Da steht man mal etwas später auf, was ist, um 9:00 ein fürchterlicher Wolkenbruch und das Dachzelt pitschnass. Abgesehen davon, dass das Kaffee kochen auch nicht so prall war. Für die nächsten Tage sah die Vorhersage für das Baltikum auch nicht so gut aus, so entschlossen wir uns, ein paar Kilometer mehr Richtung Süden zu fahren und sind fast durch ganz Lettland gefahren. War auch nicht schlimm, da es im östlichen Lettland für einen längeren Aufenthalt an sich auch nicht so viel zu sehen gibt.
Aber es war ein toller Tag mit einer ebenso tollen Route. Durch ursprüngliche Dörfer durch eine ebensolche hügelige Landschaft. Der Eindruck wurde durch die kurvigen Pisten und das irre Wetter noch verstärkt. Dazu noch die Einsamkeit in dieser dünn besiedelten Gegend wo einem auf 50 km nur ab und zu ein Auto entgegen kam.

So richtig schön bei diesem irren Wetter war der Razna Nationalpark mit seinen teils riesigen Wasserflächen.

Siveri ist ein kleiner sehr schön gelegener Campingplatz mit WiFi und Waschmaschine am See Sivers ganz im Süden Lettlands (GoogleMaps). Da es immer wieder mal heftig schüttete und uns der Wind für unser Dachzelt zu stark erschien, mieteten wir uns für wenig Geld eine kleine Hütte.

Sivers

03.07.2019 – Ignalina – 150 km

Weiter führte die Route südlich nach Litauen. Wieder eine herrliche Landschaft auf kleinen Pisten. Bei Ignalina befindet sich der Aukschtaitien Nationalpark, eine Seenplatte in bewaldet hügeliger Landschaft.Hier befinden sich einige einfache wunderschöne Zeltplätze der Parkverwaltung. Die Zufahrten sind für zumindest größere Wohnmobile untauglich, oder man ist wirklich schmerzbefreit und Kollateralschäden sind einem egal.

04.07.2019 – Neris Nationalpark

Der Neris Nationalpark liegt westlich von Vilnius bei Trakai. Was soll ich zu der Etappe sagen? Wie schon die Vortage, ursprüngliche Einsamkeit und Häuser, Orte mag ich sie nicht nennen. Trotz der fast verfallenen Häuser ist es wieder etwas anders. Überall Hausschmuck und Verzierungen, es wirkt einfach sauberer. Man merkt, wir hatten den russischen Teil verlassen.
Mein persönliches Reisebüro hat mal wieder einen herrlichen Platz im Naturschutzgebiet direkt an einem Flüsschen gefunden.

Die Baltikum-Tour findet hier sozusagen ihr Ende. Gut, dass wir in Finnland umgekehrt sind, die oft wilden östlichen Teile, egal ob Estland, Lettland oder Litauen wären uns entgangen.
Das Baltikum kann ich nur jedem empfehlen, wer weiß, wie lange es noch so ursprünglich ist. Etliche Gegenden, Parks und die darin ausgewiesenen Campingplätze sind für Wohnmobile oft sehr schwierig oder gar nicht zugänglich. Aber gerade hier finden sich die schönsten HighLights der Natur. Wir sind froh, dass wir die Tour nicht mit unserem Bimobil gemacht haben. Allrad und Bodenfreiheit hin oder her, das Bimo wäre einfach zu groß gewesen. Hochbeinige PKW, alter T3 oder ein Sprinter Allrad sind die richtigen Fahrzeuge. Drei Mal brauchten wir sogar den Allrad, sonst wären wir nicht durch den tiefen Sand oder Matsch gekommen.

Baltic Tour 2019

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2 Kommentare

  1. Wieder ein sehr schöner Reisebericht! Ich schätze es, dass Du meist kein Blatt vor den Mund nimmst. Gerade hinsichtlich der P4N-Pest. Ein erfrischender Kontrast zu den üblichen Vanlife-alles supi-Travelblogs. Respekt auch für Dein (auf)richtiges Statement zu den unsäglichen ‚Heldentaten‘ unserer Landsleute. Jetzt freue ich mich auf ein Resumé zu Deinem russsichen 4×4-Reisebegleiter. Ich ertappe mich dabei, mich für ein solches Vehikel zu interessieren…

    • Moinsen Namensvetter,
      merci für Dein Löbchen!
      Alles supi gibt es nicht im Leben! Im nächsten Bericht darfst Du lesen, wenn der Blogger plötzlich einen Tiefpunkt erlebt 😉
      Vorweg zu vLadi: Er wurde mit dieser Tour erst recht Familienmitglied!
      Er hat bald 10.000 km auf der Uhr und bis auf eine klemmende Feder im Heckklappenschloss keine Mängel. Bis wir zurück sind, hat er rund 6.000 km Pisten, teils übel, schadlos überstanden.
      Das Auto ist einfach Fun, über den Untergrund braucht man sich schlicht keine Gedanken mehr machen. Vor allem ganz entspannt, kein Adrenalin, egal ob Absätze, Matsche oder Sand. Vor allem ist er so klein, es reicht, wenn ein Weg nur 1,50 breit ist.
      Nur auf Asphalt, da sind wir ein Verkehrshindernis wie mit dem Bimo 🙂
      Große und breite Straßen, das ist nicht seine Welt. Ab 80 wird es lauter, schneller mag man nicht fahren.
      Genug gelobt…
      Jedenfalls bleibt vLadi bei uns und wir sind demnächst zu zweit unterwegs.
      LG Michael

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