Reisebericht Finnland

Mit unserem Lada Urban 4×4 und Dachzelt entlang der Ostseeküste und dem inneren südlichen Finnland…
Der vierte Reisebericht über unsere eigentlich geplante Ostsee-Umrundung, wo es dann doch anders kam als gedacht. Tallinn in Estland war die letzte Station im Baltikum, ein Monat und rund 4.000 km, davon 3.000 km Piste und Waldwege waren wir bisher mit unserem Lada und Dachzelt unterwegs. Nun begann der Abschnitt Skandinavien, wobei wir zunächst recht planlos waren, wie die Reise weiter gehen sollte.

Vorheriger Reisebericht: Lettland/Estland->

Einige Infos vorweg

Preise

Finnland gehört nicht zu den billigsten Ländern. Lebensmittel und Sprit gehen eigentlich, gefühlt so 10 % teurer als in Deutschland. Richtig teuer ist das Campen, Für ein Auto mit Zelt oder Wohnmobil und zwei Personen sind durchschnittlich 29,- Euro, oft mehr zu veranschlagen.
Klar, Alkohol kostet richtig, aber zumindest Bier ist bezahlbar. Bier mit 4,5% kostet meist um 5,90 €/L. Beim Lidl ist das schon für 3,-€/L zu bekommen.

Straßen

Die Haupttraßen sind allerbestens. Nebenstraßen sind meist Pisten, auch die in gutem Zustand und kaum bis gar kein Wellblech. Lehmpisten sind sehr glatt und damit sie nicht stauben und fest bleiben, werden sie gepökelt. Hat es geregnet, entsteht eine Sauerei am Fahrzeug, das Zeug ist kaum herunter zu bekommen. So lange es noch nass ist, sollte es mit einem Hochdruckstrahler entfernt werden.

Campen

Wohnmobilstellplätze wie in den westeuropäischen Ländern gibt es nicht, aber viele Plätze, wo man kostenlos übernachten kann und darf. Das oft zitierte „Jedermannsrecht“ des freien Übernachtens auf freiem Grund gilt nur für Camper, die mit Zelt unterwegs sind, nicht für Wohnmobile, auch wenn es teils geduldet wird.
In einigen Gebieten gibt es freie und kostenlose Campingplätze, teils mit Trockentoiletten und trinkbarem Grundwasser ausgestattet. Auch das Übernachten an Wander- und Picknickplätzen stellt oft kein Problem dar. Hier sollte man aber auf die erholungssuchenden Einheimischen denken, sonst ist es damit schnell vorbei. Die meisten dieser Plätze sind eher für kleinere Fahrzeuge geeignet, sei es, dass der Raum begrenzt ist oder die Zufahrten abenteuerlich sind.
Einige dieser Plätze sind in den einschlägigen Apps aufgeführt, ansonsten haben sich PocketEarth i.V.m. GoogleEarth als hilfreiche Apps erwiesen.
Ich selber werde hier aus verständlichen Gründen öffentlich keine Koordinaten veröffentlichen.
Der Süden ist an der Schärenküste recht dicht besiedelt, eher zersiedelt, ein Freistehen kaum oder nur an wenigen Stellen möglich.
Im mittleren Süden befinden sich einige Nationalparks mit tausenden Seen in hügeliger Landschaft. Hier findet man einige offizielle kostenlose Übernachtungsmöglichkeiten, auch für Wohnmobile. Für Camper auch mit Feuerstellen, Trenntoiletten, Wasser etc.
Wer mit Zelt oder Dachzelt unterwegs ist, sollte immer genug Lebensmittel und Wasser dabei haben. Etliche Plätze entdeckt man eher durch Zufall, möchte bleiben und wenn mann dann nichts dabei hat, ist das blöde.

17.06.2019 – Kopparnäs – 69 km

Bis zur Fähre waren es vom „Campingplatz“ nur 2 km, aber war das ein Akt. Gut, dass wir uns Tallinn nicht angesehen hatten. Im Hafen lagen 4 Kreuzfahrer, dieses Chaos und dann all die Touris, das hätten wir nicht ertragen.
Der Check-In war geil. Bei der Einfahrt in den Hafen wurde das KFZ-Kennzeichen erkannt und auf einer großen Tafel mit Angabe der Spur angezeigt. Die Buchungsbestätigung brauchte nicht mal vorgezeigt werden, alleine dies ist ein Grund, die Fähre vorzubuchen. Kosten um 90,- Euro, je nach Fahrzeug und Anbieter.

Tallinn-Abfahrt
Tallinn – Abfahrt Fähre

Zwei Stunden dauerte die Überfahrt. In Helsinki angekommen, wollten wir nur noch und dem Verkehrschaos entfliehen. Aber wohin?Nördlich liegt das riesige Seengebiet mit 100.000 Seen. Aber was sieht man davon, wenn man nicht fliegen kann? Nichts….
Dies ist etwas für Leute, die dort ein Haus und ein Boot haben und entspannen wollen. Dazu dann die unsägliche Plage mit den Mücken.
Wir hatten uns gerade wegen der Mücken für den Westen entschieden und fuhren weiter die traumhaft schöne Schären-Ostseeküste entlang.

Man merkt sofort, dass man wieder in einem anderen Land ist. Die Häuser sind sehr gepflegt, man sieht, dass Finnland reicher ist. Die Straßen sind allerbestens und sogar die Pisten sind besser als viele deutsche Straßen.
Nach 30 km ist man aus dem Trubel Helsinkis heraus und landet in eine kaum bewohnte hügelige und leicht felsig grüne Landschaft. Die Strecke war einfach ein Traum. Kurvig leicht rauf und runter auf einer kleinen Piste.

50 km westlich von Helsinki entfernt befindet sich ein kleines Erholungsgebiet, nennt sich Kopparnäs, wo sich einige „dispersed Campsites“ mit Plumpsklos, Grundwasserpumpen und Feuerstellen befinden. Hier fanden wir dann einen traumhaft schönen Platz in einer Bucht mit Blick auf die Schären…
… als dann um 23:00 Uhr im Restlicht der Mond aufging, perfekt!

18.06.2019 – Teijo – 130 km

Im Westen, unterhalb von Turku befindet sich der Teijo Nationalpark. Eine moosbewachsene steinig hügelige Landschaft mit dichten Wäldern. Darin viele Seen und Schärenlandschaften der Ostsee.
Hier darf an einigen ausgewiesenen Stellen frei gezeltet werden. Für Wohnmobile gibt es für 29,- Euro einen Stellplatz. Die Landschaft ist ein Traum…

19.06.2019 – Lepainen – 140 km

Wir fuhren zunächst rund 50 km durch das Schärengebiet nach Turcu, eine relativ große Stadt mit allen Einkaufsmöglichkeiten. Hier gibt es sogar einen Lidl. Da Turcu eine Studentenstadt ist, gibt es auch Waschsalons, wo wir die Gelegenheit gleich wahr genommen hatten.
Von Turcu aus beginnt die 200 km lange Ringstraße, die durch den Schärengarten mit den über 25.000 Inseln und nach Turcu zurück führt. Das Schönste an der Fahrt sind die Fährüberfahrten, wo man die Schönheit der Schären genießen kann. Ansonsten sieht man von der Schärenwelt nichts.
Freies Campen ist nahezu unmöglich, bestenfalls Leute, die mit Zelt und Fahrrad unterwegs sind, können ein Plätzchen finden. Wir sind dann rund 90 km meist kleine kurvenreiche Pisten durch viel Wald nördlich gefahren und auf einem Campingplatz in Lepainen, nördlich von Uusikaupunki gelandet.
Die Strecke war in Teilen richtig geil, aber auch hier war von der Schärenlandschaft kaum etwas zu sehen. Versucht man auf einen der vielen Waldwege zum Wasser zu gelangen, landet man immer auf einem Privatgrundstück. Ich glaube, kein Zipfel der Küste ist frei zugänglich, der Schärengarten ist völlig zersiedelt und eigentlich nur mit Boot zu genießen.

20.06.2019 – Reila – 40 km

Wir fuhren weiter durch den Schärengarten, aber wie zu erwarten, gab es nirgends einen Zugang zum Wasser. Egal, auch die bewaldete Landschaft mit den Moos- und Flechten bewachsenen Felsen sieht das einfach nur toll aus, vor allem auf der kleinen Piste. Die wurde gestern frisch gepökelt und die feuchte Oberfläche war glatt wie ein Kinderpoppo.
Hoffentlich gibt es keinen Regen, denn der Schmank ist selbst mit Hochdruckstrahler kaum ab zu bekommen. Kennen wir von Alaska her 🙂

Schärengarten-Straße

Spontan, weil die beste Beifahrer- und Copilotin es auf PocketEarth entdeckt hatte, sind wir bei Reila auf einen Waldweg abgebogen, der zu dem Naturschutzgebiet Kykärännocka führt. Eigentlich wollten wir nur zum Meer. Was war? Picknickplätze, Feuerstellen, Brennholz, offene Schutzhütten und saubere Trockentoiletten, unmittelbar traumhaft schön am Wasser. Das Zelten ist nach dem Allgemeinrecht auch erlaubt. Da wären wir ja blöde gewesen, weiter zu fahren, wo die tollen Plätze hier eh so knapp sind.
Hier bekamen wir doch noch ein paar Schären zu sehen, viele Vögel und ein Abends weit vorbei ziehendes Gewitter sorgte wieder für ein grandioses Farbenspiel.

21.06.2019 – Rauma/Kristinestad – 200 km

Fünfzehn Killmeter nördlich liegt Rauma, dessen Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Die gemütlich niedliche Altstadt besteht ausschließlich aus alten bunten Holzhäusern. Einen Besuch sollte man sich nicht entgehen lassen.

Die Suche nach einem Übernachtungsplatz gestaltete sich in dem zersiedelten Gebiet wieder etwas schwierig. Mit Glück fand U. wieder einen Traumplatz bei Kristinestad, eigentlich nur ein recht kleiner Parkplatz. Da an diesem Tag (Sonnenwende) richtig was los war, drückten wir uns in den Wald. Der Ort liegt ca. 90 km südlich von Vaasa, wer sucht, findet auch den Platz, aber nur für kleine Fahrzeuge.

Sonnenwende, Genießen der fast Mitternachtssonne, a point of return...
Wir wären nicht wir, wären wir nicht immer für eine spontane Überraschung gut.
Das Projekt Ostseeumrundung ist gecancelt!
Warum? Dinge, die wir bei unserer Abfahrt nicht auf dem Schirm hatten: 

  • Ab Vaasa ist es zwar dünner besiedelt, aber auch die Logistik wird für uns schwieriger, Einkaufen, Wasser…
    Ab hier kommt für rund 2.000 km der Moment, wo ein Wohnmobil das bessere Fahrzeug ist. Mehr Übernachtungsmöglichkeiten, wo wir offen nicht stehen mögen und für uns kaum Pfade, wo wir uns in die Büsche schlagen können. Die wenigen Campingplätze nehmen es vom Lebendigen…
  • Es gibt eigentlich nur noch große Hauptstraßen, Nebenwege sind nur noch Sackgassen zu kleinen Orten oder Häusern,.
  • In Schweden würde sich das fortsetzen, müssen wir auf einen Campingplatz, sind die Preise exorbitant, 35€ für uns wären normal.
  • Bis zu unserem Ziel, den Lofoten in Norwegen würden wir nochmals ca. 2.500 Kilometer fahren mit Abstechern eher 3.000. Bei unserer Art zu Reisen und um vLadi den richtigen Auslauf zu gönnen, kämen von dort nochmals rund 6.000 Kilometer zusammen und zeitlich kämen wir spät in den September hinein wo es doch schon mächtig kalt werden kann. Schon jetzt sind wir nur bis zum Süden Finnlands 5.000 km gefahren.
  • Letztendlich würden wir die 2.500 km nur durch düsen, wie alle Anderen auch und dazu haben wir schlicht keine Lust.

Sicherlich könnten wir auf den großen Straßen durch fahren, wie Andere das auch machen. Nur macht uns das keinen Spaß, finden wir langweilig und dafür hätten wir nicht mit vLadi fahren brauchen. Also fuhren wir wieder zurück, durch das mittlere südliche Finnland und dem östlichen Baltikum, was wir ja ausgelassen hatten. Da kann vLadi sich auch wieder richtig austoben. Das fanden wir eh schade, weil nur das Baltikum mit Polen schon eine Reise wert ist. Norwegen wird dann später mit vLadi eine eigene Tour.

22.06.2019 – Helventinjarvi National Park – 200 km

Nur über Pisten sind wir über den Seitseminen National Park schnurstracks Richtung Osten zum Helventinjarvi ( Höllentor) Nationalpark gefahren. Wie in den Nationalparks üblich, wieder mit richtig geilen Picknick- und Übernachtungsplätzen. Im Seitseminen hatten wir unsere Mittagspause eingelegt, in einem Wigwam ein Feuer gemacht und unsere Fischstäbchen zubereitet. Ok, Steaks wären besser gewesen, aber man kann ja nicht alles haben.

Die Landschaft wurde felsig hügeliger und die kleinen Pisten kurviger. So liebe ich das. Der Helventinjarvi ist mit seinem See in einer Schlucht eine Sehenswürdigkeit, die 4 km liefen wir am nächsten Tag. Am Startpunkt gibt es einen kostenlosen Übernachtungsplatz, auch für Wohnmobile, sogar mit Toiletten und gegen 2€ eine Dusche (GoogleMaps). Wer über Tampere in den Norden will, lohnt sich der Abstecher. Die Piste dort hin ist sehr gut zu befahren, kein Wellblech.

23.06.2019 – Isojärvi Nationalpark – 100 km

Nach dem Kaff sind wir die 2 km zu der Höllenschlucht mit dem See gelaufen. Nun ja, es war durch den Märchenwald recht schön, aber wirklich spektakulär war die Schlucht nicht, viel schöner war der Wald an sich. Die Finnen zogen schon früh Morgen für ein Picknick zum See.

Wir fuhren anschließend weiter Richtung Osten zu den Seen zum Isojärvi Nationalpark. 100 km gute Piste durch eine hügelige bewaldete Landschaft.

Im Isojärvi NP gibt es auch wieder einen Parkplatz als zugelassenen Übernachtungsplatz. Trenntoilette und Brunnenwasser sind auch vorhanden. Hier machten wir einen Spaziergang durch einen mehr als verwunschenen Wald um den See.

Die Landschaft hier im Seenland ist wirklich traumhaft schön, aber diese Mückenplage geht einem echt auf den Senkel. Sogar durch die Klamotten stechen sie, wie dick soll man sich den einpacken? Na jedenfalls ist das wirklich genug für uns und hatten für übermorgen die Fähre nach Tallinn gebucht.

24.06.2019 – Hyvinkää – 150 km

War das eine Fahrt, 120 km Achterbahn teils steil auf und ab über kleine Pisten durch die Waldlandschaft. U. war nicht so begeistert, ihr wurde eher schlecht und war der Achterbahnfahrten durch den Wald schlicht überdrüssig.
Zwischendurch hatten wir an einer Badestelle ein Picknick eingenommen und gebadet. Sogar ich wasserscheues Weichei!

Bei der Stadt Hyvinkää, ca. 80 km nördlich von Helsinki hatten wir eine weitere wunderschöne Badestelle gefunden, wo wir unser Nachtlager aufgeschlagen hatten. Ein Nachteil des vielen Waldes, ab 19:30 wird es schattig, die Sonne ist weg und die Mücken werden wach…
Hier endet dann auch der Finnland Reisebericht, am nächsten Tag ging es auf die Fähre nach Estland.
Hier das Video zu Finnland, ca. 5:00 min

Finnland war jetzt ein kurzes Vergnügen, aber es hat sich dennoch gelohnt.
Die Fahrten über die kleinen Pisten durch diese Landschaft war einfach toll, jedenfalls für mich 😉
Wir können nun auch etwas mitreden… 😉
Wem die Mückenplage nichts ausmacht, kann hier einen schönen relaxten Urlaub verbringen. Am Besten in einer Hütte an einem See mit Paddelboot, was weiß ich. Auch für Wanderer mit Zelt, die gerne durch den Wald laufen mögen ist das mit den Camps in den Nationalparks ein Paradies.
Dann halt all die kleinen Pisten durch tolle Wald- und Seelandschaften, womit man gerade mit einem Kasten auch viele Übernachtungsplätze findet. Überhaupt ist ein Kasten das richtige Fahrzeug, um das Land wirklich zu entdecken. Die kleinen Pisten sind für große Wohnmobile nicht wirklich geeignet.
Wirkliche Sehenswürdigkeiten hat Finnland ansonsten nicht zu bieten, wenn Rauma schon das HighLight ist.

Gefahren in Finnland für diese kleine Ecke: Knapp über 1.000 km, davon 900 km Piste.

Nächster Reisebericht: Estland-Lettland II -> Die östlichen Bereiche (In Vorbereitung)

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