Reisebericht Lettland-Estland

Mit unserem Lada Urban 4×4 und Dachzelt durch Litauen, Lettland und Estland…
Der dritte Reisebericht über unsere Ostsee-, Skandinavien-Tour, vorheriger Reisebericht: Litauen

Allgemeines:
Lettland und Estland sind wohl die schönsten Länder der drei baltischen Staaten.
Sehr viel Wald, Meer, Dünen, darin Moorflächen, schöne Strände, mäandernde Flüsse, einfach eine traumhaft schöne Landschaft.
Die Ortschaften und auch Städte sind mit ihren teils verfallenen Holzhäusern sehr ursprünglich und interessant schön.
Die Hauptstraßen sind asphaltiert, aber selbst die nächste Kategorie ist oft Piste. Die schönsten Ecken erreicht man nur über diese Pisten.
Kat 3 Straßen, normale Verbindungsstraßen zwischen Dörfern sind teils abenteuerlich humplige Pisten oder nur Wege, nichts für Wohnmobile.
Für OffRoader ein Paradies, man kann das Land auf den abenteuerlichsten Pfaden erkunden.
Das freie Übernachten ist grundsätzlich erlaubt, ausgenommen in Nationalparks. Es gibt dafür von der Forstverwaltung viele traumhaft schön eingerichtete Campingplätze, sogar mit Feuerstellen und Pavillons, die nichts oder nur ganz wenig kosten, auch auf vielen schönen Picknick-Plätzen darf übernachtet werden.
Private naturnahe Campingplätze kosten meist um die 10 Euro.
Lettland und Estland sind recht dünn besiedelt, man erfährt Natur pur.
Lettland und Estland erinnern mit ihrer Camp-Kultur an die USA mit der Weite, Einsamkeit und vor allem der Art des Campens mit den Feuerstellen und Bänken, oft auch nur mit kleinen hochbeinigen Fahrzeugen zu erreichen.
Die Einkaufsmöglichkeiten sind etwas begrenzt, so was wie Lidl gibt es nicht. Größere Supermärkte findet man nur in großen Städten.
Ganz begrenzt ist Trinkwasser, selbst auf teureren Campingplätzen ist das oft nur Grundwasser. Wenn man es abkocht, vielleicht ok, oft muffelt es aber nach Moor oder Schwefel. In Supermärkten sind aber die 5 L Gebinde Trinkwasser günstig zu erstehen.
Mit einem Wohnmobil sind die richtigen einsamen Schönheiten des Landes nur bedingt zu erkunden, es sei denn, man hat eine Enduro oder ein Quad dabei.
Mit einem Kasten kommt man fast überall hin, aber mit einem 4×4 und Dachzelt ist Lettland und Estland ein spannendes Paradies!
An die muffelig drein schauenden Menschen muss man sich erst gewöhnen. Ein Hallo oder überhaupt eine Begrüßung bedeutet wohl zuviel Kraftaufwand. Beim Einkaufen wird man oft keines Blickes gewürdigt. Beobachtet man die Letten, wie sie untereinander umgehen, da ist das genauso. Ich glaube, es ist noch nicht mal Muffligkeit, sie sind einfach so. Kommt man mit ihnen ins Gespräch, tauen sie ein wenig auf, sind halt keine Labertaschen. Die Kommunikation ist cool und knapp. Da schaut man das Holz an, wird einem ein Beil hingehalten. Teilten wir eine Feuerstelle, wurden uns ohne eine Gesichtsregung Hähnchenschenkel hingehalten. Andere Mentalität halt…
Allerdings haben wir auch einige ganz offene und herzlich freundliche Menschen kennen gelernt, die scheinen aber die Ausnahme zu sein. Böse Zungen behaupten, das wären Russen 😉

06.06.2019 – Kuldiga – 145 km

Von Litauen kommend führte die Strecke schnurstracks Richtung Lettland.Wie im Vor-Reisebericht geschrieben, hatten wir uns den „Berg der Kreuze“ in Litauen erspart. Zu viel Rummel, zu viel Kirmes und dazu all die Busse sowie Wohnmobile. Sinnvollerweise muss man sich entscheiden, ob man diesen Kreuzberg oder etwas von dem wunderschönen Nordwesten Lettlands sehen möchte. Lustig war wieder einmal, dass wir auf einem Parkplatz wieder einmal unsere Bimobil-Bekannten getroffen hatten, die sich dann auch für diese Route entschlossen hatten.

Bimobil-Lada Treffen

Nach ein paar Kilometern ging es auf die Piste, die erst 10 km vor Kuldiga endete. Ich glaube, nur die Hauptverbindungswege sind asphaltiert, denn unsere Pisten hatten auch Nummern.
Ist schon seltsam, kaum überschreitet man die Grenze, ändert sich die Landschaft. Viel Wald, freie Flächen mit Wiesen, Moore und alles ganz dünn besiedelt. Durch die oft kurvige Piste wirkte die Landschaft noch schöner. Und zwischendrin immer wieder traumhaft schöne Picknick-Plätze mit Plumpsklos, Feuerstellen und Pavillons, wo das Übernachten ausdrücklich erlaubt ist. Die kleinen Ortschaften sind noch ursprünglicher als in Litauen.

Kuldiga ist ein ursprünglich malerischer kleiner Ort. Hier befindet sich der breiteste Wasserfall Europas. Na ja, ab welcher Höhe gilt ein Wasserfall als Wasserfall 🙂
Die Backsteinbrücke ist mit fast 170 m jedenfalls die Längste in Europa.

Zentrumsnah an der Brücke am Fluss, direkt am Wasserfall befindet sich ein ganz kleiner, traumhaft schöner Zeltplatz, eher großer Garten. Mit 20,- Euro nicht ganz günstig, aber bei der Anlage und Aussicht eigentlich unbezahlbar. Dazu eine tolle Dusche und Küche mit allem was man braucht. Die Zufahrt stellt für Busse kein Problem dar, aber für Wohnmobile, deshalb findet man dort bestenfalls einen Bully, ansonsten nur Leute mit kleinen Zelten, was den Platz noch deutlich angenehmer macht.

Nur 300m entfernt befindet sich ein Parkplatz am Rande vom Grün, wo man mit einem Wohnmobil, auch Großem, zentrumsnah gut stehen kann.

07.06.2019 – Abava – 43 km

Zunächst einmal war nach dem Einkaufen eine Autowäsche angesagt, zumindest grob. Die 100 km Piste hatten vLadi dermaßen eingestaubt. Staub, Staub überall. Sogar der nur zehntel dicke senkrechte Aufkleber war war so eingestaubt, dass er kaum noch lesbar war. Nach den 40 Kilometern war aber alles wieder für die Katz…

Staub auf Aufkleber

Etwas nordwestlich fließt der kleine Fluss Abava und bildet einen kleinen See mit einem Mini-Wasserfall. Hier befindet sich ein großes und traumhaft schönes Freizeit- und Picknick-Gelände mit ein paar Plumpsklos und Pavillons mit Feuerstellen in einem Naturschutzgebiet, wo man auch übernachten kann. Der Eintritt ist ein Witz und die Anlage wird an Sommertagen und  Wochenenden rege von den Einheimischen genutzt, die hier ihre Lagerfeuer machen und Zelten. Bitte habt Verständnis, dass ich keine genaue Positionsangabe mache, der Ort, der eher für die Einheimischen bestimmt ist, soll nicht auch noch von der weißen Flotte überschwemmt werden.

Reicht schon so, dass er in einem Campingführer Erwähnung findet, so tauchten heute drei Wohnmobile auf. Einer beschlagnahmte gleich einen Pavillon, glaube kaum, dass er dafür gezahlt hatte, ein Anderer meinte, sein Wohnmobil in Ufernähe waschen zu müssen, der Spinner…

Wohnmobilfahrer

08.06.2019 – Ventspils – 100 km

Die Hafenstadt Ventspils liegt westlich auf der Halbinsel an der Ostsee, früher ein Öl-Umschlagplatz der Sowjets. Entsprechend unschön sieht die Stadt eigentlich aus. Aber in der Altstadt finden sich viele ursprüngliche alte Holzhäuser, die unter Denkmalschutz stehen.

Eine Besonderheit sind die zig Kühe, die überall in der Stadt verteilt sind.
Eine weitere Sehenswürdigkeit ist der Skulpturenpark.

Die dieses Mal kurvenreiche Hinfahrt führte wieder nur über Pisten und Waldwege durch nahezu unbewohnte wunderschöne Landschaften.

Nördlich von Ventspils befinden sich an der Ostsee viele günstige Campingplätze, von ganz einfach bis reichlich Ausstattung. Wir hatten uns 10 km nördlich bei Liepene auf einen ganz einfachen Platz niedergelassen. 10.000 qm nur für uns alleine auf einer Waldlichtung und nur 200 m zum Meer mit nahezu menschenleerem Strand.

09.06.2019 – Kap Kolkas – 110 km

War das ein Tag, vLadi durfte sich so richtig in seinem Element austoben, oder ich? 🙂
Über kurvige und hügelige Sandwege durch den Kiefernwald sind wir rund 15 km zum Irvenes Radioteleskop, dem größten Europas gefahren. Davor liegt als verfallener gruseliger Lost Place ein ehemaliger Horchposten der Sowjets.
Sicherlich hätte man anders fahren können, aber die Landschaft durch den Wald war einfach nur toll. Der schmale Waldweg wurde immer sandiger, mit tiefen ausgefahrenen Spuren und steilen Senken. Sicherheitshalber hatte ich die Sperre zugeschaltet, aber für den Lada war das alles ein Klacks.

Die Küste weiter reihen sich einige ursprüngliche Ansiedlungen. Hier haben die Letten auch so etwas wie die Amerikaner „dispersed Campsites“ angelegt wo man frei mit traumhaften Blick auf die Ostsee übernachten kann. Der Zugang ist Gott sei Dank nur für PKW und Vans möglich.
Leider hatten wir kein Wasser dabei, sonst wären wir glatt geblieben. Trinkwasser ist in Lettland ein generelles Problem, selbst auf Campingplätzen ist kein Trinkwasser zu bekommen. Man sollte immer die günstigen 5L Gebinde aus dem Supermarkt dabei haben.

Wieder ein Stück weiter befindet sich bei Slitere der kleinste Nationalpark Lettlands. In einer Senke befindet sich ein Stück Urwald und Moorlandschaft, den man auf einen Bohlenweg erkunden kann.

Sliteres

Über kleinste Sandwege sind wir dann die Küste entlang und durch die kleinen Ansiedlungen bis zum Kap Kolkas. Hier entdeckten wir durch Zufall auch einen alten Friedhof.

Da fragen sich die Wohnmobilfahrer, warum es immer mehr Beschränkungen gibt. Auf dem kleinen kostenlosen Parkplatz befinden sich häuslich eingerichtet 5 Wohnmobile und damit sind ein Drittel des kleinen Parkplatzes weg. Einheimische oder überhaupt Besucher finden dann keinen Parkplatz mehr. Klar, der Platz ist sogar in Campercontact aufgeführt mit Platz für 10 Wohnmobile. Aber das ist ein Nationalpark und das Übernachten ist hier verboten! Dabei gibt es hier für wenig Geld so viele schöne und gemütliche Campingplätze!
Auf einen dieser Plätze hatten wir uns direkt am Strand nieder gelassen.

Interessant ist der Ostteil des Kaps, hier werden Baumstämme angeschwemmt oder von der Küste abgeschwemmt. Das erinnert ein wenig an Oregon oder Washington in den USA, nur in klein.

10.06.2019 – Plienciens – 130 km

Wir eierten kreuz und quer die Küste entlang Richtung Riga. Wie gehabt, Wälder, Sümpfe, mäandernde Flüsse durch die Dünen, hunderte Schwäne auf der Ostsee…

Mit dem Fahren über die Humpelstrecken, dauernd anhalten und gucken, da zieht sich so ein Tag. Heute hatten wir unterwegs leider keinen netten Übernachtungsplatz gefunden, da wir auch meist in Nationalparks unterwegs waren.
Über PocketEarth hatten wir einen netten kleinen Campingplatz im Wald gefunden. Sah nicht schlecht aus und die Ostsee nur 100 m entfernt.
15,- Euro für einen Platz mit kotzwürdigen Plumpsklos, keine Duschen und kein Trinkwasser. Ich hatte aber den Papp auf und so blieben wir. Diesen Ort also auf keinen Fall anfahren: GoogleMaps

Plumpsklo

11.06.2019 – Sigulda – 140 km

Eigentlich wollten wir uns Riga anschauen, also das soll schon lohnenswert sein. Wir hatten uns Bilder der Altstadt mit den Jugendstil-Häusern angesehen, einfach hübsch. Aber…
Wir bemerkten schon heute die zunehmende Besiedelung und den Verkehr. In und um Riga ist es denn richtig schlimm. Die letzten Tage in der Natur waren so entspannt und ruhig, nur die Vögel waren laut, dass wir auf diese Hektik keine Lust hatten. In den letzten Monaten hatten wir auch genug Städte gesehen.
Dazu kommt, dass es stadtnah nur zwei Campingplätze gibt, das sind aber eher Stellplätze für Wohnmobile in einer Industrielandschaft. An Leute wie uns, die wirklich campen möchten, ist da nicht gedacht worden. Man wird in eine Ecke ohne Raum abgeschoben und die Sanitäranlagen sind auch eher so lala. Den ganzen Stress und dafür für zwei Nächte auch noch 40,- Euro für ein paar Häuser zahlen, ne, lass man. Unser Geld hatten wir da lieber für eine Naturschönheit und einem HighLight, eine Paddeltour im Gauja Nationalpark ausgegeben.

Riga
Riga

Zunächst besuchten wir ein paar Kilometer weiter den Kriecu Salas Dabas Nationalpark, ein See und Feuchtgebiet sowie Vogelschutzgebiet.

Danach merkte man die Nähe Rigas, der Verkehr nahm deutlich zu. Entspannt trotzte ich bei 30 Grad dem Verkehr in der Innenstadt. Teils und in Ansätzen konnte man erahnen, wie die Altstadt wohl aussehen mag. Aber wir hätten keine Lust gehabt, bei diesen Temperaturen hier durch zu laufen.

Riga
Riga

Nach 20 km stopˋ n go wurde es schlagartig wieder ruhig. Wir hatten uns in Sigulda den neuen Campingplatz Lakeside (GoogleMaps) ausgesucht. Traumhaft schön am See gelegen, gute sanitäre Anlagen, Wifi und wirklich nette Betreiber. Obwohl für unser kommendes Vorhaben ungünstig gelegen, wollten wir uns heute nach der letzten Nacht etwas gönnen, Preislich ist er nur 2€ teurer als der gestrige Mist-Platz.

Angeblich soll man Sigulda besucht haben, keine Ahnung warum. In Sigulda befindet sich eine Burg und man hat von dort droben eine tolle Aussicht auf den Fluss. Ebenso nicht weit entfernt befindet sich „Gutmannhöhle“, auch eine Sehenswürdigkeit. Seit den „Carlsberg Cavern“ in Texas interessiert mich aber kein Höhle mehr.

12.06.2019 – Ligatne/Gaujas – 30 km

Ligatne liegt am Gauja Nationalpark, wodurch der gleichnamige Fluss fließt. Der Gauja mäandert durch die Landschaft, eingerahmt von rotem Fels.
Hierzu sind wir auf dem Campingplatz in Ligatne, dem Bootscamp (GoogleMaps) umgezogen. Von hier aus werden Paddeltouren organisiert. Man wird ca. 25 km nördlich nach Cesis gefahren und von dort paddelt man zum Campingplatz zurück. Der nette Betreiber vom Lakeside hatte das schon gestern für uns organisiert. Den Park mit dem Gauja kann man eigentlich auch nur mit einem Boot so richtig erfahren.
Am nächsten Tag unternahmen wir dann die Paddeltour, die sollte man sich auch nicht entgehen lassen. Für die Strecke benötigen Sportliche um 3 Stunden, lässt man sich fast nur treiben und legt an eine der vielen Stellen eine Pause ein, können das auch 4 – 5 Stunden werden.

13.06.2019 – Tuja – 110 km

Eigentlich ist die Strecke ja kürzer, nur um 60 km 😉
Zuerst fuhren wir in Lignate rein, spazierten durch den Ort und schauten uns die in den Sandstein gehauenen Keller an. Teils sind ganze Tunnel angelegt, worin sich die Keller reihen. Gute Idee, so bleibt es im Sommer immer recht kühl.

Wir fuhren wieder zurück und setzten zunächst mit der kleinen Fähre über den Gauja über. Die Fähre segelt sozusagen mit Hilfe der Strömung über den Fluss. Dann fuhren wir über die altbekannten Pisten zum Amata, einem Nebenfluss des Gauja. Hier befinden sich ebenfalls die roten Sandsteinabrüche.
In dieser Gegend könnte man locker zwei Wochen und mehr verbringen, so vieles gibt es zu entdecken.

Durch tolle Landschaften, meist über Pisten, fuhren wir nach Tuja an die Ostsee. Hintergrund war die Wetterlage mit all den schweren Gewittern. Wir hatten zunächst Glück und es schien, als wenn die Gewitter an uns vorüber ziehen würden. Aber dann sahen wir das Grau auf uns zukommen, vorweg eine beängstige Wolkenwalze. Wir ins Dachzelt und plötzlich ging es los. Die Ostsee kochte und uns hätte es fast das Dachzelt zerissen. Wir unsere Plörren in Sicherheit gebracht, schnell das Dachzelt notdürftig zusammen geklappt und Schutz hinter einem Wäldchen gesucht. Ich sach noch, sieht das faszinierend aus, so aus der Ferne, aber eigentlich waren wir ja mitten drin. Sogar ein Wohnmobil hat das Weite gesucht…

In und um Tuja befinden sich etliche günstige Campingplätze mit Plätzen unmittelbar an der Ostsee mit herrlichen Ausblicken.
Weiter nördlich sogar kostenlose Freistehplätze. Da wir auf Toiletten oder zumindest unserem Spaten angewiesen sind, nicht so die Empfehlung.

14.06.2019 – Rae Järv (Estland) – 160 km

Eigentlich wussten wir heute gar nicht, wohin wir fahren sollten. Wir eierten nur so herum, für 60 km Luftlinie sind wir 160 km gefahren. Wir sind erst einmal nur ein paar Kilometer nördlich zu der Sehenswürdigkeit Ezurgu Klintis, den roten Sandsteinabrüchen gefahren. Geil, was die Natur hier geschaffen hat.

Danach sind wir ins Inland zum Fluss Salaca, der sich ebenfalls durch den roten Sandstein frisst. Überall sind wunderschöne kleine Nationalparks, die auf kleinen Pisten erkunden kann oder findet sonst eine Sehenswürdigkeit.

Von hier aus fuhren wir nördlich nach Estland. Landschaftlich änderte es sich nur ein wenig. Ein wenig offener und nicht mehr ganz so ursprünglich, dafür noch menschenleerer. Die Straßen wurden besser, ebenso die Pisten. Die einsamen Landschaften sind wieder der Hit. Gelandet sind wir in Rae Järv an einem einsamen kleinen See mit einem Campingplatz mit Plumpsklo, Bänken und Feuerstellen, sonst nichts, ca. 20 km nördlich der Grenze. Dies ist ein sog. RMK-Platz, der von der Forstverwaltung eingerichtet wurde. Davon gibt es so einige, die vornehmlich von den Einheimischen genutzt werden. Finden kann man sie recht gut mit PocketEarth. Aber Vorsicht, einige Zufahrten sind recht abenteuerlich.

Rae Jaerve Campingplatz
Rae Järve Campingplatz

Das Video bis hierhin, ca. 11:40

15.06.2019 – Pärnu-Matsi – 110 km

Wir sind wieder zur Küste und hatten einen Stopp in Pärnu eingelegt. Pärnu ist für estnische Verhältnisse schon ein größerer Ort. Der fast niedliche Ort besticht durch die unterschiedlichen bunten Baustile der Häuser aus Holz oder Stein. Für die Esten ist der Kurort einer der Hauptreiseziele.

Ca. 50 km die Küste in einer fast menschenleeren Landschaft befindet sich Matsi. Keine Ahnung, ob so ein Baum oder Haus genannt wird, jedenfalls ist hier so gut wie nichts. Hier fanden wir einen traumhaften Übernachtungsplatz im Wald und unmittelbar an der Ostsee.

16.06.2019 – Tallinn – 200 km

Eigentlich wollten wir auf die Insel Saaremma. Im Wissen, dass es sich um eine Urlaubsinsel mit Badeorten handelt, hatte ich sie mir mit GoogleMaps angeschaut. Sie ist ebenso landwirtschaftlich genutzt, für uns Interessant wäre nur der Nationalpark und einige der schärenähnlichen Küstenabschnitte gewesen. Nur dafür der Aufwand mit Fähren war es uns nicht wert.
Statt dessen sind wir auf Empfehlung des Reiseführers in das Karst-Gebiet, südöstlich Tallinns gefahren. Das ist ähnlich wie in Schwaben mit den Blautöpfen. Ein teils unterirdischer Fluss speist Höhlen, die bei viel Niederschlag sozusagen überlaufen und brodeln. Das kommt nur alle jubel Jahre mal vor und die paar „Blautöpfe“ hatten ausser Mücken nicht viel zu bieten. Kann sein, dass wir auch nur zu verwöhnt sind 😉

So sind wir nach Tallinn durchgestartet und haben uns beim „Tallinn City Camping“ eingenistet. Nicht schön, aber zweckmäßig, von dort ist es zur Fähre nach Finnland nur ein Katzensprung. Die hatten wir dann auch gleich gebucht.
Zum Abschluss noch etwas zu Estland: Die Menschen sind noch cooler drauf. Ich verstehe gar nicht, wie sie sich vermehren können, wenn sie sich gar nicht beachten. Vielleicht geht die geringe Einwohnerzahl deshalb immer weiter zurück 😉
Estland ist deutlich „aufgeräumter“ als Lettland und irgendwie langweiliger. Am Besten von den baltischen Staaten hat uns wegen seiner Ursprünglichkeit Lettland gefallen. Kann sein, dass wir hier noch einmal zurück kommen.

Bisher gefahren: Von Oldenburg bis Tallinn, 4.000 km, davon ca. 2.500 km Piste und 500 km enge und teils matschige Wald- und Feldwege.

Der nächste Reisebericht also Finnland-> (in Vorbereitung)
Hier noch ein kleines Estland-Video, ca. 1:30 min.

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4 Kommentare

  1. Hallo Mikesch,
    ich habe 2015 selbst das Baltikum besucht. Allerdings mit einem normalen Womo auf Ducato-Maxi. Dieser hat sich als erstaunlich robust und schotterpistentauglich herausgestellt. Ich habe auch damit einige der von Euch geschilderten Plätze angefahren.
    Auch ich bevorzuge die weniger bevölkerten Gegenden. Ich frage mich allerdings, ob ihr den Eindruck „wir dürfen an die schönsten Orte, die anderen mit den normalen Womos dürfen/können es gottseidank nicht“ wirklich erwecken wollt. Damit würde ich hadern!
    Die berechtigte Kritik an rücksichtslosen Zeitgenossen, die sich nicht benehmen können und meinen sich alles erlauben zu dürfen, ist hiermit nicht gemeint! Dieser schließe ich mich voll an.
    Aber bitte werft nicht alle Fahrer normaler Womos in einen Topf.
    (Mit dem Bimobil seit ihr auch nicht so weit davon entfernt)

    Viel Spaß auf eurer weiteren Reise
    Jan

    • Moin Jan,

      ja, mit unserem Bimo sind wir auch nicht besser als alle Anderen, darum waren wir ja mit Dachzelt unterwegs 😉
      Wenn Du so unterwegs bist, bekommst Du eine andere Sichtweise. Es ist nicht das Daneben benehmen, das hatten wir nur ein Mal heftig beobachten dürfen. Wohnmobile sind an etlichen Plätzen einfach unangebracht. Auf RMK-Plätze (PickNick-Plätze oder für Leute mit Zelt) nehmen sie Parkplätze weg, Wohnmobilisten blockieren Pavillons und Feuerstellen die für Leute mit Zelt deutlich wichtiger sind. Diese Plätze sind nicht für Womos gedacht, sondern für Camper mit Zelt. So ist das zu verstehen dass ich froh darüber bin, dass solche Plätze oft nicht mit Womos zu erreichen sind oder mich ärgere, dass einige womotaugliche Plätze in P4N auftauchen.
      Für mich/uns hat diese Tour zu einem Umdenken geführt, wir stellen uns nicht mehr hin was machbar ist. Sollten wir noch mal das Baltikum mit Bimo besuchen, werden wir uns nicht auf RMK-Plätze stellen, bzw. wenn im Abseits und keinesfalls die Einrichtungen nutzen, da die für Andere wichtiger sind.

      LG vom Mikesch

      • Hallo nochmal,
        ich denke, wir sind inhaltlich nicht weit auseinander. Und da ich hier keine Grundsatzdiskussion vom Zaun brechen will, nur noch eine Bemerkung: MEines Erachtens ist es viel weniger eine Frage der Reiseform als der puren Menge. Ein einzelnes Womo ist fast nirgends ein Problem, aber 5 westeuropäische SUV/Pickups mit (Dach-) Zelten oft schon (und umgekehrt ;-)).
        Dieses Jahr geht es für mich in die Bretagne, aber nächstes Jahr ist garantiert wieder der Norden dran. Und in weniger als 2 Jahren beginnt dann die „ganz große Freiheit“ – der eigentliche Grund, warum ich eure Seite verfolge :-).
        Gruß Jan

        • Na na, 5 (Dach-)Zelte sind schon wenig auffällig… 😉
          Egal, wir sind in der Tat nicht weit voneinander entfernt, die Dosis macht das Gift. Nichts gegen 1 oder 2 Wohnmobile oder ein paar Zelte, aber die Masse machts.
          Schön zu beobachten in Frankreich, Spanien und Portugal, wo im letzten Winter rigoros geräumt wurde.

          Ich wünsche Dir viel Spaß in der großartigen Bretagne und freue Dich auf die „große Freiheit“, dieses Gefühl ist schier unbeschreiblich!

          LG vom Mikesch

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