Reisebericht Provence-Alpes Cote d‘Azur

Die Provence-Alpes Cote d‘Azur im Südosten Frankreichs sind gemeinhin auch als die Seealpen bekannt.
Vom Mittelmeer hoch erstrecken sie sich bis zu den Rhône-Alpes.
Auch die Seealpen kennen wir von einigen Motorrad-Touren. Für Motorradfahrer sind sind sie mit ihren engen und verwundenen Straßen schlicht ein Paradies.
Sanft und wild zerklüftete Gebirge, wilde Schluchten, teils aus rotem Fels und ursprüngliche Orte kennzeichnen die Provence.
Monate könnte man hier verbringen um die Landschaften mit ihren Sehenswürdigkeiten nur halbwegs erfassen zu können.
Wir erkundeten nur die tieferen Lagen bis um 1.500 m, für die Hochlagen war es uns zu spät im Jahr. Kälte und Schnee mussten wir nicht haben…
…und Ulrike mag die ganz hohen Berge einfach nicht.

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17.09.2019 – Plan d´Eau du Riou – 70 km

Letzte Station war Chichilianne, ca. 50 km südlich von Grenoble.
Da Ulrike erst mal genug von Kurven und Pässe hatte, fuhren wir gemeinsam ganz entspannt die D1075 Richtung Süden. Auch wenn dies eine Hauptverbindungsstraße aus den Süden, der Cote d‘Azur ist, so bietet sie imposante Ausblicke und führt durch eine tolle Landschaft.

Durch Zufall entdeckten wir den Gorges d´Agnielles als wir auf einem Parkplatz (GoogleMaps) eine Pause einlegten. Ein enger Schotterweg führt bergauf durch die tolle enge Schlucht. Wir sind einige Kilometer hinein gefahren, ich glaube, man könnte hier den ganzen Tag offroad durch die Berge fahren.
Das erste Stück ist bis zu einem Parkplatz mit jedem Wohnmobil befahrbar, danach nur noch für ältere Bullis, da die hochbeiniger sind. Teils befinden sich auf der immer enger werdenden Piste Absätze und Auswaschungen.

Am Plan d´Eau du Riou, einem Stausee bei Laragne-Monteglin, hatten wir für zwei Tage unser Lager aufgeschlagen. Das Stehen mit einem Wohnmmobil ist hier für zwei Tage erlaubt. Der See mit der Umgebung ist einfach zu schön, um einfach weiter zu fahren.
Die Zufahrt ist auf 3,30 begrenzt, allerdings gibt es noch eine Zufahrt über die D250 (GoogleMaps) mit 3,70m die später über eine steile Winzstraße auch zum Stausee führt.

Georges de la Méouge

Nicht weit entfernt schlängelt sich südlich von Laragne-Montéglin die Méouge durch eine enge beeindruckende Schlucht. Das blaue klare Wasser, die weißen Auswaschungen mit den Kaskaden und Pools stellen schon eine Besonderheit dar. Wegen all der tollen Bademöglichkeiten ist der Gorges de la Méouge bei den Einheimischen sehr beliebt. Zwar teilweise auch eng, aber mit jedem Wohnmobil befahrbar, nur Parken kann schwierig werden.

19.09.2019 – Les Mées – 60 km

In Les Mées befindet sich ein naturnaher, einfacher und günstiger Camping Municipal. Hier möchten wir endlich die Reparatur der vLadi-Scheibe in Angriff nehmen. Auch fühlen wir uns besser, wenn wir Bimo den Tag alleine lassen, denn die Stellplätze hier sehen nicht gerade vertrauenserweckend aus.

Les Mées-Camping Municipal

Eine Besonderheit des niedlichen Ortes…

…sind die einmalig erodierten Felsfomationen Les Pénitents, die wir hier gar nicht erwartet hätten.
Bei den Les Pénitents handelt es sich um einen Block Konglomerat, in einer Art fester Pampe eingeschlossene Steine. Es erodiert das Bindegestein, nicht die eigentlichen Steine.

Der ca. 5 km lange Rundweg über die Felsen mit teils tollen Aussichten ist zwar etwas anstrengend, lohnt sich aber unbedingt.

Sisteron

Mit vLadi sind wir über Umwege die 20 Kilometer zurück nach Sisteron gefahren. Auf der Hinfahrt waren wir schon bei der Durchfahrt von dem Ort begeistert, allerdings hatte ich mit Bimo keine Chance irgendwo zu parken.
Sisteron liegt an einem Durchbruch im Gebirge an der Durance. Hoch droben überragt eine Zitadelle den kleinen urigen Ort.
Wer kann, sollte unbedingt einen Stopp einlegen, es gibt sogar einen stadtnahen Wohnmobil-Stellplatz. Nicht schön, aber für den Besuch der Altstadt und der Zitadelle ok.
Weil ich die Orte so mag, habe ich wieder viel zu viele Bilder gemacht 😉
Einige Neue auch wieder im Bereich People-Fotografie (Passwort für Bekannte per Mail anfragen)

22.09.2019 – Digne-les-Bains – 28 km

In Digne-les-Bains bekam vLadi seine neue Scheibe, hier überbrückten wir die Wartezeit mit ein paar Ausflügen und legten am heutigen Schmuddeltag wieder einmal einen Waschtag ein. Digne-les-Bains ist außerhalb der Altstadt mit großen Industriegebieten etwas größer und hier stehen einem alle Einkaufsmöglichkeiten offen.

Kunst an der Therme

In Digne-les-Bains gibt es mehrere, jedoch meist weniger nette Wohnmobilstellplätze. Der an der D20 am Thermalbad ist aber ganz nett (GoogleMaps) und hier befindet sich sogar eine VE. Der wäre sogar richtig gut, wenn die, die sich hier für Wochen häuslich niedergelassen haben, nicht ihre Generatoren oder Motoren laufen lassen würden.
Wir standen hier wegen unserer Scheibe auch eine Woche, und konnten das Treiben gut beobachten.

Gebiet abstecken

Digne-les-Bains wirkt ursprünglich wie vor Jahrzehnten, teils ausgestorben und hat bis auf die Kathedrale und ein paar Kunstwerke nicht viel zu bieten. Aber das Ursprüngliche macht ihn auch wieder interessant.

Aber nicht weit vom Ort, bzw. in der Umgebung finden sich wieder kleine Schätze, die kaum ein Touri zu Gesicht bekommt, weil die Meisten hier vorbei fahren.
Da wäre ein relativ großes Ammonitenfeld an der D900a….

Oder ca. 10 km weiter, völlig unscheinbar ein klitzekleines Stück USA, bunte Felsen und ein paar Hoodoos! Unglaublich!

Clues und geologische UNESCO-Parks

Clue de Chabrieres

Was sind Clues? Keine Ahnung, auch der Übersetzer gibt da nichts her. Wahrscheinlich handelt es sich bei einer Clue im Gegendatz zu einem Gorge um eine Art tiefe und kurze Schlucht oder Einschnitt. Davon hat dieses Gebiet so einige zu bieten, wo sich kleine Straßen hindurch winden. Die sehenswerte Clue de Barles nördlich von Digne-les-Baines muss wirklich sehr toll sein. Leider konnten wir sie nur im Ansatz erkennen, da die D900a vor dem Clue de Barles gesperrt war.
Überall anzutreffen sind kleine geologische UNESCO Parks, teils auch mit Museen. Wie mir schon an den Hoodoos und Ammoniten aufgefallen ist, ist die Gegend geologisch in der Tat äußerst interessant.
Im nächsten Leben werde ich bestimmt Geologe, ich finde das Thema echt spannend.

27.09.2019 – Castellane – 58 km

Für mich war zunächst einmal frühes Aufstehen angesagt, vLadi bekam die neue Scheibe. Einen Dank an Lada-Ems, Slawa hatte unmittelbar nach meinem Anruf eine Scheibe auf die Reise geschickt und an Norauto in Digne-les-Bains für ihre Hilfe!
Anschließend ging es die N85 und D405 durch die Clue de Taulann nach Castellane. Schade, dass man in der Clue nicht parken konnte, traumhaft!

Ca. 3 von Castellane befindet sich ein kleiner Stellplatz für 9,- Euro (GoogleMaps) mit VE und Strom. Der Platz ist sehr naturnah mit viel Platz und nicht immer eben. Aber das macht ihn gerade so reizvoll, das ist wie in der Natur stehen. Empfindliche Naturen sollten besser vorher Wasser bunkern, da das Wasser, was man hier bekommt, lediglich Grundwasser ist.

Castellane-Stellplatz

Wir unternahmen auch gleich eine kleine Rundfahrt und besichtigten zunächst einmal Castellane. Mensch, ist der kleine Ort gemütlich niedlich urig. Wieder viel zuviele Bilder gemacht…

Die weitere Fahrt führte dann durch die Berge an die Stauseen Lac de Chaudanne und Lac de Castillon vorbei.

Gorges (Grand Canyon) du Verdon

Ich weiß schon gar nicht mehr, wie oft wir am Grand Canyon du Verdon waren. Die kurvigen Hochstraßen D952 nördlich und D71 südlich vom Canyon bieten teils grandiose Ausblicke in die tiefe Schlucht.
Auch die 20 km lange Rundtour von La Palud-sur-Verdon aus auf die Route de Crêtes D23 (tw. Einbahnstraße!) sollte man sich keinesfalls entgehen lassen! Die Straße führt abenteuerlich in den Fels gehauen entlang des Gorges du Verdon. Die Wände fallen hunderte Meter steil ab.

Eindrucksvoll bunt ist die Schlucht, wo die Verdon in den Lac de Sainte-Croix mündet. Hier kann man sich ein Tretboot mieten und ein Stück auf dem mehr als blauen Wasser in den Canyon mit den steilen Wänden hinein schippern. Einfach ein Erlebnis!

Die Rundtour über die drei erwähnten Straßen von Castellane aus beträgt rund 140 anstrengende km, die sich aber mehr als lohnen!
Machbar auch mit einem nicht zu riesigen Wohnmobil, dann ist es noch spannender 🙂

Nur die D105 von Castellane aus ist sinnvollerweise für Wohnmobile generell gesperrt, es empfiehlt sich die Route über die D952/955.

Womo-Verbot

Man kann das Ausmaß eigentlich weder fotografisch, noch filmisch darstellen. Ich versuche es mal mit einem kleinen Clip, ca. 3:00 min.

29.09.2019 – Annot – 29 km

Nur ein Stückchen weiter östlich liegt Annot. Das kleine urige Annot hatten wir uns wegen der ursprünglichen historischen Altstadt und einer Besonderheit in Frankreich ausgesucht: Die abgebrochenen Felsen der Bergkante. Von hier aus wollten wir dann noch einige Sehenswürdigkeiten ansehen.

Ich hatte wieder mal zu viele Bilder gemacht, die passten nur in eine kleine Diashow, ca. 1:25 min.

Einen netten kostenlosen Stellplatz mit VE, aber ohne Strom gibt es auch (GoogleMaps).

Annot-Stellplatz

Die Hinfahrt über die N202 durch die Clue de Rouaine war wieder ein Knaller, leider gab es keinen Parkplatz für ein paar Fotos. Und die Erinnerung kam wieder, hier sind wir schon mit den Mopeds durch.

Les Grès d`Annot

Zum und um den Sandsteinberg Les Grès d`Annot führt ein verwunschener und abenteuerlicher Wanderweg. Einmal herum sind ca. 6 km, von der Steilwand wieder zurück nach Annot ca. 5 km.
Von Annot aus geht es zunächst am Bahnhof vorbei steil nach oben, es sind rund 300 Höhenmeter zu überbrücken.
Das erste Aha-Erlebnis bekommt man, wenn der Weg durch die umgefallenen Felswände führt, die eine Art Höhle bilden.

Nicht weit dahinter geht ein ca. 500 m langer Rundweg ab, der durch den Le Jardin du Roi führt. Ein kleiner Irrgarten, der durch eine bizarre Felswelt führt.

Hat man den Weg absolviert, kommt man nach ein paar hundert Metern zu einem Warnschild, hier beginnt dann der Wanderweg Le Guetteur für wirklich Schwindelfreie, der eng an der ca. 300 m abfallenden Steilwand führt (GoogleMaps).
Das spannenste Stück ist ca. 500 m lang, entweder man läuft von hier wieder nach Annot zurück oder umrundet den Berg, das sind dann ein paar Kilometer mehr.

Gorges de Daluis

Gorges de Daluis

Eigentlich wollten wir eine Rundtour unternehmen, über den östlich von Annot gelegenen Gorges de Daluis über den Gorges de Cian und wieder zurück. Leider war der Gorges de Cian gesperrt, so wurde das nur eine Hin- und Rückfahrt. Was ja auch nicht schlimm war, so hat man eine andere Perspektive. Der Gorges de Daluis ist übrigens auch mit Wohnmobil gut zu befahren. Die Straße schlängelt sich hoch droben über die zerklüftete Schlucht, durch etliche Tunnel durch das rote Gestein, ein landschaftlicher Traum!
Bilder, Bilder, zu viele Bilder, so habe ich die in einer kleinen Diashow zusammen gefasst, ca. 1:40 min.

Entrevaux

Entrevaux ist ein kleiner Ort mit einem uralten Stadtkern und einer hoch oben thronenden Burg.
Man gibt sich sehr viel Mühe, die alte Bausubstanz zu erhalten, aber gerade durch das Unvollkomende und Ursprüngliche versprüht der Ort seinen besonderen Reiz.
Gut, dass der Akku meiner Kamera ebenso wie der Reserveakku leer war, ich hätte mich sonst dusselig geknipst 😉
Zurück sind wir über die kleine schlängelige D610 entlang dem Val de Chalvagne. Begrenzt ist die Straße ab 12 T, aber selbst mit vLadi war die Strecke bei Gegenverkehr recht spannend.

03.10.2019 – Taradeau – 110 km

Eigentlich wollten wir gar nicht so weit fahren, aber es war so voll, dass wir auf unserem Wunsch-Stellplatz keinen Platz fanden. So suchten wir in den einschlägigen Apps und fanden in Taradeau einen netten Campingplatz (GoogleMaps). Ausgestattet mit Pool und Whirl-Pool, Waschmaschine und guten sanitären Einrichtungen, ist er mit 14,- Euro wirklich günstig und bevor wir uns unschön irgendwo hin stellen…
Also machen wir mal ein paar Tage Urlaub….

Camping-Taradeau

Taradeau ist eine Zwischenstation auf dem Weg zum Mittelmeer, das wir schon aus der Ferne betrachten konnten.
So schön die Berge und die Schluchten sind, aber wenn die Tage kürzer werden fehlt uns das Licht. Ab 17:00 Uhr ist die Sonne weg und es wird gefühlt Nacht. Und, wie gesagt, Ulrike mag keine Berge und sie hatte schlicht die Nase voll. Schade, gerne hätte ich noch ein paar Abstecher ins Gebirge unternommen und vLadi seinen Auslauf gegönnt 😉
Ich fuhr mit Bimo noch ein Stück durch den Gorges du Verdon und bog dann Richtung Süden ab.
Die Landschaft änderte sich plötzlich, es wurde wärmer und mediterran.
Sehr spannend waren die engen Straßen und und einige Ortsdurchfahrten.

Wir befinden uns immer noch im Gebiet der Provence-Alpes Cote d‘Azur, aber man merkt, dass wir geographisch das Gebiet der Seealpen verlassen haben. Wir erreichten das Gebiet der Provenzialischen Voralpen, welches spürbar mediterraner ist. Die Düfte sind anders, es ist wärmer, die Berge flacher…

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Ein Kommentar

  1. Hallo Michael, es sind absolut nicht zu viele Bilder. Also bitte weiter so. Eure Frankreichberichte verfolge ich sehr gerne, da wir dieses Land mit seiner grandiosen Naturvielfalt auch sehr schätzen. Viele Grüße, Thomas
    P.S. Meine Website ist noch sehr rudimentär, aber ich arbeite daran 😏

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