Reisebericht Rhône Alpes

09.09.2019 – Montalieu-Vercieu – 80 km

Nachdem wir uns zwei Wochen im französischen Jura aufgehalten hatten, erreichten wir im Südosten Frankreichs das Gebiet der Rhône Alpes, welches nach dem Fluss Rhone und der Alpen benannt ist.
Die Grenze des Departements ist landschaftlich nicht wirklich auszumachen, aber die Orte sind schlagartig wieder französischer und für uns sehenswerter. Wir hielten wir uns vornehmlich im Parc Naturel Regional du Vercors mit den wilden Schluchten (Gorges) und Abenteuerlichen Pässen auf.
Unter Mororradfahrern ist das Vercors ein Begriff, weil schlicht ein Paradies!
Wohnmobil-Fahrer sollten ein Zweitfahrzeug, am Besten ein Moped, dabei haben. Radfahrer sollten sportlich sein, oder ein eBike mit Akku dabei haben.
Den Ostteil der Rhône Alpes hatten wir nicht besucht, U. mag keine wirklich hohen Berge und dort war es auch mittlerweile auch recht schattig.
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Unser letzter Stellplatz befand sich in Jeurre, noch im französischen Jura wo wir die letzten Tage verbracht hatten. In dem Winzort gibt es keinen Bäcker, aber bei der Mairie einen Baguette-Automaten. Die sind in Frankreich durchaus üblich und einen solchen hatte ich denn mal ausprobiert. Ich war überrascht, wie gut das Baguette war!

Eigentlich wollten wir nicht so weit fahren und uns in Poncin niederlassen. Aber der Stellplatz war (über)bevölkert mit fahrendem Volk. So zogen wir noch mal 40 km weiter nach Montalieu-Vercieu an der Rhône, wo es es einen netten kostenlosen Stellplatz ohne VE am Jachthafen gibt (GoogleMaps).
Optimal hätte die Strecke nach Montalieu-Vercieu über große Straßen, aber auch über Berge geführt. Berge, insbesondere bergab sind nichts für das schwere Bimobil. Auf kleinen Straßen ohne Verkehr ist es ok, aber nicht auf Hauptstraßen, wo einen die LKW anschieben.
So fuhr ich dann gemeinsam mit U. auf einer Höhenlinie die kleine D91 an der Ain entlang. U. war froh, dass sie nicht mit im Bimo sitzen musste. Jau, bei Gegenverkehr war das schon recht eng.
Ich tuckerte auch nur mit 30 bis 50 km/h da entlang, die Landschaft war einfach zu schön.

Abends unternahmen wir noch einen kleinen Spaziergang an der Rhône mit ihrem glasklaren Wasser entlang…

Les Grottes de la Balme

Über die Grotten von Balme (GoogleMaps) gibt es keinen Wikipedia-Eintrag und im Netz ist kaum eine Info zu bekommen, wenn, dann auf französischen Seiten. Keine Ahnung warum…
Die Grotten von Balme sind nicht gerade die Carlsberg Cavern, auch keine so richtige Tropfsteinhöhle und eigentlich nicht wirklich spektakulär. Aber die vielen unterschiedlichen Sehenswürdigkeiten machen sie äußerst sehenswert.
Der Reiz besteht in in den teils farbigen Felsformationen, Sinterrerassen, wunderschönen Kalkauswaschungen mit deren Formen und Formationen sowie engen ausgewaschenen Gängen, die ein wenig an den Antelope Canyon in den USA erinnern.
Begehbar und gut beleuchtet angelegt der ca. 2 km langen Höhle ist der kurze obere Teil, der über den Siphons liegt.
Im hinteren Teil kann man, wenn man Glück hat, Fledermäuse beobachten.
Für die Besichtigung benötigt man ca. 1 – 1 1/2 Stunden. Offen hat die Höhle ab 13:30, der Eintritt kostet z.Zt. 8,- Euro.
In der Ferienzeit oder am Wochenende möchte ich mich nicht durch die engen Gänge quälen.

Vertrieu

Wer auf dem Weg zu den Grotten bei Vertrieu vorbei kommt, kann auch hier einen kurzen Stopp in dem kleinen Nest einlegen.

Am „Neuen Schloss“ vorbei führt ein kleiner Weg zur Rhône, auch diese Aussicht sollte man genießen. Vor allem die Farbe der Rhône, durch das klare Wasser schimmert sie türkis und leuchtet fast.

Cremieu

Cremieu liegt ca. 35 km südlich von Balme. Der kleine Ort besticht durch eine kleine und bunte Altstadt mit Jahrhunderten alten und restaurierten Häusern. Über dem Ort thront eine Burg, die auf dem Fels von einer Mauer umgeben ist.

11.09.2019 – Cognin-les-Gorges – 100 km

Auf breiten Straßen machte ich mich Richtung Süden auf den Weg nach Cognin-les-Gorges im Parc Naturel Regional du Vercors.
War es zunächst noch sanfthügelig, tauchten langsam in der Ferne die schroffen Berge des Vercors auf.
Die Berge sind mit ca. 1.200 – 1.400 m eigentlich nicht so hoch, aber durch den Höhenunterschied von ca. 1.000 m wirken sie schon etwas gewaltig.
Der Parc Naturel Regional du Vercors ist unter Motorradfahrern für seine abenteuerlichen Strecken in dieser wilden Landschaft bekannt. Einige Strecken sind wir auch schon mit Motorrad gefahren, jetzt erkunden wir sie und einige mehr mit vLadi.

Cognin-les-Gorges ist mit dem netten und günstigen 7€-Campingplatz für autarke Wohnmobile Camping la Chatonnière (GoogleMaps) die Zwischenstation zum Erkunden des Gorge du Nan im Vercors.

Gorge du Nan

Am späten Nachmittag drehte ich eine kleine 30 km Runde entlang des Gorge du Nan.
Das schönste Stück sind die ersten 10 km, hier führt die kleine Straße von Cognin-les-Gorges in Serpentinen steil nach oben und schlängelt sich abenteuerlich mit Galerien am Fels entlang. Da U. am Abgrund sitzen würde, verzichtete sie. Sie mag keine Höhen und wirklich schwindelfrei ist sie auch nicht. Selbst mit vLadi war die Tour schon recht spannend, da ich auch ein paar Wege ausprobiert hatte. Spannend auch deshalb, da dies hier ein Schutzengel-Gebiet zu sein scheint. Wie die Motorrad- und Radfahrer die Kurven schneiden, Junge. Wäre ich nicht so langsam gewesen, es hätte garantiert geknallt.
Hinweis: Durchfahrtshöhe 2,80m, Straßenbreite 2,35

12.09.2019 – Pont-en-Royans – 24 km

Umzug, um die nächsten Gorgs, was für ein Wort, also Schluchten zu erkunden.
Pont-en-Royans hatten wir uns ausgesucht, weil der Ort für die nächsten Touren günstig liegt und weil Pont-en-Royans selber mit den in den Fels gebauten Häusern sehr sehenswert ist.

Der sehr schön gelegene hübsche Stellplatz (GoogleMaps) liegt unmittelbar an der Bourne kostet hier 9,- Euro inklusive Entsorgung, Wasser und Strom.

Wir unternahmen noch eine kleine Spazierfahrt durch die Gegend und in den Gorge Laval an dessen Talkessel sich eine orthodoxe Kirche befindet.

Combe Laval

Der Combe Laval, ist eine Ringstraße (cirque de Combe Laval) um den Gorge de Laval die über den Col de Machine führt. Die D76 führt teils abenteuerlich im Fels gehauen westlich über die Rim wo man an einigen Punkten traumhafte Aussichten genießen kann.
Hinweis: Gesperrt für Fahrzeuge ab 3,50 T, Höhenbegrenzung 3,50 m.
An einigen Stellen ist die Straße recht schmal und die 3,50 m sind bestimmt nicht am Fels gemessen. Teilweise sollte man da Abstand halten.
Vorsicht am Wochenende mit den Bikern, egal ob mit oder ohne Motor.

Gorges de la Bourne

Richtung Osten führt die D531 durch die Schlucht der Bourne. Eine schier eindrucksvolle Landschaft, eine immer enger werdende steile Schlucht durch die sich ebenso im Fels gehauen die Straße zieht. Die Schlucht nebst Landschaft kann man mit Fotos gar nicht erfassen. Die Straße ist einfach ein Muss!
Früher war die Straße mal abenteuerlicher, mittlerweile ist sie ausgebaut und eine Verbindungsstraße.
Hinweis: Keine Gewichtsbeschränkung, Höhenbegrenzung 3,50 m.
An einigen Stellen ist die Straße recht schmal und die 3,50 m sind bestimmt nicht am Fels gemessen. Teilweise sollte man da Abstand halten und muss an einigen Stellen auf die Gegenspur. Mit hohen Wohnmobilen fährt man den Gorge am Besten von Westen aus an.
Vorsicht am Wochenende mit den Bikern, egal ob mit oder ohne Motor.

Wie gesagt, die Strecken sind mit einem Kasten alle zu befahren, Comte de Laval und Georges de la Bourne zumindest bis 3,30 Höhe relativ entspannt.
Hier ein kleines Video, ca. 7 min.

Pupertier Vandalismus

Spät in der Nacht hörten wir eine Art Knall und fragten uns, was das wohl gewesen sein könnte…
Am nächsten Morgen sahen wir die Bescherung. Irgendwelche wahrscheinlich Pupertiere hatten eine Scheibe von vLadi eingeschlagen, einfach so, wahrscheinlich nur so aus Spaß. In einer Großstadt könnte ich das ja noch verstehen, aber hier am A. der Welt, wo kaum jemand lebt?
Nicht, dass wir das schlimm finden, Stockblöde waren die auch 🙂
Eine teure Bluetooth-Box, ein altes iPad, unser tolles Navi, das StandUp-Paddle und die Camping-Ausrüstung, nichts geklaut. Nur einfach so mal was demolieren…
Nun versuche man mal, auf einem Samstag den Schaden zu reparieren.
In einem Baumarkt ein Stück Plexi gekauft und hätte ich vernünftig angerissen, hätte die Scheibe auch gepasst. Aber versuche mal und das als (Ex-)Beamter ohne vernünftiges Werkzeug ne Plexiglas-Scheibe mit Rundungen passgenau zu schneiden…
So musste dann halt doch das Panzertape ran…
Jetzt mal schauen, wo es eine Lada-Werkstatt gibt…

Klar, für die Versicherung hatten wir Anzeige bei der Gendarmerie erstattet. War auch mal ein Erlebnis, in einer französischen Gendarmerie.
Uns „bediente“ eine eher zierliche, junge, nicht ganz unhübsche Gendame. Ein Alphatierchen, der es kaum interessierte, dass unser Französisch eher rudimentärer Natur ist. Sie plapperte wie selbstverständlich in einer Geschwindigkeit, aber iwie klappte es dennoch.
Auch wenn sie ein erkennbares Alphatierchen war, so war sie doch sehr freundlich und nett.
Was ich nun gar nicht gedacht hätte, dass wegen dieser Lappalie Abends die Gendarmerie auf dem Wohnmobil-Stellplatz aufgeschlagen ist und Befragungen durchgeführt hat.
Muss in dem Nest wohl doch ein Ereignis gewesen sein 🙂

16.09.2019 – Chichilianne – 92 km

Chichilianne liegt etwa 50 km südlich von Grenoble auf ca. 1.000 m Höhe.
Den Stellplatz oben hatten wir uns ausgesucht, weil er auf den Bildern recht nett aussah. Im Ort befindet sich auch noch einer mit einer tollen Aussicht auf das Massiv, war uns aber zu schief und uns störten die Häuser. Oben steht man fast alleine und absolut ruhig. Eigentlich, denn Abends kam die Schafherde zurück auf die Weide nebenan. Das Klingeln war ja noch einschläfernd, aber die drei Kuvazs konnten schon recht laut werden und die jeden Toilettengang wegen der Wasserpumpe verbellt hatten.
Für Wanderer ist der Stellplatz ideal, etliche Wanderwege führen hoch in die Berge, vor allem der mehr als spannende Klettersteig zum Col de L’Aupet.

Ich genoss die entspannte Strecke über Grenoble mit den grandiosen Blicken auf das Massiv des Vercors.

Vercors-Panorama

Im Nachhinein hatte ich mich schon ein wenig geärgert als mir Ulrike ihre Bilder gezeigt hatte. U. ist anders herum den Col de Rousset, Col de Menée und Col du Prayet gefahren, einfach geil.
Ich wäre bestimmt 3 Stunden für die Strecke unterwegs gewesen, gerade die Abstiege sind mehr als nervig mit dem schweren Bimo und ich wäre ziemlich kaputt gewesen. Das wäre es mir aber wert gewesen! Jedenfalls sind die Pässe auch mit Wohnmobil möglich.

Am nächsten Tag verließen wir das Vercors und damit die Rhône Alpes in die Provence-Alpes Cote d‘Azur. Wir sind jetzt etwas zügiger unterwegs, weil wir unsere Scheibe am vLadi reparieren lassen wollen und hier gibt es einfach nichts. Eigentlich könnten wir uns hier noch eine Zeitlang aufhalten, zu grandios ist die Gegend und es gäbe noch so viel zu entdecken.

Nächster Reisebericht: Provence-Alpes Cote d‘Azur->

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Ein Kommentar

  1. Das sind ja fantastische Berglandschaften, durch die ihr da gefahren seid! Danke für die tollen Eindrücke und die vielen nützlichen Infos!
    Liebe Grüße, Angela

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