Nevada Mitte

Der Highway 50, die einsamste Straße Amerikas und der Cathedral Grove

Vorheriger Bericht: Kalifornien der Norden

Unser eigentliches Ziel ist ja Utah, Arizona u.s.w. mit den ganzen (Canyon-)HighLights des Südwestens.
Es galt nun, ein wenig Strecke zu machen, um nicht zuviel Zeit zu verlieren, da es wieder >1.000 km ins Landesinnere geht. Grund ist der herannahende Winter und die damit verbundene u.U. Nichtbefahrbarkeit einiger Strecken. Die Nationalparks befinden sich durchweg auf >2.000m, einige Pässe auf 2.500m oder gar noch höher.

Zur Wahl stand der Hwy 80 und der Hwy 50, bekannt als “The Loneliest Road in Amerika”. Auf rund 1.000 km befinden sich mit Austin, Eureka und Ely lediglich 3 kleinere Orte mit unter 1.000 Einwohnern auf der Strecke.
Der Hwy 80 ist etwas schneller, bedeutet aber für uns einen Umweg, da er über Salt Lake City führt. Diese Stadt wollten wir aber nicht besuchen, da uns Städte nicht interessieren und diese schon gar nicht. Ich habe ein gespaltenes Verhältnis zu Religionen und Mormonen erst recht, deren Einfluss dort deutlich zu spüren ist. Aus dieser Stadt kommen ja ebenso die Zeugen Jehovas und Scientologen 😉
Wir hatten deshalb noch in Quincy (Kalifornien) so “richtig” eingekauft, Grundnahrungsmittel wie Bier, Wein… 🙂

Der Hwy 50 beinhaltet drei mittelhohe Pässe, ist insgesamt schnörkeliger, wahrscheinlich aber deutlich interessanter und bei unserer Reisegeschwindigkeit bestimmt nicht langsamer.
Im Nachhinein betrachtet war diese Strecke ein absolutes HighLight und beraubte mich des Vorurteils, dass Nevada nur langweilige Wüste sei.

01.10.2017 – Big Den Creek – 263 km

Wir kamen ja von Quincy und sind zum Frenchman Lake. Politisch noch gerade Kalifornien, geographisch geht es aber mit Prärie, Halbwüste und wenig Bewuchs schlagartig in eine wüstenähnliche Landschaft über. Die Zufahrt zum Frenchman Lake führt durch eine traumhaft schöne enge felsige Schlucht am Last Chance Creek. Hier stoppten wir zunächst einmal, um dieses Kleinod zu bewundern.

Endlose Prärie

Endlose Prärie

Bis Fallon war es noch recht bebaut und betriebsam, dahinter wurde es ruhiger. Uns kamen nur noch die vielen
Wochenendausflügler mit ihren Trailern entgegen.
Die waren offensichtlich in der Sand Mountain Recreation Area, dort befindet sich einzigartig eine einzige riesige Düne. Hier heizen die Einheimischen mit ihren ORV oder Crosser die Düne rauf und runter. Hier wären wir gerne geblieben, aber es gibt nur einen Wochenpass für 40 Dollar, egal, ob man nur einen Tag oder eine Woche bleibt oder überhaupt dort herum heizt. Bekloppt…
Wer sich die tolle Düne mal ansehen möchte, sollte mit einem normalen Wohnmobil davon absehen, da sich auf der Zufahrt drei tiefe Dips befinden und das Gelände teils tief sandig wird.

Sand Montain

Sand Montain

So sind wir weiter und hatten nach ca. 50 km den Hwy 50 auf den Hwy 722 verlassen. So langsam verstanden wir, warum das die einsamste Straße Amerikas sein soll. Außer Berge und Prärie ist hier nichts. Nach Monaten nur Wald hatte uns die gelbe Prärielandschaft mit Wüstencharakter und die hohen Berge in den Bann geschlagen.
Am Big Den Creek hatten wir uns in die Prärie geschlagen. Ein traumhaft schöner Platz im Nichts. Zum ersten Mal in all den Monaten hatten wir das Gefühl, uns wirklich mal in der Einsamkeit zu befinden.

Zufahrt Big Den Creek

Zufahrt Big Den Creek

Boondocking Big Den

Boondocking Big Den

02.10.2017 – Hickison Petroglyphe Recration Site – 129 km

Wir sind in der Wüste, -3 Grad Morgens und tagsüber um 15 Grad bei traumhaftem Wetter.

Wofür der Hwy 722 gut sein soll? Keine Ahnung, welchen Sinn dieser gut asphaltierte Hwy machen soll, denn er führt durch das Nirwana über einen 2.200 m Pass und irgendwann wieder zurück auf den Hwy 50. Vielleicht war das der alte Hwy 50, denn dieser führt um den Gebirgszug herum.
Na jedenfalls sind wir den Hwy 722 weiter über den Caroll-Pass.

Carroll Pass

Carroll Pass

Ich muss ein Vorurteil revidieren. Das mittlere Nevada hat keine HighLights? Weit gefehlt! Die Wüsten-Landschaft ist so etwas von imposant, alleine der Caroll-Pass und die darauf folgenden endlosen Täler die etwas vom Death Valley haben.

Weite

Weite

Über diese Straße fährt kein Touri, warum auch? Wer aber den Hwy 50 fährt, sollte hier unbedingt abbiegen, ist noch nicht einmal ein großer Umweg. Überall finden sich Plätze zum Übernachten und mit dem richtigen Auto könnte man sich hier Tage aufhalten, überall sind Wege zu irgendwelchen abgelegenen Sehenswürdigkeiten.

Klar, es folgte auch ein Stopp in dem ursprünglichen kleinen Nest Austin. Hier versteht man auch, woher die Trump-Wähler kommen 😉

Noch fragen ;-)

Noch fragen 😉

Austin City

Austin City

Genächtigt hatten wir auf der kostenlosen Hickison Petroglyphe Recration Site auf einem Platz mit traumhafter Aussicht.
Kleine Trails führen zu Felszeichnungen, nein, Felsritzungen früherer Kulturen.
Umrahmt ist der Platz von skurrilen Felsen. Wie kann solch ein Platz kostenlos sein? Für nichts werden sonst oft um 25 Dollar verlangt, egal, wir freuten uns.

Petroglyph Panorama

Petroglyph Panorama

Petroglyph Campground

Petroglyph Campground

Petroglyph

Petroglyph

03.10.2017 – Hickison Petroglyphe Recration Site – 0 km

Die Landschaft mit den knorrigen Bäumen und skurrilen Felsen ist so etwas von schön, dass wir beschlossen hatten, hier eine weitere Nacht zu verbringen und einige Trails zu laufen. War wohl nichts mit zügig weiter kommen 😉
Der 12km-Trail ging auf und ab, durch Schluchten, an außergewöhnliche Felsen vorbei und mit einem Panorama über das nebenan liegende Tal.
Wie ich schon mal erwähnte, die schönsten Dinge liegen oft abseits und kann man nur durch Erlaufen erkunden. Dieser Platz wäre in Europa eine Sehenswürdigkeit wo sich tausende Menschen tummeln würde! Das weitere Schöne an diesen Plätzen ist auch, dass man sie nahezu für sich alleine hat 🙂

Biken

Biken

Regen naht

Regen naht

Löcher

Löcher

Abends hatten wir unsere weitere Tour im Groben geplant und standen vor ein riesen Problem, wie man all die Punkte halbwegs sinnvoll unter Berücksichtigung des Winters abfahren soll.

Wände

Wände

Trees

Trees

Trail Panorama

Trail Panorama

In Utah, Nevada, Arizona etc. könnte man sich Jahre aufhalten. Hierbei hatten wir die gewöhnlichen Touri-Sehenswürdigkeiten noch nicht einmal berücksichtigt. Ziele sind einige abseits gelegene Spots, die in einem normalen Urlaub zeitlich nicht abzufahren wären. Wir werden erst einmal einen südlichen Bogen mit den höchst gelegenen Straßen abfahren, dann erst Richtung Grand Junction.
Ist schon lustig, zwischen zwei ca. 100km entfernten Punkten liegen gut 2.000 km und 2 Monate 🙂

Nach Wochen fiel heute mal wieder der erste Regen…

04.10.2017 – Patterson Pass – 302 km

Der Winter kündigte sich an, nur ca. 200m über uns war alles weiß. Bei uns hatte es allerdings die ganze Nacht nur gepladdert.
Nun am Morgen war der Himmel wieder blau.

Wir sind den Hwy 50 über Pässe und durch endlos erscheinende Täler mit weißen Bergen im Hintergrund und Winnetou-Landschaften weiter und hatten an der Illipah Recreation Site die Mittagspause eingelegt. Die war eigentlich ein Etappenziel, da der Platz sehr schön an einem See gelegen ist. Allerdings waren wir schon sehr früh dort und eigentlich kann man dort außer Fischen nichts machen, so sind wir weiter.
Das Fahren ist auf diesem menschenleeren Hwy auch so was von entspannt und schwups waren 300 km weg.

Wetterumschwung

Wetterumschwung

Weite

Weite

Nach Ely, dem größten Western-Ort in diesem nichts sind wir auf den Hwy 93 Richtung Süden. An der Patterson Road sind wir auf einer traumhaft schönen Recreation Site mit grandiosem Panorama hängen geblieben, uns unverständlich, dass solche Plätze kostenlos sind.
Belegt war der Platz vornehmlich mit Jägern, die Jagdsaison hat nämlich begonnen.

Ely

Ely

Jim, ein neugieriger Amerikaner aus Las Vegas lud mich zu einer Ausfahrt in seinem ORV ein, was ich ja nicht ausschlagen konnte 😉
Wir sind die Patterson Road weiter über den gleichnamigen Pass und dann ins Cave Valley. Was für ein Ausblick!
Umgeben von Bergen wie die Dolomiten und ein grünes Tal voll mit Rehen.
Die gut zu fahrende Gravel-Road (hat nur am Pass einen steilen Rumpel-Abschnitt) führt wieder kurz bei Ely auf den Hwy. und wäre auch gut mit dem Bimo zu fahren gewesen. Aber weiß man das vorher?
Er ist dann noch Pfade mit mir gefahren, da wäre jedes Expeditionsmobil gescheitert 😉
Ich will auch solch ein Teil! 🙂

Patterson Pass

Patterson Pass

Paterson Road

Paterson Road

Mondaufgang

Mondaufgang

Die Rückfahrt bei Sonnenuntergang ist ein bleibendes Erlebnis.
Diese Ausfahrt ist mit Geld eigentlich nicht gut zu machen, so grandios waren die Eindrücke.
Als dann kurz nach Sonnenuntergang der Vollmond aufging, nach langer Zeit wieder ein “richtiges” Lagerfeuer angeheizt und das Steak auf den Grill kam, war der Tag perfekt.
Heulende Coyoten in der Nacht rundeten das Bild dann ab…

Wiederholt eine Amerkung:
Man sollte die Pfade verlassen, die Kleinode und Schönheiten liegen oft im Abseits. Wer einfach nur von “Spot” zu “Spot” hetzt, dem entgeht vieles!

05.10.2017 – Cathedral Cove – 101 km

Wir sind den Hwy 93 weiter Richtung Süden zur Cathedral Cove mit traumhaft schönem Campground sogar mit Dump, Duschen und das für 17 Dollar. Leute, die immer umsonst stehen möchten, finden 10 km vorher in Pioche einen Stellsplatz im Ort, sogar mit Dump und Wasser.
Aber ich unternehme nicht solch eine Tour, um mir wegen 15 Euro solche einen Platz mit einer solchen Aussicht entgegehn zu lassen.

Millers Point

Millers Point

Dom

Dom

Cathedral Cove Trail

Cathedral Cove Trail

Bizarr

Bizarr

Die Cathedral Cove besteht aus erodiertem Sediment eines prähistorischen riesigen Sees das an Kathedralen erinnert, das heutige sog. Bassin.
Die Cathedral Cove hat ähnlichkeit mit dem Bryce-Canyon ohne aber dessen Gewaltigkeit zu erreichen. Aber dennoch, traumhaft schön und mit ihren “Caves”, die eher Auswaschungen sind, ist sie schon etwas Besonderes. Da sie abseits der gewöhnlichen Touri-Routen liegt, ist sie kaum bekannt und fast unberührt.

Cathedral Grove

Cathedral Grove

Cathedral Campground

Cathedral Campground

Man merkt in dieser Gegend die Nähe zu Las Vegas, es ist deutlich wärmer, wir hatten heute gut 22 Grad bei allerblauestem Himmel.
Das war es denn erst einmal mit Nevada, morgen geht es nach Utah.

Der Clip bis hierher, ca. 10:20 min

Gefahrene km: 24.238
Gelaufene km:        719

Nächster Bericht: Utah I mit Snow Canyon, Zion, Coral Pink Dunes, Red und Bryce Canyon sowie Kodachrome

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