Haltbarkeit von Diesel im Kanister

Bild Zapfsaeule

Zapfsäule

Wer kennt das nicht, da findet man in der Garage einen Kanister mit Diesel oder schleppt den schon seit Jahren im Auto oder Wohnmobil mit sich herum.
Dann stellt sich Frage, kann ich den Diesel bedenkenlos in meinen Tank schütten ohne Schaden am Motor anzurichten? Wie ist die Haltbarkeit von Diesel?
An den modernen Stammtischen in Foren werden dann wieder die dollsten Weisheiten kund getan, woher die Leute auch immer ihre Weisheiten bezogen haben mögen  🙄
Da ist die Rede davon, dass sich der Diesel nach 3 Jahren zersetzen würde und weiterer Unsinn.
Allerdings, heute muss das durch die Beimischung von Biodiesel (FAME und  RME) differenzierter betrachtet werden…

Diesel / Benzin

Diesel und Benzin altern richtig gelagert nicht wirklich, vielleicht in einem Zeitraum, den wir alle nicht mehr erleben…
Die Kavernengesellschaften, also die, die unsere 3 Monate Sprit bei Totalausfall der Spritlieferungen sicherstellen sollen, lagern Sprit und Diesel  teils  10 Jahre.  Wenn der Diesel natürlich bei hohen Temperaturen, Wasser, oder nicht luftdicht verschlossen gelagert wurde, können sich die Normwerte der DIN EN 590 verschlechtern.

Biokraftoffe – Biodiesel

Mit dem Biokraftstoffquotengesetz (BioKraftQuG) wurde zum 1. Januar 2007 eine  Biokraftstoffquote eingeführt. Es wurde festgelegt, dass ein Mindestanteil von Biokraftstoffen am gesamten Kraftstoffabsatz in Deutschland vorgeschrieben und reguliert wird.
Lag der Anteil Anfangs um 3 %, liegt er heute bei 7%. Beim Biokraftstoff treten aber zwei Probleme auf:

Fettsäuren

Durch den Luftsauerstoff können die ungesättigten Fettsäurestrukturen leicht oxidieren. Unter Einfluss von Wärme, Licht und Druck wird das Öl in kurzer Zeit ranzig. Licht und Druck kommen bei uns nicht vor, aber im Sommer die Wärme. Die Folgen sind Oxidation mit einer Zersetzung des Biodiesels in kurzkettige Fettsäuren sowie die Bildung von unlöslichen Polymeren, so genannte Gums. Dadurch können Schäden am Motor und dem Einspritzsystem eintreten.

Dieselpest

Mikroorganismen (Bakterien, Hefen, Schimmelpilze) im Dieselkraftstoff zersetzen die Kohlenwasserstoffe und es bildet sich ein Bioschlamm. Je mehr Wasser im Diesel und Futter (insbes. FAME ) für Bakterien vorhanden ist, desto größer ist die Infektionsgefahr.

Ich zitiere mal die Firma Rotek:

Wir weisen darauf hin, dass den Dieseltreibstoffen in Deutschland und Österreich verpflichtend Biodiesel beigemengt ist.
Durch diese vorgeschriebene Beimengung ist „normaler“ Dieseltreibstoff nur mehr ca. 6 Monate bedenkenlos lagerfähig!
Nach ca. 6 Monaten tritt ein vermehrter mikrobieller Bewuchs im Dieselkraftstoff ein. Durch diese Organismen werden Korrosionen im Tank und Motor gefördert sowie Biomasse gebildet. Diese Biomasse verklebt Einspritzdüsen, Einspritzpumpe und schädigt nachhaltig den Motor

Auf Grund beruflicher Erfahrungen mit der Dieselpest und der Aussage der Firma Rotek mit ist und nicht kann oder wahrscheinlich, stimmt mich das schon nachdenklich.

Additive

Um den Punkten Fettsäuren und Dieselpest entgegen zu wirken, werden durch die Mineralölhersteller Additive eingesetzt. Da diese Additive teuer sind, vermag ich nicht zu sagen, in wie weit sie wirken, in welcher Dosis sie zugesetzt werden und in wie weit sie selber einem Zerfall unterliegen. Ich stehe dem normalen Diesel da erst mal skeptisch gegenüber.
Daneben dienen die Additive zur Verbesserung der Verbrennungseigenschaften des Diesels.

Fazit

Die Die Dieselpest-Problematik die wir heute haben, hat nichts mehr alleine mit dem Reservekanister zu tun, ist eher eine Grundsätzliche, auch immer dann, wenn wir das Wohnmobil länger abstellen!
Diese weitere Recherche bestätigt mich in dem, was ich bereits in meinem Artikel Diesel Additiv in der zweiten Hälfte geschrieben habe. Wenn ihr euer Wohnmobil länger abstellt, tankt vorher Premium-Diesel!

  • Findet ihr einen Kanister mit Diesel, der vor 2007 befüllt wurde, könnt ihr den bedenkenlos in den Tank füllen, da darin kein Biodiesel enthalten sein wird und wie gesagt, Diesel wird nicht nicht schlecht. Der Biodiesel war zu teuer, als das der zugemischt wurde.
    Aber der sollte auch zuvor sauber und bis oben hin gefüllt sein, um eine Verunreinigung mit Kondenswasser auszuschließen sowie luftdicht verschlossen gewesen sein!
    Aber: Der Schwefelgehalt war damals höher, das vertragen die heutigen Motoren auch nicht mehr und die Eigenschaften der Additive können sich verändert haben.
  • Bei einem Kanister, der nach 2007 befüllt wurde, befindet sich garantiert Biodiesel in dem Diesel. Hier zunächst den Diesel in Augenschein nehmen, ob der klar ist. Ist der nicht klar, hat die Dieselpest wahrscheinlich schon zugeschlagen und entsorgen. Das Problem mit den Fettsäuren ist aber immer noch da.
  • Wie gesagt, der Diesel an sich wird nicht schlecht, aber die Eigenschaften können sich verändern, erst recht bei unsachgemäßer Lagerung. An die modernen Motoren werden heute hohe Anforderungen gestellt. Womit ein Dieselmotor früher klar kam, werden heute Schäden provoziert. Deshalb sofort zur nächsten Tankstelle fahren, auffüllen und die Tankfüllung zügig verfahren!
  • Wer auf einen Reservekanister nicht verzichten mag, sollte den nur mit Premium-Diesel befüllen und nach einer gewissen Zeit in den Tank kippen. Das sehe ich eher als Vorsichtsmaßnahme in Bezug auf die Additive in wie weit deren Eigenschaften erhalten bleiben.
    Premium-Diesel enthält keine Biokraftstoffe und ist wegen der steuerlichen Nachteile und zusätzlicher Additive so teuer, aber leider zu empfehlen, will man gewissen Problemen aus dem Weg gehen…
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