Sternenhimmel fotografieren

Seit rund einem Jahr sind sie ganz oft zu sehen, die grandiosen Sternenhimmel Bilder wie diese hier: Google Bildersuche.
Ich war immer ganz neidisch, aber mittlerweile sind auch lichtstarke Weitwinkel günstig zu bekommen und auch die kompakten Kameras haben immer lichtstärkere Objektive und bessere Rauschunterdrückungsverfahren.

Sternenhimmel

Sternenhimmel

Auf unserem Amerika-Trip will ich das auch endlich auch mal hin bekommen und habe mich mit dem Thema beschäftigt. Das obere Bild ist eigentlich eher ein erster Versuch und leider war die Milchstraße im Winter zu diesem Zeitpunkt kaum zu sehen.
Auch wenn das nicht so ein HighLight ist, ist es aber ein nettes Beispiel dafür, was man mit wenig Aufwand erreichen kann, das Bild ist kaum bearbeitet! Man stelle sich vor, die Milchstraße wäre richtig zu sehen gewesen! 🙂

So fotografiert man den Sternenhimmel / Milchstraße

Da hier ja eher die Hobby-Fotografen unterwegs sind, behandel ich mal das Thema wie man das auf die einfachste Art und Weise hin bekommt. Im Anschluss daran einige Möglichkeiten für die ambitionierteren Fotografen.

Die Problematik

Früher dachte ich immer, diese Bilder werden mit Teleobjektiven gemacht 😉
Weit gefehlt, man benötigt weitwinkel, je weiter, desto besser, mit einem Teleobjektiv wären die Bilder so gar nicht möglich. Warum? Ihr glaubt gar nicht, wie schnell die Sterne sind. Selbst bei nur 30 sek. Belichtung seht ihr auf einem 50mm-Objektiv schon Streifen! Die Bewegung ist auch bei einem Weitwinkel da, aber dadurch, dass der Bildausschnitt so groß ist, fällt das nicht auf.

SternenhimmelDie Sterne sind nicht gerade hell, es muss also entsprechend lang belichtet werden. Ihr solltet euch deshalb in die Natur, weit ab jeglichen Störlichtes bewegen. Bei dem Bild oben war es absolut stockfinster, das Licht des Horizontes auf dem Bild links nur ein leichter Schein!
Für Apple gibt es eine tolle App The Photographer’s Ephemeris (TPE), unabdingbar für Nachtfotografen, u.A. kann man sich auf der Karte die Gebiete mit dem wenigsten Lichtsmog anzeigen lassen.

SternenhimmelAuch mit mehr Licht kann man schön zaubern, erfordert in der Nachbearbeitung allerdings mehr Mühe, siehe Bild links. Hier wurde in einer Maske anschließend der Himmel herausgearbeitet. Auch hier betrug die Belichtungszeit 30 sek. bei Blende 2.0.
Macht man ein solches Bild bei Vollmond, sieht das aus, als wenn die Sonne scheinen würde. Sonne mit Sterne, das ergibt ebenso tolle Effekte.

Die Fotoausrüstung

Objektiv

Früher waren gute Weitwinkel-Objektive schweineteuer, da hat Samyang echt einen Coup gelandet.
Sorry für die Amazon-Werbelinks, aber hier habe ich mir das Samyang 14mm F2.8 für meine Vollformat-Sony geholt, die Links setze ich aus Überzeugung. Es gibt noch ein Samyang 12mm F2.0, das ist aber nur für AP-C Sensoren, also normale DSLR geeignet. Das 14mm ist für beide Typen geeignet, Vollformat wie AP-C und in den Eigenschaften soll es angeblich auch besser sein.
Das 14mm zeichnet sich durch eine tolle Schärfe aus, wird bei Offenblende nur an den Rändern leicht unscharf. Die Farbverzeichnungen wie bei meinem alten Nikon sind hier gar nicht vorhanden. Sicherlich tritt eine Distorsion (Verzeichnung) in der Bildmitte auf, ist aber bei der Art Bilder zu vernachlässigen, bzw. sind leicht auszugleichen. Eine leichte Vignettierung ist ebenso leicht auszugleichen. Insgesamt bekommt man für das Geld richtig was geboten, bei den Marken-Objektiven müsste man schon mehr hinlegen. In der Praxis hat sich übrigens gezeigt, dass die F2.8 ausreichen.

Kamera

Für welche DSLR oder Spiegellose man sich entscheidet, dass sei einem selbst überlassen. Es macht natürlich Sinn, dass die Kamera über ein gutes Rauschverhalten verfügt. Eine Vollformat-Kamera macht da den größten Sinn, ist aber eine Frage des Geldbeutels und ob sich das für unsere Bildschirmbilder lohnt…

Apropos lohnen…
Sternenhimmel-3Wer nicht die große Ausrüstung mit sich herum schleppen möchte, kann auch über eine kleine Bridge oder Systemkamera nachdenken. Die sind mittlerweile so gut geworden, dass man sich echt fragen kann, ob sich eine große DSLR mit all dem Equipment noch lohnt.
Für die Bilder zwischendurch habe ich mir die canon gx5 zugelegt. Die macht meine Sony A7r in vielen Fällen überflüssig.
Gerade die Nachtaufnahmen überraschten mich wirklich, das Bild links ist mit der Canon gemacht und muss sagen, aber hallo!!
Der Einstieg ist also relativ günstig. Die Canon kann alles, was eine DSLR auch kann, hat ein gutes Rauschverhalten und mit F2.0 ein lichtstarkes Objektiv. Die Bildqualität reicht für hochauflösende Bildschirme bis zu Ausdrucken in DIN A 4, nur wer kunstvolle Composings erstellen möchte, dafür ist sie nicht die erste Wahl. Bei 100% Darstellung sieht man dann doch die Unterschiede zu einer guten DSLR.

Die Fototechnik

Wie ganz oben beschrieben, haben wir das Problem, dass die Sterne wandern. Je größer die Brennweite, desto weniger fällt der Effekt auf und desto länger kann man belichten. Hierfür gibt es eine Fausregel:

APS-C-Kameras (Standard-Sensoren):
Zeit = 500 / 1,6 * Brennweite

Vollformat-Kameras:
Zeit = 500 / Brennweite

Wir brauchen heutzutage ja keine Filme mehr kaufen, so kann man ein wenig experimentieren. Die obigen Bilder sind mit einer Belichtungszeit von 30 sek. bei Offenblende F2.8 (Sony mit Samyang) bzw. F2.0 (Canon) gemacht. 

In einigen Tutorials wird beschrieben, die ISO möglichst hoch zu drehen, als Tipp wird hier oft ISO 1.600 gegeben.
Aber, je höher die ISO, desto mehr Rauschen, bzw. bei der Entrauschung gehen u.U. viele Details verloren. Die Bilder oben sind alle mit ISO 400 gemacht, das reicht also aus, bzw. ausprobieren…

Die Bildbearbeitung

gradiationskurvenSicherlich erzielt man schon von Haus aus gute Ergebnisse. Aber erst mit der Bildbearbeitung bekommen die Bilder den letzten Schliff. Ich beschreibe hier ausschließlich das Arbeiten mit Photoshop, mittlerweile bekommt man den ja relativ günstig, an Photoshop kommt einfach kein anderes Programm heran.
Wenn man schon nur an den Gradiationskurven dreht (Bild links), bekommt man tolle Ergebnisse. Dunkle Bereiche werden abgedunkelt und helle Bereiche (Sterne) aufgehellt. Die ersten beiden Bilder oben beschränken sich auf diese Technik. Diese einfachste Bildbearbeitung lässt sich mit nahezu jedem Bildbearbeitungsprogramm durchführen und sei es, das man nur die Kontraste erhöht.

RAW-FilterWer Photoshop sein Eigen nennt, macht das über den Camera RAW-Filter. Mit einer DSLR sollten die Bilder auch zunächst als RAW aufgenommen worden sein, warum, lese meine Bericht RAW oder JPG dazu.
Aber auch als JPG wie mit der Canon aufgenommene Bilder lassen sich mit diesem Filter bearbeiten.
Der Camera RAW-Filter hat sich mittlerweile zu einem unglaublich starkem Tool entwickelt. Nahezu alle wichtigen Bearbeitungen lassen sich hierüber machen.
Gradiationskuven, schärfen aber als Wichtigstes, man kann das Rauschen bei gleichzeitigem Erhalt der Schärfe entfernen.

Bildbearbeitung der Profis

MaskeEin Tutorial für Photoshop würde den Rahmen hier für die Hobby-Fotografen sprengen, ich denke, wer Photoshop auf den Rechner hat, der kennt sich auch mit den grundlegenden Funktionen aus.
Die Bilder, die auf dem Google Link zu sehen sind, sind wohl mit den gängigen Techniken entstanden.
Duplizieren von Ebenen, Maskieren von Bereichen, die nicht oder gesondert bearbeitet werden sollen, erstellen einer Dodge&Burn Ebene, wo helle oder dunkle Bereiche mittels Abdunkeln oder Abwedeln heraus gearbeitet werden.

Alternativen zu einer aufwändigen Bildbearbeitung mit Photoshop wäre auch eine Software zum Erstellen von HDR-Bildern, die eine weitere Bearbeitung überflüssig macht.

Photomatix

Man erstellt mindestens drei, besser um 6 Bilder seines Bildes. Jeweils um eine Blendenstufe unter, bzw. überbelichtet. Daraus wird dann aus all den Bildern  ein HDR-Bild geschaffen. Die Ergebnisse sind phänomenal, alles mit nur ein paar Klicks, das Programm ist bei mir schon seit Jahren im Einsatz.
Photomatix kostet allerdings im 90,- Euro.

DeepSkyStacker

Das kostenlose DeepSkyStacker verwenden die Himmelsfotografen, eine Bildbearbeitung ist anschließend gar nicht mehr notwendig. Die letzten Details werden aus der Aufnahme heraus geholt, bzw. das, worauf es ankommt wie unsere Galaxie, herausgearbeitet.
Das Proggi ist allerdings nicht ganz einfach zu bedienen und bis zu 50 Bilder müssen erstellt werden.

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2 Kommentare

  1. The Photographer’s Ephemeris (TPE)… gibt es auch für Android… für den Landschaftsfotografen fast ein “Muss”… und für Windowsrechner kostenlos.

    Bearbeite meine Bilder zu 95 % in Lightroom (entsprechend Camera Raw in Photoshop) m.E. fast immer voll ausreichnd auch für Nachtaufnahmen. Auch die HDR Funktion in Lightroom ist zu 90 % ausreichend.

    Guter Artikel, wie die ganze Seite super ist. Vielen Dank für die vielen Tipps. Bitte weiter so. … und eine super USA Reise.

    Henning R

    • Moin Henning,
      danke Dir für das Löbchen! Merci für den Tipp mit TPE, wusste ich noch nicht. Das Camera Raw PlugIn im Lightroom ist der Selbe wie im Photoshop.
      Mittlerweile hat sich das Teil zu einem solch mächtigen Instrument entwickelt, dass man bei der Entwicklung damit völlig auskommt.
      Photoshop braucht man wirklich nur, wenn man die Bilder grafisch bearbeiten möchte.

      LG Michael

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