LKW als Womo

LKW-Fahrgestell

LKW-Fahrgestell Liner

Die Frage kam schon mal in Gesprächen auf. Wieso soll man ab 3,5T nicht gleich zu einem LKW greifen? Groß, robust und langlebig…
Oder warum bauen sich so viele einen LKW als Wohnmobil aus, es gibt doch auch relativ große Kästen mit LLKW-Fahrgestell?
Bei Neufahrzeugen ist das erst mal einfach eine Frage des Preises, bzw. des Etats. Das geht dann los bei um 170.000 für einen kleinen Liner über kleinere Expeditionsmobile von ca. 250 – 350.000 bis open end.
Für Selbstausbauer ist das der fast alternativlose Einstieg in die robuste Welt der Brummis. LLKW (Sprinter, IVECO) sind, wenn sie zum Verkauf stehen, meistens im Kurzstreckenverkehr durchgenudelt. LKW sind im Gegensatz dazu eher auf Langstrecke unterwegs gewesen und die ist für einen Motor weniger belastend.
Sicher sind etwas höhere Unterhaltskosten einzuplanen, der Satz Reifen, der mal gut > 2.000 Euro kosten kann, Spritverbräuche um 17 – 20 L/100 km, im Gelände auch mal gut 50 L und was sonst noch so dazu kommt. Dafür erhält man aber was handfestes an der Hand, was nicht gleich auf der ersten Schotterpiste auseinander fällt 🙂
Nur ein paar Gedanken als Anregung, wer sich vielleicht einen LKW als Basis für ein Wohnmobil zulegen möchte oder mit dem Gedanken spielt.

Vorteile / Nachteile

Vorteile

LKW sind für hohe Kilometerleistungen ausgelegt, ein MAN oder Mercedes Atego macht bei entsprechender Wartung nicht selten eine Million Kilometer. Das ganze Fahrgestell ist auf Belastung ausgelegt, entsprechend robust und langlebig ist ein LKW. Wer nicht auf die 7,5 T Rücksicht nehmen muss, hat Zuladung ohne Ende. Nur bei den LKW sind noch Motoren zu haben, die vom Werk aus Spritqualitäten vertragen, die in Südamerika oder Afrika  vertrieben werden. Für Fernreisende, die auch mal die eingefahrenen Pfade verlassen wollen, ist ein LKW deshalb die erste Wahl.

Nachteile

Hohe Wartungskosten wie Reifen (bei Expeditionsmobilen), im Gegensatz zu Transportern mit Ausnahme der Luxus-Liner geringerer Fahrkomfort, geringere Reisegeschwindigkeiten und höherer Verbrauch. Bei Fahrzeugen über 7,5 Tonnen noch einige Beschränkungen bezüglich Straßen mehr.
Allrad-LKW sind auf der Straße durch die oft verwendeten A/T-Reifen auch recht laut.

Bimobil Expeditionsmobil

Bimobil Expeditionsmobil

Der gemeine Wohnmobil-Fahrer führt gerne die Größe der Fahrzeuge im normalen Straßenverkehr als Nachteil an. Ich sehe da allerdings in der Regel keine wirklichen Nachteile.
Ich fahre keinen LKW, sondern nur einen kleinen Sprinter, aber bin mit 2,35 Breite, 3,40 Höhe und 5,3 T, mit Anhänger 7,3 T und 12m Gesamtlänge auch nicht mehr gar so klein.
Der Unimog im Bild links hat die gleiche Größe, vor allem die Höhe, wie unser Bimo, er wirkt nur wuchtiger.
Das Fahren an sich stellte noch nie ein Problem dar, selbst mit voller Gespannlänge fand ich bei LIDL oder sonstwo meist einen Parkplatz. Ebenso waren kleine Straßen und Serpentinen locker zu befahren. Bei kleinsten Straßen mag das stimmen, aber da haben die Standard-Wohnmobile aber auch ein Problem.
Wenn ich sehe, durch welch kleine Ortschaften oder Dörfer Linienbusse fahren, da komme ich auch mit einen kleinen LKW immer durch.

Wohnmobil-Liner auf LKW Chassis

Concorde

Concorde

Werden z.B. auch als Alkoven von Phönix, Concorde, Carthago etc. auf Basis MAN, EuroCargo oder Atego angeboten. Da nicht so viele Wohnmobil-Fahrer im Besitz eines Führerscheines der Klasse CE sind, werden diese Fahrzeuge meist auf 7,49 T abgelastet.
Abgelastete LKW bieten bei 7,5 T oft kaum Nutzlast, vielfach nur um 300kg, da die Fahrgestelle schon sehr schwer sind. Wem die Robustheit eines LKWs wichtig ist und mit der geringen Zuladung leben kann, ok…
Wirklich Sinn machen diese Fahrzeuge für mich nur mit Führerschein der Klasse CE um sich über Zuladung bei einem so großen Wohnmobil keine Gedanken machen zu müssen.

Langsam kommen auch VI auf LKW-Fahrgestellen daher, z.B. Morelo auf  EuroCargo .
Wenn man keinen Alkoven hat, ist solch ein Fahrzeug bei gleichem Wohnraum gut 1,5m länger, da das Führerhaus ja nicht in den Wohnbereich integriert ist.

Der 4×4 LKW als Expeditionsmobil

MANi

MANi

Nicht umsonst sind viele Weltreisende mit einem Expeditionsmobil auf LKW-Basis unterwegs. Robuste Technik auch im Ausbau, wirklich hochbeinig, Allrad, damit kommt man nahezu überall hin und durch.
Nur, hat man ein Expeditionsmobil mal versenkt, hilft eigentlich nur noch ein Bergepanzer 😉
Konstruktionsbedingt steht meistens nicht so viel Stau- und Wohnraum im Vergleich zu einem gleich großen Alkoven-Mobil zur Verfügung. Klar, gibt es auch, ein besichtigtes Expeditionsmobil mit dem Raum unseres Bimos wog dann aber 18T.

LKW im Selbstausbau

Hermann unterwegs

Hermann unterwegs

Die kostengünstige Variante…
Das ist der Schlag Mensch mit zwei gesunden rechten Händen, Weltreisende sie sich ein 4×4 Expeditionsmobil auf Basis alter Militärfahrzeuge bauen. Oder die einfach ein Wohnmobil wünschen, Basis sind hier oftmals Koffer-LKW.

Koffer-und auch Allrad-LKW sind gebraucht teils relativ günstig zu erstehen und selbst mit um 300.000 km auf der Uhr halten sie oft noch ewig. Hier mal ein Paradebeispiel, ein Sahnehäubchen eines Wohnmobil-Ausbaus: Einraumwohnung.eu.
Wer einen alten 4×4 Militär-LKW auftreiben kann, baut sich dann sein Expeditionsmobil (Bildquelle links: Herman unterwegs) selbst: Herman unterwegs .

Meine Quintessenz

Ob LKW oder Kleinlaster wie Sprinter oder IVECO, das ist eine Frage der Zielsetzung, Ansprüche und vor allem des Geldbeutels.
Völlig klar, wer den Etat hat, leistet sich einen LKW als Expeditionsmobil, einen Alkoven-Liner oder ein LKW-Fahrgestell für seinen VI-Liner, sieht einfach geil aus und es macht Spaß 🙂

Wer nur ab und an mal OffRoad gehen möchte, für den lohnt sich IMHO z.B. die Anschaffung eines LKW-Expeditionsmobil ob der Nachteile bezüglich Fahrkomfort nicht. Das sind Fahrzeuge für bestimmte Einsätze. Wie wichtig ist es einen, dass man wirklich fast überall hin kommt, wie groß der Asphalt-Anteil? Die schweren 12 Tonner haben OffRoad auf Grund ihres Gewichtes auch manchmal so ihre Nachteile, ein kleines IVECO– oder Bremach Expeditionsmobil kann hier vorteilhafter sein.

Auf 7,5T abgelastete Mobile machen für mich keinen Sinn, den Biervorrat aufgefüllt und man darf nicht mehr Tanken gehen, überspitzt gesagt. Das ist dann nur was für die Show…

Für Selbstausbauer ist es keine Frage…
Mit einem LKW lassen sich die individuellen Wünsche am Besten realisieren und erhält zudem ein robustes Fahrzeug.

Wer nicht gerade zur Zielgruppe der Luxusliner, Weltreisenden oder Selbstausbauer gehört, dem  Fahrkomfort, Laufruhe, Wirtschaftlichkeit und ebenso eine hohe Zuladung wichtig ist, empfehle ich eher einen LLKW wie Sprinter oder IVECO. Da muss es kein LKW sein…

Nur mein Senf 😉

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2 Kommentare

  1. Wie im Beitrag schon gesagt ist die Zielsetzung massgeblich! Wir grübeln ständig darüber, was speziell für uns richtig ist. Hatten schon Selbsbstbau DB 10.13 Funkwagen…zu unhandlich, zu schwer…viele 3.5. t Strassen ! Viano Marko Polo…handlich, zu klein. 508 D kein Innenraum, kein Fahrkomfort.
    Wohnwagen mit Offroader, Campingplatzgebunden. Vorteil mobilität vor Ort !
    Allrad meist nicht nötig, Momentan auch Sprinter 312 D Automatic (für uns wichtig) Vollintegriert GFK Aufbau, Sperrdifferenzial und Hinterradantrieb reicht uns völlig. 3.5 t für alle Strassen ! Frontantrieb wäre Ausschlusskriterium für uns.
    Klar schielen wir nach den riesen Luxuskisten, doch unsere Strecken können die nicht fahren!

    • Wegen der kleinen Straßen stellt unserer ja auch den Kompromiss zwischen Mobilität auf kleinen Straßen und wohnen dar. Die Großen finden wir auch toll, aber sie beschränken auch zu sehr.

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