KFZ-Versicherung ab 65 teurer

Ein Leser meines Blogs hat mich verärgert auf den Umstand von Risikozuschlägen in der KFZ-Versicherung hingewiesen. Da es mich (noch) nicht betrifft, hatte ich mich mit dem Thema noch nicht beschäftigt. Die Kfz-Versicherung wird für ab 65 – 69 jährige Kfz- und deshalb auch Wohnmobil-Fahrer bei Neuabschluss einer neuen Kfz-Versicherung oder Vertrages teils drastisch von 70 bis zu teils 100% teurer. Einige verlangen auch ohne Neuabschluss schon teils drastische Beitragserhöhungen für ältere Wohnmobil- und PKW-Fahrer.

KFZ-Versicherung Risiko Senioren

KFZ-Versicherung Risiko Senioren

Was ist der Hintergrund?

Versicherungen berechnen ihre Beiträge nach dem Risiko. Bei jüngeren Fahrern, bei der Krankenkasse, Unfallversicherung (Risikogruppen) kennen wir das ja bereits.
Bisher war und ist es ja so, dass wir für langes unfallfreies Fahren durch das Rabatt-System belohnt werden. Nun haben die Versicherungen wohl entdeckt, dass die älteren Verkehrsteilnehmer ein erhöhtes Unfallrisiko darstellen. Hach, was ein herrliches Stammtischthema… 😉
Statistiken scheinen nun zu belegen, was ich gefühlt im Straßenverkehr wahrnehme.

Zitat Deutsche Verkehrswacht:

Sofern über 64-Jährige als Pkw-Fahrer an einem Unfall beteiligt waren, trugen sie in zwei Drittel (67,1 Prozent) der Fälle die Hauptschuld an dem Unfall, bei den 75-Jährigen und älteren waren es 75,1 Prozent.

Fakt ist nun einmal, dass die Leistungsfähigkeit mit zunehmenden Alter abnimmt. Die Sehfähigkeit, insbesondere bei Nacht lässt nach, die Reaktionsfähigkeit oder auch andere “Gebrechen” schränken die Fahrtüchtigkeit doch ein. Gewisse Unpässlichkeiten können und werden zwar durch Erfahrung und Praxis ausgeglichen, aber irgendwann ist auch dies nicht mehr ausreichend.
Das Hauptproblem älterer Menschen ist eine zunehmende Uneinsichtigkeit, das nicht wahr haben wollen der eigenen Unzulänglichkeiten. Der Verlust der Mobilität und etwas nicht mehr tun zu können, was Zeit des Lebens ein fester Bestandteil und man vielleicht sogar gut drin war, ist natürlich auch ein psychologischer Moment.
Noch gibt es keine Gesundheitsüberprüfungen, die fahruntaugliche Verkehrsteilnehmer (egal welches Alter) aus den Verkehr ziehen, so erhält man seinen Führerschein auf Lebenszeit.
Rund 14 Millionen Bundesbürger über 65 Jahre haben laut Kraftfahrt-Bundesamt z.Zt. eine Fahrerlaubnis, das ist etwa jeder Vierte der 56 Millionen Führerscheinbesitzer in Deutschland.
Legt man dann die o.g. Unfallstatistik als Maßstab an, ist es nicht verwunderlich, dass die Versicherungsbeträge für diese Gruppe steigen.
Ich persönlich glaube zwar (Statistiken darüber scheint es nicht zu geben), dass die Wohnmobil-Fahrer innerhalb dieser Gruppe die wenigsten Unfälle produzieren, da sie es gewohnt sind, mit großen Fahrzeugen nahezu täglich unterwegs zu sein und über eine sehr große Fahrpraxis verfügen. Aber hier gilt leider wie so oft im Leben, mitgefangen, mitgehangen

Was kann man tun – Tipps

Gegen den Trend der Risikoaufschläge kann man sich im Prinzip nicht wehren, da sich diese durchsetzen werden, einfach shit happens. Bestenfalls kann man einen Risikoaufschlag etwas minimieren oder auch vermeiden.

Altverträge sind in der Regel nicht betroffen, die Beiträge bleiben bei einigen Versicherungen wie bisher. Andere Versicherungen scheinen aber auch hier Risikoaufschläge vornehmen zu wollen. Sollte dies der Fall sein, kann ein Vertrag bei einer Beitragserhöhung durch das Sonderkündigungsrecht gekündigt werden. Informiert euch dann bei Portalen wie Verifox oder über Google bei anderen Versicherungen über die günstigsten Beiträge und lest vor allem die Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB)!

Nähert ihr euch dem relevanten Alter und habt vor, euch noch ein neues Wohnmobil zuzulegen, macht das vor erreichen der Altersgrenze. Schaut bei der Wahl der Versicherung unbedingt in die AVB, dass die Beiträge bei erreichen der Altersgrenze nicht erhöht werden!

Was nicht günstiger ist, das Wohnmobil auf einen Jüngeren (z.B. Kinder) zuzulassen und über jene eine Versicherung abschließen. Jüngere haben zumeist nicht so einen hohen Schadenfreiheits-Rabatt.  Wenn auf die Angabe der zusätzlichen Fahrer verzichtet wird, dürften die Beiträge nicht geringer, eher höher Ausfallen. Wird ein Senior als Fahrer angegeben, der in die Risikoklasse fällt, ist gar nichts verdient, da der in der Beitragsbemessung berücksichtigt wird.

Meinung

Es wird sich immer auch so schön von Verbänden und sonstwem gegen eine Gesundheitsprüfung gewettert…
Würde die durchgeführt werden und Fahruntaugliche die weder körperlich und geistig in der Lage sind, ein Fahrzeug zu führen, aus dem Verkehr gezogen werden, würden die Beiträge sinken, gerade bei den Senioren. Denn ich glaube, dass die fahrtauglichen Senioren, insbesondere die Wohnmobil-Fahrer hier die geringsten Unfälle verursachen.

 

Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

7 Kommentare

  1. Es ist das gleiche Dilemma wie mit allen anderen “Risikogruppen” auch. Ähnliche Diskussionen werden auch immer wieder bei anderen “Ver-Sicher-ungen” angestoßen, wie z.B. Risikozuschäge für Raucher, Fettleibige oder für die Freunde von Risikosportarten in der Krankenversicherung. Die Arbeitgeberverbände stehen seit Anfang der 90iger Jahre bei allen Regierungen auf der Matte bei Freizeitunfällen (z.B. beim Sport) die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall einzuschränkenbzw abzuschaffen, oder wie in diesem Beispiel die Prämien für ältere Verkehrsteilnehmer zu erhöhen. Das sind nur wenige Beispiele der schleichenden Entsolidarisierung unserer Gesellschaft, insgesamt.
    (Schon das Wort Risikogruppe, grenzt Menschen die nicht dem ökonomisch sinnvollen “Norm-verhalten” entsprechen, aus.)

    Wir sind als Gesellschaft inzwischen so intolerant geworden, das jede Abweichung vom “gefühlten” Durchschnitt zum Risiko für den “Rest” der Gesellschaft erklärt wird. Mit dem Rest der Gesellschaft sind dann alle anderen Individuen gemeint auf die diese Abweichung nicht zutrifft.
    Mit dieser Differenzierung wird ganz grundsätzlich das Geschäftsmodell des “Versicherungsgedankens” in Frage gestellt.

    Was mir aber noch wesentlich wichtiger ist, ist die Tatsache, dass mit dieser Ausgrenzung, in diesem Falle der älteren Generation, ganz selbstverständlich deren Teilhabe am gesellschaftlichen Leben entzogen werden soll. Ein Senior, ein Rentner oder ein Pensionist trägt nichts mehr zum wirtschaftlichen Wachstum, zur ökonomischen Effizienz und zum Bruttosozialprodukt (der Summe aller produzierten Güter und Dienstleistungen) bei.

    Sie kosten nur noch!!!

    Denen, die so denken (und das sind inzwischen zu viele), muss ich leider unterstellen, dass sie Kinder des Neo-Liberalen Wirtschaftlichkeits-Denkens sind, die dem Prinzip “nur ein toter Rentner ist ein guter Rentner” anhängen.
    Diesen kann ich nur erwidern: Wenn es diese Rentner nicht gegeben hätte, dann wären diese ökonomiegetriebenen Neoliberalisten auch nicht da.!
    Es sind eure Väter und Mütter – es sind eure Wurzeln, die ihr verleugnet!

    Pfui!

    • Dein Gedankenansatz finde ich ok, stimmt. Höhere Beiträge sind eigentlich diskriminierend und entsprechen einer kapitalistischen Denke.
      Gefahren, gerade was den Straßenverkehr anbelangt, sollten aber vermieden werden, da hier u.U. Dritte geschädigt werden. Darum gehören Fahruntaugliche aus dem Verkehr gezogen.
      Meine im Anfangsstadium der Demenz erkrankte Mutter hatte im Zustand der Orientierungslosigkeit mit ihrem Auto einen Fußgänger schwerst verletzt. Na und? Die Versicherung zahlt und erst jetzt wurde die entsprechende Diagnose gestellt und ihr die Fahrerlaubnis entzogen. Mir ist in einen Anfall geistiger Umnachtung ein 90 jähriger in die Seite geknallt und nur durch viel Glück ist mir nicht viel passiert. Der beging dann sogar noch Fahrerflucht…
      Darum plädiere ich für Gesundheitsüberprüfungen und Checks, ob jemand noch in der Lage ist, ein Fahrzeug zu führen und das für JEDEN und nicht einfach Beiträge mit sog. “Risikoaufschlag” zu erhöhen.
      Da dieses Tabuthema aber nicht angesprochen wird und sich nichts ändert, was sollen denn die Versicherungen machen? Sollen denn alle für Fehlverhalten einer Gruppe zahlen nur weil der Gesetzgeber nicht in der Lage ist, bestimmte Leute aus dem Verkehr zu ziehen?
      Ich schreibe das als jemand, der selber bald zur “Risikogruppe” gehört 😉

      • Das ist vollkommen richtig. Wer fahruntauglich ist, der darf nicht mehr fahren. Es kann aber nicht sein, dass Politiker, die sich um unangenehme Wahrheiten drücken wollen, versuchen durch eine neo-liberale Haltung das den Markt regeln lassen zu wollen. Es kann nicht sein, dass dann der Volldemente Muti-Millionär Leute tot fahren darf, und der Otto-Normalo nicht, weil im die finanziellen Mittel dazu fehlen.
        Ja, das klingt makaber, aber genau das ist die Konsequenz, wenn wir das Risiko für die Allgemeinheit den Markt regeln lassen – durch eine nicht den demokratischen Spielregeln unterliegende Versicherungsgesellschaft.

        • Richtig!
          Das Thema wurde immer mal wieder angesprochen, da ging dann ein Aufschrei durch die Welt der Lobbyisten 🙂
          Von daher wird sich hier auch nichts ändern, denke ich mal…

  2. Pingback:Nur ein toter Rentner ist ein guter Rentner! | Quer-Denk-Seite

  3. Es ist einfach nicht nachvollziehbar, dass jemand der über 25 Jahre unfallfrei fährt, nur wegen seines Alters, zur Kasse gebeten wird. Nach einem Unfall, alles klar und logisch – aber diese Regelung ist mit dem AGG nicht gerade vereinbar.
    Eigentlich wollten wir längst für die Stadt einen Kleinwagen fahren, aber der ist versicherungsmäßig teurer als den “großen” jetzt noch ein paar Jahre zu fahren.

  4. Das ganze bleibt für viele nicht nachvollziehbar. In solchen Fällen kann man sich nur die Zeit nehmen und unterschiedliche Versicherungsanbieter vergleichen und schauen,, wo man vieleicht doch noch Geld einsparen kann.

Kommentar verfassen