Große Freiheit Wohnmobil

Ein Werbespruch, davon träumen viele. Die Freiheit des Reisens und die Natur erleben. Ungebunden und frei in einem fahrenden Haus zu sein, überall stehen zu können…

Entwicklung

Einsamer Stellplatz

Einsamer Stellplatz

Ich erinnere mich an die 80er:
Es waren so gut wie keine Stellplätze vorhanden, man war gezwungen, einen Campingplatz aufzusuchen.
Damals bekam man in Frankreich noch nicht einmal einen Tropfen Wasser an Tankstellen, selbst wenn man bezahlen wollte, Stellpätze gleich null.
Überall wurde man verjagt…
Allerdings konnte man noch völlig unbehelligt in der Pampa stehen.

Ab Mitte der 90er und des neuen Jahrtausends änderte sich die Meinung. Es wurden tausende neue Stellplätze geschaffen, Frankreich hat sich, wie überhaupt auch Deutschland mittlerweile zu einem Paradies für Wohnmobil-Fahrer entwickelt. Scheinbar hatten die Gemeinden erkannt, dass Wohnmobil-Fahrer auch Geld bringen und ihre Gemeinden touristisch aufgewertet werden.

In dieser Zeit gingen auch die Zulassungszahlen in die Höhe, seit Mitte des neuen Jahrtausends jedes Jahr zweistellig. Die Vorteile für uns:
Die Infrastruktur hat sich weiter verbessert, Gemeinden, Weingüter, Gaststätten, Kaufhäuser und Landwirte stellen teils superschöne für wenig Geld oder kostenlose Stellplätze zur Verfügung.
Selbst in den Niederlanden, wo das schiere Übernachten außerhalb von Campinplätzen gesetzlich verboten ist, wurde die gesetzliche Grundlage geschaffen, dass die Gemeinden Stellplätze einrichten durften.
Und wenn man mal außerhalb im “Freien” stand, so wurde das in den meisten Ländern toleriert.
Und noch ein Vorteil hatten wir aus dem beginnenden Boom, es wurde eine schier unübersichtliche Zahl unterschiedlichster Wohnmobile mit immer neuen Ideen entwickelt, die Wohnmobil-Technik mit Zubehör entwickelte sich ebenso rasant weiter.

Wir schreiben nun das Jahr 2016, Finanzkrisen erschüttern die Welt, die Leute haben Angst um ihr Erspartes und geben es lieber raus. Auch sind die heutigen “Alten” nicht mehr mit denen von früher zu vergleichen, sie sind aktiver geworden und erfüllen sich einen letzten Traum. Dazu kommt, dass nun wahrscheinlich die letzte Generation in Rente geht, die sich noch etwas leisten kann.
Lest mal die Pressemitteilung des CARAVAN_16_Halbzeit (PDF, 275 kb), alleine in der Halbzeit ca. 17% mehr an Bestellungen als im Vorjahr!
Dazu kommt, dass der Gebrauchtwohnmobil-Markt voll von auch hochwertigeren Wohnmobilen aus dem Beginn des Booms ist, wodurch sich nun auch Leute mit einem nicht so hohen Einkommen ein Wohnmobil leisten können.
In 2015 waren in Deutschland rund 300.000 Wohnmobile zugelassen (Quelle: Statista), d.h., ca. 0,7% der Haushalte (Quelle: Statista) in der Bundesrepublik sind mit einem Wohnmobil unterwegs. Tendenz deutlich steigend…

Freiraum und die große Freiheit im Wohnmobil, gibt es die noch?

Stellplatz

Stellplatz

Wenn man so unterwegs ist, was sieht man? Wohnmobile über Wohnmobile…
Wenn man im Sommer nicht bis spätestens um 12:00 Uhr einen Stellplatz erreicht hat, hat man bei beliebten Stellplätzen selbst bei den Großen und Teuren kaum eine Chance mehr. Und da stehen sie dann eingepfercht wie die Sardinen in der Büchse…
Selbst bei den kleinen im Abseits gelegenen Stellplätzen ohne Ent- oder Versorgung wird es teilweise recht eng. Die tollen Plätze werden eher nur noch unter der Hand gehandelt…
Eine Chance der spontanen Freiheit hat man nur noch abseits der schönen Jahreszeiten, wenn nur noch die Wohnmobilisten unterwegs sind, die nicht mehr im Arbeitsleben stehen oder einfach im ihrem Wohnmobil leben.
Einen Hauch der unbeschwingten Freiheit erleben nur noch die Leute in ihren autarken Wohnmobilen, die ihre Geheimplätze auch für ein freies Stehen kennen.
Die große Freiheit mit Freiraum gibt es für den gemeinen Wohnmobilisten nur noch bedingt…

Die Zukunft…

Falschparken

Bild: Al Exander Ignorant

Wir leben heute in so einer Art Break Point. Die vielen Wohnmobile gehen den meisten Menschen einfach auf den Geist. Sie verschandeln Aussichten, behindern (subjektiv) den Verkehr und manche Eigner benehmen sich teilweise wie die Ferkel.
Egal ob angespartes Luxusmobil oder billiges Gebrauchtmobil, oft reicht es dann nicht mehr für den Unterhalt. Selbst billige Stellplatzgebühren werden geprellt oder Parkplätze missbraucht…
Herr Neureich (siehe Bild links) meint, ihm gehöre die Welt und könne sich über alle Vorschriften rücksichtslos mit seinem Luxusmobil hinweg setzen. Da wird das Abwasser einfach so auf einem Stellplatz oder Gulli abgelassen, Männer stellen sich an den nahen Baum, anstatt die Toilette zu nutzen…
Der gemeine Wohnmobil-Fahrer ist nichts anderes als ein Querschnitt der Bevölkerung und nicht Wenige bestehen halt aus Idioten. Diese i.V.m. den Zulassungszahlen zwangläufig zunehmende Anzahl an uns schadenden Mobilisten führt dazu, dass es immer mehr  und schneller Einschränkungen gibt und geben wird. Die Tendenz ist ja schon jetzt zu erkennen: Die Übernachtungsmöglichkeiten beim freien Stehen werden immer weniger, die Vorschriften restriktiver ausgelegt, Kaufhäuser bauen sperren auf, erste Gemeinden schließen ihre kostenlose Stellplätze und immer mehr Verbote sind erkennbar.

Die große Freiheit Wohnmobil gibt es jetzt vielleicht noch bedingt, zukünftig, so befürchte ich, wahrscheinlich leider kaum noch wenn das so weiter geht. Zumindest in unserem dicht besiedelten Europa.
Mein Wunsch, dass sich die Wohnmobil-Fahrer wenigstens wie Erwachsene Menschen und an die oft durchaus sinnvollen Regeln halten und benehmen mögen, wird leider bei einem immer größeren Teil unerhört bleiben…
…ein einzelner Spinner ruiniert den Ruf von 1000 Anderen 😮

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3 Kommentare

  1. So oder so ähnlich sieht wohl leider die Tendenz aus. Aber ist das nicht nur ein logischer Prozess? Überall dort, wo es Schafe gibt, gibt es auch schwarze Schafe. Meistens beträgt die Anzahl der schwarzen Schafe nur ein Bruchteil (Vomhundertsatz) von den “normalen”. Wenn dann die Anzahl aller Schafe (hier: Wohnmobilfahrer) steigt, steigt logischerweise auch die absolute Zahl der schwarzen Schafe. Und das führt im Ergebnis dazu, dass das Fehlverhalten häufiger und intensiver auffällt als noch zuvor.
    Ich denke das ist ein (leider!) ganz normaler Prozess und wohl kaum zu verhindern. Man kann da wohl nur immer mal wieder versuchen an die Vernunft der Leute zu appellieren. Es kommt nicht von ungefähr, dass ich mir auch vor geraumer Zeit mal über eine Art “Verhaltenskodex” unter Campern Gedanken gemacht habe. 😉
    Viele Grüße,
    Mario

  2. Hallo
    Einen Codex gab es Mal.
    Mobilisten haben sich bei einer Begegnung zugewunken, gedutzt und sich untereinander Respektvoll verhalten.
    Gegenseitige Hilfe war kein Thema.
    Leider sind diese Zeiten vorbei.
    Ich vermisse die Zeiten als man sich am Lagerfeuer unterhielt,etwas trank und spass hatte.
    Aber es geht weiter und hin und wieder trifft man ja nette Leute😉
    Übrigens… Geile Seite,weiter so.
    Gruß an alle mobilisten.
    Andy

    • Moinsen,
      danke sehr für das Löbchen!
      Stimmt, die Zeiten haben sich gewandelt, aber die mit dem Geist von damals sind immer noch da, nur schwerer zu finden.
      Dort wo wir uns zumeist aufhalten, findet man nicht den “neuen” Wohnmobilisten, sondern die, die noch ein Lagerfeuer machen 😉
      LG Mikesch

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