Reisebericht Türkei 2026 Teil III

Der dritte Teil der Reiseberichtsreihe der Türkei in 2026 beinhaltet die Route durch den Kleinen Kaukasus, dem Ostpuntischen Gebirge durch das Zentrum der Türkei.
Die touristischen Spots finden sich in den anderen Reiseberichten (s. Hashtag Türkei), auf dieser Route zurück nach Europa waren wir eher auf der Suche nach den versteckten und unbekannten Schätzen.


Vorheriger Reisebericht: Georgien 2026 Teil III

18.08.2026-Posof-15km

Der Grenzübertritt bei Botas dauerte wieder ein wenig oder besser gesagt, umständlich länger und ich musste wieder alles und jedes Fach öffnen. Mürrisch waren sie heute beide, Georgier wie Türken. Vielleicht hatten sie auch Langeweile. Bei der Berechnung der erlaubten Aufenthaltsdauer haben sie auch Mist gebaut, da bin ich mal auf die Ausreise gespannt…
Nun denn, auch dies haben wir geschafft und bei Posof ein wunderbares Plätzchen gefunden.

20.08.2026-Çildir See-115km

Wir und unsere Serie, sie reißt einfach nicht ab…
Hatten wir in Tiflis und nur drei Wochen später in Armenien einen Platten, richtig, jetzt wieder.
Nicht gleich platt, aber ein täglicher Druckverlust von 0,4 bar. Nun, wofür habe ich denn einen Kompressor? Klar, jeden Morgen Luft füllen ist blöd, meinte dann auch der Kompressor 🙄
Heute Morgen gaben erst mal die Krokodilklemmen ihren Geist auf, die Käbelchen an den Klemmen waren den hohen Strömen nicht gewachsen und sind weg geschmolzen.
Ok dann, nehme ich die Buchse im Fahrerhaus und was ist? Der Stecker vom Kompressor löste sich einfach auf, wie die Plaste das so gerne macht.
Glück hatten wir dennoch, denn in Ardahan hatten wir eine tolle Reifenwerkstatt gefunden. Zunächst wurden wir mit Çay begrüßt und dann wurde der Reifen wirklich mal fachmännisch repariert. Also runter von der Felge und richtig geflickt. Es hatte sich wieder mal eine winzige Schraube durch die Reifendecke gedrückt. Zudem wurde auch die vorherige Flickstelle neu gemacht, die sah auch nicht so dolle aus.

Bei der Gelegenheit konnte ich dort als Redundanz auch einen Doppelkolben Kompressor erwerben können und nebenan einen neuen Stecker für den alten Kompressor montieren lassen.
Die ganze Aktion bereitete wirklich ein angenehm beruhigendes Gefühl.
Es muss doch jetzt auch endlich mal gut sein mit dem Pech.
Nun denn, voller Optimismus sind wir dann zum Çildir See gefahren, um jenen die Tage zu umrunden. Hier können wir noch mal die frischen Temperaturen auf 2.000m Höhe genießen. Wobei, die 19 Grad fühlen sich schon fast frisch an. Aber immer noch besser als 30😊

21.08.2026-Akçakale-17km

Wie bereits erwähnt, befinden wir uns ja gerade am Çildir See, dem größten Bergsee der Türkei.
Er liegt auf einer Hochebene auf rund 2.000m n.n. und ist von sanft grünen 2.300 – 2.500ern umgeben.
Den See möchten wir ja umrunden und bei einer Flugstunde mit Google Earth entdeckte ich bei Akçakale eine Halbinsel die komisch aussah, irgendwie historisch, jedoch nichts wirklich zu erkennen.
Also hin…
Nachdem man sich durch das Dorf und eine schmale Zufahrt zur Halbinsel gequetscht hat, spürt man gleich, es ist ein besonderer Ort.
Die große hügelige Halbinsel ist voll mit in besonderen Formen angelegten Megaliten.
Infos findet man  keine, kein Wikipedia, keine Hinweistafeln, keine Schilder, einfach nichts. Aber ich war neugierig und habe versucht auf türkisch zu recherchieren und habe einige wenige Infos ermitteln können.
Die Anlage ist alt, so richtig alt, dagegen sind die Pyramiden von Gizeh mit 4.500 Jahren richtig jung, nämlich rund 10.000 Jahre, also aus der Steinzeit.
Es handelt sich wohl um eine Siedlung oder auch Kultstätte, aber eigentlich weiß niemand etwas genaues.

23.-27.08.2026-Ostpontisches Gebirge-255 km

Nach reiflicher Überlegung hatten wir uns dazu entschieden, weiter Richtung und nach Erzurum zu fahren. Nicht, weil die Stadt so toll ist, sondern wir diesen Teil des Ostpontischen-Gebirges noch nicht kennen und touristisch von allem ab liegt. Nur soviel vorab, es hat sich mehr als gelohnt!
Vom letzten Nachtplatz aus am Aygir Gölü führt die D660 zunächst auf teils über 2.300m wie schon vorher über ein grünes Hochplateau mit sanften Hügeln.
Bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass dieses „Hügel“ um die 3.000m hoch sind.
Hier ist die Türkei wirklich noch sehr ursprünglich. Die Dörfer scheinen aus einer anderen Zeit zu stammen und die Felder werden teils noch mit Pferd und Menschenhand bestellt.

Natürlich ist die Landschaft auch optimal für die Viehzucht. Überall ziehen die Herden vorüber und wie soll es anders sein, die Kangal schauten bei uns vorbei und betrachteten uns als willkommende Abwechslung. Scheinbar war ihnen zu langweilig, oder hatten keine Lust, ihren Job zu machen und es könnte ja auch ein Brocken abfallen😉

Hinter Göle geht es dann zügig bergab bis auf rund 1.400m. Hier ändert sich auch sogleich die Landschaft mit schroffen Schluchten wo sich kleine Flüsse augenscheinlich durch gefressen haben. Ja, sogar Steinböcke bevölkern die schroffen Felsen.
Hier fanden wir dann auch an einem solchen, dem Aksar Çayi unseren Nachtplatz. Wie das denn so im Nichts ist, hier findet sogar das Internet nicht hin.

Regenbogenberge

Regenbogenberge gibt es in der Türkei ja an so einigen Orten. Also diese durch schichtweise unterschiedlichster Mineralablagerungen geologisch in Wellen verformten und erodierten bunten Schichten.
Wir fuhren also zunächst die D060 weiter und in der Ferne erkannten wir schon rot schroffe Gebirgsformationen. Neugierig wie wir halt so sind, sind wir von der D060 eine kleine Straße weit in die Berge hoch abgebogen.
Uns erwartete eine riesige, abwechslungsreiche und wild mystische Fels- sowie Gebirgslandschaft die uns wie von einem anderen Planeten erschien. Skurrile Felsformationen wechselten sich mit den bunten Bergen ab.
Gibt es eine Info zu dem Gebiet? Nein, weder in der Wikipedia, noch auf Google oder GoogleMaps findet man einen Hinweis auf das Gebiet.
Logisch, dass wir beabsichtigt hatten, hier auch die Nacht zu verbringen. Dumm ist leider, natürlich nicht für die Natur, dass es hier keinerlei Wege, Pfade oder sonstige Möglichkeit gibt, in das Gebiet hinein zu fahren. Selbst zu Fuß hätte das eher etwas davon, wie die Pioniere damals Amerika erkundet haben.
Unseren Nachtplatz hatten wir dann aber doch, nämlich auf der Wiese eines Bauern gefunden, der uns freundlich empfangen hatte.

Narman Peri Bacaları

Wir verließen die Regenbogenberge, bogen in Oltu auf die D955 ab und wieder änderte sich die Landschaft. Weniger bunt, aber dennoch erodierend und teils sogar mit Feenkaminen. Dann wurde es wieder schroff mit grünen Tälern. 

Wahrscheinlich ist es dem türkischen Namen in den Kartenapps und GoogleMaps zu verdanken, dass sich hierhin kaum ein ausländischer Tourist verirrt. Davon ab, welchen Sinn sollte es auch machen, die D955 herunter zu fahren? Richtig, keinen, es sei denn, es sind Menschen wie wir auf Entdeckungsreise.
Zurück zum Namen, dies heißt so viel wie die „Narman Feenkamine“.
Hier hat man allerdings ein wenig übertrieben, denn von richtigen Kaminen kann man bestenfalls in Einzelfällen reden, geschweige, dass sie hier nur im Ansatz die Größe erreichen. Sie kommen hier auch kaum über einen fötalen Zustand in der Lebensgeschichte eines Fehnkamins hinaus. Meiste verstecken sich die kleinen Feenföten im Fels selber und bilden interessante Strukturen.
Ist aber egal, ein Name ist ja eher bedeutungslos! Die ganze Region besteht aus sanften Hügeln, dass man sich fragt, wo hier die Felsformationen herkommen sollen🤷‍♂️
Die Hügel bestehen aus einem Mergel aus Steinen in einer lehmig roten, ich nenne sie immer Kartoffelerde. Dazu noch in Schichten mit unterschiedlicher Zusammensetzung.
Der weiche Lehm erodiert und zurück bleiben die skurrilen Formationen, wie auch kleine Feenkamine oder Hoodoos.

Am Parkplatz aus kann man wandernd kilometerweit in die Berge und in die skurril rote Welt der Feenföten eintauchen. Da es hier keine Wege gibt, ist man mit sich und der Natur völlig alleine.

28.08.2026-Erzurum-115km

Wir konnten es uns einfach nicht nehmen lassen, über eine kleine Straße noch einmal in die Berge hoch zu fahren um mit einer längeren Rundtour die fantastische Welt der roten Erosionen zu bewundern.
Doch in einem Dorf war dann Schluss, denn bei einer Engstelle war das Bimo einfach zu dick und wir mussten uns wieder heraus manövrieren.
Schade eigentlich, aber trotzdem haben wir noch ein paar nette Eindrücke gewinnen können.
Weiter ging es dann über die D955 wo die an sich schon sanft hügelige Landschaft hinter dem 2.300m hohen Pass immer sanfter wurde.

Erzurum war jetzt nicht gerade unser Traumziel weil wir die Stadt so toll finden, aber hier konnten wir neue Reifen bestellen, die wir hoffentlich Anfang der Woche bekommen werden.

Küçük Höyük Tabyasi

Wenn Händler einen Liefertermin nennen…🙄
Richtig, da kann man mindestens einen Tag drauf schlagen.
Jetzt sind wir schon einen Tag drüber und was macht man da? Natürlich raus aus der Stadt, zumal unsere Wasservorräte de Facto nicht mehr vorhanden waren.
Ein paar Kilometer östlich von Erzurum befindet sich eine Quelle mit allerbestem Wasser, somit eine gute Gelegenheit, unseren Tank und alle Bottles wieder zu füllen.
Unfassbar, wie verschwenderisch hier die Natur mit der kostbaren Ressource Wasser umgeht. Aus drei Rohren schießt das Wasser in dicken Strahlen nur so heraus.

Wie schon einmal erwähnt, hatten sich um Erzurum herum mannigfaltige Gruppen laufend den Schädel eingeschlagen.
Zum Schutz gegen Russen und Iranern wurden deshalb Ende des 19. Jahrhunderts 21. Forts um Erzurum herum errichtet. Hoch in den Bergen liegen sie im Abseits und ruhen nun unbeachtet so dahin.
Eines hatten wir ja schon im April besucht, jetzt sind wir wieder in die Berge gefahren und besuchten zwei weitere.
Nicht weil die Forts so immens toll sind, sondern weil man hier gut nächtigen kann und
uns die weite Landschaft mit der Aussicht einfach so zusagt.
Und endlich wieder Ruhe! Jetzt merkt man erst, wie laut so eine Stadt ist, selbst wenn sie einem gar nicht mehr so laut vorkommt.

Ende Urlaub in Erzurum

Unsere Woche „Zwangsurlaub“ mit der Wartezeit im Ruhemodus auf neue Reifen neigte sich dem Ende zu.
Aber es gibt Schlimmeres im Leben!
Die nette Begegnung gestern Abend mit den beiden netten afghanischen Rinderhirten hätten wir auch nicht gehabt.
Dabei lernte ich ganz nebenbei noch etwas über Afghanistan. Bis ich nämlich herausgefunden hatte, dass dort etwa 49 Sprachen und über 200 verschiedene Dialekte gesprochen werden, war der Abend längst vorbei😳
So übten wir uns halt in der international gebräuchlichen Hand und Fuß Sprache, was erstaunlicherweise recht gut geklappt hatte.
Nach Montage der neuen Reifen endete nach über einer Woche unser unfreiwilliger „Urlaub“ in Erzurum.

06.09.2026-Palandöken Baraj Gölü-50km

Nach dem gestrigen Kompetenz-Erlebnis bei bei dem Reifenhändler Petlas hatte ich heute Morgen erst einmal die Reifendrücke gemessen. Ich sag nur, kontrolliert die Montagen! Wollte man uns mit einem platten Zwillingsreifen vom Hof schicken!
Die Prüfung des Reifens mit der zu Bruch gegangenen Ventilverlängerung stellte da schon eine kleine Herausforderung dar der ich natürlich nicht gewachsen war. Ich hoffte jetzt, in der Türkei noch eine Lösung zu finden.
Echt jetzt, wie kann Mercedes so etwas Vermurkstes auf den Markt bringen? Ich frage mich ernsthaft, wie die anderen Sprinter-Fahrer mit Zwillingen die Luft prüfen?
Wahrscheinlich gar nicht…

Nun, nachdem ich die anderen Drücke für gut befunden hatte sind wir auf 2.300m hoch in die Berge zum Palandöken Baraj Gölü, was so viel wie Palandöken Stausee heißt, gefahren.
Bis auf einige wenige Dörfer befindet sich hier oben außer Natur nichts, wobei Natur ja nicht unbedingt nichts ist, jedenfalls für uns.
Hier planten wir die weitere Route bis Griechenland. Das dürfte dann als Nr. 6 die letzte Ost/West Verbindung sein, die wir zumindest zum größten Teil noch nicht gefahren sind und wir lassen uns gespannt überraschen, was wir hier an Besonderheiten oder auch nicht entdecken werden. Der größte Teil ist auch P4N freie Zone, da ist halt nichts oder fährt niemand lang.

09.09.2026-Palu-190km

Palu klingt ja eher wie ein Tanzbär, es handelt sich jedoch um eine kleine Kreisstadt mit 10.000 Einwohnern in der Schlucht desMurat. Bei jenem handelt es sich um einen der zwei Quellflüsse des Firat, besser bekannt unter dem Namen Euphrat handelt.
Die Geschichte des unscheinbaren Ortes Palu reicht bis ins 9. Jahrhundert v.Ch. zurück.
Allerdings, ganz so unscheinbar ist er nicht, denn mit der Burg aus eben jener Zeit, der aus einer Moschee und Madrasa bestehenden Cemşit Bey Külliyesi, einer gerade mal 11x11m umfassenden kleinen, jedoch eingestürzten Moschee, der Ulu Cami, einer Kirchenruine aus byzantinischer Zeit und last not least der Brücke aus römischer Zeit über den Murat hat Palu unerwartet ne ganze Menge zu bieten.
Das ganze Ensemble ist eingebettet in dieser typischen Landschaft des Euphrats bzw. seiner Nebenflüsse, der oder die sich in die hügelige Landschaft eingefressen haben und teils tiefe steile Schluchten gebildet haben.

10.09.2026-Karakaya-Stausee-210km

Auf unserem Weg in mehreren Etappen Richtung Westen hat er uns nun also doch noch erwischt, der Sommer. Und zwar gleich mit Temperaturen deutlich jenseits der 30 Grad. Wetter-Online hatte offenbar beschlossen, uns von heute auf morgen für eine Woche oder mehr eine kleine Hitzeperiode zu spendieren. Na vielen Dank auch…🙄
Da wir ja nicht ewig an „unserem“ Hazar-Stausee bleiben konnten wo wir Tage der Wärme ausgeurlaubt hatten, mussten wir, so schön es dort auch war, weiter ziehen.

Damit verbunden war allerdings auch ein Abstieg von rund 800 Höhenmetern, bei Malatya hinunter auf etwa 700 Meter. Und dort erwartete uns dann die bereits erwähnte brüllende Hitze.
Zum Trost deckten wir uns hier natürlich günstig mit leckeren getrockneten Aprikosen ein, denn, Malatya ist die Welthauptstadt der Aprikosen und liefert rund 85 bis 95 Prozent des weltweiten Bedarfs an getrockneten Aprikosen!

Wir lieben die Früchte einfach, sei es als Snack zwischendurch oder auch für einige Gerichte wie Hähnchen in einer Soße aus Kokosnuss mit Korkuma und Aprikosen.
Am Karakaya-Stausee fanden wir dann unseren Nachtplatz.

13.09.2026-Afşin-Elbistan-Ebene-175km

So sind wir dann durch neue und touristisch weitgehend unbekannte Gefilde weiter westwärts gefahren. Und vor allem, es ging wieder hinauf auf rund 1.400 Meter und damit auf etwas weniger als 30 Grad.
Durch diese Landschaft schlängelt sich mäandernd der kleine Fluss Hurman, an dem wir auch unseren Nachtplatz gefunden hatten.

15.09.2026-Şar Antik Kenti

Es hatte natürlich auch einen Grund, weshalb wir uns ausgerechnet diese Region ausgesucht hatten. Hier finden sich, touristisch völlig unbeachtet, überall landschaftliche und historische Sehenswürdigkeiten in Form von alten Steinen.
Eine davon ist das im Abseits des Taurus-Gebirges gelegene Şar Antik Kenti.
Şar war bereits zu hethitischer Zeit als Tempelstaat ein religiöses Zentrum.
Später wurde sie römische Kolonie und zu byzantinischer Zeit fand die Christianisierung statt.
Vom Amphitheater, dem imposanten Alakapi, einem römischen Torbogen und den Felsengräbern ist nicht mehr so viel zu sehen.
Alleine die Kirik Kilise, ein prächtiges römisches Mausoleum, das in der spätrömischen oder byzantinischen Zeit zu einer Kirche umfunktioniert wurde sieht recht sehenswert aus.
Es ist schon bemerkenswert, wieviel Geschichte sich um einen völlig unscheinbaren Ort ranken kann.

16.09.2026-Böke-80km

Wir hatten beschlossen, uns weiter abseits der üblichen Pfade auf engen Wegen durch das ursprüngliche Taurus-Gebirge zu bewegen.
Ebenso ursprünglich waren auch die Dörfer und augenscheinlich verirrt sich hierhin kein Tourist.
Überall wurde uns zugewunken oder wurden mit einem „Merhaba“ begrüßt.

Bei der Auffahrt zum mit rund 1.900m lächerlich hohen Gezbeli-Pass machte sich wieder unser Wurm bemerkbar. Ihr erinnert euch, der Wurm, der schon auf unserer gesamten Tour mitfährt und uns laufend irgendwelche Streiche spielt.
Schon seit einiger Zeit ruckelt das Bimo unter Last wieder, wo wir doch dachten, das sei in Yerewan abgestellt worden. Dazu gesellte sich ein Leistungsverlust der das Bimo am Berg kaum anfahren ließ und nun überhitzt auch noch der Motor.
Wir dachten, damals in Armenien bei 35 Grad im 2. Gang einen Pass hoch, das sei eben so, aber mittlerweile reicht selbst so ein kleiner Pass bei 25 Grad.
Also umdisponieren und schnurstracks gen dem mit ca. 90km relativ nahen Kayserie fahren um eine Mercedes-Werkstatt zu finden. Kayserie ist hier ein Glücksfall, man könnte die Stadt auch Autostatt nennen. Ich glaube, die halbe Stadt besteht nur aus Autowerkstätten und Händlern.

Für die mentale Vorbereitung der nächsten Etappe nach Kayserie hatte dann Ulrike mit einem wunderschönen Nachtplatz  am Fluss Zamanti gesorgt.
Auch wurde uns wieder eine herzliche Begrüßung zuteil. Wie das so ist, wenn man sich in einer Gegend befindet, wo man Touristen bestenfalls vom Hörensagen her kennt.
Ihr ahnt schon, diese wunderbare Gegend ist auch absolut P4N frei🙂

Der Zwischenstopp in Kayseri war nicht so ganz von Erfolg gekrönt. Trotz aller Mühen, 5 Stunden checken, basteln, austauschen und Probefahrten, konnte dem Bimo das Zicken nicht abgewöhnt werden.
Dafür wurde aber noch eine Inspektion durchgeführt und ich konnte einen neuen Spritzlappen und eine Ventilverlängerung erstehen.

26.09.2026-Antalya-490km

Wir sind auf dieser Strecke noch einige Orte angefahren, die wir schon in den letzten Jahren angefahren sind, deshalb erwähne ich sie hier in diesem Reisebericht nicht mehr. Nutzt bei Interesse den Hashtag Türkei im Menü oben oder die Suchfunktion. Das wäre die Region Kappadokien, Soğanlı-Tal, Narli Göl Krater, Ihlara Tal u.s.w.
Hier führe ich also lediglich einige neue Punkte auf.

Sarıhıdır

Nach Kayseri sind wir weiter in die Region Kappadokien gezogen wo ich am Kızılırmak ein verlassenes Dorf entdeckt hatte.
Das schon in den 60ern verlassene Dorf Sarıhıdır vor Avanos, das eingebettet an einer 400 m langen und bis zu 80 m hohen Wand aus hellem vulkanischem Ignimbrit/Tuff eingebettet liegt.
Das Dorf mit der aufwändigen Architektur und den vielen Verzierungen im osmanischen Stil muss einmal wunderschön ausgesehen haben. Noch jetzt ist die Schönheit zu erahnen!

Keşlik Manastırı/Kloster

Auf unserem Weg südwärts zum nächsten Ziel entdeckten wir quasi im Vorbeifahren einen kleinen Schatz, das Kloster Keşlik.
Die Klöster in dieser Region entstanden im 3. Jahrhundert n.Ch. zu Zeiten des römischen Reiches und der Christenverfolgung. Die Mönche suchten in abgelegenen Gegenden vor eben jener dieser Schutz. Hier Löcher in den Tuff zu kratzen bot sich da natürlich an.
Das Kloster erscheint völlig klein und unscheinbar, das täuscht aber gewaltig.
Das Kloster beinhaltet zwei Kirchen, eine riesige Küche und nahezu jeder Felsen ist als Wohnhöhle ausgehöhlt. Die Kirchen und Nebenräume über mehrere Etagen sind über enge Stiegen und Gänge miteinander verbunden.
Also der richtige Spielplatz für abenteuerlustige große Kinder wie mich😁
Nahezu umwerfend sind die Malereien in den Kirchen.

Sofular Vadisi

Das Sofular Vadisi mit dem gleichnamigen Dorf, eigentlich schon eher eine Stadt, ist ein 1973 wegen Erdrutsch- und Erdbebengefahr umgesiedeltes Dorf. Es wurde dann einfach vergessen…
Touristisch ist es dadurch gänzlich unbekannt, dabei reicht die Geschichte der ersten Besiedelung rund 10.000 Jahre zurück. Danach dann das Übliche mit Römern, Byzantiniern, Griechen und wie sie alle hießen. Im Tal sollen sich neben all den Höhlenwohnungen noch 13 Höhlenkirchen und sogar noch 5 Höhlenstädte befinden.
Die Architektur des Dorfes ist übrigens wie die meisten Dörfer in der Region weitgehend griechisch geprägt, die man in den 20ern vertrieben hat.
Touristen werden das Dorf bestimmt auch weiterhin nicht wirklich besuchen, da es nur schwerlich zugänglich ist und die Infrastruktur in der Umgebung gleich null ist. Nicht einmal der Hauch eines Parkplatzes ist vorhanden.
Für uns war es übrigens bisher mit der Spannendste Ort in der Türkei, das Entdecken fühlt sich einfach wie ein Abenteurer an.

Doğantarla

Ulrike hat bei Doğantarla wieder einen verlassenen Ort entdeckt. Dieses mal ist hierüber gar nichts zu recherchieren, weder über Google und noch die KI, die sich ansonsten ja zumindest immer etwas zusammenreimt, kann etwas beitragen.
Bemerkenswert: Auf der Fahrt hierher durchfuhren wir Ortschaften wie Kizilkaya, Demirci oder die Stadt Gülağaç. Überall sind hier verlassene Stadtteile mit wunderschönen Häusern und Inschriften zu bewundern die noch aus griechischer Zeit stammen und dazu in den Felswänden neuere und historische Felswohnungen. Es ist, als würden man an Freilichtmuseen vorbei fahren.
Entlang des Flusses Melendiz findet man übrigens unzählige nette Nachtplätze. Nur bei oder nach Regen sollte man sie meiden😉

Pleiten, Pech und Pannen…

Der Wurm hat uns wieder!
Was der sich auch für eine Mühe gibt!
Schloss einer Staufachklappe, Wasserpumpe, Aufbautüre, Fliegengitter, Reifenpnnen, verschmorte Elektrik, das Zicken des Motors, das immer noch anhält und nun, Tusch! … der Kühlschrank!
Die Flamme brennt bestens, das Rohr wird ordentlich heiß, nur an den Absorberteilen kommt davon offenbar nichts mehr an.
Das Ausblasen von Brennerdüse und Brenner blieb erwartungsgemäß natürlich erfolglos. Die beiden sind also wie erwartet unschuldig. Das Wasser-Ammoniak-Gemisch zirkuliert nicht mehr, heißt, das Aggregat ist hin. Entweder dieses oder der ganze Kühli muss ausgetauscht werden.
Hier Ersatz zu finden ist müßig. Nach langem Überlegen haben wir uns entschieden, uns eine Kompressor Kühlbox zuzulegen, denn selbst eine zügige Fahrt nach Deutschland ohne Kühli ist einfach daneben.
In Antalya, also dieser unschöne Moloch am Mittelmeer sind wir fündig geworden. Das war ein 300 km Ritt durch die Berge, aber was soll’s…
Es hieß nun also, entweder weiter unkomfortabel durch den Winter wurschteln und hoffen, dass die provisorisch reparierte Elektrik hält oder Ende, out and over…

01.10.2026-Banaz Çayı-170km

Eigentlich wollten wir heute ja zum Ulubey Kanyonu, aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt…
Kurz vor der Schlucht folgten wir neugierig einem touristischen Hinweisschild zu einer Brücke. Nun ja, dort angekommen ist es halt eine Brücke. Gebogen, nicht unhäßlich, aber auch nichts Besonderes.
Aaaaber, die Brücke befindet sich in einer Nebenschlucht des Ulubey Kanyonu, gehört eigentlich also dazu und wird von dem Banaz Çayı, einem Nebenfluss des großen Mäander durchflossen.
Hier befindet sich eine hübsche Piknik-Alani wo wir unser Nachtlager aufschlagen konnten/durften.

02.10.2026-Ulubey Kanyonu-20km

Der Ulubey Kanyonu ist angeblich der „zweitlängste Canyon der Welt“.
Die Bezeichnung hat man sich wohl eher für die Touristen ausgedacht, denn die ist, nennen wir sie mal recht unscharf.
Je nachdem, ob man Länge, Fläche, Tiefe oder das gesamte Canyonsystem vergleicht, unterscheiden sich die Angaben deutlich. Verlässlich genannte Größenordnungen sind etwa 40–45 km für das Hauptsystem, 100 – 500 m Breite und 135 – 170 m Tiefe. Manche türkischen Quellen nennen für das verzweigte Gesamtsystem bis zu rund 75–77 km.
Der Fish River Canyon in Namibia ist laut UNESCO-Berechnung 160km lang, nun denn…
Nein, ich will den Canyon ja wirklich nicht schmälern, war gestern ja schon cool! Er sieht von oben mit den ganzen Windungen und Verzweigungen schon wirklich toll aus, ist auch auf jeden Fall den Abstecher wert, allerdings sollte man sich besser mit den Übertreibungen etwas zurück halten.

03.10.2026-Taşyaran Vadisi-80km

In der Gegend befinden sich so viele Sehenswürdigkeiten, dass wir hier im März einfach dran vorbei gefahren sind, sowas, tz, tz…
Ok, war ja nun nicht so schlimm, denn so haben wir jetzt auch noch etwas zu bestaunen, liegt ja quasi fast auf dem Weg.
Das Besondere dieser kleinen Schlucht sind die außergewöhnlich glatt ausgeschliffenen, hellen Felsformen. Das Wasser hat die Gneis- und Kalkgesteine über Jahrtausende wie mit einem Schleifwerkzeug geformt, mit runden Becken, Rinnen, Auswaschungen und stark zerklüfteten „Skulpturen“.

04.10.2026-Balikesir-212km

Ab hier folgte Richtung Norden nur noch Bekanntes. Wir querten die Dardanellen und erreichten wieder Europa.
Die Fa. Zampetas in Saloniki hat eine Reparatur unseres Kühlschrankes in Aussicht gestellt. Wann konnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen, u.U. Ende November.
Spontan hatten wir uns entschieden, noch einen Abstecher ans Schwarze Meer in Bulgarien zu unternehmen.
Da allerdings vor hier aus mehr oder weniger nur noch bekannte Punkte auf dem Plan standen wo wir schon einmal waren, macht ein weiterer Reisebericht keinen Sinn mehr.
Bei Interesse empfehle die Hashtags Türkei, Griechenland oder Bulgarien in die Suche einzugeben, dann werden die letzten Reiseberichte angezeigt.
Nach der Kühlschrankreparatur geht es wieder zurück nach Deutschland, Bimo muss zum TÜV und vor allem wieder auf Vordermann gebracht werden. In den letzen zwei Jahren hat doch so einiges den Geist aufgegeben und wir waren ja nur noch mit Improvisationen unterwegs.
Hier noch einige Impressionen der letzten Tage und das war es dann erst einmal.

Das war jetzt eine grandiose Reise gewesen. Zwei Jahre, von Deutschland zum Baltikum, nach Sizilien und von dort nach Georgien sowie Armenien mit mehr als 25.000 km im Bimo, 400 km mit Motorrad, 3.000 km Fähre und über 1.500 km an Wanderungen bis wir wieder Deutschland erreicht haben.

Was wir nach all den Erledigungen machen? Das steht zu diesem Zeitpunkt des Reiseberichts noch in den Sternen, keine Ahnung…
Aber wie hieß es so schön bei Paulchen Panther: Ich, also wir kommen wieder, keine Frage!

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Zuletzt geändert: 11. Oktober 2026 13:53