Italien 2026-Kalabrien-Apulien

Reisebericht mit dem Wohnmobil durch Italien – von Kalabrien nach Apulien
Wir sind nun von Sizilien zurück auf das Festland gefahren.
Ich glaube, wir hatten bei Barcellona Pozzo di Gotto den letzten netten Nachtplatz unserer Sizilien-Runde erreicht. Überhaupt: In Milazzo sind Wohnmobile nicht erwünscht und der Küstenweg am Capo ist gesperrt.
Der ganze Rest der verbauten Küste sagt uns auch nicht so zu. Also, was hält uns hier noch, zumal wir ja eh bald die Insel verlassen mussten.
Dann kam heute auch noch dazu, dass bei Inversionswetterlage der Etna mächtig gerülpst hatte und die Welt unter einer dicken stickigen Luftschicht hat versinken lassen.

Siehe vorherigen Reisebericht: Sizilien 2025 Teil III

03.01.2026-Lido di Palmi-90km

Zunächst stellte die Frage, welche Richtung sollen wir einschlagen? Sinnigerweise hätten wir die Runde an der südlichen Ostküste Kalabriens fortsetzen können. Aber selbst Stunden der Recherche mit GoogleMaps haben weder Sehenswürdigkeiten noch nette Stell-/ Nachplätze zu Tage geführt. Abgesehen von der völlig verbauten Unschönheit der Küste.
Unmittelbar am Meer geht es steil hoch in die Berge des Aspromonte Nationalparks. Verlockend, jedoch mit Bimo nicht gerade eine Entspannung, wenn denn teils überhaupt machbar.
Also fuhren wir wieder ein Stück die Westküste zurück und suchten bei Palmi den hübschen Platz auf, wo wir schon im  November ein paar Tage verbracht hatten.
Von hier aus sind wir dann etwas weiter nördlich über die Berge zur Ostküste gefahren.

05.01.2026-Serra San Bruno-66km

Wir hatten uns zur Querung der Stiefelspitze auf in die Berge gemacht.
Zunächst ging es durch Soriano Calabro. Als wir noch weit weg waren, fragte Ulrike noch: ‚Müssen wir da durch?‘ Ich: ‚Nö, bestimmt nicht…‘
Doch, wir mussten🙂
Es ging in Serpentinen so steil hoch, dass ich sogar die Untersetzung zugeschaltet hatte und wegen einer Straßensperrung sogar durch das Innerste des Ortes mussten.
Aber zum Einen war Siesta, zum Anderen ist in Italien eh alles relaxt und das Bimo ist mit dem kurzen Radstand ausgesprochen wendig. Aber in der Tat, die Strecke wäre ab 8 m Länge auch im weiteren Verlauf recht untauglich gewesen.

Zuflucht hatten wir dann beim Kloster Santo Stefano  bei Serra San Bruno gefunden.
Abends hatten wir den morbid lebendigen Ort durchbummelt und beim Gemüsehändler sozusagen unsere Standgebühr bezahlt.
Dieses morbid Hübsche hat wirklich was und Abends bekommen die Orte fast etwas Märchenhaftes.

06.01.2025-Soverato-35km

Wir sind wieder am Meer, genauer gesagt, am Ionischen Meer im Ort Soverato.
Soverato ist eine ganz normale kleine Stadt im Stile „kubischer Neo-Beton“. Nur hier und da entdeckt man ein hübsches altes Gebäude aus einer prunkvolleren Epoche.
Von zart dezenter Schönheit erscheinen die kilometerlange Promenade mit Palmen, Sportanlagen und einem tollen Radweg sowie die Einkaufsmeile die als Zona Pedonale angelegt ist. Sehr entspannend, so wird man beim Schlendern nicht gleich vom sonst üblichen Verkehr überrollt.

Heute am Feiertag spielte sich auf der Promenade im Zentrum mit Spaziergänger, Joggern und spielenden Jugendlichen sogar ein verhaltenes Leben ab.
Ansonsten wirkte die Stadt eher wie ausgestorben. Sehr zum Vorteil für uns, denn so fanden wir unseren Nachtplatz fast auf dem menschenleeren Strand am Rande der Innenstadt. So etwas geht wohl auch nur jetzt zu dieser Jahreszeit😉

08.01.2026-Ciro Marina-145km

Die Etappen sind wieder etwas länger geworden. Das liegt einfach daran, dass uns auf unserer Route weder die Landschaft noch die Orte ein Argument für einen, geschweige längeren Stopp geboten hätten.
Ich mein, wenn auf der Route so gar nichts ist, was das Auge oder die Wanderschuhe reizt🤷‍♂️
Zumindest finden wir ja immer wieder nette Übernachtungsplätze unmittelbar am Meer bzw. Strand wie zuletzt bei Cropani Marina.

So auch jetzt wieder bei Ciro Marina, hier befindet sich ein rund 2 km langer Waldstreifen der sich an der Küste und dem Strand hinzieht. Hier finden sich wunderschöne Nachtplätze wo man zumindest jetzt in der Nichtsaison wunderbar stehen und den Busch durchstreifen kann.

Zufälle im Reiseleben

Interessant ist wieder einmal, wie klein die Welt doch ist. Johann, ein total urig netter sowie lustiger Typ in einem Morelo-Liner mit Schmuse-Riesendogge. Wir hatten uns auf  FB lediglich mal in einem Post kennen gelernt.
Da ging es in einem Post um 4×4 und wie er mit seinem Morelo-Liner einfach dort hin fährt, wo manche Möchtegern 4x4ler dicke Backen machen. Seit dem verfolgte er uns auf FB, entdeckte uns hier und quatschte uns gleich an. Nach vielen Hundi-Schmuseeinheiten und einer Flasche Limocelli wurde der Abschied schon fast wehmütig.
Das sind sie wieder, diese schönen kleinen Reiseerlebnisse.

Off Road-Morelo 😉

11.01.2026-Apulien-80km

Wir hatten unseren schönen Platz noch genoßen und sind mit dem Ziel, Kalabrien recht zügig zu queren weiter gezogen. Diese grundsätzlich unschöne Region mit ihrem Müll, den verranzten Gebäuden und den verwahrlosten Lost Places ist definitiv nicht unsere Welt und wir wollten hier nur noch weg.
Sicherlich fanden wir noch einen halbwegs netten Platz, also eigentlich, denn die ganzen Feuchttücher und Pariser empfanden wir schon als störend.
Interessant war es, als wir die Grenze zu Apulien überschritten hatten. Plötzlich wieder saubere und gepflegte Orte und ebensolche Strände zu sehen war schon ein schönes Gefühl für die Augen.

13.01.2026-Ginosa-40km

Das Örtchen Ginosa hatte ich beim herum fliegen mit GoogleMaps entdeckt.
Die Wände der kleinen Gravina (Schlucht) und die alten Höhlensiedlungen mit den Felsenwohnungen hatte mich neugierig gemacht. Das sind jedoch mehr als nur ein paar Felsenwohnungen, die übrigens bis ins 20. Jahrhundert bewohnt waren. Die ganze Anlage erscheint eher wie eine jetzt verlassene kleine Stadt und der Übergang zum historischen Zentrum Ginosas ist recht fließend, also diplomatisch ausgedrückt.
Das Ganze hatte ich mir eigentlich nicht so interessant imposant vorgestellt.
Der Bummel durch das kleine (Wohn-) Zentrum mit der normannischen Burg, die eher wie ein kleiner Palazzo wirkt, erfolgte dann quasi im Vorbeigehen.

Es gibt hier sogar einen großen Gemeinde-Stellplatz (40.57285° 16.76083°) mit VE, allerdings mochten wir auf dem schrägen, von unschönen Gebäuden umschlossenen Platz nicht bleiben und sind anschließend nach Laterza weiter gefahren.

14.01.2026-Laterza-20km

Laterza fasziniert vor allem durch die beeindruckende Gravina di Laterza, eine tiefe Erosionsschlucht mit steilen Wänden. Sie nennt man auch Italiens Grand Canyon und gewiss, nach ein paar Kilometer erscheint sie mit der Aussicht ins Flache bis zum Meer schon beeindruckend. Aber Grand Canyon ist schon etwas übertrieben😉
Interessant sind hier auf 300m Höhe die Fossilien die man so im Kalkstein findet.

Falls die Beine noch mitspielen oder ihr es euch für den nächsten Tag aufspart: Das historische Zentrum lockt mit der Chiesa Madre San Lorenzo und dem Majolika-Museum im Palazzo Marchesale mit seiner berühmten Keramiktradition.
Dies ist auch wieder einer einer dieser Orte mit diesem morbiden Charme, wo sich Bewohner größte Mühe geben, diesen mit Blumen und Kleinkunst leben einzuhauchen.

Etwas außerhalb des Ortes, mittig und praktisch zwischen der Altstadt und der Schlucht gelegen, befindet der ruhige und durchaus nette kostenlose Gemeinde-Stellplatz (40.61918° 16.80927°), auch hier mit VE. Der ist allerdings  nur umständlich über die SP15 zu erreichen.

15.01.2026-Gravina in Puglia-50km

Gravina in Puglia erscheint am Rande einer tiefen Karstschlucht, die von einer imposanten historischen Steinbrücke mit Aquädukt überspannt wird.
Leider sind die Wanderwege durch die Schlucht alle gesperrt, also so richtig. Entweder zugemauert oder mit hohen Stahlzäunen und Toren verschlossen. Wirklich schade, aber auch verständlich, denn die Wege sind dem Verfall ausgeliefert und teils nicht mehr begehbar.
Gleichzeitig erinnert die Altstadt mit ihren Höhlenwohnungen und Kirchen etwas an Matera, allerdings deutlich kleiner, ruhiger und mit ebenso deutlich weniger Einsatz der Bewohner, dem Morbiden etwas Leben einzuhauchen. Deshalb erscheint das morbid Schöne eher in einem sehr begrenztem Bereich der Altstadt.

Er findet kaum Erwähnung in Berichten, aber der Friedhof ist eine unbedingte Sehenswürdigkeit. Die imposanten Grabststädten die von Alleen und Plätzen durchzogen werden erinnern eher an ein Wohngebiet für nicht so arme Bewohner des Jenseits als an einen profanen Friedhof.

Als Nachtplatz hatten wir den großen Parkplatz am Stadion (40.82592° 16.41081°) auserkoren. Nicht schön, aber eigentlich auch nicht unschön wegen der Aussicht und natürlich praktisch.
Jedoch, hier ist er wieder, der Müll. Nun, wir waren ja bis zur Dunkelheit unterwegs, da ist es egal, aber wir übernachten heute quasi auf einer Mülldeponie.

16.01.2026-Jupiter Raketensilo-14km

Was hatte ich geschrieben? Unseren Platz sollte man nicht anfahren, wenn am nächsten Tag Markt ist. Was war? Natürlich Markt…
Also nutzten wir die Gelegenheit und schlenderten über jenen. Ich frage mich immer, ob sich der Aufwand der Beschicker überhaupt lohnt. Doch, tut es, denn es war die Hölle los und was die Leute so alles weg geschleppt hatten, dabei gab es lediglich Klamotten und Haushaltswaren.
Natürlich sind es auch die verlockenden Preise, hier ist der Euro drei mal so viel wert, mindestens.
Die Italiener sind modisch, so sind selbst die billigsten Klamotten stylisch und wirklich nicht schlecht.

Dann sind wir ein Stückchen weiter in den nahen Busch gefahren, wo Ulrike eine alte US Jupiter-(Atom-)Raketenbasis aus den 60er Jahren entdeckt hatte. Zunächst unternahmen wir eine Wanderung durch die interessante Umgebung um uns dann auf der Basis ein nettes Plätzchen zu suchen. Leider ist weder von den Silos noch sonstigen Gebäuden viel zu sehen. Ok, ist ja auch seit 60 Jahren lost.
Hier ist ansonsten nichts, einfach garnichts, nur Ruhe und die Natur, die das Gelände langsam wieder zurück erobert. Nicht mal bei P4N hat die Oase der Natur und Ruhe Einzug gefunden🙂
Nur die Wildschweine scheinen hier eine Hochburg zu haben und uns liebenswerterweise einige Wanderwege vorbereitet.

18.01.2026-Altamura-20km

Altamura ist auch als „Löwin von Apulien“ bekannt. Warum? Keine Ahnung🤷‍♂️
Vielleicht durch ihre Kathedrale Santa Maria Assunta aus dem 13. Jahrhundert mit den Löwen am Eingang, die von Kaiser Friedrich II. erbaut wurde.
Die Stadt ist zudem berühmt für ihr IGP (Indicazione Geografica Protetta) geschütztes, nach traditioneller Methode gebackenes Brot. Das ist sogar ein EU-Label, wobei, Label hin oder her, ich bin nicht so Fan von Brot mit solch dicken Kruste die eher an einen Ziegelstein erinnert, so hart ist sie.
Zumindest haben wir es uns nicht nehmen lassen, von der 500 Jahre alten Bäckerei Antico Forno Santa Caterina ein köstliches Focaccio zu genießen.

Die Stadt selbst ist nicht unbedingt eine Perle, aber ein kleiner Bereich der Altstadt mit den Gassen und „Arcos“, also den tiefen Bögen die nicht unbedingt für hochgewachsene Menschen geschaffen sind, ist schon hübsch zu nennen.
Ein klein wenig Leben hätte der Optik nicht schlecht gestanden, aber ja, Sonntags Mittags bei nicht so schönem Wetter sind die Italiener wohl lieber zu Hause
Einzig bei der Bäckerei war es recht lebendig.
Leider gibt es hier für uns keine sinnvolle Übernachtungsmöglichkeit, man muss sich ja nicht jede teuer bezahlte Hässlichkeit antun und hatten uns im nahen Waldgebiet einen hübschen Schlafplatz gesucht.

20.01.2026-Casamassima-44 km

Neugierig gemacht hatten uns die blau getünchten Häuser im „Blauen Dorf“  Casamassima.
Im 17. Jahrhundert soll das Dorf durch ein Gelübde der Madonna von Konstantinopel von der Pest verschont geblieben sein.
Die blauen Häuser sollen zum Dank an den Schutzmantel der Madonna erinnern.
Vielleicht um auch die Madonna bei Laune zu halten, geben sich die Bewohner unglaublich viel Mühe, das kleine historische Zentrum in einem Glanz von Blumen und Kunstwerken erstrahlen zu lassen.

Allerdings galt es zunächst einmal den Park- und Übernachtungsplatz zu erreichen.
Keine Ahnung, was sich die Stadtväter dabei gedacht haben. Einbahnstraßen sind in einer solchen Stadt mit den engen Gassen durchaus sinnvoll. Aber muss man laufend die Richtung ändern und das je nach Straße/Gasse unterschiedlich?
Unsere drei Navis mussten das echt ausdiskutieren und eigentlich erreichten wir unseren Parkplatz nur nach Sonnenstand.

22.01.2026-Polignano a Mare-44km

Polignano ist ein Ferienort, mit langer hübscher Promenade an der wir auch unseren Nachtplatz gefunden hatten.
Im kleinen Zentrum geben sich die Bewohner wieder alle erdenkliche Mühe, den Ort aufzuhübschen.
Wäre das der erste Ort in Apulien den wir besucht hätten, wären wir schlicht begeistert gewesen.
Schade nur, dass der Ort wie ausgestorben wirk. Ich mein, ich weiß ja, dass es bei den Italienern eine Mittagspause gibt. Üblich war früher von 13 – 15 Uhr. Heute werden bis 17 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt. Ist vielleicht noch im Sommer ok, aber jetzt im Winter? Dann ist es ja schon dunkel und kalt…

23.01.2026-Cala Incina-6km

Südöstlich von Polignano zieht sich bis Monopoli und weit drüber hinaus eine schroffe Karstküste an der das Mittelmeer anrennt.
Eigentlich faszinierend, wie es das doch meist ruhige Meer geschafft hat, die Felsküste dermaßen anzuknabbern, dass tiefe Höhlen entstanden sind und teilweisen zusammengebrochen sind. Ab und zu blieben dabei beeindruckende Arches zurück.

24.01.2026-Monopoli-15km

Monopoli klingt irgendwie edel nach Parkstraße, Schlossalle und nach großem Geld, aber weit gefehlt, der eigentlich weniger schöne Ort ist eher unscheinbar und nur das kleine Altstädtchen zeigt sich wieder typischerweise morbid charmant.
Obwohl wir zu italienischen Schlafenszeit unterwegs waren, war bei dem schönen doch relativ viel Leben im Ort. Das mag natürlich daran liegen, dass hier mehr Tourismus herrscht. Sogar Touri-Boote sind für Exkursionen raus gefahren.
Und nur ein kältegewohnter Touri aus dem Norden würde es wagen, trotz Sonne in das 13 Grad kalte Wasser zu hüpfen.
Das Wetter hat nun wieder in Sturm und Regen umgeschlagen was wir jetzt zunächst einmal aussitzen werden.
Irgendwie ist bei dem Wetter in diesem Winter der Wurm drin.

26.01.2026-Torre Pozelle-45km

Das Wetter gibt sich weiterhin als Diva: Mal sonnig schön, dann wieder irgendwie schmuddelig norddeutsch.
Wir haben uns an einem hübschen Strandabschnitt bei Ostuni niedergelassen wo man zwischen den grauen Abschnitten schöne Spaziergänge unternehmen kann.
Die Landschaft erscheint gerade im Licht des Spätnachmittags recht besonders. Es ist eine Mischung aus Grasland, Büschen und schroffen Felsen mit tief einschneidenden Buchten in die sich die an sich eher seltenen Wellen Brechen.
Kaum zu glauben, dass auch dieser Parkplatz nicht in P4N verzeichnet ist, so ist er eigentlich leer. Eigentlich, denn wenn nicht in P4N, klar, dann ist er wieder in einer Gay-App  verzeichnet😁
Da cruisen die alten Männer, gefühlt sind es nur alte Männer, scheinbar planlos über den Platz, fahren hintereinander verfolgend her, stoppen, wenden, fahren weg, kommen wieder…
Das wäre echt was für eine Zeitrafferaufnahme mit dem Titel „Parkplatz der  verlorenen Seelen

Apulien Südspitze-330km

Zum großen Teil sind wir in Apulien die Strecke mit all den sehenswerten Orten aus dem letzten Jahr abgefahren. Da ich das Rad nicht neu erfinden möchte und sich eigentlich auch nichts geändert hat, lest einfach den Reisebericht Apulien 2025.
Dennoch haben wir hier und da einen Abstecher gemacht, den ich euch hier vorstelle.

Specchia

Auf dem Weg zur Südspitze Apuliens haben wir einen Stopp in Specchia eingelegt, schließlich wollten wir dieses Mal auch etwas vom Inland sehen.
An Specchia wird man in der Regel eher vorbei fahren, denn der abseits der Touristenströme gelegene Ort sieht von unten eher unspektakulär und unbedeutend aus.
Aber wie so oft, zeigt sich die Schönheit doch von innen. Specchia hat mit rund 200x200m eine schon fast winzig zu nennende Altstadt.
Natürlich auch hier wie üblich recht morbide, allerdings nicht nur mit Charme, sondern auch schon richtig schön zu nennen.
Krönender Höhepunkt der Altstadt: Die Pasticceria Martinucci!
Eine Konditorei, wo Leckermäuler schlagartig ihre Prinzipien über Bord werfen. Was wir für die zwei kleinen Teilchen „Tiramisu“ und  dem Soufflé al cioccolato“ bezahlt haben, behalte ich lieber für mich 🙂
Aber egal, Genuss muss!

Torre Pali

Dieses Wetter, gestern pladdergrau, heute Frühling. Nun gut, wenn es sich immer abwechselt, ist es ja auch ok.
So unternahmen wir einen 9 km Strandspaziergang nach Torre Pali und dahinter.
Beeindruckend auch hier, wie sich das Meer das Land langsam zurück erobert.
Übel hierbei die Folgen des letzten Sturmes, wie hieß er noch? Harry, man hätte ihn auch besser Dirty Harry nennen sollen.
Die hohen Wellen sind sogar über die Dünen geschwappt und haben dort den ganzen Müll aus dem Meer abgeladen.
Auch der an sich schon nicht wirklich gepflegte Ferienort Torre Pali wurde teils geflutet mit den entsprechenden Müll-Folgen. Auch einige Strandabschnitte sind den Fluten zum Opfer gefallen und ebenso etliche Häuser sowie Straßen sind mächtig beschädigt worden.
Jetzt, wo der Ort nahezu verlassen ist, kam beim Durchschlendern so etwas wie ein Endzeitgefühl auf. Wir kamen uns vor, als hätten wir irgendeine Katastrophe wie eine tödliche Seuche verpasst.

Der Küstenabschnitt dahinter war wieder äußerst interessant. Erodiert felsig mit speienden Löchern und eingefasst in einer Buschlandschaft.

Nardò

Wie sind bei schönem Wetter vom wilden Mittelmeer wieder ein Stück ins Inland nach Nardò, so etwas wie ein Geheimtipp im Salento gefahren.
Während sich in Gallipoli die Touristen auf den Füßen stehen, hat sich Nardò eine gewisse Gelassenheit ohne Trubel bewahrt.
Die Piazza Salandra gilt als einer der schönsten Plätze Süditaliens. Dem könnte ich sogar uneingeschränkt  beipflichten, wenn sich die Stadtväter nicht die größte Mühe gegeben hätten, den Platz mit einer häßlichen Illumination nebst den Gestellen zu verschandeln. Hoffentlich bauen die das wieder ab, das ist einfach nur schlimm!
Der Rest der Altstadt mit dem Labyrinth enger Gassen sowie den alten teils kunstvollen Häusern die aus dem hellen, teils bunten und weichen Pietra Leccese (Kalkstein) gebaut wurden ist einfach nur ein HighLight.

Parco Naturale Selvaggio

Der Parco Naturale Selvaggio…. u.s.w. ist eine Busch- und Graslandschaft über Karstfelsen mit Dolinen die jetzt nach dem vielen Regen eher einer Seenlandschaft gleicht.
Die rund 150 m lange Spunnulata Grana Dolina wird auch in der trockeneren Zeit eher wie ein kleiner See erscheinen.
Dankenswerterweise haben Schafe ein Geflecht aus Wegen geschaffen, damit wir halbwegs trockenen Fußes die Landschaft erkunden konnten.
Zum Meer hin ist der Fels bis auf ein paar Flechten und niederen Büschen unbewachsen. Eine Besonderheit sind auch hier die vielen kleinen mit klarem Wasser gefüllten Dolinen, die teils aus dem Meer oder auch Süßwasserquellen gespeist werden.
Und wieder einmal, ein solches Kleinod hatten wir hier eigentlich gar nicht erwartet.

Porto Cesareo

Gestern und heute war das Wetter ganz ok, also was folgt morgen?
Richtig,  Pladder und vor allem ein Orkan der über den Absatz Italiens hinweg ziehen soll.
Also suchten wir uns einen geschützten Platz und den glaubten wir in Porto Cesareo gefunden haben. Schon bei der Ankunft sahen wir die Folgen des letzten Sturms und wie weit die Wellen auf den Parkplatz geschwappt sind.
Der Wasserpegel ist selbst bei der heutigen nur steifen Brise gestiegen, über die Promenade schwappten die Wellen und aus den Gullideckeln wurde das Wasser gedrückt.
Verdächtig auch, dass die ersten Bootseigner versuchten, im Hafen ihre Boote in Sicherheit zu bringen.
Also sind wir unsere Alternativplätze an- besser abgefahren. Tja, aus denen sind wunderschöne Seen geworden und da Bimo nun mal kein Boot ist, sind sie als Nachtplätze ausgefallen. Eigentlich schade, denn die Parkplätze hatten sich zu wunderschönen Landschaften entwickelt und auf einem See hat sich sogar ein Flamingo niedergelassen. Erst in Torre Colimena, wo wir letztes Jahr schon einmal waren, hatten wir unsere vorläufige Heimat gefunden.

Manduria

Uns war langweilig, wir hatten zwar schönstes Wetter und einen traumhaften Platz am Meer, aber was ist der schönste Platz, wenn man nichts unternehmen kann?
Wir brauchten einfach etwas Bewegung. Also suchten wir nochmals die Orte in der Nähe ab, ob es nicht doch ein lohnenswertes Ziel mit Schlafmöglichkeit geben würde.
Gefunden hatten wir dann beides in Manduria mit einem relativ ruhigen und optisch akzeptablen Parkplatz für die Nacht.
Also zogen wir gleich in die kleine historische Altstadt. Da der ansonsten typisch italienisch unscheinbare Ort touristisch nicht so besucht ist, wirkt die Altstadt schon recht ursprünglich.
Die romanisch-gotischen architektonischen Schätzchen verstecken sich oft zwischen den neueren Gebäuden. Alles wirkt ein wenig ungeordnet, dennoch hat die Altstadt einen ganz besonderen Charme.

Manduria ist übrigens die Heimat des Primitivo di Manduria DOC, eines kräftigen Rotweins mit Aromen von Zimt, Nelken und Waldfrüchten.
Traditionelle Gobelet-Reben ohne Stützen, die auf den Kalkböden besonders gut gedeihen, verleihen dem Wein seine besondere Mineralität und Komplexität.
Neben unserem Parkplatz befindet sich eine Weinkellerei mit angeschlossenem Museum.

Grottaglie

Und siehe da, nochmals 30 km weiter fanden wir mit Grottaglie noch einen besonderen Ort mit einem netten Parkplatz. Riesengroß mit Grün und bis auf ein paar Spaziergänger und Jogger ganz für uns alleine. Klappt also doch, man muss einfach nur suchen.
Und, ganz in der Nähe fanden wir mit dem Mercedes Benz Autoservice D’Elia einen Truck-Service, der den großen B-Service mit Tausch aller Öle ohne wie in D üblicher wochenlanger Wartezeit erledigt. Wir erfuhren wieder einmal die italienische Hilfsbereitschaft und das Bimo ist fit für Georgien.

Grottaglie ist vor allem wegen seiner jahrhundertealten Keramiktradition und der Lage in einer Landschaft voller Schluchten und Grotten bekannt.
Die Höhlenwohnungen in der Gravina und der alte Steinbruch haben fast etwas von einer Kulissen in einem Abenteuerfilm.
Nicht nur im Keramikviertel mit den vielen Werkstätten und Geschäften findet man in der ganzen Stadt verteilt die unterschiedlichsten Keramiken.
Sei es in Form von Fliesen im Bürgersteig, Vasen oder in Hauswänden und Treppen.
Die historische Altstadt selbst ist wieder typisch italienisch. Charmant morbide wo sich   „neuere“ Gebäude mit den barocken Bauten und Palästen ein Stelldichein geben.
Man benötigt schon etwas Zeit um all die Figuren und kleinen Kunstwerke zu entdecken. Auch hier geben sich die Bewohner mit kleinen Kunstwerken und Blumen wieder die größte Mühe, die Altstadt aufzuhübschen.

San Vito Dei Normanni

Bedingt durch den Inspektionstermin war unsere Nacht ja eh schon kurz. Ob die dörflichen Spätpubertiere davon Wind bekommen hatten?
Jedenfalls starteten sie mitten in der Nacht eine Art akustisches Manöver aus ner Art schrecklichster Karnevalsmusik und Gehupe in unmittelbarer Bimonähe.
Wenn es denn wenigtens Hard Rock gewesen wäre. Aber gut, wollen wir uns mal nicht beschweren, es war schließlich ein öffentlicher Parkplatz und kein CP.  Lange hielten sie ihr eigenes Inferno offenbar auch nicht aus, so dass wir doch noch ne Mütze Schlaf bekamen.
Sage noch mal jemand etwas über angeblicher südländischer Gelassenheit!
Pünktlich, wirklich auf die Sekunde genau um 8:30 ging beim Autoservice D’Elia das Tor auf und um 9:00 stand das Bimo in der Halle und wurde fachmännisch umsorgt.
Ebenso pünktlich zur Mittagspause um 13:00 war alles erledigt und unser rollendes Zuhause wieder reisefertig.
Nun hatte ich wegen der durchzuführenden Arbeiten mit einer mehrfach vierstelligen Summe gerechnet. Doch die Rechnung fiel mit viel Freude unsererseits nur halb so hoch aus. Teile und Material waren zwar genau so teuer wie in D, aber der berechnete  Arbeitslohn war für einige Arbeiten schon fast rührend zu nennen.

Da uns auf Stadt mit Lärm und lärmenden Pubertieren nicht mehr der Sinn stand, sind wir bei San Vito Del Normanni zu einem kleinen, absolut ruhigen Parkplatz in die nun farbig blühende und grün explodierende Natur gefahren um einmal für einen Tag die Seele baumeln zu lassen.

Lido Spechiolla

Wir sind dann wieder ans Meer gefahren und genossen hier die letzten Tage in Italien.
Italien, wir werden dich vermissen, die Landschaften, die zwar morbiden, aber charmanten Dörfer und historischen Altstädte, die herzlichen und hilfsbereiten Menschen und: All die kulinarischen Genüsse!

Am Montag ging dann unsere Fähre nach Griechenland, was wir wahrscheinlich zügig durchqueren werden.
Im Norden in den Bergen ist es noch zu kalt und ansonsten ist Nordgriechenland in unseren Augen nur unschön, diplomatisch ausgedrückt.
Ein südlicher Schwenker lohnt sich augenscheinlich auch nicht mehr, da die uns bekannten schönen Plätze offenbar nicht mehr anzufahren sind.
Aber mal sehen…

Der nächste Reisebericht also: Transit Griechenland 2026 (in Vorbereitung)

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Zuletzt geändert: 4. März 2026 9:11