Griechenland war schon immer ein Paradies für Freisteher. Nach in Kraft eines neue Gesetzes war es mit dem Freistehen zunächst gefühlt erst einmal vorbei und es entstand viel Verwirrung.
Auch die Ordnungshüter schossen manchmal, Bekannte hatte es erwischt, über das Ziel hinaus und hatten kassiert, selbst für das reine und echte Parken.
Da das Bussgeld mit 300€ pro Person kassiert wird, war das schon heftig und sorgte für einige Verunsicherung.
Für Verunsicherung sorgte auch die Presse, deshalb hier einige Infos.
Artikelinhalt
Gesetz
Die Bestimmungen wurden im Gesetz Nr. 5170/2025 (Link führt auf die Seite eines griechischen Club mit weiteren Verweisen) veröffentlicht, insbesondere in Artikel 27. Dieses Gesetz trat am 20. Januar 2025 in Kraft.
Zentrale neue Regeln (Gesetz 5170/2025)
1. Freistehen / Wildcampen praktisch verboten
Das Aufstellen von Zelten oder das Abstellen von Wohnmobilen/Wohnwagen zum Campen ist untersagt:
• an Stränden und Küstenstreifen
• an archäologischen Stätten
• in Wäldern oder an Waldrändern
• allgemein im öffentlichen Raum
Damit ist das klassische Freistehen außerhalb offizieller Campingplätze weitgehend verboten.
2. Parkdauer im öffentlichen Raum
Das Gesetz enthält zusätzlich Einschränkungen für das Parken von Wohnmobilen:
• Max. 24 Stunden Parken außerhalb von Campingplätzen oder ausgewiesenen Stellplätzen (wurde dann nachgebessert für Womos >7.5m)
• gilt auch für öffentliche Parkplätze
• danach muss das Fahrzeug bewegt werden oder auf einen offiziellen Platz wechseln
3. Einschränkungen auf Privatgrundstücken
Selbst auf Privatgrundstücken gibt es neue Grenzen:
• Eigentümer dürfen nur ein Wohnmobil/Wohnwagen dauerhaft auf ihrem Grundstück beherbergen.
4. Strafen
Bei Verstößen drohen relativ hohe Sanktionen:
• ca. 300 € Bußgeld pro Person/Fahrzeug
• in schweren Fällen bis zu 3.000 € Geldstrafe
• theoretisch sogar bis zu 3 Monate Haft möglich.
Spätere Anpassung (2025)
Nach Protesten wurde ein Teil der Regelung später wieder etwas entschärft:
• Wohnmobile bis 7,5 m Länge dürfen in Wohngebieten wie normale Fahrzeuge unbegrenzt parken, sofern kein anderes Parkverbot gilt.
• Fahrzeuge über 7,5 m dürfen dort max. 24 h stehen.
Diese Änderung betrifft aber nur das Parken, nicht das Campingverhalten (Markise, Stühle, Übernachten etc.).
Warum das Griechenland-Gesetz so missverstanden wurde:
1. „Campen“ und „Parken“ sind rechtlich zwei völlig unterschiedliche Dinge
Im griechischen Recht wird klar unterschieden zwischen:
Parken
• Fahrzeug steht einfach nur dort
• keine Campingaktivitäten, also keine Markise, keine Stühle, keine Keile, kein Grill
Campen
• Nutzung des Fahrzeugs wie auf einem Campingplatz z. B. Stühle draußen, Markise, Tisch, Wäscheleine, Kochen draußen, Keile, Hubstützen
• oder sichtbares Übernachten
👉 Genau dieses Campen außerhalb offizieller Plätze ist verboten.
Das war/ist übrigens nicht neu – das gab es schon seit 1976!
2. Das neue Gesetz zielte eigentlich auf „illegale Mini-Campingplätze“
Der Hintergrund des Gesetzes 5170/2025 war ein anderes Problem:
In Griechenland entstanden zunehmend:
• große Gruppen von Campern wie auch die halb permanenten „Vanlife-Siedlungen“
• private Grundstücke, auf denen viele Wohnmobile standen
• „Campingkolonien“ auf Parkplätzen
• dauerhaftes Leben im Wohnmobil an Stränden
3. Medien haben daraus „Freistehen komplett verboten“ gemacht
Viele Artikel – besonders im Ausland – haben stark vereinfacht: „Wohnmobile dürfen nur noch auf Campingplätzen stehen.“
Doch das stimmt so nicht!
Richtig ist:
• Parken ist weiterhin erlaubt, wenn kein Parkverbot besteht.
• Übernachten im Fahrzeug wird oft toleriert, solange es wie normales Parken aussieht.
• Campingverhalten (Markise, Stühle etc.) ist verboten.
4. Die 24-Stunden-Regel wurde falsch interpretiert
Der weitere Punkt, der für Chaos sorgte:
Ein Passus wurde so verstanden, als dürften Wohnmobile nur 24 h irgendwo parken.
Später stellte sich heraus:
• diese Regel betrifft nur größere Fahrzeuge bzw. bestimmte Bereiche
• normale Wohnmobile unter ca. 7,5 m können wie PKW parken, sofern nichts anderes ausgeschildert ist.
Wie es in Griechenland in der Praxis läuft (2025/2026)
Die Realität laut Berichten und auch unsere eigene Erfahrung:
👍 Problemlos
• Parken auf normalen Parkplätzen
• Übernachten ohne „Campingverhalten“
⚠️ Kann Probleme geben
• Strandparkplätze mit Campingverhalten
• große Campergruppen
• mehrere Tage am selben Ort
🚫 Sicher verboten
• Markise, Stühle, Tisch etc. im öffentlichen Raum
• Campen an Stränden oder archäologischen Stätten
• mehrere Wohnmobile auf Privatgrundstücken
Fazit:
Wer sich an den Freisteher Knigge hält, also keine Stühle, Markise, Keile, Hubstützen und keine Rudel bildet sowie sich unauffällig verhält, kann nach wie vor freistehend auf Parkplätzen oder öffentlichen Raum, sofern nicht verboten Parken.
Ebenso sollte man sich nicht tagelang an einem Ort aufhalten.
Die Strandplätze, insbesondere die in Naturschutzgebiete, die noch nie Parkplätze waren, sollte man meiden. Das wären insbesondere Divari, Drepano oder Schakalstrand etc.
Schade nur, dass diese Insta-Traumplätze verloren gegangen sind, wobei das natürlich verständlich ist, gerade dort wurde die Toleranz auf eine harte Probe gestellt.
Dennoch, man kann außerhalb von P4N immer noch tolle Plätze finden, die, na ja, nicht so legal sind. Wenn man sich dort aber vernünftig (Freisteherknigge) verhält, ruft auch niemand die Polizei.
Zuletzt geändert: 12. März 2026 8:33
Zeige Kommentare (4)
Hallo miteinander,
mit großem Interesse habe ich diesen Artikel gelesen: für mich noch offene Fragen: bedeutet das, dass man nirgends mehr tagsüber mal einen Stuhl aufstellen darf, um beispielsweise ein Vesper einzunehmen? (außer auf offiziellen Camping-/Stellplätzen)? Das wäre schon sehr schade!
Herzliche Grüße, Andreas
Moin Andreas,
in der Theorie ja. Es hat sich mittlerweile aber auch alles etwas eingespielt. Einige Plätze sind definitiv weg, teils ist schon das Parken verboten. Allerdings wird nicht mehr alles gar so eng gesehen. Fingerspitzengefühl ist das gefragt!
Wenn du auf einem Parkplatz unmittelbar am Strand stehst und baust da Tisch und Stuhl auf, könnte es Probleme geben.
Gehst du mit deinem Stuhl weg vom Womo auf den Strand, wird wohl niemand etwas sagen.
Stehst du völlig alleine auf einem P am Strand, würde wohl auch da niemand etwas sagen.
Stehst du in der Stadt auf einem Parkplatz und holst da deine Stühle raus, dürfte es garantiert Probleme geben.
Stehst du irgendwo alleine am A. der Welt dürfte es wiederum ok sein.
Frei nach Radio Eriwan: Im Prinzip ist es verboten, aaaber…
LG vom Mikesch
Hallo Mikesch,
danke Dir für die Aktualisierung und Deine Einschätzung. Eventuell schaffen wir es dieses Jahr dann auch mal nach Griechenland, allerdings frühestens im Herbst. Bis dahin wird es dann hoffentlich auch praktische Erfahrungen geben. Vor allem ob und wie stringent die Regelungen wirklich umgesetzt werden, wir fahren ein 8,30 m Wohnmobil.
Viele Grüsse Andi
Moin Andy,
die Antwort findest du eigentlich in meinem Fazit. Wir waren ja gerade auch dort. Ohne Campingverhalten und ohne Rudelbildung auf Parkplätzen geht immer.
Auch außerhalb von Parkplätzen, abseits der Spots, irgendwo wo niemand ist und hin will sowie vor allem ohne Rudelbildung.
Die HighLights der ehemaligen vor allem bekannten Freistehplätze gehen definitiv nicht mehr und da wird auch verjagt und kassiert.
LG vom Mikesch