WLAN im Wohnmobil

Mittels einem Router gleichzeitig mit dem SmartPhone, Laptop oder Tablet in ein anderes WLAN einloggen oder mittels Surfstick über ein eigenes WLAN im Wohnmobil mit dem Internet verbinden.
Gerade unterwegs und auf Reisen möchte ich zur Informationsbeschaffung nicht auf das Internet verzichten. Dazu kommt noch die Kommunikation mit Freunden und das Schreiben meines Blogs. Klar, nahezu jeder hat heute ein Smartphone mit Datentarif oder es gibt auf Stellplätzen bzw. Campingplätzen freie WLAN.
In der Praxis treten dann oft doch Schwierigkeiten auf, weil der AP (Access Point, also der Sender des freien WLAN) zu weit entfernt ist.

Die Probleme

  • Der Access Point (AP) ist zu weit weg oder die Sicht ist versperrt.

  • AP einiger Kaufhäuser oder Cafes reichen gerade mal bis ein paar Meter vom Gebäude entfernt.

  • Man befindet sich in einem Funkloch, teils funktioniert noch die Telefonie, aber für Daten reicht es nicht mehr oder ist quälend langsam.

  • Meine Frau hat ein SmartPhone, ich habe eines, dazu ein Tablet und zum Schreiben meines Blog benötige ich einen Laptop.
    Wollte man z.B. das WLAN eines Campingplatzes nutzen, bräuchte man für jedes Gerät einen Zugangscode. Mal davon abgesehen, dass das kaum ein WLAN-Betreiber mitmachen würde, das ist auch äußert unkomfortabel und aufwändig. Eine Lösung muss her…

Im Jachtbau ist die Lösung schon länger bekannt, langsam findet das WLAN auch im Wohnmobil Einzug. Die WLAN-Router werden mittlerweile von unterschiedlichen Herstellern angeboten, ich stelle die Lösung mit dem ALFA Tube-U (Sender/Empfänger) mit dem Router ALFA R36 vor. Grund war die Konfigurierbarkeit des TUBE-U und die Informationen dazu im Netz.

Die Lösung ist ein eigenes WLAN für das Wohnmobil

Vorweg:

Weil das in Anfragen thematisiert wird…
Die Installation ist wirklich kinderleicht, rein Stöpseln (Plug and Play) und unter Beachtung der verlinkten leicht verständlichen Bedienungsanleitung läuft es. Aber ein Grundwissen, wie ein Netzwerk funktioniert oder wie man einen Router mit seinen Begrifflichkeiten konfiguriert sollte vorhanden sein.  Da mittlerweile jeder einen Router zu Hause hat und das hier auch den Rahmen sprengen würde, gehe ich da nicht drauf ein.
Weil auch oft nach dem Preis gefragt wird, es sind um 300 Euro in Eigenbastelei zu veranschlagen, professionell verbaut von einem Fachmann mit 5 bis 600 Euronen.

Zum Thema:

Das Arbeitsprinzip:

WLAN im WohnmobilDas Prinzip ist der Grafik zu entnehmen. Der Clou ist, dass hier nicht der Router unmittelbar Kontakt mit dem AP aufnimmt, sondern der ALFA Tube-U als Sender und Empfänger!

Die dahinter liegenden Geräte sind für den AP nicht sichtbar! Viele Betreiber eines Access-Point lassen nur einen Klienten zu, mit dem Tube-U umgeht man dieses Hindernis.
Der WLAN-Router ALFA R36 stellt wiederum die Verbindung zu dem ALFA Tube-U her und baut ein eigenes WLAN um das Wohnmobil auf, in dem sich die angeschlossenen Geräte einloggen.

Der WLAN-Router ALFA R36 kann noch mehr, so ist es möglich, dass alle Geräte mittels einem einzigen Surf-Stick per UMTS über das lokale WLAN ins Internet gehen können.

Technisches – rechtliches – Tipps – Lösungen

Installation:

Die Installationsanleitung findet ihr hier: Installationshilfe (WLAN-Shop 24)
Eigentlich ist es ganz einfach, ihr verbindet den TUBE-U mit der Antenne und das USB-Kabel in den Slot des ALPHA R36. Strom an, die Domain http://192.168.2.1/ aufrufen und den Router laut der Anleitung konfigurieren, fertig.

Der TUBE-U kann auch unmittelbar an einen Laptop angeschlossen werden, dann müsst ihr die Software der CD installieren. Hier könnt ihr dann ein Profil für einen AP anlegen und die Sendeleistung regulieren, was ein nicht unwichtiger Aspekt ist, siehe unten unter WLAN und das Gesetz!
Überhaupt ist es deshalb empfehlenswert, den TUBE-U zunächst über den Laptop bezüglich der Sendeleistung  zu Konfigurieren und erst dann an den ALPHA R36 anzuschließen.
Eine Anleitung dazu: Wifi4free

Antennen

WLAN
Das System kommt ja aus dem Jachtbau und hier ist das Ziel, möglichst große Entfernungen zu überbrücken. Verwendung finden hier gerne um 1,20 – 1,60m lange 15 dBi-Antennen. Hier sollen Reichweiten bei freier Sicht um 6 – 8km möglich sein, für uns an Land sind +- 1 km unter guten Bedingungen realistisch.
Aber Achtung! Hiermit bewegt ihr euch im illegalen Bereich, siehe unten WLAN und das Gesetz! Montiert keine größere Antenne als 9 dBi.
Die großen Antennen sollten (wenngleich nicht erlaubt) denen vorbehalten bleiben, die wirklich weit ab stehen wollen und niemanden stören sowie auch in der Lage sind, den TUBE-U entsprechend zu konfigurieren wenn sich sich in der Zivilisation befinden!

Für die Montage hat man hier an uns Wohnmobilfahrer kaum gedacht. Eine solch große Antenne kann ja nicht während der Fahrt stehen bleiben, hier ist eine Klappvorrichtung unabdingbar. Leider gibt es so gut wie kein Hersteller mit einer günstigen vernünftigen Lösung.
Die für mich beste, aber auch teuerste Lösung wird von TrophyTec angeboten. Ein robustes rostfreies Klappgelenk aus Edelstahl kostet gegenwärtig allerdings > 140,- Euro, trotzdem sehr zu empfehlen!
Bei der TrophyTec- Lösung liegt der Tube-U im Fahrzeug und ist mit einem Antennenkabel mit der Antenne verbunden. Die Verbindung Tube-U und Router ALFA R36 erfolgt erst dann mit einem USB-Kabel.
Eine günstige Lösung ist eine Klapphalterung aus Kunstsstoff mit einem Saugfuß, z.B. vertrieben von BatLink. Hier wird zur Vermeidung unnötiger Verluste der Tube-U, bzw. deren Teil direkt an der Antenne angeschlossen und das Signal per USB zum Router geführt.

Einige Wohnmobil-Fahrer montieren die Antenne bei Bedarf mittels einer Schelle z.B. am Fahrradträger. Für mich ist dies allerdings laienhafte Frickelei. Die Antenne muss jedesmal angeschraubt werden. Die Lage am Fahrzeug ist aus Sende- und Empfangssicht nicht optimal und das Antennenkabel muss durch ein Fenster geführt werden.
Bastler sind aber auch bestimmt in der Lage, sich ein eigenes Klappgelenk zu basteln, denn meiner Meinung nach gehört eine solche Antenne auf das Dach!

UMTS und LTE
Der Surf-Stick wird normalerweise mittels USB unmittelbar an den Router angeschlossen. Je nach Aussenhaut des Wohnmobils wird das UMTS- o. LTE-Signal abgeschirmt. Erst recht, wenn man sich in einem Gebiet befindet, wo das Signal eh recht schwach ist.
Huawei bietet hier z.B. eine nicht zu große Antenne an, die mit einem Saugfuß auf dem Dach befestigt werden kann und mittels USB-Kabel an den Router angeschlossen wird. Auch hier ist es eine Sache der Bedürfnisse, wie groß man den Aufwand betreiben möchte und gar eine feste Antenne auf dem Dach befestigen möchte.

 Noch`n  paar Tipps:

Wenn ihr den Router konfiguriert, macht das  zunächst über ein Netzwerkkabel am PC/ Laptop! Wenn ihr hier “Mist” baut, könnt ihr u.U. nicht mehr auf den Admin-Bereich zugreifen. Mit Netzwerkkabel geht das aber immer.
Ändert das Admin-Passwort und vergebt für euer eigenes WLAN ggf. einen Key. Muss nicht sein, da ihr ja in einen AP geht, aber ihr solltet verhindern, dass die Geräte im WLAN miteinander kommunizieren können.
Wenn ihr euer WLAN offen haltet, ihr nette Menschen seid, dann haben über euer WLAN auf einem großen ST/CP auch die was von dem dort angebotenen AP, das eigene WLAN geht locker 80 Meter 🙂
Gerade gemacht und die benachbarten Wohnmobil-Fahrer kamen aus dem Staunen nicht mehr raus 🙂
Es kann sein, dass sich der Router trotzdem mal nicht mit dem Tube-U verbindet. Dann wie beschrieben das Easy-SetUp aufrufen und sich zuerst mit dem Tube-U verbinden! Dann das Easy-SetUp wieder aufrufen und sich das WLAN eurer Wahl aussuchen.

Wenn ihr auf “Done” klickt, startet der Router neu, also erst mal gut eine Minute warten, bis ihr die Oberfläche wieder aufrufen könnt, oder sich etwas tut.

Praxiserfahrung mit dem TUBE-U

Die WLAN von McDonalds reichen gerade mal bis vor die Tür, entsprechend gering ist hier die Empfangsmöglichkeit, da hilft auch die beste Antenne nichts. Mehr als vllt. 200 m sind da nicht drin.
Bei normalen AP und nur wenigen Hindernissen erreichte ich in 200m Entfernung eine Empfangsqualität von ca. 90 %. Das reicht auch für Videos…
In ca. 400 m immer noch um ca. 50%, das reicht noch für ein flüssiges Surfen.
Auf SP/CP kann es vorkommen, dass zig Leute gleichzeitig ins Netz wollen, dann hilft auch der beste Empfang nichts, dann ist der Zugang des AP oder Router schlicht überfordert 😉

Erfahrungen mit dem System insgesamt

Deutschland ist WLAN-Steinzeit, das hängt wohl auch mit unserem Recht bezüglich Störerhaftung zusammen. Langsam kommen aber einige Communities wie freifunk.net auf, die offene AP   anbieten.
Ebenso verbreitet sich WLAN immer mehr auf SP, auf CP in ganz Europa ist es nahezu Standard. Ansonsten ist das in den Ländern recht unterschiedlich. Gefühlt habe ich den Eindruck, dass mehr und mehr zu Bezahldiensten übergegangen wird.

Wenn man keinen AP findet, geht man halt über UMTS ins Netz, die Abdeckung ist mittlerweile sehr groß und die Datentarife sind auch recht günstig geworden. Für Europa deckt man sich mit der EuropaSim oder fast weltweit über saveonroaming.de ein, eine Karte für ganz Europa. Dies ist z.Zt. wohl die günstigste Lösung.

Das Zusammenspiel WLAN bzw. AP und UMTS finde ich genial für mich, der täglich ins Netz geht 😉

WLAN und das Gesetz

Wem das Nachfolgende zu chinesisch klingt, verbaut keine Antenne größer als 9 dBi, gut ist… 😉

Es reicht nicht aus, einen tollen WLAN-Empfang zu haben, die Geräte müssen untereinander kommunizieren können. Unsere Software wie Browser oder Mailprogramm stellen Anfragen an den AP. Dies bedeutet, dass wir auch senden können müssen.

In Deutschland sowie fast allen Ländern der Welt (USA 125 mW) ist für ein WLAN nach dem z.Zt. üblichen IEEE 802.11b/g Standard eine maximale Sendeleistung von 100 Milliwatt EIRP (Equivalent Isotopic Radiation Power) erlaubt.

Entscheidend ist hier, was aus der Antenne heraus kommt!
Die Sendeleistung EIRP setzt sich aus der abgegebenen elektrischen Leistung des Senders, dem Antennengewinn und den Verlusten in Antennenkabeln und -Steckern zusammen (dBm). Die 100 mW entsprechen 20 dBm.

Ein Beispiel:
Nehmen wir unsere 15 dBi-Antenne, dies entspeicht einem 15-fachen Antennengewinn, davon ziehen wir je nach Art der Verkabelung 5 db ab, es verbleiben 10 dBm, die noch zum Senden zur Verfügung stehen.
Dies entspricht einer erlaubten Sendeleistung des Tube-U von nur noch 10 mW!!!! Für Interessierte: de.wikipedia.org/wiki/Wireless_Local_Area_Network

Wie gesagt, die Anlage stammt aus dem Jachtbedarf, hier sind die Einsätze anders gelagert als an Land. Der Tube U ist in der Lage, mit bis zu 1.000 mW (30 dBm) zu senden!!
In Verbindung mit einer 15 dBi-Antenne abzüglich Verluste ist das eine EIRP von 40 dBm = 10.000 mW!!!
Siehe: convertworld.com/de/leistung/dBm

Mit dieser Sendeleistung macht ihr nahezu jedes WLAN in eurer Nähe platt!
Hier befindet ihr euch nicht nur leicht, sondern im höchst illegalen Bereich!! Die Strafen können empfindlich sein!

Im TUBE-U kann die Sendeleistung über dessen Nutzeroberfläche (Software) geregelt werden, regelt diese auf den kleinsten Wert herunter oder stellt die Länderkennung auf deutsch. Regelt auf einem CP nur ganz leicht höher, wenn ihr sehr ungünstig steht und z.B. Bäume die Sicht versperren. Höhere Leistungen wären, wenn auch nicht erlaubt, bestenfalls in ganz abgelegenen Gegenden akzeptabel, wo nichts ist und ihr einen Kilometer zur nächsten Stadt überbrücken wollt. Von Haus aus ist der auf Automatik eingestellt, was das für Auswirkungen hat, vermag ich nicht zu sagen.
Die Einstellungen können nur über die TUBE-U Bedienoberfläche vorgenommen werden, also immer über PC oder Laptop!
Lasst euch nicht dazu verleiten, in einer Stadt mit hoher Leistung und großer Antenne zu funken um sich im 500m entfernten Cafe einzuloggen. Wenn in eurer Nähe kein WLAN mehr funktioniert und man entdeckt euer Wohnmobil mit der fetten Antenne auf dem Dach, lauft ihr Gefahr, euer Portemonnaie zu zücken und euer WLAN zu demontieren 😉
Mal davon abgesehen, dass das wirklich nicht nett ist…

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2 Comments

  1. Hallo

    habe ein fast Baugleiches System seit einem Jahr nur ich habe eine Richtantenne 15dbi mit 45° Öffnungswinkel. Mann muss zwar so ungefähr wissen von wo das Signal kommt nur dann kommt man auch doppelt so weit mit der Verbindung. Die Empfangsempfindlichkeit des Systems ist aber noch wichtiger wie die maximale Sendeleistung.

    Sonnige Grüße

    Max

  2. Moin Max,

    stimmt, bei einer Richtantenne ist auch die Gefahr geringer, dass man jemanden stört.

    LG vom Michael

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